Guinea

29.05. - 19.06.2019

Einreiseort: Kandika
Ausreiseort:
Pamélap
Währung: 1€ = 10.000,- GNF (Franc Guinée)
Dieselpreis: 1l = 9.500,- GNF

Wir rollen dem Schlagbaum zu, ein träger Beamter erhebt sich von seinem Schattenplatz und zieht die Schnur hoch, sodass wir nach Guinea einfahren dürfen. In welchen von den häßlichen kleinen Betonbauten ist nun die Immigration untergebracht? Schon deutet der Beamte, wir sollen den Amigo abstellen und die wenigen Meter geradeaus zum weißen Gebäude hochlaufen. Dort empfängt uns ein junger Polizeibeamter, der munter darauf los plaudert, dass es ihm erlaubt ist, mehrere Frauen zu haben und dass er das sehr gut findet. Er erwähnt auch noch mehrmals, dass in Guinea der Mann der Chef ist und die Frauen zu gehorchen haben. Ob wir Moslems sind? "Nein", unsere Antwort - wir dürfen trotzdem einreisen;-)
Beim Zoll dauert es etwas, was aber nur daran liegt, dass der Beamte keinen funktionierenden Kugelschreiber findet und so jede einzelne Lade und Schranktüre vergebens geöffnet wird. Beim Nachbarn wird er dann fündig und nichts mehr steht einem Stempel mit Unterschrift im Wege.

Wir sind die einzigen Grenzgänger, was wahrscheinlich an dieser katastrophalen Piste liegt, welche schon im Niemandsland angefangen hat. Über tiefe ausgewaschene Rinnen und Furchen rollen wir der Piste entlang, die eher einem trockenen Bachbett gleicht. Wahrscheinlich gibt es nicht sehr viel Warenaustausch zwischen den beiden Ländern und das bisschen wird über Senegal abgewickelt. Jetzt wissen wir auch was Yussuf gemeint hat, als er uns noch den Tipp mit auf dem Weg gegeben hat, dass wir in Gabu nach Senegal abbiegen und von dort nach Guinea einreisen sollen.


Vereinzelt gibt es wieder Baobabs, viele Mango- und Cashewnussbäume und jede Menge von Johannisbrotbäumen, an denen die Frauen mit langen Ästen die dunkelbraunen Schoten herunterschlagen. Wenn man diese öffnet, findet man gelbe Früchte zum Lutschen, die wie Backpulver schmecken. Wir essen nur ein paar Schoten, dennoch haben wir beide am nächsten Tag Durchfall oder war der Pastis zu kalt?
Die Rundhütten erscheinen uns etwas größer und die strohgedeckten Dächer reichen weiter an den Boden runter als in Guinea Bissau. Jedes Dorf hat eine Palaverhütte, in denen sich junge und alte Männer tagsüber aufhalten und eben palavern, während die Frauen fleißig die Arbeit am Feld und im Haus verrichten.

In der ersten Stadt suchen wir einen Bankomaten. Gleich gegenüber der Tankstelle befindet sich eine Bank, sehr passend. Die höchste Summe, die wir aus der Geldmaschine bekommen, sind umgerechnet €60,- und der größte Schein ist eine €2,- Note. Nach mehrmaligen Abhebens kommt Verena mit einem dicken Bündel Geldscheinen wieder zurück und wir investieren gleich mal 1,8 Millionen in 190l Diesel, welcher hier komisch riecht.
Das Sprichwort: "Geld stinkt nicht" gilt nicht für Guinea, hier stinken die Scheine schon. Wir möchten gar nicht wissen in welchen Ecken und Falten das Geld normalerweise steckt... Nur wenige Meter weiter, direkt an der Hauptstraße, erstehen wir eine SIM-Karte und laden diese mit 4 GB auf. Jetzt brauchen wir nur noch Brot und wir können die Stadt wieder verlassen.

Nach dem Frühstück machen wir einen Spaziergang und landen in einem kleinen Dorf. Die Schule hat gerade Pause und die Kinder kommen uns mit lauten Boonjooour entgegengelaufen. Foto, Foto, Foto im Unisono und jedes Kind ist ganz stolz, als es sich auf dem Kameradisplay am Bild wiedererkennt. Schade, dass wir keine Sofortbildkamera dabei haben... mit so einem Foto könnte man den Kindern eine große Freude bereiten.
Der Opa sitzt mit seinen Enkeln vor der Hütte und sieht uns neugierig entgegen. Ja, der Traktor vom Nachbarn ist gute Qualität, aber für was er gebraucht wird, können wir ihm nicht entlocken. Weit und breit sind keine Felder in Sicht, die man damit bearbeiten könnte...

Die Menschen in Guinea sind extrem freundlich. Immer ein Lächeln im Gesicht und wir haben das Gefühl, dass sie nur darauf warten, dass wir ihnen zuwinken, denn dann werfen auch sie ihre Hände in die Höhe und winken und lachen was das Zeug hält. Wir fühlen uns sehr wohl hier. In den Städten schaut es schon etwas anders aus und es wird nur noch halbherzig oder gar nicht mehr gewinkt. Es ist so wie überall auf der Welt, zwischen Stadt- und Landbevölkerung ist ein großer Unterschied.

Wir machen Mittagspause, gerade als Verena die Teller in die Abwasch stellt, hören wir ein Motorengeräusch. Dave, ein Jamaicaner der in London lebt, braust auf seiner BMW daher und hält an. Die nächsten Stunden verbringen wir mit Quatschen. Er erzählt uns, dass er kein nigerianisches Visum bekommen habe und nun auf dem Nachhauseweg sei. Er wird seine Reisekassa wieder etwas aufbessern und seine liebe Gattin besuchen, bevor er sich nächstes Jahr wieder auf dem Weg nach Afrika macht. Dave ist 62 Jahre und er hat sich zum Ziel gesetzt, dass er bis zu seinem 70. Geburtstag alle afrikanischen Länder besucht haben will - ein großes Vorhaben!

