Es ist schon nach 16.00 Uhr als wir die Grenze Kosi Bay erreichen. Nur 5 Autos warten vor uns auf die Abfertigung. "Komm, komm, komm", winken die Beamten in unsere Richtung. "Schnell, hier anstellen und die Papiere bereit halten, um 17.00 Uhr schließt das Grenztor". Wolfi bleibt im Amigo, um schrittweise vorfahren zu können, während sich Verena in die Schlange bei der Passkontrolle einordnet. Fiebermessen und Coronaprotokoll ausfüllen ist jetzt nicht mehr wichtig, ansonsten gäbe es keinen pünktlichen Feierabend für die Beamten. Als nur noch 1 Person vor der Passkontrolle wartet, muss Wolfi hastig dazukommen. Ausreisestempel in den Pass und Amigos Zollpapier reichen wir einfach der nächsten Beamtin aus dem Autofenster und schon sind wir in Mosambik. Pünktlich gehen die Beamten in den Feierabend, zumindest auf der südafrikanischen Seite, in Mosambik sieht es anders aus...

Mosambik

12.10. - 08.11.2021

Einreiseort: Ponta do Ouro
Ausreiseort: Namaacha
Währung: 1€ = 75 Metical
Dieselpreis: 1l = 61,71M

Als wir bei der Passkontrolle an die Reihe kommen und die Beamten bemerken, dass wir nicht aus Südafrika sind, sondern aus Europa, sind sie sauer. Denn ein Visa bedeutet Arbeit und das knapp vor Feierabend. "Wieso kommt ihr so spät zur Grenze?" zischt der ältere. Sie blättern unsere Pässe immer wieder durch, von vorne nach hinten und von hinten nach vorne. "Nun....da sind keine leeren Seiten mehr. Habt ihr noch einen anderen Pass?" fragt der gleiche. "Es sind doch noch 2,5 Seiten frei", antworten wir. 2 leere Seiten werden gewünscht und mit dem können wir dienen. Sie erklären uns, dass Seite 36 (die letzte Seite) nicht dazuzählt, obwohl bei Wolfis Pass diese Seite mit Stempeln voll ist.
Leider können wir sie nicht überzeugen und händigen ihnen nach 30 Minuten unseren fast jungfräulichen Zweitpass aus, den wir eigentlich noch in Reserve halten wollten, denn es liegen ja noch viele Länder und somit viele Stempel vor uns auf den weiten Weg nach Europa. Wütend weil wir ihnen unseren Zweitpass erst jetzt überreichen, wollen sie die Hotelbuchungsbestätigung sehen. Dass solch eine erwünscht ist, wussten wir schon vorher und haben uns dementsprechend vorbereitet.
Beide verschwinden im Büro, schließen die Türe und lassen uns dumm auf dem Gehsteig stehen. Nach unseren PCR Tests fragen sie gar nicht, doch die Buchungsbestätigung interessiert sie brennend. Immer wieder werfen sie einen Blick darauf, dann lautes Geschwätz mit den Kollegen und plötzlich greift einer der Beamten zum Telefonhörer. Das alles beobachten wir leicht nervös durch das Fenster, denn die Hotelbuchung ist längst storniert.
Unser europäisches Denken drängt sich in den Vordergrund - wir sind Touristen und bringen Geld in das Land, also könnten sie uns auch höflicher behandeln. Aber so denken eben nur wir und auf keinen Fall die machtgeilen Grenzbeamten. Irgendwann erscheint ein Beamter und führt uns ins Nebenzimmer. Ein Foto, Fingerprints, dann beginnt er mit dem berühmten Adlersuchsystem unsere Daten in den Computer zu tippen, 10min später spuckt der Drucker ein Visum aus und kurz darauf auch noch ein zweites. Wir fühlen uns erleichtert und bezahlen die 50,-US Dollar pro Person dafür. Es ist bereits finster als wir um 18.30 Uhr unser TIP (temporary import permit) für Mosambik (gegen Gebühr, knapp 200,-Rand) in unseren Händen halten und vom Zollhof fahren.

