Eswatini

08.11.2021 - 03.01.2022

Einreiseort: Lomahasha
Ausreiseort: Lavumisa
Währung: 1€ = 17,33 Emalangeni
Dieselpreis: 1l = 17,-E

Wir halten gegenüber des Einreiseschalters. Links vor uns erblicken wir ein Schild, wo darauf steht, dass die Mitnahme von rohem Fleisch aufgrund Maul- und Klauenseuche verboten sei. Während Wolfi ganz wichtig in unserer Dokumentenmappe blättert, schlüpft Verena schnell durch den Durchgang zurück in unseren Wohnraum, fischt das erstbeste Handtuch aus dem Badezimmer, holt das viele eingefrorene Fleisch aus dem Tiefkühler, wickelt es schnell ein und steckt das große Packet unter die Sitzbank. In der Hoffnung, dass sie dort nicht nachsehen, falls sie den Innenraum checken wollen.

Ein kostenloses 30 Tage Touristenvisum ist sofort in den Pass gestempelt. Für den Amigo brauchen wir kein Zollpapier, nur eine Road tax muss bezahlt werden. 100,-E für ein Auto, ihre Landeswährung Emalangeni besitzen wir noch nicht, aber es ist ihnen ohnehin die Visa Karte lieber. Die Summe wird abgebucht, bevor sie merken, dass wir einen großen Truck fahren. Sie wollen nochmals unsere Kreditkarte, denn für einen Lkw kostet die Straßenmaut 1.800,-E - das 18fache! Egal, ob es sich um einen 5achsigen Lkw mit 40t oder ein Wohnmobil mit 2 Achsen und 12t handelt, alles über 3,5t kostet gleich viel. eine Preisliste können sie uns nicht vorweisen. Wir fragen noch etwas genauer nach, denn die Auskünfte sind für uns etwas schwer nachvollziehbar. "Von Mosambik kommend muss ein Fahrzeug über 3,5t 1.800,-E bezahlen, wenn man aber von einem der vielen südafrikanischen Grenzübergängen einreist, sind nur noch 300,-E für das gleiche Fahrzeug zu berappen."
Da wir noch 1 Tag Visum in Mosambik haben, erklären wir den Beamten, dass wir nun umkehren, denn die nächste südafrikanische Grenze ist ja nur 70km entfernt und von dort nach Eswatini einreisen werden, das ist für uns noch immer günstiger.
"Okay, dann zahlt ihr hier auch die 300,-E und wir machen eine Ausnahme"
, so der Beamte nach einer Weile. Glück gehabt, denn die Alternativstrecke wäre uns deutlich teurer gekommen als die Straßenmaut. Nur kurz checkt der Zollbeamte unseren Wohnraum, dem Kühlschrank wird mehr Zeit gewidmet. Dort haben wir jedoch kein Fleisch und das darüberliegende Tiefkühlfach wird als solches nicht erkannt. Endlich sind wir fertig und können losfahren.

 

Die erste Nacht in Eswatini ist ruhig und kühl und wir verbringen sie am Parkplatz gleich neben dem Grenztor. Um einer Namensverwechslung mit Switzerland vorzubeugen, wurde Swasiland erst vor kurzem in Eswatini umbenannt...
Wir müssen am nächsten Tag runter vom Berg ins Lowland mit den großen Zuckerrohrfeldern. In der Ferne sehen wir den Rauch von den Zuckerrohrfarbriken aufsteigen. Gleich bei der ersten Kreuzung werden wir von der Polizei angehalten. Bevor Verena nur ein Wort aus dem offenen Fenster sprechen kann, wird sie aufgefordert, ihre Maske aufzusezten. "Auch im Fahrzeug herrscht Maskenpflicht!" so die Polizistin. "Führerscheinkontrolle!" Verena reicht Wolfis Führerschein raus, die Beamtin schaut ganz verdutzt auf das Foto und meint: "That`s your driver licence?" Natürlich nicht, dass das Lenkrad auf der anderen Seite ist, ist der Dame nicht aufgefallen.
Vorbei geht´s am Hlane Royal Nationalpark und nur wenige Kilometer später, biegen wir links ab in die Lubombo Berge nach Siteki.

Von Freunden haben wir eine Farm empfohlen bekommen, auf der man für eine Weile gut campen kann. Die Mabuda Farm, was soviel heißt, wie "Land der Träume". Das Camp Nr. 4 ist ein grünes Wiesenplatzerl mit einem Avocadobaum daneben, vor unserer Terrasse blühen Kaffeesträucher und der Blick geht runter ins Lowland.