Die Savannenlandschaft geht langsam in Hügelland über und wir gewinnen an Höhe. Zarter, grüner Flaum bedeckt den Boden - also muss es schon ein paar mal geregnet haben. Große Felsbrocken neben der Straße, viele Bäume mit Lianen und sogar Affen kreuzen unseren Weg. Der Asphalt ist plötzlich zu Ende und wir fahren auf einer Lateritpiste weiter immer höher in das Fouta Djalon Gebirge bis wir etwa auf 1.000 m sind. Das Gebirgsmassiv wird auch das "Wasserschloß Westafrikas" genannt. Einige große Flüsse wie der Senegal entspringen hier.


Chutes de la Sala - ein Wasserfall im Urwald - dahin sind wir unterwegs. Eine passable Piste führt uns kilometerweit ins Hinterland, dort bleiben wir unter einem Urwaldriesen an der letzten Kreuzung stehen und gehen die letzten 4 km zu Fuß weiter. Von einem Aussichtspunkt sieht man den Wasserfall ca. 200m tief in einen Canyon stürzen, allerdings führt er nicht sehr viel Wasser. In oder nach der Regenzeit sieht er bestimmt viel beeindruckender aus.
Wir marschieren den Weg weiter zu den Cascaden oberhalb vom Wasserfall. Größere und kleinere Pools inmitten des Waldes, umgeben von Yuccapalmen unter schattenspendenen Bäumen. Das Wasser sucht sich den Weg durch die verschiedenen Wasserbecken - ein wirklich schöner Platz. Als wir dann auch noch Affen kreischen hören, werden wir neugierig, denn eigentlich sollten hier Schimpansen leben. Ein oder zwei sehen wir von einem Ast zum anderen schwingen, aber leider viel zu weit weg und unser Fernglas liegt gut zu Hause im Amigo.

Dank des milden Klimas wächst hier viel Gemüse. Kraut, Tomaten, Auberginen, Avocados, Kartoffeln, Yams, Maniok... und vieles mehr. Doch komischerweise hält sich das Angebot auf den Märkten sehr in Grenzen. In den kleineren Ortschaften werden oft nicht mehr als Zwiebeln, Kartoffeln, Tomatenmark in Dosen und Maggiwürfel angeboten. Geht all das Gemüse nach Conakry? Wenn man bedenkt, was hier möglich wäre, wird sehr wenig Landwirtschaft betrieben, aber das liegt vielleicht daran, dass hier überwiegend die Volksgruppe der Fulbe wohnt und diese sind seit jeher Viehirten und Händler.

Alte 404er Peugeots oder Renault 21 fungieren hier als Buschtaxis. Von den Einheimischen werden sie liebevoll "sept place" (7Sitzer) genannt, was aber auf keinen Fall stimmt, denn zu den 7 Plätzen im Inneren kommen auch noch die Sitzplätze am Dach dazu. Hoch oben auf dem Gepäcksberg sitzen meist die mutigen Jungs. Bei den herunterhängenden Ästen muss man sich halt klein machen und bei den gefährlichen Ausweichmanövern ist es besser, wenn man sich mit 2 Händen fest hält.

In Labe besuchen wir den Markt, das Angebot ist etwas vielfältiger, jedoch haben wir uns den falschen Tag zum Einkaufen ausgesucht. Morgen ist das Ende des Ramadans und ALLE sind unterwegs, um Besorgungen für das große Fest zu machen.
Am Markt werden hauptsächlich Hühner angeboten. Diese werden gleich aus dem Kofferraum der Autos herausverkauft. Ein lebendes Federvieh kostet 35.000,- GF und fast jeder hat mindestens eines in der Hand, oder am Moped oder Fahrradlenker kopfüber hängen. Die Menschen, die mit den Buschtaxis in die umliegenden Dörfer fahren, binden ihre noch lebendigen Festtagsbraten an die Dachträger des Taxis. Ziegenteile und Rinderhälften hängen zum Verkauf neben dem Gehsteig. Die frisch abgezogene Haut zeigt an wo gerade geschlachtet wurde.


Am Markt ist dichtes Gedränge und Geschubse. Wir sind beide heillos überfordert, denn mit so einem Andrang haben wir überhaupt nicht gerechnet. Einerseits muss man aufpassen, dass man nicht auf die angebotene Ware tritt, die meistens am Boden angeboten wird. Die Verkaufsgassen sind eng und verstopft und um an den entgegenkommenden Käufern vorbei zu kommen, muss man schon mal einen Schritt beiseite machen. Nein, bloß nicht in den offenen Kanal treten oder in den tiefen Schacht, da muss dann halt eine Tomate daran glauben... platsch und sie ist zerquetscht.
Die Mopeds und Autos sind permanent, bzw. IMMER am Hupen und wenn man nicht ausweicht, fahren sie einem übern Fuß. Endlich haben wir unser Gemüse, Obst und Brot eingekauft... nun nur noch weg hier, raus aus der Stadt.
Diejenigen, welche gerade nicht beim Einkaufen sind, haben einen Friseurtermin. Alle Friseursalons, an denen wir vorbeikommen, sind hoffnungslos überfüllt. Jene, die weder beim Einkaufen noch beim Friseur sind, sind beim Autowaschen anzutreffen. Irgendwie erinnert uns das alles sehr an unser Weihnachtsfest!!!

Am Land geht es gemütlicher zu. Doch auch hier sind die Frauen während des Mangoverkaufs mit Zöpfen flechten und drehen beschäftigt. "Jede" will am Festtag gut aussehen.

