LAOS

 

Wir fahren nach Kambodscha und landen in Thailand. Es kommt oft anders, als man denkt. Aber alles schön der Reihe nach.
Wir stehen an der laotischen Grenze, wollen unseren Ausreisestempel holen, da meint der freundliche laotische Beamte, wir sollen doch zuerst zu Fuß zur kambodschanischen Grenze laufen und beim Zoll nachfragen, ob sie uns mit Fahrzeug einreisen lassen. Uns schwant schlimmes! Haben wir doch vor einigen Wochen ein russisches Pärchen auf einem Motorrad, welches sie in Thailand gekauft haben, getroffen. Mit den beiden stehen wir noch in Kontakt und vorige Woche haben wir eine Nachricht von ihnen bekommen, dass sie nicht nach Kambodscha einreisen durften. Die Aussage der Beamten: Mit einem thailändischen Motorrad darf man nur von Thailand aus einreisen! Wir waren zwar etwas verblüfft von dieser Ansage, dennoch machten wir uns nicht allzugroße Sorgen.
Nun stehen wir an der kambodschanischen Grenze vor einem ca. 20jährigen Zollbeamten. Auf seinem Namensschild steht "Trainee". Er möchte unser Carnet de passage sehen. Wenn wir dieses Zollpapier nicht haben, wäre es uns nicht erlaubt, einzureisen. Wir erklären ihm in sehr netter und höflicher Art, dass wir nun seit geraumer Zeit ohne Carnet hier in SO-Asien unterwegs sind. Sind doch Thailand, Laos und Kambodscha keine Mitglieder im Carnet-Verband, d.h. dass sie das Carnet gar nicht anerkennen, da sie eigene Zollpapiere haben. Davon will er nichts wissen. "Cambodian law says Carnet", das ist die Antwort, die wir immer wieder bekommen. Auf seinem Tisch stappeln sich die Zollpapiere, die wir in den anderen Ländern immer ausgestellt bekommen. Der laotische Lkw-Fahrer, der eben gerade ankommt, bekommt dieses Papier ohne Diskussion. Uns wird es verwehrt. Wir hätten noch eine Möglichkeit, meint der Lehrling. Wir könnten mit dem Bus in die Hauptstadt fahren, dort würden wir beim Zoll eine Bewilligung für die Einreise mit einem ausländischen Kfz bekommen. Das gibt es doch nicht! Leicht angesauert, oder besser gesagt schon sehr wütend, aber das darf man hier ja nicht zeigen, denn der Gesichtverlust ist so das Schlimmste, was einem widerfahren kann, dann geht gar nix mehr. Also lächeln wir weiter, obwohl es schwer fällt. Wir möchten seinen Boss sprechen. "Der ist gerade in Phnom Phen in einem Meeting". Das ist uns wurscht, wir wollen ihn sprechen, ansonsten rufen wir die Botschaft an. Das Wort Embassy stellt unverzüglich eine Verbindung zu seinem Chef her, aber auch der Boss will uns nicht ins Land lassen ohne Carnet oder "Einladung" vom Zoll in Phnom Phen. 2 Stunden mühen wir uns ab, doch die Zöllner lassen uns abfahren, nichts ist mit Einreise an diesem Grenzübergang. Was tun? Auss
itzen und abwarten bei knappen 40°C ohne Schatten? Ist das eine Option? Wir entscheiden uns, dass wir wieder retour nach Pakse fahren und von dort nach Thailand ausreisen.
Zum Glück waren die laotischen Beamten so nett und haben unseren Pass nicht sofort ausgestempelt. Denn sonst müssten wir für die 200km ein neues Visum um 35,-USD/Person kaufen. Zum Glück haben wir noch 2 Tage Zeit, bis unser Visum ausläuft.


Während der Rückfahrt nach Pakse machen wir uns so Gedanken. Von anderen Langzeitreisenden wissen wir, dass es bis vor ca. 1 Jahr überhaupt keine Probleme bei der Einreise nach Kambodscha gab. Niemanden interessierte das Carnet. Übereifrige Reisende, die wahrscheinlich zu bequem sind, auch andere Möglichkeiten zu nutzen, zeigen an jeder Grenze das Carnet her, auch in jenen Ländern, in denen es nicht vorgeschrieben ist. Das macht das Reisen für andere nicht einfacher! Diesen haben wir es zu verdanken, dass manche Grenzübertritte immer schwieriger werden. Wofür sollte man als Langzeitreisender immer ein aktuelles Carnet mitführen (gültig 1 Jahr), noch dazu, wenn es gar nicht notwendig ist? Wenn ein Carnet erforderlich ist, dann ist es so und dann sollte man auch eines haben. Es gab und gibt immer wieder Diskussionen mit anderen Reisenden, die es nicht einsehen wollen, dass man für Iran, Pakistan und Indien ein Carnet braucht, nur weil es in den 70er Jahren "ohne" ging. Das selbe gilt für Westafrika, auch da gibt es immer wieder ellenlange Diskussionen. Aber in diesen Fällen sind diese Staaten Mitglieder in dem Carnet-Abkommen und können, aber müssen nicht, Ausnahmen erteilen, um ein Kfz ohne Carnet, dafür aber mit ihren landestypischen Zollpapieren, einreisen zu lassen.

Für die Fahrt nach Pakse entscheidet Wolfi die Bordbatterien zu entsulfatieren und stellt den A2B Lader auf diese Stellung, während der Fahrt geht Verena nach hinten und checkt die Spannung an den Bordbatterien, sie zeigt konstante 31 Volt an. Eine halbe Stunde danach wollen wir stoppen und den A2B wieder zurück schalten, denn der Kühlschrank braucht auch wieder mal Strom. Während dieser Prozedur sollte man die Verbraucher von den Batterien trennen, damit diese nicht durch eine "Überdosis" sterben. Nach 20 Minuten leuchten plötzlich die Ladekontrolle und vieles mehr beim Amigo auf, Silvester ist doch noch gar nicht... Es kommt kein Strom von der Lichtmaschine zu den Batterien, aha. Regler checken, der ist OK. Lima ist erst ein Jahr alt, also müsste der ok sein. Der A2B Lader, auch erst ein Jahr alt, an dem leuchten keine LEDs mehr. A2B überbrücken - alle Lampen aus und die Starterbatterien bekommen wieder Strom. Wenn der Teufel einen Haufen macht, dann einen großen.
In Pakse versuchen wir es mit der alten Lima und tauschen diese gegen die neue aus, nachdem von Charles Sterling die Ferndiagnose "Lima-liefert keinen Strom" kommt, das selbe Spiel alle Lampen leuchten und am A2B keine. Gut, dass wir noch einen Ladestromverteiler besitzen und bauen diesen statt des A2B ein. Jetzt scheint alles zu funktionieren, Ladekontrolle aus und an allen beiden Batteriebänken kommt genug Strom an.

