SENEGAL

20.4. - 22.05.2019

Einreiseort: Moussala
Ausreiseort: Mpack
Währung: 1 € = 655,- CFA
Diesel: 1 l = 595,- CFA

Es ist mit knapp 50°C sehr heiß, ein netter Beamter bietet Verena seinen klapprigen Sessel unter dem schattenspendenden Baum an, während Wolfi mit dem Amigo vorfährt. Das Carnet de passage wurde ohne weiteres von dem jungen Beamten gestempelt, also den Zoll haben wir somit hinter uns. Nun fehlt uns nur noch die polizeiliche Einreise. Dort bekommen wir unsere 3monatige Aufenthaltserlaubnis kostenlos in den Pass gestempelt.
Kurz darauf sind wir bereits unterwegs auf Senegals Straßen und diese hier sieht aus wie ein Fleckerlteppich. Der kaputte Asphalt wurde bereits rausgeschnitten, aber noch nicht aufgefüllt. Es ist weit mehr Verkehr unterwegs als in Mali, viele vollbeladene Lkws und auch Pick-ups die mit ihrem Gepäck doppelt so hoch sind. Obendrauf sitzt noch der Zuständige für die Ladung.


Es ist schon später Nachmittag und so verbringen wir die erste Nacht unweit der Grenze, versteckt hinter ein paar Bäumen neben der Straße. Als wir einen Sundowner zu uns nehmen, schwirrt es um unseren Köpfen und als wir hochblicken, entdecken wir Bienen. Was ist da los? Unsere verschwitzte Haut bietet sich bestens an, denn sie sind auf der Suche nach Wasser. Zu Hunderten sitzen sie um die kleine Wasserlache, die sich unter dem Abwassertank gebildet hat. Sogar unser Supercooling-Specialsocke über der Wasserflasche haben sie in Beschlag genommen. Dieser alte Bundesheersocke wird nass gemacht und über die Trinkflasche gestülpt, so bleibt das Wasser schön kühl, wenn man ihn nur immer schön feucht hält - bei diesen +45°C ist der Socke in weniger als einer halben Stunde trocken.

Die Hauptstraße verläuft durch den Nikolo Koba Nationalpark. Von den ca. 100km sind nur noch ungefähr 20km übelste Piste. Die Arbeiter sind fleißig am Schottern und Wässern, Walzen und Asphaltieren. Bald ist die gesamte Strecke fertig. Unsere Bestecklade kippt auf diesen wenigen Kilometern gleich 2x raus und auch sonst ist erstmal Aufräumen angesagt, als wir am Abend stehenbleiben.
Vom Wassadou Camp haben wir einiges gutes gelesen, also beschließen wir, hier die Nacht zu verbringen. Direkt am Gambia River sollte man, wenn man Glück hat, am Abend, Krokodile, Flußpferde, Paviane und jede Menge verschiedener Vögel beobachten können. Wir freuen uns! Doch leider macht uns der sture Chef vom Camp einen Strich durch die Rechnung, denn die Summe, die er für das Campen haben möchte, ist uns zu hoch. €16,- fürs Campen und €10,- für das obligatorische Abendessen/Person. Also verabschieden wir uns und fahren die Strecke wieder retour, wo dann nach den Palmen eine Pavianfamilie direkt vor uns die Piste quert.

