Guinea Bissau

23. - 29.05. 2019

Einreiseort: Sao Domingos
Ausreiseort: Buruntuma
Währung: 1€ = 655,- CFA
Dieselpreis: 628.- CFA

Die Ausreise vom Senegal und die Einreise nach Guinea Bissau haben wir in weniger als 30 Minuten hinter uns gebracht. Keine Geldforderungen, freundliche Beamte und korrekte Abwicklung. 7.500,- CFA Roadtax müssen wir für unseren Aufenthalt bezahlen.
Amtssprache ist Portugiesisch, bis 1973 war es portugiesische Kolonie. Guinea Bissau ist ein kleines Land mit ca 1,5 Millionen Einwohnern und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt.


Wir sind nicht mal 500m seit der Grenze gefahren, da haben wir schon die erste Polizeikontrolle. Fahrzeugpapiere, Pannendreieck, Feuerlöscher, Warnwesten... alles was man in Europa so mit sich führen muss. Wahrscheinlich haben sie gegoogelt und wollen für europäische Fahrzeuge diese Vorschrift auch hier einführen ;-) Blöd nur, dass wir alles griffbereit haben. Also muss "Mann" sich was einfallen lassen. Unsere laminierten Kopien vom Führer- und Fahrzeugschein hat der Polizist schon in der Hand, der Fahrer soll aussteigen und mitkommen. Am Straßenrand sitzt sein Vorgesetzter, welcher ein laminiertes A4 Blatt rüberreicht, auf dem allerlei Vergehen mit dementsprechender Strafe nachzulesen sind. Und siehe da, unter "Sonnenbrille" steht 6.000,- CFA und die fordern sie nun ein. Wolfi kann sich das Lachen nicht verhalten, deutet ihnen "Nix gibts" und der Beamte zeigt in ärgerlicher Bewegung, dann sollen wir uns doch schleichen. Nichts lieber als das!

Die Landschaft ist nicht viel anders, als in Senegal. Doch es gibt keine lästigen Speedbreaker mehr vor den Dörfern, also haben die Einheimischen abwechselnd Palmstämme auf die Straße gelegt, um die man herumfahren muss. Wir durchfahren kleine Dörfer, die Häuser sind unter den Palmen und Mangobäumen versteckt. Es gibt nirgends Strom und das Wasser wird vom Dorfbrunnen hochgezogen. Die Schweine und Ziegen laufen alle frei herum.
Wir queren viele Deiche, auf denen der Asphalt eine Katastrophe und nicht mehr befahrbar ist. Links und rechts des löchrigen Asphalts sind Pisten zum Ausweichen, die aber auch nicht besser sind. Die Fahrzeuge die hier fahren, sind nochmals um einiges schlimmer beieinander, als die im Senegal. Die Buschtaxis sind ausschließlich Mercedes, sogenannte "Bremer" weil sie in Bremen gebaut wurden, sie leisten hier im Land die härteste Arbeit. Um das mehrfache überladen, kämpfen sie sich von Schlagloch zu Schlagloch. Die alten Lkws ziehen ihre noch älteren Auflieger unter einer dicken Rußwolke über die Straßen. Da plötzlich kommt uns ein neues Auto entgegen, dem Kennzeichen nach ist es..... aus Togo.


Ein einziger Cashewwald - so weit das Auge reicht. Die Einheimischen sind mit dem Einsammeln der Früchte beschäftigt, die dann neben der Straße auf große Planen zum Trocknen liegen, bevor man sie in Jutesäcke verpackt und abtransportiert. Die Lkws fahren alle Richtung Hauptstadt. Später lesen wir, dass 85% der Exporterlöse von Guinea Bissau auf die Cashewnüsse fallen. Das kleine Land ist auf Platz 6 der weltweit größten Produzenten.

Der Fährbetrieb über die beiden Flüsse Rio Cacheu und Rio Mansoa gehört der Vergangenheit an, nun überquert man sie auf nagelneuen Brücken, die für unseren Lkw 5.000,- CFA pro Brücke an Maut kosten.