Vom Fest bekommen wir nichts mit, wir parken gemütlich abseits des Geschehens im Busch. Wir hören nur die Imame von den Minaretten rufen. Die Bevölkerung Guineas ist zu 85% islamisch. Die islamische Kleiderordnung wird unterschiedlich interpretiert. Von Frauen mit Kopftuch, über "afrikanischen Bekleidungsstil" (mit Röcken und T-Shirts aus der Altkleidersammlung) über Frauen mit Burkas und schwarzen Socken in Flip Flops bis hin zu den alten Mütterchen, die auch schon mal oben ohne vor der Eingangstüre stehen, sieht man alles.
Am nächsten Tag bekommen wir Besuch von neugierigen Mädels aus dem benachbarten Dorf. Nur langsam trauen sie sich näher und als Verena dann auf sie zugeht, um die kunstvoll verzierten Frisuren anzuschauen, machen sie gleich 5 Schritte zurück. So geht es eine Zeitlang dahin. Verena macht einen Schritt vorwärts, die Kinder zwei zurück, bis sie Vertrauen gefasst haben und nicht mehr fort weichen. Nun mustern sie sich gegenseitig. Die Mädels in ihren besten Kleidern, geschminkt und einem Handtascherl unterm Arm betrachten Verenas Haare und ihre weiße Haut. Es kommt dann soweit, dass sie unsere Campingstühle ausprobieren und zaghaft fragen, ob sie denn eventuell das Innere des Amigos anschauen dürften. Nach einiger Zeit und mindestens 20x Händeschütteln und dem 30. au revoir verschwinden die 10 -14jährigen hinter dem Baum. Ein netter Nachmittag mit den Nachbarinnen!!

Wir finden ein Platzerl, etwas weg von der Straße zwischen Sandhäufen. Beim Rundgang bemerken wir, dass wir mitten in einem Sandsteinbruch parken. Sand ist wertvoll, überall im Land wird gebaut denn jeder möchte ein gemauertes Haus, welches nicht nach jeder Regenzeit ausgebessert werden muss. Deshalb wird Sand auch an den unglaublichsten Stellen abgebaut.
Die Jungs kommen zum Waschen hierher, denn die Schächte führen an die 20 Meter in den Untergrund, dort gibt es sauberes Wasser. Sandstein wird hier mit dem Krampen bearbeitet und zerkleinert, als Sand wird er dann mit Körben an die Oberfläche gebracht und auf einen Haufen geschüttet. Wenn der Lkw kommt, wird dieser dann händisch beladen. Einige der Schächte und Stollen sind eingebrochen, eigentlich stehen wir inmitten einer Kraterlandschaft.
Als wir am nächsten Morgen starten wollen, schauen wir nicht schlecht, als der Amigo nicht anspringt. Es fühlt sich an, als ob der Gang drinnen wäre, ist er aber nicht. Ach du Kacke, Erinnerungen an unseren Wasserschlag kommen hoch... Bevor wir uns selbst Starthilfe geben, checken wir zuerst die Batterien, Spannung passt! Danach den Starter, den haben wir eigentlich in Österreich erneuert, ist es vielleicht ein Nachbau und hängt?? Nein, der Starter ist ein original Bosch und steckt nicht, schaut gut aus. Nun drehen wir den Motor händisch durch. Hmmm, was ist das? Es hat etwas Widerstand und zischt ein paar Mal beim Drehen, danach ist Ruhe und der Motor lässt sich ohne Probleme durchdrehen. Erneuter Startversuch - und er ist beim ersten Zupfer da. Er raucht zwar schwarz, aber wir sind hier auf über 1.000m...
Sch..., was kann da nur sein, das Hirn arbeitet in alle Richtungen. Ist eine Düse hängengeblieben und hat den Zylinder gefüllt oder noch schlimmer, hat es vielleicht eine Kopfdichtung erwischt und Kühlwasser hat einen Zylinder geflutet? Zufällig haben wir hier guten Empfang und rufen via Skype unseren Freund Johann in Österreich an. Er meint wir sollen die nächsten Tage vor dem Starten den Motor händisch durchdrehen, dabei auf Widerstand achten und danach erst starten. Gut möglich, dass eine Kopfdichtung kaputt ist, falls nicht der Starter zuwenig Strom bekommen hat... Wenn wir das beachten, können wir noch viele Kilometer fahren, um in die Nähe von Werkstätten zu kommen, ihr schafft das schon!!

Danke Johann für deine aufmunternden Worte, es ist schön zu wissen, dass zuhause jemand ist, der mit Rat zur Seite steht!!! Mit Weiterfahren wird heute nichts mehr, denn plötzlich zieht ein Gewitter heran, dass man glaubt die Welt geht unter. Der erste Regen - Hagel, Blitz, Donner und große Tropfen - eine Stunde lang volles Rohr, sodass wir nicht ein Wort miteinander reden können, weil es aufs Dach so laut draufprasselt. Aber so schnell das Unwetter gekommen ist, ist es auch wieder verschwunden. Danach haben wir wieder blauen Himmel und gute Luft.
Die Kühe versuchen den Hagelkörnern aus dem Weg zu gehen und machen dabei einen Katzenbuckel... ob das hilft?

Am nächsten Tag nach dem Frühstück hüpft Wolfi in seine Arbeitsklamotten, bewaffnet mit einem 13er Schlüssel, sowie einen großen Schraubendreher legt er sich unter dem Amigo. Alles wunderbar, der Motor dreht leicht durch und startet superschön. Vielleicht ist ja heute am defekten Zylinder der Kolben gerade so gestanden, dass nichts einlaufen kann?? Sicherheitshalber kippen wir noch einen guten Schluck Hydrauliköl in den Tank und mischen den Diesel aus Guinea Bissau mit dem hier getankten Diesel. Irgendwie riecht er "scharf", nicht wie normaler Diesel. Einige Tage lang wird nun Wolfi jedes Mal vor dem Weiterfahren unter dem Auto liegen und den Motor händisch durchdrehen.

Es wird tierisch. Über Nacht haben sich Termiten in unserem hölzernen Auffahrkeil heimisch gemacht. Außerdem verschwindet ein kleiner Scorpion hinterm Reifen. Der dürfte sich zwischen dem Auffahrkeil und dem Profil wohl gefühlt haben. Am Nachmittag läuft uns noch ein Chamäleon über den Weg.