Bei Missira nehmen wir die Abkürzung zur N6, dann brauchen wir nicht durch Tambacounda fahren. Zuerst ist die Piste noch gut sichtbar, ein Wellblech vom Feinsten, dann eine Kreuzung, die D514 geht geradeaus weiter, während D515 nach rechts abbiegt. Auf dem Navi schaut es gut aus und außerdem kommt gerade ein 5achsiger Lkw angefahren. "Route barre" steht da auf dem Schild geschrieben. Wird ja wohl nicht so schlimm sein, wenn der Lkw auch von dort kommt... Also biegen wir ab und fahren zwischen den Bäumen die Piste entlang. Wir kommen in ein Dorf, Kinder laufen uns ganz aufgeregt entgegen, "Toubab, toubab!" was so viel wie "Weißer" heißt.
Es ist schon Spätnachmittag und die Kinder sitzen statt im Klassenzimmer unter einem großen Mangobaum im Schulhof und haben Unterricht. Bei dieser Hitze ist es im Freien ja viel angenehmer.
Die Äste von dieser Akazie hängen tief, rumpeldipumpel schrammen sie am Dach entlang, mittlerweile befinden wir uns auf einem abgeernteten Acker und der Weg wird immer schmäler. Ein Radfahrer kommt entgegen und schaut uns ganz perplex an und dann ist da ein tiefer Graben über die halbe Piste. Vielleicht ist es besser, wenn Verena mal vorläuft und den weiteren Streckenabschnitt abcheckt, bevor wir hier ein Manöver durchs Gebüsch starten. Als sie wieder kommt, ist Wolfi bereits von den Dorfkindern umringt. Nein, weiter geht es hier für uns definitv nicht, zu eng und dann noch ein weiterer Felsengraben. Also alles wieder retour? Mahmud auf seinem Moped vom Dorf nebenan, meint, dass von seinem Dorf aus eine Piste zur N6 führen würde. Er zeigt uns den Weg in sein Dorf und dann sind wir wieder auf uns alleine gestellt. Man erkennt die Mopedspuren, aber ob da schon jemals ein Lkw gefahren ist, bezweifeln wir stark, denn die Außenspiegel wollen partout nicht draußen bleiben. Das Astwerk ist recht anschmiegsam und verziert unseren Amigo mit allerlei schönen Gravuren... Wir finden einen tollen Übernachtungsplatz und zwängen uns am nächsten Morgen vorbei an den letzten Bäumen, Sträuchern und den Termitenhügeln, die hart wie Beton sind. Wir freuen uns, als wir die Asphaltstraße vor uns haben.

Kourikane, ein Grenzort vor Guinea - es ist Markttag. Wir stürzen uns auch in das Getümmel und kaufen Gemüse und Brot, Eier und Erdnüsse. Die Mangos gibt es dann ein paar Kilometer weiter, abgepackt in großen Säcken zum Transport auf den Markt. Wir erstehen einen Eimer voll, jedoch sind sie nicht so reif und somit noch nicht so süß wie in Mali.
Der starke Lkw Verkehr hat abgenommen, wahrscheinlich fahren die meisten nach Guinea.


Die N6 ist gesponsert von Amerika und ist mit hunderten von Speedbreakern unterbrochen. Vor und hinter den Dörfern und auch zwischendrinnen sind diese nervtötenden Hügeln, vor denen man besser abbremsen soll, denn ansonsten hebt das Fahrzeug ab...

Mittlerweile sind wir in der Casamance angekommen. Immer wieder blitzt das Wassers rüber zu uns, aber nirgends geht ein Weg dorthin. Also nehmen wir das abgeerntete Reisfeld und hupfen von einem Loch zum anderen. Hinter den Kokospalmen, die von den Würgefeigen fest im Griff gehalten werden, finden wir ein nettes Platzerl direkt am Casamance Fluss. Hier sieht uns von der Straße keiner, wir glauben gut versteckt zu sein. Trommeln und Gesang tönen vom naheliegenden Dorf. Wir machen einen Spaziergang und beobachten, wie die Fischer in ihren Einbäumen losfahren, um am nächtsten Tag mit gutem Fang wieder heimzukehren.
Als es finster wird, kommen viele singende Fischer entlang, alle eine Taschenlampe in der einen Hand und das Fischernetz in der anderen. Von wegen Verstecken - hier findet uns keiner?! Wir müssen selber darüber lachen.
Am nächsten Tag noch während des Frühstückens haben wir schon Besuch von Sanna, Mamu und Remo, die von ihrem harten Leben am Land erzählen.

Vorbei an abgeernteten Reisfeldern, hohen Baobabs und prächtigen Kapokbäumen fahren wir gen Westen an die Küste. Die Casamance ist eigentlich ein riesiges Feuchtgebiet und immer wieder von Flußarmen durchzogen. Über viele aufgeschüttete Deiche geht es durch die sumpfige Landschaft.