 

Nun haben wir noch ca. 25km Strecke vor uns, dann geht ein langer Tag zu Ende. Doch davor gibt es noch eine Mautstelle und wir haben noch keine einheimische Währung, doch alles lässt sich problemlos in Rand bezahlen.
Genau bei der Dorfeinfahrt von Ponta do Ouro endet der Asphalt, Straßenlaternen gibt es nicht, die Sandpiste erscheint uns breit genug, so parken wir uns einfach auf der Piste ein. Am nächsten Tag wecken uns die quatschenden Frauen, in bunten Tüchern zu Röcken gebunden und einem Korb voll mit Gemüse am Kopf, sind sie am Weg zum Markt. Kinder in blau/weißer Schuluniform und wenn sie Glück haben mit einer Schultasche ansonsten mit einem Plastiksack in der Hand marschieren vorbei. Hinter der Mauer liegt ein nettes Gästehaus mit Swimmingpool und wir können sogar das Meer rauschen hören.
Nach dem Frühstück schlendern wir in das Dorf und finden auch auf Anhieb gleich den einzigen ATM. Brav stellen wir uns an und warten geduldig, bis wir an die Reihe kommen. Metical ist die einheimische Währung und es fühlt sich gleich besser an mit Bargeld in der Hosentasche. Ein Sonnenschirm, eine Blechtruhe und eine umgestülpte Bierkiste als Hocker - das ist der Vodacomshop. Wir erstehen eine SIM und 5GB Datenguthaben um 550,-M.
Der Ort ist nett mit gemütlichen Cafes, einfachen Gästehäusern, einem kleinen Markt, freundlichen Menschen und einem tollen Strand. Doch dort steht das Militär. Ist das weil die Grenze zu SA gleich hinter dem Hügel liegt oder weil der Präsident aufgrund Corona den Strand gesperrt hat? Spazieren am Strand dürfen wir, auch Schwimmen mit einem Wellenboard ist erlaubt, Liegen am Strand ist aber verboten. Das sind doch etwas komische Vorschriften - so geht´s eben auf einen Espresso ins Cafe.

Die Straße nach Maputo ist fast neu, erst vor wenigen Monaten von den Chinesen fertiggestellt. Davor konnte man nur mit einem 4x4 die sandige Piste nach Ponta do Ouro bewältigen. Fast kein Verkehr, wir kommen zügig voran und stoppen nur an dem Mauthäuschen, an dem wir unseren Beitrag leisten müssen. Kurz vor Maputo ist noch eine Brückenmaut zu errichten, denn auch dieses prachtvolle Bauwerk wurde erst kürzlich eröffnet. Natürlich gebaut und finanziert von den Chinesen, so wie vieles in Afrika.

Kaum auf der anderen Seite angekommen, befindet man sich in Schwarzafrika. Chaotischer Verkehr, enge Straßen, heruntergekommene Häuser und Marktstände, wo man nur hinsieht. Wir kämpfen uns tapfer in die Av. Mao Tse Tung vor, denn dort befindet sich das Fatima Backpackers. Leider passen wir nicht durch das enge Tor, na dann parken wir eben vor der Unterkunft auf dem Gehsteig, breit genug ist er. Zum Glück ist von 23.00-6.00 Uhr Ausgangssperre, wo kein lärmendes Auto an uns vorbeirauscht und wir herrlich schlafen können. Allerdings nur bis der morgendliche Berufsverkehr einsetzt ;-)
Der nächste Camping wäre mehr als 30km entfernt. Zum Stadt besichtigen, einfach zu weit weg.

Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Der ehemals portugiesischen Kolonie, seit 1975 unabhängig, wollte die kommunistische Welt ihren Stempel aufdrücken. Es gibt noch immer deutliche Spuren davon, unter anderem eine Lenin-, Ho Chi Min- oder Karl Marx Straße und viele der großen Gebäude sind in diesem speziellen Architekturstil errichtet. Maputo war sicherlich einmal eine hübsche Stadt, doch der Zahn der Zeit nagt hier vielleicht doch mehr, als andernorts. Aber es gibt auch heute noch genug Ecken, in der es recht nett ist und es macht Spaß wieder in ein quirrliges, buntes Leben einzutauchen.
Wir besichtigen das Eisenhaus, welches vom Herrn Eiffel entworfen und von Belgien 1892 an, damals Portugiesisch-Ostafrika, geschenkt wurde. Es sollte die Residenz des Gourverneurs werden, doch das viele Eisen war in Verbindung mit dem Klima nicht so ideal und es fand anderweitig Verwendung. Die Kirche zur Maria Empfängnis ist gleich um die Ecke. Fast am Meer steht das Fort. Wir bummeln durch den ältesten Teil der Stadt, vorbei an der Moschee. Von der Promenade aus hat man einen schönen Blick auf die Brücke, über die wir gekommen sind.