Die Nacht in Pakse verbringen wir beim Sportstadium. Ein riesiges, betoniertes Oval. Ringsum unter den Tribünen sind kleine Räume, in denen eine Kraftkammer untergebracht ist, verschiedene Räume für Boxtraining, Möglichkeiten für Hochspringen und andere Sportarten. In einigen Räumen wohnen Menschen. Eigentlich eine nette Idee, damit die Einheimischen eine Möglichkeit haben, Sport auszuüben. Nur ist alles in desolatem Zustand, der Putz von den Wänden bröckelt ab, alles ist vergammelt, es gibt sogar eine Laufbahn, nur leider übersät mit Löchern. Von Instandhaltung und Reperaturarbeiten ist nichts zu sehen. Dabei kommen soviele Laoten jeden Abend hierher, es wird richtig gut angenommen. Das Fußballfeld in der Mitte ist dreigeteilt, damit die vielen Mannschaften Platz haben und die Jugend trainiert noch quer über das Feld. Wohin denn all das Geld geht, das das Land mit dem Verkauf des Teakholzes einnimmt???

 

Wider erwarten kommen wir ohne Probleme und Zusatzkosten über die laotische Grenze. Wir sind etwas perplex, damit haben wir nicht gerechnet. Aber dafür können es die thailändischen Beamten. Ohne Auto-Versicherung gibt es keine Zollpapiere und somit können wir nicht einreisen. Ist Aussitzen eine Option? Wieder hat es eine Affenhitze und der Apollo tut uns leid, denn wenn wir ihn auch noch aus dem Auto holen, fällt ihnen vielleicht noch etwas mit Quarantäne ein... Außerdem haben wir keine Lust mehr in dem Backofen an der Grenze zu warten. OK, wir kaufen die Pflicht-Autoversicherung, die eigentlich gar keine ist, sondern einfach nur ein zusätzliches Taschengeld für die armen Immigrations Beamten, damit wir nach Thailand einreisen dürfen. Es gibt für uns Österreicher 14 Tage Aufenthalt bei Einreise über Land gratis, aber diesmal doch nicht, wenn man die Versicherung, die wir abschließen müssen, dazuzählt.

2 Wochen später lesen wir in einer deutschsprachigen Zeitung über den größten Korruptionsskandal der thailändischen Geschichte. Ein ranghoher Polizeioffizier wurde aufgedeckt und nach ein paar Hausdurchsuchungen wurden bereits 6 Milliarden Bhat (150 Millionen Euro) sichergestellt.

 

THAILAND

Gleich nach der Grenze gibt es Bankomaten, 7eleven, breite Straßen mit Mittelstreifen und Leitschienen............ irgendwie erscheint uns Thailand so sauber und gepflegt. Die erste Nacht verbringen wir beim Sirindhorn-Staudamm. Rund um den Staudamm haben sie einen gepflegten Freizeitpark mit Wiese und Bepflanzung für die Bevölkerung geschaffen. Nach der gestrigen Nacht in Pakse, fühlen wir uns hier wie im Paradies.


Wolfi probiert die halbe Nacht mit Hilfe von Charles Sterling unser Stromproblem zu lösen. Per Email werden Tipps gegeben, Fragen beantwortet, Diagnosen gestellt und allerlei Sachen ausprobiert. Ein großes Dankeschön an Charles Sterling, der uns rasch antwortete und eine große Hilfe war! Dennoch der A2B ist kaputt und ein neuer auf dem Weg nach Österreich zu unseren Freunden, die im Dezember einfliegen.

Wir sind in Surin, wo jedes Jahr am 3. Wochenende im November, das imposante Showdown vom 10tägigen Elefanten-Festival von statten geht. Am Freitag gibt es einen Umzug durch die Stadt, bei denen die Kleinlastwagen in ein fahrendes Buffett umfunktioniert werden. Alle Wägen sind liebevollst gestaltet mit Elefanten aus Reisähren, Wagenräder aus geflochtenen Brechbohnen, Gestecke aus Obst und Gemüse, Elefantenbilder aus Reiskörnern, dazwischen ist alles vollgesteckt mit geschnitzen Wassermelonen, dekoriert mit Karotten, Chilis, Äpfel, Ananas, Bohnen.............alles was die Felder, Gärten und Bäume so hergeben.
Die Wägen werden von verschiedenen Firmen gesponsert, die wahrscheinlich auch für das Elefantenbuffett am nächsten Tag zuständig sind.

Früh morgens um 7.00 Uhr treffen sich die Elefanten mit ihren Mahouts vor dem Bahnhof in Surin. Ca. 60 Elefanten sind anwesend, die sich für die Parade bereit machen. Am Platz geht es etwas hektisch zu. Touristen dürfen mit den Elefanten für Fotos posieren. Junge Treiber haben Zuckerrohr in Stücke geschnitten, abegepackt in kleine Sackerl, die man für 20,- Baht erwerben kann, um die Elefanten zu füttern. Ständig sind die Dickhäuter mit ihren Rüsseln am Boden absuchen, um etwas Freßbares zu finden.
Manche Elefanten sind mit Hüten und Umhängen versehen, ein etwas komisches Outfit. Andere sind zurechtgemacht wie früher, als sie noch als Kriegselefanten dienen mussten. Die Größe und Statur der Elefanten ist ganz unterschiedlich. Ein besonders großer Elefantenbulle ist gerade am Entleeren seines Darms und seiner Blase. Binnen kurzer Zeit ist ein kleiner See am Asphalt entstanden, das müssen bestimmt 20 Liter gewesen sein.
Zur Zeit gibt es 5 Elefantenbabys im Elefant study center, das einige Kilometer von Surin entfernt ist. Von dort sind auch einige der Elefanten angereist. Die Babys sind an einer Kette mit der Mutter verbunden und trotten neben her.
Auch Musiktruppen, Tänzer und Männer verkleidet als Kämpfer von anno dazumal und viele andere nehmen am Umzug teil.