Wir erreichen das Dorf Elenkine und parken am Campement Elenkine, im Sand unter Palmen direkt am Fluß. Nur wenige Meter hinter dem Camp befindet sich der riesige Trockenplatz, wo Rochen und andere Fische getrocknet werden. Zum Glück kommt der Wind vom Fluss, sodass es in die andere Richtung duftet ;-)


Elenkine ist ein kleines, beschauliches Dörfchen. Wir sind unterwegs zum Fischmarkt, wenn man der Nase nach geht, kann man ihn gar nicht verfehlen. Die Männer kommen gerade von ihrer 14tägigen Tour mit dem Boot zurück. Es werden tausende von Kilos an Land getragen. Der Fisch ist bereits ausgenommen, aufgeschnitten, eingesalzen und wartet nur noch darauf, nochmals eingesalzen und getrocknet zu werden. Dieser Fisch ist für den Export nach Ghana bestimmt.


Berührungsängste darf man in Afrika keine haben, die Kinder kommen angelaufen und umarmen Verena spontan, geben ihr die Hand und marschieren ein Weilchen mit.
Wir beobachten die Lokalen bei ihrer Arbeit - da wäre die von ihren Enkeln umgebene Oma, welche unter dem schattigen Baum sitzend irgendwelche Nüsse zum Kochen öffnet, oder der Netzflicker, der das Fischernetz für den Abend wieder repariert. Im Schatten neben der Hausmauer sind die Dachdecker zu Hause, die gerade die Bündeln von Gräsern miteinander zu einem Dach verflechten. Vor Mamas Restaurant werden die Töpfe geschrubbt, vielleicht sollten wir hier mal Essen gehen, die Speisekarte an der Wand liest sich gut?! Im Friseursalon werden Kunsthaare zu kunstvollen Zöpfen geflochten......


Viele Schweine laufen frei rum - das bedeutet das hier das Volk der Diola leben muss, denn diese sind mehrheitlich Christen.
Auch Kirchen haben wir schon gesehen. Besonders am Sonntag, wenn die Kirchgänger nach Hause gehen, staunen wir nicht schlecht. Die Frauen sind aufgemascherlt, als ob sie gerade vom Opernball kommen würden. Alle haben sich für den Herrn schöngemacht.

Als wir zurück zum Camp marschieren, wird gerade ein 7achsiger Lkw aus Ghana mit Trockenfisch beladen. Am Platz geht es rund. Die Säcke werden stichprobenartig untersucht, ob wohl nur guter Fisch im Sack ist. Die ca. 50kg Säcke werden von jungen Männern am Kopf zum Lkw getragen und von einem zum anderen hochgereicht, bis er endlich ganz nach oben gehievt wird. Den ganzen Tag und auch noch den nächsten brauchen sie, um den Lkw zu beladen und transportsicher zu machen. Sie verladen ca. 500 Stück der Säcke.

Auf dem Weg nach Point St. Gorge befahren wir eine tiefsandige Piste. Jedoch wird gerade an einer "Ganzjahres Piste" gebaut und die wird bald fertig werden. Dann wird es wohl mit der Beschaulichkeit in diesem Dorf vorbei sein. Wir parken am Rande des Dorfes unter einer Akazie, die normalerweise von Ziegen belagert wird. Wie wir herausfinden, warten die schlauen Ziegen bis ein Windstoss kommt und die leckeren Früchte runterweht, auf die sich dann stürzen und hinunterschlingen. Gegenüber befindet sich das nette Campement Chez Claire.
An den Mangrovenwurzeln gedeihen die Austern prächtig und wir sehen den Einheimischen zu, wie sie die abgehackten Wurzeln ins Boot verladen, um sie zum Markt zu bringen.

Am Dorfrand ist ein Beobachtungsturm und da wollen wir hin. Im Reiseführer steht geschrieben, dass man hier Delphine und Seekühe sichten kann. Das Wasser ist ziemlich unruhig, viele kleine Wellen und es ist bald Flut. Nach einer Stunde geben wir auf, Verena ist fast seekrank, denn der Beobachtungsturm steht bei Flut im Wasser. Morgen kommen wir wieder und wir haben Glück. Mehrere Delphine in der Ferne und einer gibt eine tolle Performance ab, indem der das ganze Ufer entlangschwimmt, keine 10 Meter von uns entfernt und sich immer wieder aus dem Wasser emporhebt.
Auch die Seekühe sind direkt vor uns im Wasser, jedoch zeigen sie sich nicht so schön. Entweder sieht man nur die dicken Nasen oder sonst den Hinterteil mit der Schwanzflosse, wenn sie sich wegbewegen, um wieder in die Tiefe zu gleiten.
Wir gönnen uns noch ein Mittagessen bei der Nachbarin, bevor wir weiterziehen. Auf geht´s - an die Küste.