Unseren Durst löschen wir mit einem köstlichen Zuckerrohr-Ingwer-Limettenjuice. Der Präsidentenpalast ist weiträumig gesichert, also kein Blick auf das Privathaus des mächtigsten Mannes im Staat. Welcher wahrscheinlich bei der Bevölkerung so beliebt ist, dass er 2 Blöcke rund um sein Haus alles absperren lässt... :-)
Mosambik stand knapp 500 Jahre unter portugiesischer Kolonialherrschaft. Der Übergang in die Selbstständigkeit ab 1975 verlief äußerst holprig und endete in 16 Jahren Bürgerkrieg. Eine Seite wurde von der UdSSR, die andere Seite von den USA unterstützt. Die ersten freien Wahlen fanden 1994 statt, nachdem sich Mosambik 1989 vom Marxismus offiziell losgesagt hatte.
Als man kürzlich im Norden des Landes gewaltige Erdgasvorkommen findet, steigen die Spannungen zwischen dem armen Norden und der Haupstadt Maputo und ein Ableger des "IS" nutzt die Gunst der Stunde und terrorisiert seitdem die nördlichste Provinz Cabo del Gado. Mittlerweile kämpfen fremde Armeen aus diversen afrikanischen Staaten Seite an Seite mit der mosambikanischen Armee. Bei den letzten Wahlen 2019 werden jede Menge Gewalttaten und Morde begangen, führte aber letztendlich zu einem deutlichen Erstarken der bereits führenden Partei Frelimo.

Am Mercado Municipal gibt es frisches Obst und Gemüse aus dem Umland, geröstete Cashewkerne, die im ganzen Land wachsen, frische Kräuter und vieles mehr. Vor jedem Eingangstor stehen coronabedingt einfache, aber zweckmässige Handwasch-Möglichkeiten.
Aufgrund der hohen Präsenz der Chinesen, haben wir auch einen chinesischen Supermarkt gefunden, wo wir Tofu, Fischsauce, Pak Choy und Reiswein kaufen. Mittagessen gibt es bei einem Stand, direkt neben der Markthalle. Wenn ein Sessel frei wird, kann man sich setzen und zwischen Reis mit Huhn oder Reis mit Fisch auswählen, dazu gibt es lecker Salat.

Wir verlassen Maputo, stoppen noch beim Fischmarkt. Sind aber eher enttäuscht, kaum frische Ware, das meiste ist gefroren. So erwerben wir ein paar Thunfischsteaks für die nächsten Tage und hoffen, dann in Morrungulo frischen Fisch und Meeresfrüchte zu finden.
Kaum aus der Stadt draußen, befindet man sich im ländlichen Mosambik. Die meisten sind Subsistenzbauern, haben ihre eigenen Mango- und Cashewnussbäume und einen kleinen Garten, von dem sie die überschüssige Ernte und Feuerholz verkaufen. Die Frauen holen Wasser am Brunnen und tragen die Eimer oder Kanister auf ihren Köpfen nach Hause, auch Feuerholz wird gesammelt und so transportiert. Entlang der gut ausgebauten N1 reiht sich ein Gehöft ans andere.
In den größeren Ansiedlungen kann man die verschiedenen Geschäfte an der Gestaltung der Außenfassade unterscheiden. Große handgemalte Bilder lassen erahnen, welche Produkte angeboten werden.

Je weiter wir in den Norden kommen, desto mehr Mangobäume und Palmen gibt es. Auch hier leben die Menschen von ihrem Besitz, nur sind es hier nun Kokosnüsse, deren Öl, Wein und geflochtene Palmblätter. Nebenan ist der Schreiner, der Kanthölzer und Bretter aus den Palmstämmen schneidet. Ihre Häuser sind aus Naturmaterialien gebaut, die Wände aus Schilf oder geflochtenen Palmblättern, das Dach ebenso. Wer es sich leisten kann, hat schon ein Ziegelhaus, dann fällt die lästige Arbeit der regelmäßigen Erneuerungsarbeiten weg, denn die Blätter und Zweige halten nicht ewig.