Nach ca. 120km erreichen wir die Hauptstadt Bissau. Hier wollen wir zu einem privaten Stellplatz und so besuchen wir Nick vom Gorilla Rooms Hotel. Sein Freund hat unweit einen Innenhof, den er den Overlandern vermietet. Genau diese Woche braucht er aber den Platz selbst. Auf die Frage, ob es die Straße weiter vielleicht eine Möglichkeit zum Parken gäbe, fällt Nick der Stellplatz von seinem Freund Ramat ein. Ramat hat ein eingezäuntes Areal mit Autowaschanlage und einer Bar gegenüber. Wir dürfen uns zwischen dem rostigen 207 Mercedes und einem 190 Mercedes Taxi mit 3 Plattfüssen einparken.


Um 17.00 Uhr beginnt er Musik in seiner Bar zu spielen, die bis mindestens 01.30 Uhr anhält. Die Guinea Bissauer sind ein fröhliches Volk, sind dem Alkohol nicht abgeneigt und feiern und tanzen gerne. Morgens um 6 Uhr sind die fleißigen Angestellten schon am Autoputzen oder Kupplung testen, wobei der Motor andauernd aufheult, weil man partout nicht wahrhaben will, dass sie tot ist. Viel Schlaf ist uns nicht gegönnt.
Nebenan ist eine katholische Schule, 3 Fenster des rechteckigen Gebäudes sind auf unserer Seite. Um 8.00 beginnt der Schulunterricht und das gemeinsame laute Nachsprechen der Kinder ist auch nicht viel ruhiger, als die 20 Minuten, die sie vorher im Schulhof abtoben. Aber es wird mit jeder Nacht besser und wir schlafen trotz der lauten Musik relativ gut und wenn die Kinder in der Schule sind, kocht im Amigo schon der Kaffee :-)

Der erste Weg führt uns zur Botschaft von Guinea, dort wollen wir das Visum für das nächste Land Guinea beantragen. Wir füllen das Antragsformular aus, geben die Pässe ab und der Anruf, dass wir unser Visum abholen können, erreicht uns nur 3 Stunden später, als wir gerade den Bandim Markt erforschen. Das nächste Taxi halten wir an und als wir in die Straße zur Botschaft einbiegen, bringt uns der Botschaftsangestellte die Pässe schon entgegen. Wau, das ging ja wirklich schnell, vielen Dank!!

Der Bandim Markt ist chaotisch, laut und die Gassen sind eng. Überall wo nur ein bißchen Platz ist, bieten die Menschen ihre Waren zum Verkauf an. Auf zusammengeschusterten Brettergestellen, auf Eimern gestellte Platten, in großen Schüsseln oder einfach nur auf Planen am Boden liegend werden Obst und Gemüse, getrocknete Fische und Shrimps, Fleisch, Brote und Nüsse, Nudeln und Mayonnaise (dem Angebot nach muss der Konsum hier immens sein), Kuchen, Krapfen und vieles mehr angeboten. Scheibtruhen werden zu rollenden Verkaufsläden.
Die bunten Stoffe werden auf parkenden Autos ausgebreitet, daneben am Boden durchwühlen die Frauen Fotos mit schönen Kleidern. Wahrscheinlich sind das die neuesten Modelle. Modemagazine gibt es hier keine, außerdem können leider nur die wenigsten lesen, denn ca. 40% sind Analphabeten. Die durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs liegt angeblich bei 2,8 Jahren. Mit dem Stoffballen am Kopf und dem Foto in der Hand geht es zum Schneider des Vertrauens, um sich genau dieses Kleid auf dem Bild nähen zu lassen - wenn Frau es sich leisten kann.