Die Kapokbäume sind eine der größten Bäume des tropischen Regenwaldes. Eine Wuchshöhe von bis über 60m, 3m Durchmesser und er kann über 500 Jahre alt werden. Er wird von hohen, breiten Brettwurzeln gestützt. Von diesem Baum werden die Kapokfasern geerntet, die oft als Füllmaterial für Schwimmwesten, Rettungsringe und Polster verwendet werden.

Cap Skirring in der Casamance wird als Perle Senegals bezeichnet. Der schönste Strand soll sich hier befinden. Die Umgebung ist touristisch erschlossen. Durch den Bau des Flughafens hat der Tourismus enorm zugenommen. Der Club Med hat sich schon in den 60er Jahren in einer der schönsten Buchten breit gemacht. Wo noch vor wenigen Jahren dichter Wald war, stehen nun kleine Hotelanlagen, Bungalows und Ferienhäuser. Viele Franzosen, die den Winter in Europa entfliehen, verbringen hier ihre Zeit. Es ist Anfang Mai und die Saison ist ziemlich zu Ende, die Regenzeit naht und dann hat hat vieles geschlossen.
Am Maya Beach finden wir ein sandiges Platzerl unter Palmen. Wir frönen dem Beachlife, lassen es uns gut gehen. Machen lange Strandspaziergänge und Radlfahrten. Immer wieder beobachten wir die Muschelsammler. Sie stehen knietief im Wasser, warten bis sich die Wellen zurückziehen, um dann schnell mit ihren selbstgebastelten Netzkörben die angespülten Muscheln einzusammeln. Alles wird auf einen Haufen aufgetürmt. Wenn diese groß genug sind, kommt der Lkw und holt den Muschelbruch ab. Dieser wird dann anstatt Schotter im Beton verwendet. Am ganzen Strandabschnitt sehen wir diese Art der Arbeit immer wieder. Achja, Bagger sehen wir keinen, alles wird händisch verladen.

In Diembering liegen viele tote Bäume. Der Strand verschwindet zusehens. Das Wasser der Flut kommt nun so weit ans Land, dass es die Wurzeln der Bäume unterspült und sie irgendwann wie Mikadostäbchen umfallen. Dann liegen sie kreuz und quer am Strand und wir umfahren sie in einem Slalom. Bei Ebbe ist der Strand hart und breit - herrlich zum Radeln, wobei bei Flut nur wenige Meter weicher Sand übrigbleibt.
Ca. 10 Männer sind gerade beschäftigt ihr riesiges Netz an Land zu ziehen, das sie zuvor mit dem Boot rausgebracht haben. An einem langen Seil wird gezogen und gezogen bis sie endlich zum eigentlichen Netz kommen und dann scheint es Schwerstarbeit zu sein, das Netz in vereinten Kräften hereinzuziehen. Etwa eine Stunde dauert es, bis das ganze Netz eingeholt ist und der Fang im Trockenen liegt. Thunfisch, Barrakuda, Doraden und viele andere kleine Fische befinden sich nun im Todeskampf im Sand. Was versehentlich ins Netz gegangen ist, wird nicht, wie erhofft, wieder ins Wasser retour geworfen, nein, es bleibt einfach am Strand liegen und verrottet. Das wird auch einer der Gründe sein, weswegen hier in der Casamance hunderte, nein eher tausende Geier herumfliegen. Die nächste Flut spült die meisten Reste wieder mit ins Meer.