Wir gewinnen noch an Höhe, es geht auf 1.200m hoch nach Dalaba. Ein ehemaliger Luftkurort aus der französischen Kolonialzeit. Das damalige Sanatorium wurde zum Hotel umgebaut und hat die beste Lage im Dorf mit einer wunderschönen Aussicht auf die Umgebung. Unseren Amigo parken wir direkt neben der Aussichtsplattform, welche zum Sonnenuntergang zum Magneten aller fotografierfreudigen Bewohner Dalabas wird. "Sehen und gesehen werden" ist hier das Motto, in allen möglichen Posen werden Selfies und Gruppenfotos geschossen. Und so kommt es, dass auch wir uns auf vielen deren Fotos wiederfinden und umgekehrt natürlich auch. Auf der netten Terrasse mit Swimmingpool wird jeden Abend ab 17.00 Uhr Musik gespielt und Party gemacht, an denen nur die Haute Volee teilnimmt.


In der Nähe sollte es eine natürliche Felsenbrücke geben, so machen wir uns mit dem jausenbestückten Rucksack auf dem Weg. Zuerst geht es der viel befahrenen Landstraße entlang, bis wir endlich nach links einbiegen können. Vorbei an einem Schmied der Krampen fertigt für die Sandgewinnung im Steinbruch gleich nebenan. Die alten Lastwagenfedern werden so lange heiß gemacht, bis das Eisen rot leuchtet und er mit voller Kraft mit einen Fäustel auf das Eisen haut, sodass es hinten spitz und vorne schön flach wird. Später wird am Stiel ein Loch gemacht, in das die Harke durchgesteckt wird. 5 Stück davon produziert er am Tag. Sein Mitarbeiter dreht an einer ausrangierten Fahrradfelge, welche einen Ventilator betreibt, um die Glut heiß genug zu halten.
Nebenan stehen die Männer und auch Kinder im Steinbruch und hacken den Sand aus dem Felsen. Dorthin klettern sie mit Hilfe von Bambusstangen hoch. Der so gewonnene Sand wird anschließend auf den Lkw geschaufelt, welcher sich dann die wilde Piste hochmüht. Sand ist in Guinea knapp.

Für uns geht es durch den Pinienwald weiter, vorbei an den Gemüsefeldern, wo die Frauen gerade mit Kraut setzen beschäftigt sind. Die größeren Kinder müssen auf die Kleinen aufpassen und wenn es das erste Kind ist, wird es während der Arbeit einfach auf den Rücken gebunden. Am Acker hilft das ganze Dorf zusammen und gemeinsam werden 350kg Kartoffeln gesetzt. Am meisten wird Maniok angebaut, wozu einfach Stecklinge in die Erde gesetzt werden. Es geht durch einen wunderschönen Bambuswald und ca. 8km später erreichen wir die Felsenbrücke. Das Wasser hat sich den Weg durch den Fels gesucht und hat im Laufe der Zeit diese Brücke geschaffen. Ein kleiner Wasserfall mit einem Pool davor - der perfekte Platz zum Picknicken, bevor wir wieder den Heimweg antreten.

Am Abend gibt es Kärntner Käsnudeln mit thailändischen Mangosalat, bevor wir eine Wasserpfeife rauchen, uns mit den Nachbarjungs unterhalten und schließlich noch einen netten Abend mit Marielena & Andre haben, die gestern zu uns gestoßen sind.

Nach ein paar schönen Tagen in der Höhe, brechen wir Richtung Conakry auf. Es regnet heftig, wir durchfahren Mamou und sehen kaum die Polizisten, die mitten im Wald am Straßenrand mit ihren Händen wedeln, um uns zu stoppen. Vor uns haben 2 lokale Autos angehalten, doch diese sind nun uninteressant, wenn wir "Weißbrote" auftauchen. Wir schauen immer, dass wir angegurtet sind, doch heute... ist es nicht so. Sofort bemerken sie es und fragen nach dem Führerschein. Nachdem sie die Papiere überprüft und des Fahrers Schuhwerk kontrolliert haben (keine Flip Flops erlaubt während des Fahrens) bleibt nun noch das Delikt des Nichtangegurtes seins. 200.000,- GF macht die Strafe aus. Nachdem Wolfi einen kurzen Blick auf den Strafzettelblock werfen kann, als der Beamte darin blättert, merkt er, dass sich die höchsten Strafen bei ca. 25.000,- GF belaufen. Okay, der Beamte gibt sich nun auch mit 150.000,- zufrieden. Fast alle Autos, die an uns vorbeifahren, haben entweder gar keinen Gurt im Auto oder sind natürlich auch nicht angegurtet und stehen bleiben sie sowieso nicht. "Wie wäre es mit 100.000,-" fragt nun der Beamte. "Geld gibt es nicht, aber ich habe ein Geschenk für dich", meint Wolfi. Wolfi bekommt seinen laminierten Führerschein retour und bringt ein Packet Grünen Tee zum Beamten, welcher ganz schön blöd dreinschaut. Nein, diesen Tee will er nicht, Geld fordert er und wirft uns die Teepackung durch das Fenster zurück. Auch gut, dann bekommt er halt nichts. Wolfi gibt Gas und schon sind wir um die nächste Kurve verschwunden.

Wir sitzen am Frühstückstisch, als gerade eine Affenhorde an unserem Fenster vorbeizieht. So stellt man sich Afrika vor! Genial, doch das Öffnen des Moskitorollos lässt die Affenbande hinter dem Gebüsch verschwinden. Nur die zwei braunen Vögel, die wahrscheinlich nach Kleintier Ausschau halten, lassen sich nicht stören.