Vor uns am Straßenrand reife Mangos in Kübeln. Sofort treten wir auf die Bremse. Wann haben wir unsere letzte Mango gegessen? Oh, wir können uns gar nicht mehr daran erinnern. 5k packen wir ein und nochmals 5kg für Mangomarmelade.
Gegenüber ist ein kleiner Laden, davor liegen 3 Solarpaneele. Hierher kommen die Einheimischen bei schönem Wetter, um ihre Mobiltelefone gegen ein kleines Entgelt zu laden, denn die meisten haben keinen Strom zu Hause.

Wir setzen den Blinker rechts, 13km Piste haben wir noch bis zum Morrungulo Beach. In der gleichnamigen Lodge wollen wir die nächsten Tage verbringen. In einem grünen Garten mit fast zu vielen Bäumen, schlagen wir unser Lager auf. Der Strand ist wunderschön mit Palmen gesäumt.

Für die ersten 3 Tage teilen wir uns das große Gelände mit einer 4köpfigen Familie, die restliche Zeit sind wir alleine. Oben am Hang liegt das Restaurant und die Bar, die aber geschlossen haben - zu wenig Gäste. Der Infinity Pool ist zwar geöffnet, doch sieht er nicht einladend aus. Generell hat das Resort schon bessere Tage gesehen, doch der Strand entschädigt alles, hier können wir Robinson Cruise und Freitag spielen, alles für uns alleine. Hin und wieder trotten ein paar Kühe mit ihren Hirten vorbei. Denn unter dem Sand gibt es Süsswasser, man muss nur etwas den Sand auf die Seite schauffeln und schon füllt sich das Becken mit Trinkwasser und die Kühe erfreuen sich daran. Weil das Hinterland höher liegt und es dort regelmäßig und viel regnet, drückt es das Grundwasser hier am Strand ins Meer.
Seit 2 Tagen niesen und husten wir, der Hals schmerzt. Auch die Rezeptionistin und der Chef des Hauses haben das gleiche Leiden. Doch nicht etwa Corona? Der Selbst-Test zeigt negativ und so kurieren wir unsere "wahrscheinliche" Verkühlung am Strand bei ca. 30°C aus. Nur der Wind ist manchmal etwas lästig.

Im Dorf dahinter spielen die Jungs gerade Fußball. Zu dritt jagen sie dem interessanten Ball hinterher. Einen Fußball können sie sich weit und breit nirgends kaufen und wahrscheinlich auch nicht leisten. Doch erfinderisch sind sie! Plastiksäcke zusammenknäueln, ein altes T-Shirt drumherum und mit einer Schnur festgezurrt. Er ist einigermaßen rund und es lässt sich auch gut damit spielen, nur so schnell wie ein echter Fußball ist er nicht. Den Jungs macht es nix aus, sie haben eine große Freude am Spiel mit ihrem selbstgebastelten Ball.

Leider gibt es keinen frischen Fisch und auch keine Meeresfrüchte zu kaufen. Der kräftige Wind und der Wellengang macht es den kleinen Booten nicht einfach. Wir sehen die Fischer mit ihren Ruderbooten zurückkehren, doch leider ohne Fang, was für sie noch viel schlimmer ist, als für uns. Unser Gefrierschrank gibt immer genug her, während sie wahrscheinlich mit Cassava oder Reis satt werden müssen.
Eifrig klettert einer der Angestellten die hohen Palmen hoch und schneidet die Kokosnüsse runter, bevor sie auf unserem Amigo oder gar auf unserem Kopf landen.

Unsere Moskitonetze weisen schon einige Löcher auf, die wir zwar geklebt haben, aber nicht mehr ordentlich halten. Da es hier Malariamoskitos gibt, machen wir uns an die Arbeit. Ursprünglich sind unsere Rollos für Dachfenster im Haus gedacht und so ist das Mückennetz lang genug, um es nach 10 Jahren zu kürzen. Wolfi verklebt es neu an der Kederleiste und voilà - sie sehen aus wie neu und vor allem sind sie wieder dicht.

Nur schwer trennen wir uns von diesem herrlichen Strand, doch unsere Visa sind nur 30 Tage gültig und wir wollen auch noch andere Strände kennenlernen.
Es ist Sonntag und viele Menschen sind hübsch zurechtgemacht und unterwegs zur Kirche. Diese erkennt man zuerst nur, weil schöner Gesang und Geklatsche aus den offenen Fenstern dringt. Auf dem zweiten Blick sieht man auch das weiße Kreuz an der Wand. Ansonsten sieht es wie ein gemauertes Wohnhaus oder eine größere Strohhütte aus.