Die letzte Nacht am Maya Beach. Fahrräder, Tisch und Stühle sind bereits verräumt. Wir gehen schlafen und werden um ca. 02.00 Uhr von einem unbekannten Geräusch geweckt. Dong, rtschrtschrtsch......wir wachen beide auf und schauen uns fragend an. "Das ist die Sau, die sich am Reifen reibt", meint Wolfi. Denn am Nachmittag, als wir nach Hause gekommen sind, hat sich eine Sau unter dem Amigo breit gemacht. Doch wieder hören wir rtschrtschrtsch....nun geht Wolfi dem Geräusch auf dem Grund. Im Badezimmer öffnet er das Moskitonetz und Verena hört nur noch einen lauten Schrei: "Du Krrrüüppppelllll!" Hat doch tatsächlich jemand einzubrechen versucht. Doch durch den Brüller ist er sofort von der Leiter gesprungen und in der Dunkelheit verschwunden.


Am nächsten Tag, als der Nachbar vorbeikommt und seine blaue Regentonne wiedererkennt, wird unser Bild vom versuchten Einbruch etwas klarer. Da hat der Einbrecher nebenan im Garten die blaue Regentonne entwendet, dann hat er noch zwei Stangen vom anderen Nachbar aus der Hütte genommen. Mit ebenfalls geklauten Holzlatten und Nylonschnüren hat er sich, etwas entfernt vom Amigo, eine Leiter gebastelt, um hochzukommen, nachdem er am Dach keine Möglichkeit zum Einsteigen gefunden hat. Zum Glück sind wir muntergeworden, ansonsten hätten wir wahrscheinlich einen im Fenster steckengebliebenen Schwarzen befreien müssen ;-) Denn durch dieses kleine Fenster hätte er bestimmt nicht durchgepasst und die anderen Fenster waren alle verschlossen.

Wir verlassen den Maya Beach mit einem kleinen bitteren Beigeschmack und wechseln zu einem traumhaft schönen, sauberen und mit hohen Palmen bestückten Plätzchen. Vom Chef eines Quad- und Jetski Verleihs haben wir die Erlaubnis bekommen, auf seinem Grundstück zu parken. Der Ort Cap Skirring liegt in Gehweite. Hier stehen wir nun windgeschützt etwas hinterm Strand und werden jeden Morgen von herrlichem Vogelgezwitscher geweckt. Während des Frühstückens kommen die Kühe angetrabt, die den ganzen Tag am Strand verbringen..... sie lieben es anscheinend, sich zu sonnen ;-) Am Abend trotten sie wieder nach Hause. Im Gebüsch raschelt es - ein Waran sucht sich den Weg hoch durchs Gebüsch. Einige Hunde kommen vorbei und schauen, ob wir wieder Biomüll hinter dem umgefallen Stamm entsorgt haben.
Es ist halb Neun - Schichtwechsel, der Nachtwächter darf nach Hause, während die Angestellten ihren Dienst beginnen. Nachdem sie aus dem Auto steigen, ist ihr erster Weg zu uns. Händeschütteln, ca va? Bien dormi? Nicht aufdringlich, sondern einfach nur nett und freundlich.

Der Fischerhafen ist nur gut einen Kilomter entfernt. Den ganzen Tag herrscht dort Trubel und Geschäftigkeit. Über Mittag kommen die meisten Pirogen retour mit tausenden von Fischen. Momentan sind fast ausschließlich Doraden in ihren Netzen. Als Wolfi sie schuppt und ausnimmt, sind deren Bäuche voll mit Rogen. Wahrscheinlich ist gerade Laichzeit und eine Schonzeit gibt es hier nicht. Sehr schade... wir haben fast ein schlechtes Gewissen beim Essen.
Zwischen den Pirogen, das sind mit Seitenwänden erhöhte Einbäume, sitzen die Frauen und warten auf die Fische, die sie dann schuppen und ausnehmen. Bis am Abend ist der ganze Strandabschnitt voll mit Fischgedärmen und -köpfen. Bei jeden Schritt muss man darauf achten nicht auf irgenwelche Fischreste zu treten. Die Geier und Möwen streiten sich um die leckersten Teile, bis die Hunde kommen und sich an den Fischresten laben. So wie es für uns den Anschein hat, fressen auch die Kühe hier in Senegal Fischreste, denn die sind meistens rum. Auch die Schweine erfreuen sich daran. Was dann noch liegenbleibt, nimmt die Flut wieder mit. Am nächsten Morgen sieht es wieder wie am Traumstrand aus... bis die Fischer mit ihren Pirogen anlanden, dann beginnt das Spiel von vorne.