Wir sind die einzigen Campinggäste, nur an den Wochenenden sind ein paar der netten Bungalows gebucht. Für die Besucher steht ein Pool zur Verfügung und auf dem weitläufigen Gelände gibt es unterschiedliche Wanderwege zu Teichen, zum tropischen Wald, zu den Pferdekoppeln oder zur Felslandschaft, von wo man den Sonnenuntergang gut beobachten kann. Aber die Urlaubsgäste sind nicht ihre alleinige Einnahmequelle, die Farm ist breit gefächert.

Neben der Kaffeeplantage gibt es noch riesige Maisäcker, eine Macadamiaplantage und große Wiesenflächen mit Pferden darauf. Es gibt viele Rinder und ein paar Hühner, einen großen Gemüsegarten, sowie Bananen-, Papaya-, Litschi- und Mangobäume. Die meisten der vielen Angestellten, die sich um all die Arbeit kümmern, leben auch auf der Farm. Keine Ahnung, wieviele Gärtner am Anwesen beschäftigt sind - es müssen sehr viele sein. Wenn man die Jacarandaallee (die nun leider am Abblühen ist) entlang geht, fühlt man sich wie in einem kleinen Paradies.

Nur 1,5km ist die Ortschaft Siteki entfernt, dort gibt es Geldautomaten, Supermärkte und Handyläden, wo wir eine SIM-Karte und Data kaufen können. Doch zuerst will die Verkäuferin einen Aufenthaltsbescheid, der uns von der Unterkunft ausgestellt werden soll. Später bemerken wir, dass die Campingrechnung vollkommen genügt. Am Nachmittag können wir unser Package von 8+8 GB für 250,-E abholen.

Pascal, ein schweizer Backpacker, den wir in Mosambik schon getroffen haben, kommt uns tagsdrauf besuchen. Im Hostel ist kein Zimmer mehr frei, obwohl wir den ganzen Tag keine Gäste auf der Farm sehen. Der Chef der Farm ist ein bekannter Augenarzt und die Patienten kommen sogar aus Mosambik zur Behandlung. Und gerade heute ist das gesamte Hostel mit Patienten belegt. Gut, dass wir noch unser Zelt im Keller haben, das bauen wir nun gemeinsam auf und so hat Pascal für diese Nacht doch noch ein Dach überm Kopf. Der gemeinsame Abend wird recht flüssig und ist sehr unterhaltsam. Der Weg zum "Island Dam" am nächsten Morgen ist deshalb etwas zäh, aber wir wollen dort frühstücken.

An sonnigen Tagen liegen die Kaffeebohnen auf Etagengestellen zum Trocknen auf. Leider ist das viel zu selten der Fall, denn es regnet fast jeden Tag. Heftige Gewitter mit Windböen, Dauerregen, Kälte und Hitze wechseln sich ab. Sobald die Sonne scheint, hat es sofort über 30°C mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Wenn der Regen über Stunden andauert, kühlt es auch schon mal auf 13°C ab, sodass wir unseren Heizstrahler anwerfen, um es schön kuschelig zu haben. Ein verrücktes Wetter.
Aber dafür ist alles grün und es blüht, viele Blumen und Sträucher zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Allein die Allee mit den roten Blüten auf den Bäumen ist eine Augenweide. Wenn wir morgens unsere Walkingrunde starten, gehen wir darunter durch und der Anblick erfreut uns jeden Tag auf´s neue. Der kleine See ist tagsüber voll mit blühenden blauen Seerosen, sobald die Sonne untergeht, schließen sich die Blüten. Letzte Nacht ist wieder mal heftiger Sturm gegangen und das Nest vom Webervogel hat es vom Schilfrohr gefegt. Tags darauf hat er schon wieder eine neue Behausung gebaut, der muss die ganze Nacht fleißig gewesen sein.

Die Außenwand des Cafes namens "Green Shed" (grüne Baracke) wird gerade mit dekorativen Bambusstangen verschönert. Es gibt eine eigene Kaffeerösterei, aus deren Kamin es gerade sehr gut riecht. Nicht nach Kaffee, eher nach Karamel und warmer Milch. Wir sind uns aber sicher, dass Kaffee geröstet wird, denn wir stehen direkt neben Seb, dem Barrista, der die Rösterei mit dem Laptop verbunden hat, um den Röstvorgang genau zu überprüfen und die Daten zu speichern. Hitze, Dauer, Umdrehungen der Trommel und noch viele andere Faktoren spielen eine große Rolle. Am Boden stehen Säcke voll mit Kaffeebohnen aus aller Welt, die darauf warten geröstet zu werden. Der Cappucchino ist ausgezeichnet und der Karottenkuchen auch. Gerne sitzen wir im gemütlichen Cafe, lesen die Tageszeitung und warten, bis es zum Regnen aufhört.