Wir fühlen uns wohl zwischen all den vielen Menschen und Waren, doch es ist auch anstrengend. Die Augen sind immer am Gehsteig und gleichzeitig auf das Geschehen drumherum gerichtet. Denn jederzeit muss man mit einer Schikane in Form von großen Löchern, Steinen, Abbruchkanten oder offenen Rinnen rechnen, bei denen man sich bei Unaufmerksamkeit ganz schnell verletzen kann. Damit man weicher fällt, werden Autoreifen in die Löcher geworfen oder irgendwas anderes, was gerade übrig ist...
Verena braucht neue Passfotos und dazu gehen wir natürlich zum Besten!! Zu einem richtigen Könner seines Faches, einem "Foto Star", fluggs ist der Vorhang vor das Büro gezogen und der weiße Hintergrund ist bereit. 5 Minuten und € 1,50 später sind wir schon wieder im Gewühle unterwegs. Achja, Wolfi hat eine neue Hose!!!

Alles - ob Kleidung und Schuhe, Bettwäsche, Haushaltsartikel, Elektrogeräte oder Autos - was wir in Europa nicht mehr brauchen, landet in Afrika. Wir beobachten, wie die Jungs die gebrauchten Schuhe in einer Seifenlauge schrubben, trocknen und dann feilbieten. Häckeldeckchen, die meine Oma auf der Kredenz liegen hatte, finden dankbare Abnehmer. Die gewaschene und gebügelte Bettwäsche liegt schön übereinandergestapelt zum Verkauf bereit. Porzelanteller, Töpfe und Pfannen, manche sehen schon ziemlich ramponiert aus, manche aber fast wie neu, Küchenhelfer und - ach wie schön, Besteck!! Unsere Streichmesser sind fast alle abgebrochen. Neue wären gut - aber so etwas wird in Afrika normal nicht gebraucht (gegessen wird mit Löffel und Gabel) - außer hier in Bissau nun. So erstehen wir 2 Streichmesser und die europäischen Seconhandmesser, die nach Afrika entsorgt wurden, werden irgendwann wieder mit uns nach Europa fahren. Schon eine komische Welt!

Die Autos sind eine Sache für sich. Die Taxis sind alle 190er Mercedes und weiß/blau gestrichen. Viele alte " Schrottautos" fahren rum. Aber nicht nur, auch einige protzige Geländewägen und modernere Autos sind in Bissau unterwegs bzw. nicht mehr. Denn viele der "Neuwägen" stehen total verstaubt am Straßenrand. Wir vermuten, dass ein kleines Elektronikproblem zum absoluten Stillstand des Fahrzeuges führt. Und tatsächlich erzählt Ramat uns, dass die meisten nichts von der Elektronik in den Autos wussten, als sie stolze Eigentümer von solchen Boliden wurden. Jetzt stehen sie in der Gegend rum, denn keiner weiß Rat, kennt sich aus und Teile dafür sind auch keine vorhanden. Blöd gelaufen...

Statt Gedränge und Trubel geht es im alten ehemaligen portugiesischen Stadtteil Bissau Velho eher beschaulich zu. Die einstmal schönen Gebäude verfallen langsam, was sehr schade ist, denn sie strahlen trotz der abbröckelnden Mauern und den fehlenden Fenstern noch immer einen eigentümlichen Charme aus. Wenn man durch die staubigen Gassen schlendert, hat man eher das Gefühl in einer Kleinstadt zu sein.....aber Bissau ist auch nicht besonders groß.

Am Hafen wollen wir uns die Fährschiffe auf die Bijagos Inseln anschauen. Die Inselwelt sollte das Highlight des Landes sein. Bei Ebbe sieht der Hafen noch schlimmer aus und gibt Dinge frei, die man lieber nicht sehen will. Schiffswracks stecken im Schlick und rosten vor sich hin. "Das muss einmal ein größerer Dampfer gewesen sein, mittlerweile ist nur noch die Eisenhaut da." Auch die Betonpfeiler, welche die Pier tragen, scheinen nicht mehr die beste Qualität zu sein. Die Pirogge, die nach Bubaque, der Hauptinsel des Bijagos Archipel, fährt, macht keinen vertrauenserweckenden Eindruck, also verwerfen wir unseren Plan, die Insel zu besuchen.
Vor dem Tor stehen viele portugisische Altautos. Eine dicke Staubschicht lässt erahnen, dass der Zoll eine geraume Zeit für den Import braucht. Die Reifen des Sattelschleppers, der später hunderte 50kg Reissäcke aus China transportiert, haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Kein Wunder, dass wir soviele kaputte Reifen neben den Straßen sehen. Die Reifen wechselt man hier erst wenn sie zerfetzen. Verena kommt der Gedanke, ob jetzt die Afrikaner zu nachlässig oder wir zu übervorsichtig sind?