 

In Inhambane ist fast alles geschlossen. Wir finden ein Restaurant und bestellen Grillhuhn mit Pommes.
Noch 25km sind es bis Tofo Beach. Fatima aus Maputo betreibt auch hier einen Backpacker mit Campingmöglichkeit im Garten. Leider sieht man das Meer vom Stellplatz aus nicht, aber dafür haben wir auch weniger feuchten, salzigen Wind. Unter den 2 großen Kasuarienbäumen machen wir es uns gemütlich. Jeden Morgen werden wir von den zwitschernden Vögeln geweckt. Der Tag ist kurz. Um 18.00 Uhr geht die Sonne unter und so sind wir froh, wenn die Vögel und auch die vorbeimarschierenden schnatternden Einheimischen uns schon um 6.30 Uhr wecken.

Bei Ebbe ist der Strand richtig breit und hart zum Marschieren, herrlich. Die Jungs vom dahinterliegenden Dorf sind mit ihren selbgebastelten Pfeil und Bogen auf der Jagd nach Fischen. Es gibt nur eine Schnorchelbrille, die herumgereicht wird. Ein findiger kleiner Kerl hat sich selbt eine gebastelt. Ein Rahmen ohne Glas, der mit einem Hosengummi hinter den Ohren festgebunden wird. Es erfüllt zwar nicht ihren Zweck, jedoch bekommt er von uns für seinen Einfallsreichtum eine Zehn, die ihm jedoch auch nichts hilft. Leider gibt es keine Beute, auch wenn wir noch so angestrengt gemeinsam mit ihnen nach Fischen Ausschau halten.

Im Ort gibt es einen kleinen Markt mit Gemüse, Obst und frischen Brot. Selbst produziertes Kunsthandwerk wird angeboten, genauso wie eine Unzahl von schönen Muscheln und Schneckenhäuser. Die Kokosnussverkäufer sind sehr aufdringlich und auch Schlitzohren. Irgendwie verständlich, haben sie doch große Umsatzeinbußen zu erleiden, weil fast keine Touristen im Ort sind. Doch gleich einen Großteil vom entgangenen Umsatz bei uns abzukassieren? Nein meine Jungs, so auch nicht. "Please support me!" hören wir mehrmals am Tag von den Strandverkäufern, die ihre Armbänder los werden wollen, aber leider können wir nicht jedem helfen...

Frischen Fisch und Meeresgetier bekommen wir von den Fischern angeboten. Mit Neoprenanzug und Harpune gehen sie auf die Pirsch. Wenn sie erfolgreich waren, kommen sie bei uns im Backpackers vorbei. Heute gibt es Langusten, okay da schlagen wir zu. Am nächsten Tag bieten uns andere Fischer frische Kalamari an. Ja, wir nehmen euch den auch ab. Tags darauf nennen wir einen 3kg schweren Fisch unser Eigen. Fachmännisch wird er auf einem Stück Karton im Sand geschuppt, zerlegt und filetiert. Vom Rest bereiten wir eine leckere Fischsuppe zu. Leider haben wir den Namen dieses köstlichen Fisches vergessen. Der blaue Papageienfisch sieht einfach zu schön aus, um ihn zu essen, dafür schlagen wir am nächsten Tag beim Butterfisch zu. Zwischendurch bringt Hausmeister Alberto noch frische Kokosnüsse, so kommt auch er zu etwas "Umsatz".

Der Strand Barra ist nur 6km entfernt, ja das bietet sich an, dort hinzuradeln. Die Fahrräder sind bereit, wir schieben sie durch den tiefen Sand auf die Piste, der wir nun folgen wollen. Der erste von 6 Kilometern geht es gut voran, bei den Tiefsandpassagen haben sie Sägespäne oder Palmblätter darüber gelegt. Die Resorts werden immer weniger und die Piste immer schmäler, dafür der Sand immer tiefer, dennoch gibt es Passagen zwischendurch, wo wir radeln können, aber die werden immer weniger. Nach 2 km ist Schluß, aber umdrehen wollen wir auch nicht mehr. Also schieben wir unsere Fahrräder mühevoll den sandigen Hügel hoch - und das ist auch für uns neu - wir schieben sie auch die Hügel hinunter... Überall sind kleine Wohnhäuser unter den Palmen errichtet, die Kinder laufen uns hinterher und werden uns, wahrscheinlich zum ersten Mal, nicht um unsere Fahrräder beneiden. Die Schuhe sind voll mit Sand, ein Schritt vor, einen halben zurück und nebenbei noch das Rad schieben, wegen der Spurrillen von den Geländewägen im Sand, ist das gar nicht so einfach. Verenas Genick und Schultern schmerzen bereits, aber wir haben noch einen Kilometer bis zur Asphaltstraße.