7 Coronafälle gibt es im kleinen Königreich mit 1,2 Mill. Einwohnern, so steht es zumindest in der Zeitung. Der Schwiegersohn des Hauses ist praktischer Arzt und erzählt uns, dass er nun schon seit Tagen zu Hause ist, da es im Krankenhaus keine Patienten gibt, allerdings gibt es momentan auch zu wenig Medikamente.
Tags darauf lesen wir in der österreichischen online Zeitung das erste Mal von der neuen Virusmutation Omikron. Während es in den heimischen Zeitungen nicht mal erwähnt wird und auch im südafrikanischen Radio nicht präsent ist, herrscht in Europa Aufregung und Panik. Die Flüge ins südliche Afrika werden eingestellt, Südafrika und die Nachbarländer kommen wieder auf die Liste der Hochrisikoländer/Virusvariantengebiete und die Touristen, welche nun endlich wieder hier sind, werden aufgerufen, nach Hause zu fliegen. Nach 1,5 Jahren Corona hat es gerade so den Anschein gemacht, dass endlich wieder etwas Normalität einkehrt, die Buchungszahlen in der Tourismusbranche waren nun zum Anfang der Saison gut. Doch nun ist mit einem Schlag alles wieder leer und die meisten Touristen sind zurückgeflogen oder haben storniert. In den kommenden Wochen steigen die Zahlen in Südafrika , sowie auch in Eswatini rasant, hier von 7 auf 1.069 Fälle. Mitbekommen tun wir von all dem überhaupt nichts.

Heute scheint zwischendurch die Sonne und das wollen wir ausnutzten, um am Teich zu grillen. Wir packen alles in die Box, verschnüren sie am Gepäcksträger vom Fahrrad und schieben dieses zum Picknickplatz, wo wir den ganzen Nachmittag verbringen. Wir lauschen dem Zwitschern der Vögel und hören in der Ferne die Affen schreien. Wolfi kümmert sich um das Feuer, Auberginen werden gegrillt und daraus Baba Ganoush gemacht, dazu gibt es frisches Fladenbrot.

Dieses Regenwetter lässt uns länger am Herd stehen und aufwendiger kochen. Einerseits heizt es das Innere schön auf und natürlich freuen wir uns immer über gutes Essen. Gekochter Tafelspitz mit Semmelkren und Röstkartoffel, saures Rindfleisch mit Kernöl und frisch gebackenem Brot, asiatischer Fleischsalat mit Klebreis, gefüllte Hühnerbrust auf Tomatencarpaccio ist nur ein kleiner Auszug aus unserem Küchenrepertoire.

"Schau mal zurück", ruft Wolfi seiner Verena vom Fahrrad aus zu. Wir sind unterwegs, um die hügelige Umgebung zu erkunden. Als sie sich umdreht, sieht Verena eine riesige schwarze Wolke auf uns zurollen und zwar ganz schön schnell. Die Blitze gehen schon hernieder und der Donner kommt auch immer näher und wir haben noch ein paar Kilometer nach Hause. Voll die Weltuntergangsstimmung, so schnell wie nur möglich radeln wir den Hügel runter, doch hunderte Schlaglöcher drosseln unser Tempo etwas und so geht es sich nicht mehr aus, dass wir trocken den Amigo erreichen. Dicke Tropfen prasseln nieder, der Wind bläst und ziemlich durchnässt hüpfen wir gleich mal unter die warme Dusche.

Rechtzeitig zum 1. Advent backen wir Kekse. Vanillekipferl und Nussecken... hmmm lecker! Wir verstecken sie gut im Keller, sodass wir nicht andauernd am Naschen sind und auch noch zu Weihnachten welche haben. Naja eigentlich versteckt Verena die Kekse vorm Wolfi... ;-) Aber der ist ein Fuchs und kauft sich im Supermarkt eine Art gefüllten Lebkuchen, was sich leider als Mürbteig erpuppt. LOL So schaffen es Teile der selbstgebackenen Kekse tatsächlich bis Weihnachten.