Die Touristen haben die Möglichkeit auf einem Elefantenrücken der Parade beizuwohnen. Da wir aber mit unseren Drahteseln unterwegs sind, sind wir viel schneller und schon lange vor Ort, als die Parade dann beim Essensbuffet eintrifft.

Das Essensbuffet ist schätzungsweise fast 1km lang. Auf der langen Tafel warten Zuckerrohr, Bananen, Ananas, weiße Rüben und Wassermelonen auf die Dickhäuter. Das große Fressen kann beginnen. Doch es geht viel gesitteter zu, als wir erwartet haben. Die Bananen sind der Renner. Die Menschen können nun die Elefanten nach Lust und Laune füttern. Die Elefanten nehmen, was sie mit ihren Rüsseln tragen können und stecken sich schon einen Bund Bananen und mehrere Rüben gleichzeitig ins Maul. Wir sind mittendrin und genießen das große Fressen.
Elefanten sind schon sehr beeindruckende Tiere. Ihre Größe und ihre langen Stoßzähne sind etwas furchteinflössend, doch sie sind so sanftmütig und sehr intelligent. Wolfi gibt einem Elefanten, der gerade vorbeikommt, einige Bananen. Als er sich umdreht und weggehen möchte, trotten schon die nächsten ganz knapp an ihm vorbei. Nach ca. 1 Stunde sind die Dickhäuter vollgefressen. Sie verweigern das Obst, obwohl sie bis zu 150kg pro Tag verspeisen. Manch einer pickt sich nur noch sein Liebglingsessen heraus, Der eine liebt Rüben, der andere Wassermelonen, die er im Ganzen verspeist. Während er draufbeißt, spritzt der Saft links und rechts aus dem Maul raus. Die übriggebliebenen Lebensmittel werden von den Einheimischen aussortiert und in große, mitgebrachte Tüten gesteckt, um sie mit nach Hause zu nehmen.

Am Samstag vormittag nehmen wir an der großen Elefantenshow teil. Die Stadt hat ein eigenes Elefantenstadium. Kein Wunder, findet dieses Fest schon seit 1960 jährlich statt und reisen dafür tausende von Touristen aus aller Herren Länder an. Bei dieser Show wird gezeigt, wie man Elefanten in verschiedenen Disziplinen trainieren kann. Sie spielen Fußball, lassen den Hullahupp-Reifen kreisen, werfen mit Dartpfeilen auf Luftballons, malen Bilder und beweisen ihre Stärke im Seilziehen. Ein einziger Elefant gewinnt mit Leichtigkeit gegen 60 Männer.
Es wir gezeigt, wie sie früher Elefanten eingefangen haben, besonders der weiße Elefant, gilt als heilig und wird demnach hoch verehrt. Kultur in Form vom Tanz und Musik wird uns nähergebracht. Nach etwa 2,5 Stunden gibt es das opulente Finale mit einer nachgespielten Kriegsszene, in denen die Elefanten eine große Rolle gespielt haben. Plötzlich kracht es und rings um das Feld im Stadium detonieren Explosiononen mit meterhohen Flammen. Es stinkt nach Petroleum, das sie vorher in die Löcher gefüllt haben, um sie mit einem Fernzünder zum Explodieren zu bringen. Es raucht und qualmt, es wird gekämpft, Mann gegen Mann, Elefant gegen Elefant - fast so wie früher in der Schlacht.

KAMBODSCHA

Beim Grenzübergang Choam geht alles so easy. Die Beamten blättern im Pass und schauen sich die Fahrzeugpapiere an. Wir werden höflich gebeten, ein paar Meter weiter nebenan zu gehen, denn dort steht ein Holztisch mit ein paar Sesseln davor. Ein Beamter erhebt sich träge aus seiner Hängematte, als wir ankommen und händigt uns die Visaformulare aus. Wir füllen diese aus und auch unsere Bitte, um ein Geschäftsvisum wird sofort erledigt. Denn ein Geschäftsvisum kann man ohne Probleme endlos verlängern, während ein Touristenvisum nur für ein weiteres Monat verlängerbar ist. Wir wissen noch nicht, wie lange wir bleiben wollen. Nachdem das Visum in den Pass geklebt wird, haben wir noch exakt 5 leere Seiten in unserem Pass. Es wird eine Kopie vom internationalen Zulassungschein gemacht. Es gibt kein Zolldokument, keine blöden Fragen, nichts. Der Amigo wird nicht mal im Pass vermerkt. Verena steht zweifelnd daneben und wartet nur, bis das große ABER kommt, aber es kommt nicht. In einer halben Stunde sind die Grenzformalitäten erledigt und wir in Kambodscha. Im Nachhinein tut es Verena leid, dass sie an dem wirklich freundlichen Beamten gezweifelt hat, denn es ging alles korrekt und sehr freundlich von statten. Juchu - wir sind in Kambodscha!

 

Wir fahren nun wieder auf der rechten Straßenseite, also der richtigen, von uns aus gesehen. Der Copilot ist nicht so gefordert, zumindest nicht hier auf den fast einsamen Landstraßen. In den letzen 5 Jahren, so erzählt man uns, hat sich in punkto Infrastruktur sehr viel getan. Viele Straßen sind mittlerweile asphaltiert und das Vorwärtskommen ist einfach. Auch kann man sich kaum verfahren, denn die größeren Städte sind mit dieser Straße verbunden. Alle Seitenstraßen sind noch rote Lateritpisten. Also immer dem schwarzen Band nach und wir kommen zu unserem ersten Ziel in Kambodscha, dem Prasat Preah Vihear.
Es ist ein 800m langer Tempel aus der Angkor Zeit. Seine Lage ist beeindruckend, er thront hoch oben auf einer Klippe im Dangkrek-Gebirge, genau an der Grenzlinie Thailand - Kambodscha. Über Generationen sorgte er für Spannungen, mitunter blutige Auseinandersetzungen, zu welchen Land nun der Tempel gehört. Diese Region wurde lange Zeit von den Thailändern regiert, jedoch wurde der Tempel 1962 vom internationalen Gerichtshof in Den Haag den Kambodschanern zugesprochen, was aber die Thailänder nicht davon abhielt noch einige Male um den Tempel zu kämpfen. 2014 wurde das Urteil, welches angefochten wurde, erneut bestätigt. Zur Zeit ist es ruhig um den Tempel.