Gestern Abend haben wir eine Doku über den Drogenhandel in Westafrika gesehen. Vor uns ist nun das Hotel Kalliste und wir überlegen, ob wir hineingehen sollen, dem international gesuchten Drogendealer, der hier Manager ist, eine drüberziehen, ihn fesseln und versteckt im Amigo über die senegalesische Grenze nach Dakar bringen sollen!? Das fette Lösegeld, das es wohl hoffentlich für so einen schlimmen Verbrecher geben wird, könnten wir gut gebrauchen!!! Die Sache scheint uns dann doch zu riskant, denn er war schon unter Obama ein gesuchter Mann! Bekanntlich stellt ja ein blonder Amerikaner derzeit alles auf den Kopf und hat noch dazu Geldsorgen, wer weiß ob wir da überhaupt was bekommen würden.....


Noch vor wenigen Jahren war das Militär groß im Kokainhandel involviert, jetzt natürlich nicht mehr!! Südamerika ist nur wenige Flugstunden entfernt. Im Bijagos Archipel gibt es viele unbewohnte Inseln, wo im Jahre 2012 angeblich jede Nacht Flugzeuge zwischen 800-1000kg Kokain ins Land gebracht haben. Von dort aus hat dann der weiße Stoff seinen Weg nach Europa genommen. Die Flugzeuge sollten auch Pakete ins Meer geworfen haben, welche von den Booten eingesammelt wurden. Eines Tages ging etwas schief und die Pakete der Lieferung wurden an Land gespült. Die meisten Einheimischen wußten nichts von Kokain und haben das weiße Pulver zum Anmalen ihrer Häuser verwendet.
Einer von diesen Drogenbossen sollte eben dieser Hotelmanager sein, wo wir nun davorstehen.... Panzertape hätten wir mit, falls er uns zufällig über den Weg laufen sollte...
Wenige Menschen haben sich durch den Kokainhandel ein Riesenvermögen angehäuft, während das Land und deren Bewohner bettelarm ist.
Seit 2014 gibt es eine neue Regierung, die angeblich den Kokainhandel eingedämmt hat. Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex liegt Guinea Bissau auf Platz 171 von 176 Ländern. Der Präsident sollte heuer im Sommer neu gewählt werden, bis jetzt gibt es keine Anzeichen für Wahlen, er sitzt ganz gut in seinem Sessel.
In den Gassen der Altstadt ist heute Streiktag, denn der schon vor 3 Monaten vom Volk gewählte Premierminister ist vom Präsidenten bis jetzt nicht dazu ernannt worden. Jetzt reicht es, das Volk will mehr Demokratie und weniger Korruption. Ob ihnen das so einfach gelingen wird, ist wohl eher fraglich.

Wir stehen vor dem Konsulat der Elfenbeinküste und wollen auch dieses Visum hier beantragen. Wir klingeln, aber es ist Donnerstag Nachmittag, der Konsul arbeitet nicht. Morgen sollen wir doch wieder kommen. Die einzige, die wir Freitag Vormittag im Büro antreffen, ist die Putzfrau - auch heute will der liebe Herr Konsul nicht arbeiten. Aber am Montag, sagt man uns....

Verlässt man die 4spurige Prachtstraße Bissaus, befindet man sich auf roten mit Müll gepflasterten Lateritpisten, die zu den Bairros (Wohnviertel) führen. Man glaubt sich am Land in einem Dorf zu befinden, einzig die Stromleitungen beweisen das Gegenteil.