Nicht nur wir bereiten uns auf Weihnachten vor, auch auf der Farm sind die Mitarbeiter beschäftigt und zwar mit einer Kuh. Fleisch für die Feiertage muss herangeschafft werden. Das Leben haben sie der Kuh bereits genommen und dazu den Hals durchtrennt, nun hängt sie an ihren Hinterbeinen an einem dicken Ast in der Jacarandaallee. Das Fell wurde heruntergeschnitten und liegt wie ein Teppich am Boden bereit, um den Magen und die inneren Organe aufzufangen. Wolfi schaut ganz interessiert zu und ist erstaunt von der Größe der Nieren und des Herzens. Fasziniert studiert er die Innereien - sieht man ja nicht jeden Tag, dass eine Kuh ausgenommen wird. Das tote Tier kommt dann auf den Anhänger vom Traktor und wird zum Zerlegen auf die Farm gebracht.

Wie die Zeit vergeht, es ist schon wieder ein Monat rum, unser Visum muss verlängert werden. Also fahren wir in die Hauptstadt und nutzen die Ausfahrt gleich, um das Land etwas näher kennenzulernen. Eswatini ist das letzte absolute Königreich in Afrika, alle Macht liegt beim König. Erst vor einigen Wochen sind hunderte von Studenten auf die Straße gegangen, sie protestierten für mehr Demokratie. Leider kam es dabei zu blutigen Auseinandersetzungen und es wurden Demonstranten erschossen. Um der Aufwiegelei Herr zu werden, hat der König kurzerhand Demonstrationen im Land verboten. Seitdem herrscht wieder Ruhe und er kann sich ganz auf seine 14 Frauen konzentrieren und seine Autos, aus dem 120 Stück zählenden Fuhrwerk, bewegen ;-)

 

Wir verlassen Siteki und fahren Richtung Westen, der Hauptstadt zu. Die Straße ist im guten Zustand, doch die vielen Speedbreakers sind widerwärtig. So hoch, dass man immer auf Schritttempo abbremsen muss, um nicht abzuheben. Kaum hat man wieder in den 3. Gang geschaltet, ist schon wieder der nächste in Sichtweite.
Am Straßenrand wird Feuerholz verkauft, wir sehen viele Stände, an denen die Frauen Süsskartoffeln oder Mangos anbieten. Geschnitzte Holzschüsseln, geflochtene Körbe kann man auch erwerben. Neben uns befindet sich eine 2spurige Autobahn mit Mittelstreifen und Fußgängerbrücken, nur leider darf noch niemand darauf fahren, obwohl große Teile davon schon fertig sind. Also holpern wir halt weiterhin über die Speedbreaker.
Manzini ist die Wirtschaftsmetropole von Eswatini. Unter anderem wurde das Coca Cola Werk aufgrund der ehemaligen Apartheitpolitik aus Südafrika hierher verlegt. Nun wird das Colakonzentrat für den gesamten afrikanischen Kontinent in Eswatini hergestellt.

Wir biegen nach der Stadt links ab, denn wir wollen in den Mlilwane NP. Es ist Wochenende und scheinbar sind wir nicht die einzigen mit dieser Idee. Die Städter wollen an den freien Tagen ebenso auf Safari gehen oder einfach nur braaien und poolen, wie wir später feststellen. Nachdem wir das Ticket gelöst haben, befinden wir uns gleich inmitten von Zebras, Impalas, Gnus, Blessböcken und Kudus. 4km sind es bis zum Campingplatz. Wir durchfahren das Areal für die Tagesgäste, wo die Hölle los ist. Aber wir müssen gestehen, es hat schon was, hier inmitten dieser Landschaft zu grillen und baden. Dabei kommen die Warzenschweine, Nyalas und Impalas ganz nahe, sie sind überhaupt nicht scheu.


Eigentlich wollen wir auf Fußsafari, denn es gibt keine gefährlichen Wiltiere im Park. Heute ist es schon etwas spät, sodass wir nur eine kleine Wanderung zu der Bienenfresserkolonie unternehmen. Dem kleinen Fluss geht´s entlang, das Kroko lässt sich überhaupt nicht stören, die Kudus beäugen uns ganz intensiv aus der Ferne. Die Wasserschildkröten machen sich sofort davon, sobald sie uns bemerken und die Bienenfresser sind super scheu. Erst nach einer Weile gewöhnen sie sich an unsere Anwesenheit. Aber sobald wir den Auslöser der Kamera drücken oder nur unseren Kopf etwas bewegen, fliegen sie wieder auf und davon. Sie kehren nur langsam wieder zurück, zuerst auf die Äste der umstehenden Bäume und sobald einer von ihnen die Höhlennester in der Wand anfliegt, folgen auch die anderen nach.

Es gibt auch Unterkünfte in Form von traditionellen Hütten, in denen sie vor einigen Jahrzenten noch gelebt haben, bevor Beton und Ziegel im Land Einzug gehalten haben. Mit zu Zöpfen geflochtenen Naturseilen sind die Grasdächer der Bungalows fixiert.