Wir parken am Militärgelände neben der Zufahrtsstraße zum Tempel. Frühmorgens machen wir uns auf den Weg zum 500m höher gelegenen Prasat Preah Vihear. Es ist noch kühl, als wir die extrem steile Serpentinenstraße hochgehen, vorbei an Militärposten. Immer auf der Hut, den Weg nicht zu verlassen, denn dieses Gebiet wurde bis 1998 von den Roten Khmer vermint, um es gegen die Regierungstruppen zu verteidigen. 2004 wurde alles entmient und angeblich 2008-2009 wieder von den Roten Khmer, die an der Verteidigung des Tempelgeländes gegen die Thailänder mitkämpften, wieder vermient. 2009 kam ein Soldat durch eine Mine um. Somit muss Apollo an der Leine bleiben. Der Tempel wurde zur 2. Unesco Weltkulturerbestätte Kambodschas erklärt.

Einst eine Pilgerstätte, wurde es vor 1000 Jahren von 7 Khmer-Königen gebaut. Fertiggestellt wurde der Tempel vom Erbauer des Angkor Wats. Es ist schon sehr beeindruckend, wie sie all die großen Blöcke den Berg hinaufgebracht und sie dann übereinander geschlichtet haben, um so den monumentalen Bau zu bewerkstelligen. Vor allem wenn man bedenkt, welche Arbeitsgeräte ihnen zu der Zeit zur Verfügung standen. Die Steingravuren und die Balustraden an den Fenstern sind gewaltig. Der Blick von der letzten Gopura (Pavillon) runter auf die Tiefebene Kambodschas ist umwerfend.

Gleich hinter der monumentalen Treppe beginnt thailändisches Hochheitsgebiet und das Militär führt uns bis zum Grenzzaun, der mit einem gewaltigen Stacheldrahtzaun geschützt ist. Neben der Treppe entdecken wir ein Schild, dass im Jahre 2004 durch die Cambodian mine Action Centre entmint wurde. Kambodscha gehört zu den am stärksten verminten Regionen der Welt und hat weltweit die höchste Anzahl an Menschen mit Amputationen. Meter für Meter schlagen sich noch immer verschiedene Entminungsgruppen durch das Unterholz, um die gefährdeten Regionen zu entminen.

Verläßt man das Dangkrek Gebirge ist der Norden vom Land eine einzige Ebene. Wir fahren durch Gebiete, wo ganze Wälder gerodet worden sind. Man sieht zwar Bemühungen von Aufforstungen, jedoch wird es noch einige Jahre dauern, bis wieder ein richtiger Wald heran gewachsen ist.
Unter der vietnamesischen Besatzung wurden viele Bäume gerodet, um Angriffe aus dem Hinterhalt der roten Khmer zu verhindern. Auch später noch wurde ein großer Baumbestand illegal gerodet und über die Grenzen verkauft.

Die jüngere kambodschanische Geschichte ist traurig. Die Menschen haben unter Pol Pots Roten Khmer soviel Leid erfahren müssen, dass es schier unmöglich ist, sich das vorzustellen. Er wollte einen Bauernstaat errichten. Beamte, Lehrer, Studenten, Ärzte, Stadtmenschen, oder einfach nur eine Brille zu tragen, wurde als intellektuell angesehen - all diese Menschen wurden hingerichtet. Somit hat er ein Viertel der Bevölkerung ermorden lassen. Die Menschen mussten jeden Tag 18 Stunden und mehr auf den Reisfeldern arbeiten, der Ertrag war aber nicht für die Menschen zum Essen gedacht. Denn diesen Reis haben die Roten Khmer gegen Waffenlieferungen mit anderen Ländern ausgetauscht. Das Volk hat gehungert, wurde erniedrigt und bei geringsten Vergehen geschlagen, gefoltert und ermordet. Das Familienleben wurde verboten, ihre Kinder von den Kadern unterrichtet und gegen die Eltern aufgebracht - sie waren Gefangene im eigenen Land.

Umsomehr beeindruckt sind wir nun von den Menschen. Man merkt nicht viel von der ehemaligen Schreckensherrschaft. Die Menschen sind freundlich, lächeln, haben Humor und sind interessiert. Es ist ein Vergnügen, sich mit ihnen zu unterhalten, obwohl die Verständigung am Land etwas schwierig ist. Wir bemühen uns ein paar Khmer-Wörter zu lernen, aber die Aussprache ist so schwierig mit all ihren tschg......... Beide verlieben wir uns sofort in das Land mit ihrer beeindruckenden Bevölkerung.

Wir nähern uns der Stadt Siem Reap und dem naheliegenden Angkor Wat. Voller Vorfreude auf das 7. Weltwunder fahren wir zum Ticketschalter. 1 Tag ist definitiv zu kurz für die vielen Tempel, 3 Tage kosten 40,- US Dollar pro Person, ganz schön geschmalzen, aber was soll`s? Für die 3 Tage haben wir eine Woche lang Zeit, so können wir zwischen den Tempel sightseeing-Tagen jeweils einen Ruhetag einlegen.

Amigo steht gut im Touristen-Polizei Headquarter. Mit dem Fahrrad sind wir mobil und radeln in die 7km entfernte Altstadt von Siem Reap. Wow, wir werden fast erschlagen, soviele Bars und Restaurants und noch mehr Touristen. Es ist lange her, dass wir soviele Langnasen (so werden wir Europäer von den Asiaten genannt) gesehen haben. Wir machen es den vielen Touristen nach und gehen Essen, bummeln zwischen den vielen Souvenierstandln herum, danach auf eine Khmer-Fußmassage und anschließend auf ein paar eisgekühlte Margeritas.