Der Sonntag wird gefeiert. Weniger als die Hälfte der Bewohner Bissaus sind Muslime. Die Mehrheit sind Christen oder gehören der afrikanischen Religion an. Nach dem Gottesdienst treffen sich die Familien und Nachbarn in der Wohnstraße. Aus den Boxen dröhnt eine Art Reagge Musik, die Frauen und Kinder wippen ihre Hüften dazu. Es herrscht ausgelassene Stimmung. Aus den 7 großen Töpfen riecht es gut, es wird gemeinsam gegessen. Der Sonntag wird feuchtfröhlich verbracht.

Caldo Branco ist das Nationalgericht - Hähnchen in Erdnusssauce, es schmeckt köstlich! Verena isst Trockenfisch gekocht in einer guten Weißweinsauce. Danach geht`s noch auf ein Super Bock zum Wirten, auch wir haben Sonntag!!

Am Montag stellen wir uns den Wecker, damit wir ja früh genug auf dem Elfenbeinkonsulat erscheinen und der Herr Konsul noch keine Pause einfordern kann. Wir sind sogar zu früh, sodass wir etwas warten müssen, aber nicht lange, dann ist er da. Jedoch will er uns das gewünschte Visa mit 3 monatiger Gültigkeit und 3 Monate Vorlaufzeit nicht ausstellen. Die 3 monatige Gültigkeit ist nicht das Problem, doch das Visum würde ab heute laufen. Die nächsten Länder für uns sind Guinea, Sierra Leone und Liberia, also wären die 3 Monate fast abgelaufen, wenn wir die Elfenbeinküste erreichen. Hier in Bissau sollte dieses Visum am kostengünstigsten und unkompliziertesten sein, deshalb wollten wir es hier besorgen. Doch nun gehen wir unverrichteter Dinge von dannen. Macht nix, das Wochenende in Bissau war schön und nun hindert uns nichts mehr daran, die Stadt zu verlassen.

Pünktlich zur allabendlichen Stosszeit verlassen wir die Stadt und der Verkehr ist dementsprechend, doch mitten auf der Prachtstraße ist der Spuck vorbei. Beim großen Kreisverkehr beginnt dann auch wieder die mit Schlagloch übersähte Straße in den Norden und nach Guinea. Bei der ersten Möglichkeit fürs Bushcamping biegen wir links ab. Wir bleiben nicht lange unentdeckt, Yussuf wohnt nur wenige hundert Meter weiter drüben und wir sollen uns doch bitte auf seinen Hof stellen. Wir lassen uns erweichen und parken um. Yussuf, ein Iraki, nun aber schon seit 15 Jahren in Guinea Bissau, hat ein Schotterwerk. All der Fuhrpark und die Maschinen die man dazu braucht, werden nachts von einem Wachmann bewacht, heute inklusive unserem Amigo.
Kaum angekommen müssen wir schon am Tisch Platz nehmen. Es ist Ramadan und da darf tagsüber bekanntlich nichts gegessen werden. Nun ist es schon knapp 20.00 Uhr, die Sonne ist verschwunden und Yussuf mit seiner Familie und einem Arbeiter stürzen sich auf die Speisen, wissen gar nicht, was zuerst essen und so stopfen sie sich alles gleichzeitig in den Mund. Es wird mit Fingern aus Schüsseln gegessen, die Hälfte landet am Tisch, weil die handvoll Krautsalat doch zu groß ist für den Mund. Ein Gelage, dass uns fast schon alleine beim Zuschauen schlecht wird. Das angebotene Essen lehnen wir dankend ab, es hat schon so den Anschein, als ob zu wenig am Tisch wäre. Nach dem Festmahl sind alle müde und wir verziehen uns in unser trautes Heim.
Am nächsten Tag wird ein neuer Tank für einen der alten Magirus Deutz passend gemacht, da der alte nicht mehr so dicht ist. Der Tankgeber passt nicht in den neuen Tank, so wird kurzerhand das Loch im Tank vergrößert und der Geber bündig hineingeschweißt. Geht nicht, gibt´s nicht!! 7 oder 8 Leute arbeiten hier, aber heute noch nicht, denn der Magirus läuft nicht, auch der Luftpresser ist kaputt und wird erst im Laufe des Tages aus Bissau zurückkommen, so wartet die Mannschaft im Schatten des Mangobaums bis der Lkw wieder läuft.
Für uns wird es Zeit, wir wollen nach Guinea und
machen uns auf den Weg in den Osten. Der Aspahlt ist gut, die Dörfer sind nett und ursprünglich.
Die meiste Zeit durchfahren wir wieder Cashewwälder. Bei vielen Hütten sehen wir ausgehöhlte Holzstämme, die schräg auf Astgabeln liegen. Wahrscheinlich pressen die Lokalen darin ihren gelieben Cashewsaft und lassen ihn fermentieren, damit er alkoholisch wird.