Munter werden wir von den Regentropfen, welche aufs Dach prasseln. Auch während des Frühstücks regnet es weiter. Was tun? Sollen wir eine Wanderung wagen? Sicher, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Mit Regenjacke und Wanderschuhen marschieren wir los und wir haben Glück, denn der Regen lässt nach und hört schließlich ganz auf. Es geht einen kleinen Flusslauf entlang, Papyrus wächst am Ufer.
Die Webervögel haben ihr Nest fertig und ziehen eine irre Show ab, sobald ein Weibchen in der Nähe auftaucht. Jedes Männchen zwitschert fröhlich drauflos, schlägt impossant mit den Flügeln, manche hängen Kopfüber am Nesteingang, so nach dem Motto: Ich hab das schönste Haus und ich bin der beste Kerl, also zieh bei mir ein. Es ist ein wahres Vergnügen, dem Treiben zuzuschauen. Leider sehen wir keines der Weibchen in einem Nest verschwinden, also wird der Sonntag für die Webervögelmännchen kein Ruhetag werden - Hausverschönerung steht am Programm.
Das Webervogelmännchen mit nur einem Beinchen hat es doppelt schwer. Es hängt tapfer am Ast, immer wieder kommt er mit einem neuen Gras angeflogen und verflechtet es, um seinem Nest eine gute Statik zu geben. Ist er nicht ein bisschen spät dran mit seinem Nestbau, oder haben die Konkurrenten ihm etwa übel mitgespielt?


Der Trail ist gut markiert, zwei Mal müssen wir den Zaun des Nationalparks mittels Leitern überwinden, um zum Pfad zu gelangen, der weiter hoch zu den Felsen führt. Am Gipfel machen wir Jausenpause mit herrlichem Rundumblick auf die königliche Stadt Lobamba. Leider können wir seine Residenz nicht erkennen, wäre ja eigentlich leicht mit so vielen Garagen am Grundstück...
Zwischen den Aloepflanzen wandern wir den Grat entlang und anschließend die Piste hinunter. Eine extrem schmierige Lehmpiste, sodass das Absteigen absolut kein Vergnügen ist. Doch das Wetter meint es gut mit uns, denn nur wenige Schritte vom Amigo entfernt fängt es erst wieder zu regnen an.

 

Montag ist es - ca. 25km bis nach Mbabane, die Hauptstadt des Königreichs. Bei der Einwanderungsbehörde müssen wir unsere Visa verlängern lassen. Im Erdgeschoß stehen die Menschen im engen Korridor Schlange. Wir sollen ins Zimmer Nr. 105 wurde uns mitgeteilt. Zum Glück steht die Menschenmasse bei Zimmer Nr. 106 an. Anklopfen, eintreten, Pass überreichen, Stempel rein (erneut 30 Tage) und keine 3 Minuten später verlassen wir bereits das Gebäude. Hallo Südafrika - so geht das!!

Wir schrauben uns die Berge hoch, denn wir wollen zum Malolotja Nationalpark und der liegt auf 1.500m. Der Campingplatz liegt idyllisch inmitten einer grünen Hügellandschaft. Auch hier sollte es einige Wanderwege geben. Wir sind umringt von Elanden und Blessböcken, beide haben viel Nachwuchs mit. Im November auf die Welt gekommen, vor der Regenzeit, denn da gibt es genug Futter und die Wahrscheinlichkeit, dass die Jungen prächtig gedeihen, ist groß. Die jungen Blessböcke wetzeln herum, sie veranstalten Wettlaufen, so macht es zumindest auf uns den Anschein. Es ist voll nett, ihnen dabei zuzusehen.


Ausnahmsweise sind wir mal nicht alleine am Camping. Eine britische Familie mit 2 Kindern haben ihren Toyota nach Südafrika verschifft. Erst vor einigen Wochen aus dem Hafen gefahren, haben sie nun 1 Jahr Zeit, um das südliche Afrika kennenzulernen. Als wir ankommen, wird gerade Mathe von der Mama im Pavillon unterrichtet - homeschooling auf Reisen.

Zum Sonnenuntergang fliegt die Eule in den Nebenbaum, das Licht ist traumhaft, die Wolken sind einfach nur phänomenal und wir freuen uns hier zu sein.