Am nächsten Morgen werden wir schon vor dem Wecker munter, der sollte um 5.00 Uhr klingeln. Jedoch rollen schon um 4.00 Uhr hunderte von Reisebussen vorbei, vollgefüllt mit Touristen, die sich auf einen Sonnenaufgang vor dem Angkor Wat freuen. Da im Asphalt eine lose Metalschiene eingelassen ist, werden wir von dem Getschepper, das jedesmal erdröhnt wenn die Busse drüberrollen, munter. Nach einem kurzen Frühstück sitzen wir bereits auf unseren Fahrrädern und rollen den ersten Tempeln entgegen. Wir wollen den Massen entgehen und fangen mit den älteren Bauten auf der anderen Seite an.

Bereits 100 nach Christi treffen indische Händler und Hindus in SO-Asien ein und beginnen mit der Indisierung des Landes: Religion, Sprache und Bildhauerkünste halten in Kambodscha Einzug.
Das Angkor Reich erstreckte sich im Westen bis Myanmar und auf der südlichen und östlichen Seite runter bis Vietnam und im Norden bis nach Laos. Diese Hochkultur dauerte mehr als 600 Jahre.
In ihrer Blütezeit lebten in Angkor Thom (Stadt) bereits eine Million Menschen. Die prachtvollen Tempel waren den Göttern vorbehalten, während die normale Gesellschaft in Holzhäusern wohnte. Die Könige der damaligen Zeit sahen sich allesamt als "Gottkönige" an, die sich alle mittels Größe und Schönheit der Tempel übertrumpfen wollten. Ist der eine Tempel gewaltig, musste der nächste bombastisch werden. Eine Schlüsselrolle in dem kometenhaften Aufstieg Angkors spielten ihre ausgeklügelten Bewässerungsmethoden durch Reservoirs und Kanäle. Die damalige Gesellschaft glaubte hauptsächlich an den Hinduismus, der sich in in Form von kunstvollen Statuen und in Stein gemeisselte Reliefs, an vielen Tempeln wiederspiegelt . Vishnu, Rama, Sita, Shiva, Garuda, Hanuman, Krishna.... und viele mehr aus der hinduistischen Mythologie sind an den Wänden verewigt oder als Figuren dargestellt. Der Gottkönig im 12.Jhd. war Anhänger des Buddhismus und somit setzte er sich für die Gleichheit ein, schaffte das Kastensystem ab und ließ Schulen, Krankenhäuser und Straßen bauen. Er war Kambodschas erster fortschrittlicher Herrscher. Daraufhin wurden beim Bau der nächsten Tempel buddhistische Elemente verwendet, bei den alten Tempeln wurde die hinduistische Bildhauerkunst zerstört und in buddhistische umgeändert.

Wir blicken fasziniert auf die alten Tempel. Wie haben die bloß die großen Sandsteinblöcke vom umliegenden Berg hierher gebracht und welche Anstrengungen war von nöten, diese übereinander zu schlichten. Es sollte so ähnlich funktioniert haben, wie das Holzspiel "Matador". Denn die Arbeiter haben auch Löcher in die riesigen Blöcke gebohrt, Bambusstöcke reingesteckt und mit vielen Händen an den richtigen Platz gehieft. Danach wurden die Stangen abgesägt. Wir lesen, dass auch zig Elefanten am Bau beschäftigt waren. Jahrhundertelang waren die prächtigen Tempel dem Dschungel überlassen, bevor sie die französischen Kolonialherren im Jahre 1860 wiederentdeckt haben. Der Sandstein verwittert sehr leicht, Fledermausexkremente forderten ebenso ihren Tribut, wie gelegentliche Diebstähle von Skulptur und Steinen. Jahrelang wurden und werden noch immer die Tempel restauriert, um sie der Nachwelt zu erhalten.

Die Tempel liegen weit verstreut und so strampeln wir an diesem Tag mehr als 50km auf unser Räder ab, um all die prachtvollen Bauten zu sehen. Ein bißchen fühlt es sich an, als ob wir auf Entdeckungsreise wären, wenn wir im riesigen Tempelareal umhergehen und die mit Baumwurzeln und Lianen umwickelten Mauern und Gopuras sehen. Wir kommen vom Staunen nicht raus, welch wundervolle Steinmetzarbeiten sie zur damaligen Zeit erschaffen haben. Einer der bekanntesten Tempel ist der Ta Prohm, weil mehrere Szenen von Tomb Raider mit Angelina Jolie als Lara Croft dort gedreht wurden.

Es ist bereits 14.00 Uhr, als wir von unserer Tempeltour zurückkehren. Müde und hungrig lassen wir uns auf unsere Campingsessel fallen. Morgen machen wir definitv einen Ruhetag, um all die Impressionen zu verdauen. Jedoch freuen wir uns auf die nächsten Tempel, die jüngeren Datums sind. Die netten Polizisten haben sich Sorgen gemacht und fragen, wo denn Apollo in unserer Abwesenheit sein Geschäft verrichtet. Auf Amigos Boden? Wie kann man denn da dann noch wohnen? Das muss doch stinken? Und das ewige Saubermachen? Wir schauen uns an und lachen los. "Nein, Apollo muss nicht, wenn er drinnen ist." In ihren Gesichtern können wir lesen, dass sie nun noch erstaunter sind und die Welt nicht mehr verstehen. Ein Hund, der nicht muss.

Angkor Thom, was so viel wie große Stadt bedeutet, erstreckt sich über 10 km². Es gibt den Königspalast, die Elefantenterrasse und den ungewöhnlichen Bayon zu sehen. Von Weitem sieht er aus wie ein riesiger Schutthaufen, doch beim Näherkommen sieht man die Reliefs, die Geschichten erzählen, eingemeiselt in der Wand. Auch die 54 Türme mit ihren 216 kühl lächelnden Gesichern sind beeindruckend. Aus jedem Winkel starren die riesigen Köpfe herab. Man fühlt sich irgendwie beobachtet.