Die Idylle vom Strandleben und einem kleinen Häuschen gleich dahinter ist bei uns binnen Minuten zerstört, denn wenn man das Haus verlässt, steht man im tiefen Sand. Und im knöcheltiefen Sand zu marschieren, ist alles andere als lustig. Wir freuen uns richtig, als wir das schwarze Asphaltband erblicken. Nach 2 Stunden haben wir endlich wieder festen Untergrund unter den Reifen. Doch so schnell geht´s nicht weiter, erst müssen wir wieder Luft in die Reifen pumpen. Nun radeln wir die hügelige Straße entlang Richtung Nordwesten.
Uns erwartet Strandidylle pur, aber leider sind die Gästehäuser geschlossen. Der Präsident hat das Strandverbot nochmals bis zum 20. Dezember verlängert. Nur ein Restaurant hat geöffnet und dort kehren wir auf ein Bier 2M ein. Das haben wir uns redlich verdient nach dieser Plakerei. Heimwärts geht es immer der Asphaltstraße entlang, obwohl es mindestens 3x so weit ist, dauert es nur halb so lang. :-)

Ein neuer Campinggast ist eingetroffen. Yussuf, ein Marrokaner, ist mit seinem Fahrrad unterwegs. Nicht mehr mit dem ursprünglichen, denn das haben sie ihm in Johannesburg geklaut, er hat sich ein neues gekauft, mit dem er nun die Ostküste Afrikas hochfahren will. Vor 3 Jahren ist er gestartet und eine ähnliche Route gefahren wie wir, zwischendurch hat er Länder umschifft und manche Strecken mit dem Bus gemeistert. Er ist schwer begeistert vom Reisen, doch hat er es mittlerweile aufgegeben, den Menschen in Afrika zu erklären, dass auch er Afrikaner ist. "Nein unmöglich, Afrikaner sind alle schwarz", bekommt er meist als Antwort.
Als er sein Rad durch den tiefen Sand rausschiebt, angeschoben vom netten Kellner Sam, dröhnt marrokanische Musik aus dem Lautsprecher, den er am Lenkrad festgemacht hat.
Gute Reise Yussuf - vielleicht sehen wir uns nochmals on the road.

Neumond - da ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut am größten. Das vorgelagerte Riff liegt fast frei und sofort sind die Einheimischen fleißig damit beschäftigt, allerlei Muscheln vom Gestein zu lösen. Die einen sammeln zum Verzehr und die anderen, um damit Armbänder und Halsketten zum Verkauf herzustellen. Mit ausgestreckten Beinen und geraden Rücken ernten sie die Muscheln.
Verena bewundert immer wieder die schöne
Haltung der Menschen bei der Arbeit und nimmt diese Haltung am nächsten Tag beim Wäsche waschen ein. Zumindest versucht sie es und muss dabei feststellen, dass sie automatisch immer wieder in die alte zurückfällt. Wieder aufrichten, Haltung einnehmen und weiter geht es mit dem Wäsche waschen. Die nächsten 3 Tage kommt Verena nur schwer aus dem Bett und auch jeder einzelne Schritt schmerzt - einen Muskelkater vom Feinsten :-)

Nur noch wenige Tage, dann läuft unser Visum aus. Leider, denn wir könnten uns an das Beach Leben gewöhnen. Wir packen unsere Sachen, starten den Amigo und los geht es: 500km bis Maputo - die gleiche Strecke retour, die wir gekommen sind, denn es gibt nur diese eine Straße in den Süden.
Junge Hasen werden in die Höhe gehalten. Ja, um 100,-M können wir einen davon kaufen. Echt? Oder haben wir uns um eine Null vertan. Und dann, muss man die noch mästen oder werden sie gleich verkocht? Als niedliches Haustier ist es definitiv nicht gedacht. Leicht vergorener Palmwein in 5l Kanistern, ähnlich dem Sturm, Verenas Geschmack trifft er trotzdem nicht.