Normalerweise führen Wanderwege ja hoch, hier geht´s aber runter. Da es ziemlich weit ist, machen wir bike & hike. Lassen die Fahrräder am Wanderparkplatz stehen und marschieren los. Zuerst runter, dann beim Zurückgehen hoch und weiter mit dem Fahrrad hoch zum Camp. Ganz schön anstrengend, aber die Landschaft ist wunderschön und das alleine ist es wert. Wir erblicken die ersten Proteas seit langer Zeit und viele verschiedene Wiesenblumen blühen gerade.
André, der nette aber sehr geschwätzige Hausmeister vom Campingplatz erzählt uns den ganzen Tag G´schichteln. Verena fällt auf dem Weg zum Wasserfall ein, was er heute morgen erzählt hat. "Die Wege sind nicht mehr so gut markiert wie früher, wo das Managment noch schwarz und weiß gemischt war. Jetzt wird hier nichts mehr gewartet". Ja das können wir sehen und sind froh, dass wir uns mit der App von Maps.me auf Verenas Smartphone gut zurechtfinden.


Kaum zu Hause angekommen, werden wir schon sehnlichst von André erwartet. Er hat uns den Donkey eingeheizt, damit wir warmes Wasser in der Dusche haben. Außerdem wundert es ihn, dass die Elande heute so weit zum Camping kommen, denn erst vor ein paar Tagen wurde eines geschossen, Die Manager hatten Hunger, also musste Fleisch her. Wir wundern uns, dass in einem Nature Reserve geschossen werden darf, aber wir wundern uns auch über die Himbeeren, die direkt vor unserer Haustüre wachsen. Die sind GRÜN wenn sie rot sind und schwarz wenn sie REIF sind, schmecken aber gleich.
Wir grillen Schweinsbauch und essen dazu Krautsalat UND wir finden in unserem Keller noch ein Bier aus Namibia, glücklicherweise kann man es noch trinken - wir haben Namibia im Oktober 2020 verlassen! Aber man sollte vielleicht auch festhalten, Südafrika produziert besser Wein als Bier. Nach dem Essen fängt es wieder mal zu regnen an und so machen wir Feuer im Pavillon und lassen den Tag bei einer Shisha ausklingen.

Pine Valley und Sibebe Rock - das Highlight im Lande! So zumindest hören und lesen wir es öfters. Von Mbabane aus geht es in ein Tal runter. Pinien gibt es nicht mehr viele, jedoch Gesteinsbrocken liegen überall rum. Sibebe ist nach dem Ayers Rock in Australien der zweitgrößte Monolith der Erde. Wenn wir unseren Blick nach oben lenken, sehen wir den großen Felsblock.
Die Zufahrtsstraße zum Sibebe Rock Resort, von wo inzwischen der Wanderweg startet (jedoch wissen wir das erst im Nachhinein), ist ziemlich schmal. Vor uns eine Ausweiche, die bietet sich ja geradezu zum Parken an, denn in der Kurve davor geht der Wanderweg los.
Früher (vor ein paar Monaten) bevor es eine asphaltierte Straße hoch gab, sind die Besucher vom Dorf aus hoch marschiert und in der Kurve auf den Wanderweg abgebogen, den wir nun auch nehmen. Der Pfad ist schlecht sichtbar, ziemlich zugewachsen und dann sind auch noch so viele Felsblöcke, wo man nie weiß, welche Richtung man sie umgehen soll, um den Wanderpfad nicht aus den Augen zu verlieren. Wir kämpfen uns hoch, um dann plötzlich vor einem hohen Zaun zu stehen. Im Nachinein erfahren wir, dass es dieses Resort erst seit kurzem gibt, sie nun ihr Grundstück eingezäunt haben und der Wanderweg nun bei ihnen startet. Umdrehen wollen wir nicht, haben wir doch schon einige Höhenmeter hinter uns gelassen. "Da drüben ist ein Felsblock, da kraxeln wir hoch, biegen den Zaun nach unten und klettern auf der anderen Seite vom Felsen wieder runter", meint Wolfi. Gesagt, getan. Nun sind wir im Resort und müssen nur noch auf den offiziellen Weg gelangen und so ist es kurze Zeit später auch. Die Aussicht vom Monolithen auf das darunterliegende Pine Valley ist wunderschön.

Doch leider bleibt uns nicht sehr viel Zeit, denn es rumpelt schon in der Ferne. Ein Gewitter ist in Anmarsch. So wunderschön in der Regenzeit die Landschaft in allen Farben auch leuchtet, irgendwie nervt der viele Regen doch ein wenig. Also schnellen Schrittes wieder retour, diesmal den offiziellen Weg und das letzte Stück dann auf der Straße. Keine 10 Minuten nachdem wir den Amigo erreichen, beginnt es zu blitzen, donnern und regnen. Auch Hagelkörner kommen dazu und die Straße wird im Nu zum reißenden Fluss.