Das Highlight heben wir uns für den Schluss auf - das Angkor Wat. Wir fühlen uns fast erschlagen, als wir die Regenbogenbrücke überqueren und vor dem riesigen Tempelkomplex stehen. Sein zentraler Turm entspricht dem Götterberg, um ihn herum liegen mehrere Gipfel, die abwechselnd von Höfen (den Kontinenten) und Wassergräben (Ozeanen) umgeben sind. Die Flachreliefs wurden aufwendig renoviert und sind sehr gut erhalten. Die Geschichte handelt von Schlachten, Himmel und Hölle, Dämonenherrscher und Kämpfe der Götter. Der Andrang der Touristen ist groß und so schieben wir uns durch die Gänge.

Den Sonnenuntergang vom Phnom Bakheng aus, teilen wir mit tausenden Menschen. Grad dass es nicht zur Rangelei um den besten Platz kommt. Wir haben keine Lust darauf und lachen beim Runtergehen über die Touristen, wie sie aufgeschlichtet an der Mauer stehen, nur um den Sonnentergang über den Reisfeldern zu betrachen. Denn der Angkor Wat ist auf der anderen Seite und man braucht schon einen etwas größeren Zoom, um ihn festzuhalten. Sonnenuntergänge über Reisfeldern haben wir oft genug, wenn wir irgendwo am Land nächtigen.

Am Tag darauf verlassen wir Angkor Wat und verabschieden uns von der Tourist-Polizei. Etwa 20km entfernt liegt der kleine Tempel Banteay Srei. Was ihm an Größe fehlt, macht er mit Klasse wett. Dieser Tempel wurde nicht von einem König in Auftrag gegeben, sondern von einem Brahmanen. Die dreidimensionalen Steinmetzarbeiten sind noch sehr gut erhalten und auch die Apsaras, das sind himmlische Göttinnen in traditionellen Röcken und einer Lotusblüte in der Hand, kann man noch gut erkennen.

Weiter geht es zum Fluß der 1000 Lingas. Ein Linga ist das männliche Phallussymbol, während Yoni der weibliche Gegenpart ist. Diese beiden Symbole werden kombiniert, Kanäle wurden so gelegt, dass das Wasser drüberlaufen kann. Die Menschen meinten, dass das Wasser nun mit Fruchtbarkeit erfüllt sei. Fast in jedem Tempel ist es das Hauptheiligtum.
Ein 2km langer Dschungelpfad führt uns zum Fluss, der einst mit 1000en Lingas bestückt war.
Darunter ist ein Wasserfall, wo die Touristen grad ein Gruppenfoto machen wollen. Barfuß und fast nackt stehen sie davor. Als sie beim Rausgehen sind, fällt einer nach dem andern hin, wie Dominosteine, denn die Felsen sind mit Algen überzogen und sehr rutschig. Zum Glück wird keiner ernsthaft verletzt.

Wir machen einen Abstecher zum Tonle Sap See. Dort sollen die Menschen in Bambushütten auf 7-8m hohen Stelzen leben. Leider ragen die Stelzen nicht ganz so weit aus dem Wasser, da eben erst vor eigen Wochen die Regenzeit geendet hat. Wir montieren unsere Fahrräder runter und so schnell können wir gar nicht schauen, sind wir umringt von Kindern. Diese haben eine Mords Gaudi, als sie sich auf unsere Fahrräder schwingen und einige Runden drehen können. Steigt einer ab, sitzt schon der nächste drauf.

Es leben fast nur Vietnamesen im Dorf und ihr Alltag dreht sich um den Fisch. Fisch fangen, Fisch putzen, Fisch trocknen und Fisch räuchern. Wir können den Menschen bei ihren alltäglichen Arbeiten zusehen. Ein Großteil der Zeit geht beim Wenden des Fisches während des Trockenvorganges auf. Da Platz begrenzt ist, liegen die großen Matten einfach auf der Straße. Autos fahren hier nicht mehr, nur Mopeds und so haben sie gerade so viel Platz gelassen, dass sie mit dem Mopeds Slalom durch die getrockneten Fische fahren können. Der Geruch ist nicht der angenehmste, zumindest empfinden unsere Nasen es so, denn die Einheimischen werden diesen Fischgeruch nicht mehr riechen. Oder vielleicht ist es auch Duft in ihren Nasen?
Die kleinen Kinder tragen Schwimmwesten, wenn sie zur Schule gehen, gibt es doch viel mehr Wasser als Land.

An dem Hw. Nr. 6 wird gerade gebaut, er ist im desolaten Zustand. Durchgeschüttelt von Schlaglöchern und eingehüllt vom roten Staub kämpfen wir uns vorwärts. Die armen, zugestaubten Menschen, die da neben diesen Pisten leben müssen, aber in 2 Jahren sollte die Straße fertig sein.
Es werden Reisflocken produziert. Ungeschälter Reis wird angeröstet, dann in den Mörser verfrachtet, wo ein Mann den Stampfer auf- und niederschwingt. Wolfi will es auch probieren und kommt nach wenigen Minuten schon zum Schwitzen. Die Menschen hier machen das den ganzen Tag lang.


Die coolsten Gefährte sind die Mopeds, die zum Teil Anhänger ziehen, die normalerweise für einen Traktor gedacht sind. Noch dazu sind diese so richtig gut beladen, um nicht zu sagen - überladen. Auch die Lieferwagen und Pick-ups sind noch wirklich zum Transportieren gedacht. Wenn nicht alles reinpasst, wird die Ladefläche einfach verlängert.

Phnom Phen, die Hauptstadt, ist eine typische asiatische Großstadt, mit all den kleinen Verkaufsbuden, den Unmengen von Mopeds, den quirligen Märkten, den vielen Menschen. Aber gleichzeitig wächst eine moderne Metropole heran mit Shoppingmalls, Luxushotels, Apartmenthäusern und Hochhäuser aus Glas und Metal. Die Straßen werden ausgebessert, Abwasserrohre verlegt, Parks eingeweiht und Flußufer baulich erschlossen. Singapur muss ihr Vorbild sein, denn am Fluß wird eine Insel künstlich mit Sand aufgeschüttet, auf der Reiche und Superreiche ihren Platz finden, zumindest haben wir so das Gefühl.