In Kankoure parken wir den Amigo ein und zu Fuß geht es der kleinen Piste weiter zum ehemaligen Bahnhofsgebäude der Kolonialherren. Zuerst werden wir noch von der Dorfjugend begleitet, die verlassen uns dann beim trockenen Wasserfall. Erst nach einigen ergiebigen Regengüssen wird dieser Wasserfall Wasser führen. Ein Jeep kommt uns entgegen. Eine amerikanische Ärztin fährt gerade vom Dorf zurück zu ihrer Krankenstation nach Mamou. Nein, den alten Bahnhof kennt sie auch nicht, aber im kleinen Dorf wissen die Menschen sicher Bescheid, meint sie.
Im Dorf angekommen, weisen sie uns den Weg. Gerade weiter, dann noch um die Kurve und schon erblicken wir das einzige Haus mit Moos bewachsenem Ziegeldach. An diesem Bahnhof soll es bis in die 60er Jahre richtig quirrlig zugegangen sein. Die Bahnstrecke wurde von den Franzosen zwischen 1900 und 1914 gebaut und war einst die bedeutende Niger-Bahn die Conakry mit dem 624km entfernten Kankan verbunden hat und ab Kankan ist der Niger schiffbar gewesen. Heute ist nicht mehr viel übrig, die Gleise und die Eisenbahnschweller wurden schon vor langer Zeit demontiert.
Oben am Hügel steht das ehemalige Gouverneurshaus, in dem nun ein alter Mann wohnt, der bei der Bahn gearbeitet hat, wie auch schon sein Vater davor.
Den Weg zurück marschieren wir auf einem kleinen Erdwall, wo wahrscheinlich die Gleise entlanggegangen sind, denn die geschraubte und genietete Eisenbrücke mit Gleise darauf ist noch vorhanden.

Am Straßenrand werden Holzkohle oder Holzscheite verkauft. Ganze Dörfer verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Große Säcke voll gepackt mit der Holzkohle und mit einer Schicht Blätter als Deckel und gleichzeitig Regenschutz. Niemand am Land kocht mit Gas, ausschließlich mit Holz oder eben Holzkohle.
Seit der Ramadan zu Ende ist, sieht man auch wieder Frauen Essen verkaufen. Fritierte süße oder pikante Teigtaschen, Bananen oder Süßkartoffeln fritiert und Fleischspießchen, das Angebot hält sich in Grenzen.
Die Früchtestände neben der N1 sind eine Augenweide. Ananas, Mangos, Bananen sowie Avocados und nun werden auch langsam die ersten Papayas reif.

Die Kinder begrüßen uns oft mit Nihau (Hallo auf Chinesisch). Wir essen zwar gerne und viel Reis, aber Schlitzaugen haben wir noch keine;-) Zu unserer großen Verwunderung sehen wir aber kaum Chinesen oder chinesische Firmen. Eine einzige Straßenbaufirma ist uns aufgefallen.
Das Moped ist das gängiste Fahrzeug. Es werden 50kg Reissäcke, lebendige Ziegen, Kohlesäcke und gleichzeitig 4 Menschen transportiert. Die Kunststoffverpackung des Motorrads wird nicht entfernt, so können alle möglichst lange sehen, dass man ein neues Motorrad hat. Aber auch wenn die Plastikfetzen dann irgendwann mal runterhängen, bleibt es in diesem Zustand, ohne es weiter auszupacken.

Wir sind kurz vor Kindia und biegen die Piste links ab zum Wasserfall Voilee de la Marie. Bei einer aufgelassenen Bungalowanlage, die man durchfahren muss, wenn man zum schönen Wasserfall möchte, parken wir neben den halbverfallenen Häusern. Vor 6 Jahren wurde der Betrieb eingestellt und nun rottet alles langsam zusammen, weil sich kein neuer Betreiber findet.
Voilee de la Marie heißt "Brautschleier" und er sieht auch tatsächlich so aus. Wir befinden uns im Dschungel und nur hier knapp am Wasser ist es angenehm kühl, denn mittlerweile sind wir nur noch auf 200m und die schwül heiße Hitze lässt grüßen. Es wird eine stickig heiße Nacht, denn zwischen den vielen Teakbäumen steht die Luft.

Statt die Umfahrungsstraße in Kindia zu nehmen, quälen wir uns mitten durch die Stadt, denn wir sind auf der Suche nach einem Bankomaten. Bald werden wir auch fündig. Im Schritttempo geht es danach durch den Markt, vor uns tut sich immer wieder ein Loch auf, wo wir uns mit dem Amigo reinquetschen und irgendwann haben wir es geschafft.

Bei den Chuttes de Killissi lebt der Volksstamm der Susu, die vom Fischfang und Landwirtschaft leben. Diese Wasserfälle sind zwar nicht sehr hoch, doch wunderschön in einem grünen Flußtal gelegen. Ein Stück durch den Dschungel, vorbei an vielen Tausendfüsslern, die sich im Schatten wohl fühlen, erreichen wir eine Sandbank. Dahinter schlängelt sich der Fluß weiter, während vorne das Wasser herunterplätschert. In der Regenzeit ist dieser Teil des Wasserfalls komplett unter Wasser und der Zugang über die betonierte Fußgängerbrücke unpassierbar.

Wir parken neben einigen Bäumen auf einer Wiese gegenüber des Flußes, der den Wasserfall speist. Hier ist eine wichtige Badestelle für die Einheimischen. Die Frauen kommen mit Kübeln voller Schmutzwäsche am Kopf. Manche reisen mit dem Auto an, den Kofferraum vollgestopft mit Wäsche und Töpfen, die Kinder und Frauen habe sich auf der Rückbank zusammengequetscht. Nun kann der große Badespass beginnen. Zuerst wird die Wäsche händisch mit einer Waschrumpel geschrubbt, welches Stunden in Anspruch nimmt, die Kinder übernehmen die großen Kochtöpfe, Schüsseln und Schalen, welche mit Ruß überzogen sind. Die Männer beginnen mit der Autowäsche, außen und innen und schlußendlich, wenn alles sauber ist, geht es an die Körperhygiene. Manch einer nimmt gleich Holz zum Kochen für das ganze Dorf beim Heimtransport mit. Die Fahrt muss sich schließlich auszahlen....