Wir schlafen hier, heute fahren wir nirgends mehr hin. Als wir die Haustüre am nächsten Morgen öffnen, pfeift fröhlich ein junger Mann vorbei, winkt und ruft herauf. "Danke, dass ihr unser Land besucht." Wir empfinden die Bewohner des Königreichs als sehr freundlich, immer ein Lächeln auf den Lippen.

Bevor wir wieder nach Siteki auf die Mabuda Farm zurückkehren, gehen wir noch shoppen. Superspar, OK foods und Pick´n Pay......Lachsfilet, Rinderfilet und allerlei andere Leckereien werden für die Weihnachtsfeiertage eingekauft. Für 1kg Zucker muss man groß gewachsen sein, denn auf Augenhöhe befinden sich die 5kg und 10kg Packungen.

Zurück auf der Mabuda Farm. Das Wetter ist perfekt für einen Sonnenuntergang bei den Felsen. Die Frösche quacken und das Red Bull ist eine Coconut/Berry Edition.

Seit geraumer Zeit arbeiten 2 südafrikanische Jungs hier auf der Farm. Sie sollen mit innovativen und umweltfreundlichen Mitteln die Qualität, aber auch die Quantiät der Bioprodukte steigern. Ganz stolz zeigen sie uns die gekochte und bereits seit Tagen am Erdboden unter einem Baum ausharrende Reiskultur. Sie spielt nun alle Farben und ist mit verschiedensten Pilzsporen überzogen. Das, unter den Humus gemischt, sollte wahre Wunder wirken. Wir sind gespannt!
Verschiedene Salate, Auberginen, Ruccola und Tomaten vom Garten... lecker! Der Basilikumbusch riecht traumhaft. Die Avocados werden immer größer, jedoch nicht schnell genug, dass wir noch in den Genuß kommen werden.

Am Wochenende ist 4. Advent. Also müssen wir einen Eintopf mit Bohnen kochen, denn Verena braucht eine weitere Aludose für den Adventkranz. Wir hocken im umfriedetem Braai Areal, da haben wir zwar keine Aussicht, doch dafür ist es auch windstill.

Am 23. Dezember ist es hier gleich wie überall anders. Alles ist am Shoppen! Der Supermarkt kann so viele Menschen gar nicht fassen, die Schlange vor dem Eingangstor wird immer länger. Nach 20min warten und noch keinen Schritt weiter, gibt Verena auf. Obwohl es interessant ist, die Dame mit roten Wollkleid und silbernen Highheels oder die Frau hinter ihr in einem typisch bunten, oppulenten afrikanischen Kleid mit dazupassenden Kopfschmuck zu betrachten, sind ihr die Lebensmittel doch nicht so wichtig. Verena gibt auf. Am Kirchhof schreit der Bischof, von einer der vielen kirchlichen Gemeinden, ins Mikrophon, dass wir ihn auch noch bis zur Farm runter hören können. Es geht über Stunden und es hört sich irgendwie nicht nach einer Messe an, eher nach einer Verkaufsveranstaltung...

Unsere Weihnachtsgeschenke kaufen wir im "Green Shed". Frisch gerösteter Kaffee, Macadamiabutter (die einfach nur köstlich schmeckt) und Kumquat-Marmelade (noch nicht geöffnet). Also haben auch wir heuer was unter dem Christbaum liegen. Die Einladung für den Heiligen Abend-Braai von der Farmersfamilie, kommt zu spät, denn da haben wir unseren Lachs schon aufgetaut. "Aber zum Choral singen kommen wir gerne." teilen wir Helen mit. Gefeiert wird im Green shed und wir staunen nicht schlecht, dass wir die einzigen Gäste sind, die nicht zur Familie gehören. Das Programm hat sich auch geändert, zuerst wird gegessen, danach gesungen. Wir trinken einen Aperitiv mit ihnen und "smaltaken" eine zeitlang, dann verabschieden wir uns aber und lassen uns zuhause die Knoblauchcremesuppe, den gebratenen Lachs auf einem Tagliatelle Nest mit Auberginen und selbstgebackenen Lebkuchenbrownie als Dessert schmecken. Peter Rosseggers eigenartige Weihnachtsgeschichte findet bei uns nicht viel Anklang, also gehen wir aufs Singen über, Texthilfe kommt aus dem Radio.

Auch die restlichen Feiertage verlaufen ruhig. Es regnet viel, also machen wir es uns auf unserer "Couch" gemütlich. Kaffee mit Schuss und dazu das Buch Hummeldumm - ein toller Zeitvertreib, während die Regentropfen auf´s Dach klatschen. Wir probieren uns an einem Filet Wellington, Wolfi gibt sein bestes, doch es ist noch ausbaufähig.