Wir parken im Olympiastadium am großen Parkplatz, denn Parkmöglichkeiten in der Innenstadt sind rar. Am Abend, wenn es etwas kühler wird, kommen die Menschen zum Sporteln. Es wird Badminton, Tennis, Aerobic, Fitnesscenter und Fußball angeboten. Eigentlich sollte nun die kühle, angenehme Zeit sein, jedoch sagt unser Thermometer jeden Tag zw. 34-37°C an, bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 70%. Also wir schwitzen, während die Einheimischen mit langen Hosen und dünnen Jacken herumlaufen. Wir wollen gar nicht wissen und schon gar nicht spüren müssen, wie heiß es dann in den Killermonaten April und Mai sein muss. Von unseren Parkplatz aus sehen wir 3 große Baustellen mit riesigen Kränen, die jeden Tag und auch die mehrige Nacht arbeiten. Überall wird gebaut.............unglaublich!

 


Es ist erstes Adventwochenende und was machen die Österreicher am Samstag? Shoppen! Auch wir fahren in das ultramoderne Shoppingcenter, das mit unseren heimischen auf allen Fällen mithalten kann, wenn nicht sogar besser ist. Wir betreten eine andere Welt. Adidas, Calvin Klein und Co lassen grüßen, Möbelgeschäfte mit europäischer Ausstattung und auch Preisen, der Supermarkt bietet Weihnachtsdekos, Kekse und künstliche Christbäume samt Kugeln und Glitter an. Geschenke brauchen wir keine kaufen, ist die Familie doch zu weit weg, so schlagen wir bei den importierten Lebensmitteln zu, kaufen echte französische Baguettes, Croissants Farmerterrine und Wein. Beschallt von Weihnachtsliedern - Weihnachten ist ja nicht mehr weit!

Der Verkehr in der Großstadt ist einfach verrückt. Wenn die Ampeln auf rot schalten, wird das von den meisten einfach ignoriert. Auch die Anweisungen der Verkehrspolizisten, die die Fahrzeuge an manchen Kreuzungen zum Halten oder Fahren zwingen wollen, werden nicht befolgt. Folge ist ein großes Chaos, welches aber unerklärlicherweise funktioniert. Jeden Tag sind wir mit den Fahrrädern auf Phnom Phens Straßen unterwegs. Wir passen uns an, fahren kreuz und quer, überholen am Gehsteig, winden uns durch Mopeds, überholen links und rechts. Wir sehen keinen einzigen Unfall. Irgendwie geht sich immer alles aus, obwohl es keine Regeln gibt, zumindest haben wir sie nicht verstanden.
Der Mittelpunkt der Stadt ist der große Markt im Art-deco Style erbaut. Es wird von Souveniers, Klamotten, Elektrogeräte, Gold bis hinzu Lebensmittel und fertigen Speisen alles angeboten. Die Spezialitäten sind frittierte Spinne und kleine Schlangen am Spieß, dies wollen wir dann doch nicht probieren.

Heute sollen unsere Lithium Zellen in China wegfliegen und am Montag hier in Phnom Phen ankommen, doch wieder mal kommt alles anders, als gedacht. Wir wurden noch informiert, dass das Cargounternehmen die Rechnung mit dem Vermerk "Batterien" nicht beilegt, um eventuellen Schwierigkeiten beim Transport mit der Airline aus dem Weg zu gehen. Nun sind in diesem Unternehmen nicht nur Entscheidungsträger, sondern auch Empfänger beschäftigt, die nicht immer bei der Sache sind. So kommt es, dass die Kiste mit einem großen "Dangerous Goods" Aufdruck von den Mitarbeitern zur Airline gebracht wird und prompt abgelehnt wird. Was soll man da noch sagen? Das Wochenende steht vor der Tür und wir können nur bis zum Montag warten, wo sie es nochmals versuchen werden. Ein MSDS (Sicherheitsdatenblatt) ist vorhanden, indem der Transport mit Flugzeugen als problemlos eingestuft wird, wenn bestimmte Kriterien eingehalten werden und das ist auch der Fall. Ansonsten werden sie die Zellen umpacken, neutral einpacken um sie "undercover" zu versenden. Wir sitzen hier gelinde gesagt auf Kohlen, was denn nun dabei rauskommt. Denn sonst bleibt nur noch der Seeweg übrig. Von Hong Kong nach Sihanoukville an Kambodschas Küste. Jedoch wann ein Schiff diese Route nimmt und wie lange das dauern wird, wissen wir nicht. Unsere Batterien, die derzeit im Aufbau sind, sind nicht mehr die besten und reichen so gerade aus, um den Strom für eine Nacht zu halten.

Wir besuchen die Killing fields von Choeung Ek, nur wenige Kilometer von Phnom Phen entfernt. Hier ist eine von 400 Exekutionsstätten von Kambodscha, die nach der schrecklichen Roten Khmer Herrschaft gefunden wurden. Fast 20 000 Menschen, Frauen, Männer, Kinder und auch Ausländer mussten hier auf schrecklichste Art und Weise ihr Leben lassen. Mit einem Audio-Gerät ausgestattet, laufen wir im Gelände herum, das heute einen sehr friedlichen Eindruck macht. Doch vor weniger als 40 Jahren muss hier das absolute Grauen geherrscht haben. Mit Lastwagen haben sie jeden Tag Menschen hierher gebracht und hingerichtet wie Tiere. Die Roten Khmer wollten Munition sparen, deshalb wurden Spaten, Äxte, Messer, Bambusstangen und jedes erdenkliche Werkzeug, mit dem man Morden kann, verwendet. Dann wurden sie in Gruben geworfen. Frauen vergewaltigt, die Kinder haben sie mit dem Kopf voran an den Baumstamm geschlagen, bis sie tot waren. Während des Tötens wurde laute Musik gespielt, damit die anliegenden Siedlungen nicht die quallvollen Schreie hören konnten.