Die letzte Nacht verbringen wir auf einem Fußballplatz am Rande eines Dorfes. Es ist sehr schwer einen Übernachtungsplatz zu finden, denn ein Dorf reiht sich ans andere und dazwischen sind links und rechts Ceshewbäme, dicht an dicht. Kaum haben wir den Motor abgestellt, sind wir schon umringt von den Dorfkindern. Neugierig blicken sie uns und den Amigo an, in den Händen haben sie ihren halb zerdrückten Fußball. Wolfi pumpt ihnen etwas Luft in den Ball und versucht das kleine Löcherl mit Superkleber zu reparieren. Zumindest hält er das Match durch, das sie für uns spielen. Sie geben sich jede Menge Mühe und bei jedem guten Pass werfen sie einen hoffnungsvollen Blick in unsere Richtung. Glauben sie vielleicht, dass wir Talentescouts sind? Fast jeder kleine Junge in Afrika hofft einmal ein großer Fußballstar in Europa zu werden, so wie früher bei uns auch!!.
Kaum ist es finster, sind sie auch schon verschwunden - Abendessen ist fertig!!
Wir haben unsere Ruhe bis zum nächsten Morgen, aber nur kurz nachdem die Sonne aufgeht, denn dann stehen sie schon wieder unter dem Küchenfenster und schnattern lautstark.

Wieder ein Checkpost der Polizei. Sie winken uns nicht durch - also wollen sie wahrscheinlich etwas von uns. Dieser Checkpost wird der bisher coolste überhaupt.

Fahrzeugpapiere! Nix die Kopie - das Original will er sehen - haben wir.
Laissez-passier oder Carnet de Passage - haben wir.
2x Warndreieck - haben wir.
Warnweste - haben wir.
Feuerlöscher - haben wir.

Wagenheber - haben wir und lachen bereits im Auto. Hmmm, das gibts doch nicht, das die Weißbrote alles mithaben und er packt sein komplettes Repertoire aus.
Scheinwerfer-, Blinker-, Bremslicht- und Rückfahrscheinwerferfunktionskontrolle - funktioniert zum Glück auch
Scheibenwischerfunktionskontrolle sowie Scheibenwasserflüssigkeitsfunktionskontrolle - funktioniert auch.
Enttäuscht gibt er die Papiere zurück, als ihm noch etwas einfällt!!
Versicherung - haben wir auch!! Aber dazu muss er auf die Zehenspitzen, denn der Abschnitt klebt hinter der Windschutzscheibe...

Uff, wir sind komplett verdattert, sodass wir total vergessen, ihm ein Trinkgeld für das Kontrollieren der Lichter zu geben.

So nun haben wir doch noch den Grenzposten zu Guinea erreicht. Nur eine Woche lang haben wir uns in Guinea Bissau aufgehalten. Leider hat das Festland landschaftlich nicht allzuviel zu bieten, doch wegen der freundlichen Menschen ist es allemal eine Reise wert. Wir verlassen nun eines der korruptesten Länder der Welt und fahren in das korrupteste Land überhaupt - wie es uns da wohl ergehen wird???

 

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