Zwei Tage bewandern wir die schöne Landschaft. Diese kleinen Pisten und Wege, die herrlich zum Wandern einladen, werden meist von Dorfbewohner mit Mopeds oder zu Fuß benutzt. Wer hier in der Abgeschiedenheit lebt, besitzt kein Auto - da ist ein Moped schon ein Luxus. Bei den bestellten Feldern rätseln wir, ob die kleeähnliche Pflanze mit gelben Blüten Erdnusssträucher, oder ob die Sträucher mit den zackigen Blättern nun Maniokpflanzen sind...
Mitten in den Dörfern fühlt es sich oft etwas komisch an. Für uns ist es, als ob wir durch ein bewohntes Freilichtmuseum gehen und für die Einheimischen wahrscheinlich, als ob nun Außerirdische auftauchen. Wir werden aber durchwegs freundlich aufgenommen, die Kinder lachen und winken, die Alten starren uns an.

Junge Männer mit Macheten, Harken und Schaufeln kommen uns entgegen. Die kleine Piste zum Dorf muss instandgehalten und von Pflanzen gesäubert werden, ansonsten wächst die Zufahrt zu. Vor allem aber muss neben dem Weg eine Regenrinne gefertigt werden, damit das Wasser seitlich abfließen kann und nicht die Piste zerstört, damit diese auch während der Regenzeit benutzbar bleibt.
Als wir unseren "Campingplatz" am Fluß wieder Richtung Hauptstraße verlassen, sehen wir entlang der Rumpelpiste in den Dörfern Männer Wassergräben ausheben. In Gemeinschaftsarbeit wird die Piste so gut wie möglich regensicher gemacht, die tiefen Löcher werden mit Erde und Schotter zugeschaufelt. Denn wenn sich die Pfützen mit Wasser sammeln, werden sie bei jeder Durchfahrt länger und tiefer ausgeschwemmt. So helfen sich die Dorfgemeinschaften selbst, denn irgendwann fährt kein Buschtaxi mehr die üble Piste entlang. Wie bringen die Menschen dann ihre Produkte zum Markt oder ihre Einkäufe nach Hause?

Bei den Grande Chutes finden wir einen tollen einsamen Platz in Gehweite zu den schönen Kaskaden. Gestern hat es ziemlich stark geregnet und nun stürzen braune Wassermassen auf mehreren Ebenen über die größeren und kleineren Felswände. Am Ende des steinigen Zufahrtsweges ist ein Wasserkraftwerk, dass in den 60er Jahren die Hauptstadt mit Strom versorgt hat. Heute wird es wohl nur noch für einen Bruchteil davon reichen.
Neben uns zwischen den nun blühenden Baobabs steht ein kleines, verfallenes Bahnhofsgebäude aus der Kolonialzeit. Auch hier ist von Gleisen weit und breit keine Spur mehr, nur mehr der aufgeschüttete Bahndamm lässt die Streckenführung erahnen. Es fällt uns auf, dass sogar die Dachziegeln "made in Marseille" sind und auch die ehemaligen Bahnhofsbänke kommen uns sehr bekannt vor - sie sehen genau so aus, wie bei uns früher in Europa.


Die Kühe erfreuen sich am frischen Gras. Durch das Abbrennen vor Beginn der Regenzeit wächst nun wieder neues Grün nach. Die Hennen streiten sich um unsere Mangoschalen und die Wohnbarakke links von uns sieht ziemlich verwaist aus. Schön ist es hier - bis am Abend der Wächter des Elektrizitätswerk auftaucht. Gleich nach einem unwirschen "Bon soir" will er unsere Genehmigung für das Parken sehen. So etwas können wir natürlich nicht vorweisen. Er deutet mit einer großen Bewegung ins Umland, dass er der "Commander" von all dem sei und um seine Authorität zu unterstreichen, holt er von seiner Wohnstätte, der Barakke, seine Kalaschnikow. Wir sollen schleunigst verschwinden, sonst holt er die Polizei. Keine 2 Minuten später dürfen wir doch bleiben, auch ohne Genehmigung, aber wir sollen ihm etwas zahlen. Uns reicht es, auch weil der Spinner dauernd mit seinem Gewehr rum fuchtelt. Wir wollen nur noch weg - der ist doch irre. Keine 5 Minuten später sind wir auf der Piste zurück Richtung Hauptstraße unterwegs. Kurz davor halten wir an, es ist mittlerweile schon fast finster und bleiben hier über Nacht.
Das allabendliche Quackkonzert der Frösche klingt heute besonders laut und lässt uns nicht gut schlafen. Gleich nach Sonnenaufgang werden wir, nun endlich im Tiefschlaf angelangt, von einer uns bekannten Stimme aus dem Schlaf gerissen. Der "Commander" von gestern hat uns entdeckt und ist gleich schlecht drauf als am Vortag. Wenn sein Chef kommt und uns hier entdeckt bekommt er Ärger, denn wir befinden uns noch immer in seinem Hoheitsgebiet. Heute hat er seine Waffe zum Glück zu Hause gelassen, dennoch machen wir uns auf den Weg. Auf der Straße nach der Brücke dürfen wir dann parken und gönnen uns erstmals ein gutes Frühstück mit Avocadocreme, frisch aufgebackenem Weißbrot und Kaffee.

Es ist Sonntag und wir beschließen in die Hauptstadt Conakry zu fahren. Wahrscheinlich wird heute um einiges weniger Verkehr sein, wir sollten wirklich recht behalten und kommen gut voran, zuerst auf der löcherübersäten Hauptstraße geht es endgültig die letzen Höhenmeter hinab ins Tiefland. Besonders in den Kurven ist Vorsicht geboten, denn die Lkws und Autos bleiben einfach in der Position stehen, an denen das Problem eintritt. Erinnerungen an Indien!! Motor oder Getriebe werden direkt vor Ort repariert oder getauscht, natürlich dauert das so seine Zeit und man richtet es sich inzwischen wohnlich im oder unter dem Unfallfahrzeug ein. Gesichert sind diese Unfallstellen mit ein paar Sträuchern oder Astwerk, welche dann schon mal gewechselt wird, wenn es welk ist. Schnell kann man auf dieser Straße ohnehin nicht fahren. Je näher wir der Haupstadt kommen, desto weniger Asphalt befindet sich auf der Straße.