In der Mitte des Geländes wurde eine Gedenkstupa errichtet und all die Knochenreste und Schädel ausgestellt. Davor wurden sie, soweit es ging, von forensischen Anthropologen identifiziert. Tief betroffen von so viel Grausamkeit verlassen wir das Gelände.

Die Schulkinder, die uns nach Schulschluss besuchen, lenken uns bald ab, denn sie plappern und lachen die ganze Zeit. "Apollo, Apollo, Apollo, what`s your name, how are you?" Immer wieder die gleichen Fragen.

Ein Rikscha-Fahrer unterbricht das Geschnatter. Er hat unter dem Roten Khmer-Regime in einem der vielen Arbeitslagern gearbeitet. Er erzählt uns, dass er sich nach dem Ende der Schreckensherrschaft, als die Vietnamesen einmarschierten, um einige Jahre jünger gemacht hat, damit der die Schule besuchen konnte. Er weiß auch nicht, an welchen Tag er geboren wurde, weil alle Papiere vernichtet wurden. Geburtstage werden hier nicht groß gefeiert. Seine Eltern haben dieses Datum mit in ihr Grab genommen. Er hat 2 Kinder und für ihn ist es sehr wichtig, dass beide eine gute Schulausbildung erhalten, damit sie es im Leben zu etwas bringen. Dafür arbeitet er hart. Staunend steht er neben unserem Autoreifen und meint, aus diesem vielen Gummi hätten sie unter den Roten Khmer 20 Gummisandalen anfertigen können. Aus einem Motorradreifen geht sich nur 1 Paar aus.

Die Außenbezirke der Großstadt sind noch in katastrophalem Zustand. Es wird gerade die Straße betoniert und gleichzeitig Kanalrohre verlegt. Es regnet fast jeden Tag ein wenig, der Regen reicht aber aus, um den Randstreifen in Matsch zu verwandeln. Das Wasser steht, es schimmert grünlich, überall schwimmt Müll. Wenn wir die kleinen Straßenmärkte passieren, stösst es uns etwas übel auf. Das Fleisch hängt in der sengenden Sonne, überhäuft mit Fliegen - es richt etwas streng.

Zurück im Stadium in der Stadt warten wir auf eine Mail aus China. Mittlerweile hat unser Agent eine Fluglinie gefunden, die unsere Batterien mitnimmt. Das Paket ist bereits in Hongkong. Von dort aus sollte es nach Bangkok und weiter nach Phnom Phen gehen. Wir können per tracking number das Paket online verfolgen und lesen, dass es heute, 06. Dezember am Cargo Terminal gelandet ist. Juchu, das Warten hat eine Ende! Sofort machen wir uns abfahrbereit. Genau heute versteckt sich die Sonne hinter den Wolken, dabei würden wir sie heute so sehr brauchen, damit Strom in die Bordbatterien geladen werden kann, um den Amigo zu starten. Denn wir müssen uns selbst Starthilfe geben, weil uns am Parkplatz nun die 2. Starterbatterie eingegangen ist. Jawohl, endlich genügend Strom um den Amigo zu starten und wir fahren zum Flughafengelände. Direkt beim Zollgebäude parken wir uns ein und beschließen, diesen Platz erst zu verlassen, wenn wir unsere Batterien in den Händen halten. Es ist Spätnachmittag am Samstag und das Büro schließt gleich. Am Sonntag hat es nur vormittags geöffnet. Sofort nach dem Frühstück steht Wolfi beim richtigen Beamten im Büro. Sehr freundlich teilt er uns mit, dass wir 17% Steuern und Bearbeitungsgebühr bezahlen müssen. Zum Glück haben wir uns im Internet schlau gemacht und dabei erfahren, dass es bei einem temporären Import Ausnahmegenehmigungen gibt. Wir durchforsten die kambodschanischen Zollgesetze. Wir schreiben einen Brief, um solch eine Genehmigung zu bekommen, kopieren die erforderlichen Dokumente und bereiten alles für den Montag vor, an dem Wolfi zum Hauptzollamtgebäude in die Innenstadt radelt.

So verbringen wir den 2. Adventsonntag am Parkplatz vom Cargo Terminal. All die netten Mitarbeiter kommen uns besuchen und sind neugierig, wie unser rollendes Zuhause von innen aussieht. Sie stellen richtig intelligente Fragen über Solar und Strom, wo wir den Fäkaltank entleeren, Reiseroute usw. In Indien war die gebräuchlichste Frage: "Do you come by plane?" Natürlich!! Wir packten den Lkw ins Handgepäck.
Wir fühlen uns sehr willkommen in diesem Land, die Menschen sind sooo freundlich und zuvorkommend, überhaupt nicht aufdringlich. Fast jeder bemüht sich Englisch zu lernen, so dass das Kommunizieren sehr einfach ist. Den ganzen Nachmittag ist ein Kommen und Gehen und wir genießen ihre Aufmerksamkeit und Gespräche.

Am Montag Abend kommt ein strahlender Wolfi nach Hause. Er winkt schon von Weitem mit dem Dokument, er hat die drei Stempel bekommen. Somit brauchen wir keinen Zoll zu bezahlen. Das Zollbüro hat leider schon geschlossen. Macht nichts, verbringen wir halt noch eine Nacht am Terminal. Wir sind glücklich! Wolfi ist am nächsten Tag der Erste im Büro, die Beamten sind überaus korrekt, sehr behilflich, entschuldigen sich immer wieder, dass es so lange dauert. Uns macht es nichts aus. Nun warten wir schon so lange darauf, dass es auf ein paar Stunden auch nicht mehr ankommt. 3 Stunden später wird unsere 74kg schwere Box im Amigo verstaut. Darin befinden sich unsere LiFePo Zellen. Jetzt müssen sie nur noch eingebaut werden und dann werden wir hoffentlich wieder genug Strom für Weihnachtsmusik und -beleuchtung haben ;-)

Bei uns ist das Christkinderl schon heute da gewesen.

Nun fahren wir an den Strand, wo wir uns die nächsten 2 Monate sesshaft machen werden, denn wir erwarten Besuch von Freunden aus der Heimat. Wir freuen uns auf eine schöne Zeit!

 

Kambodscha - Sihanoukville

 

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