Gut 4 Monate ist es nun her, seit wir unsere 2. Covid-19 Impfung noch in Österreich erhalten haben. Da die Aussicht in Südafrika einen Booster als Ausländer zu bekommen wahrscheinlich schwierig ist, zuviel Bürokratie, probieren wir es in Eswatini. Im Good Shepard Hospital wird Pfizer/Biontech angeboten, also radeln wir dorthin. Die Dame am Schreibtisch im provisorischen Zelt meint, dass die Registrierung für uns Touristen schwierig sein könnte. Wir sind alleine, keine anderen Impfwilligen, sie hat eh nix zu tun, macht einen gelangweilten Eindruck auf uns und trotzdem will sie bei den Zuständigen nicht anrufen. Stattdessen schickt sie UNS dort hin - ein kleines Spital in der Innenstadt. Die Sitzbank im Vorgarten biegt sich durch, Patienten mit glasigen Augen, andere mit kehligen Husten, wieder andere mit kränklichen Kindern im Arm. Die Registrierung befindet sich im eigentlichen Wartezimmer vom Spital, wo noch viele andere Patienten warten. Nicht wirklich! Haben wir bis jetzt kein Corona bekommen und dann vielleicht beim Abholen der Booster-Impfung - das wäre doch sehr makaber! Die Schnellsten sind sie auch nicht und lange Warten inmitten der vielen Menschen hier wollen wir definitiv nicht.
3 Tage später - wir versuchen unser Glück nochmals. Radeln hoch zum Good Shepard Hospital. Hände waschen, Fieber messen, wir bekommen einen Aufkleber auf unsere Tshirts (der anzeigt das wir gecheckt worden sind) und dürfen schließlich weiter ins "Coronazelt". Diesmal sind andere Mitarbeiter anwesend. Am Tisch stehen Kühlboxen bereit und ein junger Mann im weißen Kittel winkt uns gleich zu sich an den Sessel. Außer der Frage, welchen Impfstoff wir haben wollen, interessiert ihn nichts. Er langt sich eine Ampulle vom "Jahrgangs-Pfizer" raus, zieht die Einwegspritze auf und sticht perfekt. Erst im Nachhinein müssen wir auf seinem Handy die Anmeldung durchführen und ein paar Fragen über unseren Gesundheitszustand beantworten, sowie eine Telefonnummer angeben. Als wir fast fertig sind, kommt die Dame die uns vor 3 Tagen abgewiesen hat und organisiert noch einen Stempel vom Krankenhaus für unseren Impfpass. Es dauerte etwas, doch sooo kompliziert war die Registrierung nun auch nicht, wie uns die Dame noch vor Tagen weis machen wollte.


So nun sind wir bereit für Südafrika - obwohl die Welle dort ihren Höhepunkt erreicht hat und es bereits wieder abflaut, haben wir trotzdem ein besseres Gefühl. Fragen nach einer Impfung gegen Covid tut uns hier im südlichen Afrika niemand. Weder an der Grenze, bei irgendwelchen Behördengängen oder in Lokalen. Es freut sich das Gesundheitswesen von Eswatini wenn man sich impfen lässt, denn 2 Tage später bekommen wir eine SMS mit den Worten: "Thx for receiving the vaccination!"

Silvester steht vor der Tür. Da wir noch immer die einzigen Campinggäste sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als alleine zu feiern. Ein Spieleabend mit einigen Gläsern vom sehr guten Glüh-Gin und dazu die letzten Weihnachtskekse. Verena hat doch noch ein richtig gutes Versteck für sie gefunden! Die Raketen zu Mitternacht sind nur laut und leuchten nicht. Der obligatorische Walzer zum Jahreswechsel fällt heuer ins Wasser, weil es doch etwas beengt ist in unserer Villa...und es draußen schon wieder oder noch immer regnet.
Dem Streaming sei dank, können wir zumindest akkustisch beim Neujahrskonzert dabei sein. Während Herr Barenboim die Wiener Philharmoniker erwartungsgemäß sehr gut dirigiert, wäscht Verena die Wäsche und Wolfi schmiert die letzten Reste schwarzer Farbe auf den Amigo. Dazu scheint die Sonne, na wenn das kein guter Start ins neue Jahr ist?

Ein letzter Cappuchino im Green Shed,
ein letzter Spaziergang zu den Teichen,
der Mais ist in den letzten 2 Monaten von 5cm auf 2m angewachsen
- jetzt ist es wirklich Zeit zum Weiterfahren, wir freuen uns schon auf Südafrika.

 

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