Ca. 50km vor Conakry beginnt aus heiterem Himmel eine 4spurige Straße mit tadellosem Asphalt. Da die Hauptstadt auf einer Halbinsel liegt ist eine Ausdehnung der Stadt nur ins Hinterland möglich und so durchfahren wir ein durchgehendes Häusermeer. Momentan sind die Arbeiter gerade beschäftigt, die offenen, betonierten Kanäle vom Müll zu befreien, bevor der große Regen beginnt. Nun ist die 2spurige Straße nur noch 1,5 Spuren breit, denn der Rest ist vom ausgeschaufelten, stinkenden Müllberg bedeckt. Ob dieser auch abtransportier wird, wissen wir nicht, denn wir sehen auf Teilen von dem Dreck dichtes Gras wachsen - was das wohl bedeutet?? Ist der Kanal nun frei, beobachten wir, wie die Lokalen gleich wieder ihren Müll darin entsorgen. Es stinkt bis kurz vor dem Zentrum...

Nur an 2 großen Kreisverkehren staut es sich ein wenig. Die Polizei behindert den Verkehr noch zusätzlich, willkürlich hüpfen sie vor ein Fahrzeug und einer der Beamten bleibt so lange vorne stehen, bis die anderen eine Geldforderung vom Fahrer erhalten haben. Würde der Beamte vorne den Weg frei machen, würden die meisten einfach abhauen, so haben wir das oft genug auf der Landstraße beobachtet. Es ist wie ein Katz und Maus Spiel! Wir fahren in der zweiten Spur und prompt winkt uns schon der erste Uniformierte zu. Wolfi macht den Fehler und winkt zurück. Nun kommt er auf uns zu, sagt HELLO und will Geld. Ja, Geld haben wir keines und wofür auch? Nicht viel, nur einen kleinen Betrag!! Wir haben kein Geld für dich!! Wenigstens doch ein klein wenig Geld!! Nein, nix gibts!! Unverständlich schaut er uns an, verschmeißt seine Hand und würdigt uns keines Blickes mehr. Endlich sind wir dann im Kreisverkehr und der Uniformierte sucht sich ein neues Opfer.
An der Küste türmt sich noch mehr Müll, es ist schlimm, wie verdreckt das Meer rund um Conakry ist. Wir wollen hier nicht mal Fisch kaufen. Inmitten des stinkenden Müllhaufens hat eine Bar einen Sandstrand aufschütten lassen. Plastiksessel und -tische stehen dort aufgereiht - doch wer setzt sich bloß inmitten des Mülls???

Im Zentrum angekommen fragen wir, wie so manch andere Overlander auch, ob sie in der christlichen Mission ein Platzerl für uns hätten. "Ja haben wir, aber ihr müsst ein Zimmer nehmen, das kostet 150.000,-. Ob ihr im Zimmer oder im Auto schläft, ist uns egal." Der Hotelbetrieb ist ein zusätzliches Einkommen für die Mission.
Der Platz im Innenhof mit vielen Blumen und Bäumen ist eine richtige Oase im Großstadtdschungel. Wenn wir nun schon ein Zimmer haben, duschen wir uns dort, doch der Wasserdruck lässt zu wünschen übrig, zumindest existiert er nicht und so verzichten wir auch auf das. Das Frühstück ist inkludiert - ein Drittel vom Baguette mit Margerine und einen Becher Nescafe. Uns wird wieder mal bewusst, welch einen Luxus wir eigentlich mit uns herumführen. Unsere Dusche hat einen ordentlichen Druck, unser Schlafzimmer ist dank des Moskitonetzes nun mückensicher aber wärmer, dagegen hilft unser Ventilator. Im Gegensatz zum modrigen Zimmer riecht es in unserem Amigo gut und mit Hilfe unserer Küche können wir das dürftige Früstückssortiment erweitern. Ach, geht es uns gut!

Das Sightseeing Program am Sonntag Nachmittag hält sich in Grenzen, wir besuchen die katholische Basilika, aber nur von außen, denn die Tore sind verschlossen. Als wir den Seitenausgang nehmen und rechts abbiegen stehen wir vor einem hohen Sicherheitszaun mit Soldaten davor, die uns verjagen, denn der Präsidentenpalast sei nicht zum Anschauen. Das 20stöckige verlassene Hochhaus haben noch die Franzosen in den 1950iger Jahren errichtet, ist mittlerweile baufällig.


Das Leben der Familien spielt sich im Freien ab, nur zum Schlafen und wenn es regnet ziehen sie sich in ihre Wohnstätten zurück. Die Berufsgruppe der Wasserholer sind permanent beschäftigt. Fließend Wasser haben nicht alle, vor allem in den ärmlichereren Wohnvierteln gibt es Wasserhähne nur an manchen Stellen. Die Wasserholer nennen einen Handkarren ihr Eigen, darauf haben einige 20l Kanister Platz. So ziehen sie mit dem kostbaren Gut durch die engen Gassen.
Einige Jungs üben mit den von Europäern ausrangierten Inlineskates Stunts. Manche Schuhe lassen sich gar nicht mehr verschließen und so befestigen sie sie mit Bändern und Seilen, kein einziges Paar hat mehr 4 Rollen. Ein paar von den Jungs sind richtig gut und führen uns ihre Kunststücke vor, aber immer nur so lange, bis wieder ein Auto oder ein Lkw hupt, um wieder Platz für den Verkehr zu machen.