Bevor wir wieder zu Fatimas Backpackers fahren, statten wir dem Hospital Privado Lenmed im Osten der Stadt einen Besuch ab. Wir holen Erkundigungen über den PCR Test ein. Wann, wie teuer, wieviel Zeit usw. Wenn wir am Sonntag den Test machen, ist er am Montag abholbereit und bis Mittwoch Vormittag gültig, am Dienstag müssen wir das Land verlassen - passt!
Der Gehsteig vor dem Backpacker ist vollgeparkt, also warten wir, bis er frei wird. Das machen wir im kühlen Innenhof des Backpackers, schlürfen einen Espresso, surfen im Internet, als plötzlich schreiend eine, für afrikanische Verhältnisse, sehr gut gebaute schwarze Frau aus einen der Zimmer stürmt. Hinterher ein schmächtiger, junger Israeli. "Sie hat mir 250,- US Dollar gestohlen" wiederholt er immer wieder. Die schwarze Frau: "Do you think this ass is for free?" und klatscht sich dabei immer wieder auf das überproportional große Hinterteil. Fatima ist gerade anwesend und nimmt sich der beiden an.
Der junge Israeli ist beim Tindern "zufällig" auf eine Prostituierte gestoßen, hat es aber angeblich nicht bemerkt und war ganz aus dem Häuschen, als sie für ihren Dienst auch noch Geld wollte. Als Fatima mit der Polizei droht, rauscht sie wütend ab, die 250,- USD mit ihr....
Der 2. Fall Fall innerhalb von 2 Wochen in ihrem Hostel, sie muss was unternehmen, denn es handelt sich nicht um gewöhnliche käufliche Damen, sondern um eine organisierte Verbrecherbande, die bewußt "ahnungslose Männer" ausraubt. Normalerweise treiben sie sich in den teuren Hotels rum, aber in Zeiten von Corona bleiben selbst die Backpacker nicht verschont. Fatima meint, dass es sich um gar keine richtigen Frauen handelt, sondern um Männer, bei denen im Nachbarland an den richtigen Stellen nachgebessert wurde und mit diversen Spritzen und Hormonen nun wie eine Frau aussehen. Für heute Abend hat der Israeli Ausgehverbot, denn nicht dass ihn die zugehörige Schlägerbande erwischt, denn eigentlich hätte das Service 500,- USD gekostet. Morgen in der Früh fährt sein Bus in den Norden, dann ist er ohnehin weg. Blöd gelaufen!

Das Wochenende in der Stadt vergeht so schnell. Wir schlendern durch die verschiedenen Straßen, im zentralen Park in der Innenstadt tut sich was. Ein Gedränge beim Fotografieren unter den Palmen und neben dem roten Hibiskussträuchern. Bestimmt 10 Hochzeitspaare sind hier, um ihren schönsten Tag für die Ewigkeit festzuhalten. Es wird getanzt und gesungen, als sie aus dem Park kommen, bevor sie in die bereits wartenden Autos steigen und zur Feierlichkeit fahren.
An der Promenade beobachten wir die verschiedenen Menschen, trinken ein köstliches Zuckerrohrsafterl, zu Mittag kehren wir beim Inder ein, der schräg gegenüber liegt. Am Abend ein fettes Gewitter, grelle Blitze und brutaler Donner.

Einkaufen, tanken, PCR Test abholen und nix wie raus aus der Stadt. 80km haben wir zur Grenze. Fast geschafft, die vorletzte Polizeikontrolle. Sie winken uns durch, doch plötzlich hüpft da ein in zivil gekleideter Mann auf die Straße und stoppt uns. Wir verstehen sein Geschwafel nicht, er deutet, Verena soll aussteigen und auf die andere Seite mitkommen. Sie versteht noch immer nicht, was er will. Als er dann sein Büchlein aus der Schreibtischlade zieht und da groß 100 US Dollar in roter Schrift steht, klingelt es bei ihr. Sie bedankt sich, dreht sich um und geht schnellen Schrittes zum Amigo zurück. Nein, er folgt ihr nicht, Wolfi hat inzwischen schon gestartet und fort sind wir. Von anderen Reisenden haben wir gehört, dass sie Roadtax bezahlen mussten. Aber doch nicht bei der Ausreise, so knapp vor der Grenze?
Überraschenderweise sind alle Grenzformalitäten in nur 10 Minuten erledigt.
Tchau, tchau Mosambik!

 

 

 

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