Für Sierra Leone, das nächste Land auf unserem Weg, brauchen wir ein Visum, das ist der Grund weshalb wir uns in Conakry aufhalten. Sollen wir mit dem Fahrrad zur 8km entfernten Botschaft radeln oder sollen wir doch ein Taxi nehmen? Sehr schnell sind wir froh, dass wir uns für ein Taxi entschieden haben. Vormittags und Nachmittags herrschen unterschiedliche Einbahnregelungen auf verschiedenen Straßen, ohne erkennbare Zeichen oder Reglements. Naja eigentlich nicht ganz ohne, nur muss man sie erst als solche erkennen können. Die Polizei steht prinzipiell immer am Ende der Einbahnstraße, von wo es kein Entkommen mehr gibt. Wenn man also in eine Straße einbiegt, an dessen Anfang keine Polizei steht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es eine Fahrt gegen die Einbahn wird. Deppert sind sie nicht!!!
Als uns das Taxi am Zielort rauslässt, bemerken wir, dass das Gebäude der Botschaft leer und verlassen ist. Die neue Örtlichkeit befindet sich weitere 8km stadtauswärts, so der Nachbar. Ein Mopedtaxi ist sofort gefunden. Der Fahrer rückt ein Stückerl vor, sodass wir beide hinten Platz haben. Helmpflicht gilt nur für den Fahrer, die Beifahrer sind nicht so wichtig! Er schlengelt sich durch Lücken und zwischen den Autos durch und nur kurze Zeit später sind wir da.
Ein paar Kopien, einen Antrag ausfüllen, 100,-USD bezahlen, Pässe dort lassen und keine 4 Stunden später bekommen wir unsere Pässe mit Visa zurück. Trotzdem hätten wir uns das ganze sparen können, denn seit ein paar Wochen gibt es das Visum für Sierra Leone auch an der Grenze...
Die 16km lange Rückfahrt im Taxi zieht sich. Nach dem Mittagessen ist viel Verkehr, die Hauptrouten werden nun zu Einbahnen Richtung stadtauswärts und so fahren wir nur Seitenstraßen, um 1,5 Stunden später unsere Oase im Zentrum zu erreichen. Eine eigentlich unfreiwillige Stadtrundfahrt, bei der man mehr sieht als man will. Fast könnte man meinen, dass ganz Conakry von einem Plastikmüllgürtel umgeben ist....
Im Supermarkt besorgen wir uns ein paar europäische Produkte, die zwar allesamt sehr teuer sind, doch auf Butter und Joghurt wollen wir nicht verzichten.

Wir bekommen Besuch vom elsässischen Missionar, der sich schon 27 Jahre hier in Conakry für bedürftige Kinder kümmert. Er betreut ein Waisenhaus mit 150 Kindern, die er am Strand in verlassenen Booten einsammelt. Es sind meist Scheidungskinder, die bei der Stiefmutter oder -vater keine nette Behandlung bekommen und sich so entschließen, von der Familie abzuhauen, um sich irgendwie alleine durchzuschlagen.
Beim Verlassen der katholischen Mission läuft uns noch ein "österreichischer Einheimischer" entgegen. "Kommst du von Österreich?" Im Wiener Dialekt erzählt er uns, dass er nun 5 Tage Urlaub in seinem Ursprungsland macht. Er wohnt in Brigittenau, seine Frau ist aus Salzburg und ganz stolz erwähnt er noch, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft hat. Zufälle gibts, schade das wir schon auf dem Weg sind, aber hier wollen wir nicht noch eine Nacht verbringen.

Glück muss man haben oder timing ;-) Nachmittags führen alle 4 Spuren stadtauswärts. Es ist deutlich mehr Verkehr als am Sonntag, doch wir kommen gut voran. Irgendwo ist dann plötzlich die Einbahnregelung nur noch für 3 Spuren, während auf der 4 Spur bereits der Gegenverkehr rollt- etwas chaotisch doch es scheint zu funktionieren.
Rechts von uns findet der Viehmarkt statt. Angebunde Kühe und Ziegen warten auf den Käufer und Schlachter.
McDonalds finden wir keinen, dennoch durchfahren wir einen kilometerlangen Drive-In - von Betteppichen, Erfrischungsgetränken, Naschereien, Haushaltsartikel, Handtücher bis über Scheibenwischer. Alles wird von den fliegenden Händlern, die die Gunst des Staus vor den beiden Kreisverkehren nutzen, angeboten. Am Randstein und in der Mitte zwischen den Fahrzeugen erhoffen sie, etwas zu verkaufen.

An der Kreuzung zur Abzweigung Richtung Sierra Leone wird die Straße wieder sehr schmal, mit vielen Löchern versehen und sehr verkehrsreich. Ein Dorf folgt auf das andere, überall Häuser und Felder - eigentlich sind wir auf der Suche nach einen Stellplatz. Schließlich werden wir auf einer Total Tankstelle fündig, obwohl wir Buschplätze bevorzugen, müssen wir manchesmal einen Kompromiss eingehen.
Der Generator läuft auf Hochtouren, den sie dann aber zum Glück um 19.00 Uhr abschalten, womit unserer Nachtruhe nun nichts mehr im Wege stehen sollte. Doch die Rechnung haben wir ohne dem Regen gemacht. Beim Einschlafen lassen wir die Dach- und auch die anderen Fenster geöffnet, ansonsten wäre es zu heiß. Wir sind es schon gewohnt, bei nur wenigen Tropfen sofort munter zu werden: "Fenster schließen!" 50 Tropfen, dann ist es mit dem Regen vorbei, also wieder raus aus dem Bett, Fenster wieder öffnen, damit wir nicht aufkochen. Keine 10 min später wieder Regen......abermals nur 50 Tropfen. Also die halbe Nacht sind wir vom Bett raus- und wieder reingesprungen, um die Fenster zu oder auf zu machen. So haben wir nicht viel Schlaf abbekommen. Und das ist erst der ANFANG der Regensaison...


Durch Buschland, vorbei an vielen Mangobäumen, Maniokfeldern über abenteuerliche Brücken rollen wir dem nächsten Land Sierra Leone entgegen.


 

 

 

REISEN

 

Besucherzaehler