Dahinter sind die Netzflicker und Bootsbauer am Werk. Hat man keine Kreissäge bei der Hand, wird eine gebastelt......Schwache Nerven darf man bei dieser Arbeit keine haben. Djibril scheint recht geübt zu sein, alle Finger und Zehen sind noch dran. Seine Sicherheitsschuhe lassen aber zu wünschen übrig.

Gegenüber dem Markt gibt es ein kleines Restaurant, wo schmackhafte Tagesgerichte angeboten werden. Ganz nach dem senegalesischen Geschmack - Reis mit Fisch, Fisch mit Reis oder Fisch und Reis die dann Thieboudienne, Poisson jassa, Jollof Reis oder Kaldou heißen. Wir haben gar nicht gewusst, dass es so viele verschiedene Namen für Fisch mit Reis gibt. Gemüse ist relativ teuer, also spärlich bis gar nicht am Teller vorhanden. Zu unserer Freude wird frischer, grüner Salat angeboten und die ersten kleinen Bananen gibt es auch zu kaufen. Wir entdecken Garnelen in Körben - wir kaufen gleich einen Kilo und sind dann megaenttäuscht. Beim Braten wird schon ein "Krankenhausgeruch" verbreitet - es müssen Zuchtschrimps sein und sie riechen nach dem Medikamentencocktail, den sie wahrscheinlich als Futter bekommen. Nein, da bleiben wir lieber beim Fisch.

Wir sind nicht die einzigen Reisenden. Ein französicher Radfahrer, der den ganzen Weg von Frankreich hierher geradelt ist, leistet uns einen Abend Gesellschaft. Er schlägt sein Zelt neben unseren Amigo auf.
Am nächsten Tag kommen Marielena und Andre mit ihren VW-Syncro vorbei. Wir haben gemeinsame Bekannte in Deutschland und von ihnen haben sie erfahren, dass wir uns momentan in Senegal befinden. So treffen wir uns hier an diesem schönen Strand und verbringen ein paar nette Tage.

Winzer - diesen Beruf gibt es auch hier. Aber anstatt in den Weinbergen die Triebe zu kürzen, muss man hier schwindelfrei sein und auf 7m hohe Palmen klettern können. Jeden Morgen und Abend klettert Alois in geübter Manier hoch, um die Stiele der Palmfrüchte einzuritzen und eine Plastikflasche daran zu befestigen, in diese der köstliche Palmsaft dann rinnen soll. Es dauert ein paar Tage, bis die Flüssigkeit richtig gut rausläuft, also muss er jeden Tag die Einschnittstelle der Früchte vergrößern. Am ersten Tag nach der Ernte schmeckt er wie Sturm, etwas süßlich - sehr köstlich. Lässt man ihn weitere Tage reifen, nimmt der Alkoholgehalt zu.
Wolfi probiert sich als Erntehelfer, aber scheitert schon auf dem ersten Meter hoch zur Palme kläglich. Diesen Beruf kann er abhaken, das wird wohl nix ;-)

Beim Zähneputzen hat Wolfi plötzlich ein Stückerl Zahnfüllung in seinem Mund. Oje... Zahnarzt gehen in Afrika - nicht unbedingt das, was man sich wünscht. Maxime, der Nachwächter, erklärt Wolfi den Weg zum örtlichen Zahnarzt, eigentlich ganz einfach - nur den Schmerzensschreien nach... ;-)
Am nächsten Tag, gleich nach dem Frühstück schwingen wir uns auf die Räder, zum Glück ist Ebbe, da können wir auf dem harten Sand bis in das Dorf radeln. Beim Poste de Santé gibt es keinen Zahnarzt, aber ein paar Meter runter, neben der Bank sollte einer sein. Und tatsächlich finden wir ihn. Wider Erwarten ist seine Praxis gar nicht so schlecht bestückt, der Behandlungstuhl funktioniert zwar nicht ganz, so dass er etwas "fleischhackermäßig" Wolfis Mund öffnen muss, um an den Weisheitszahn oben zu kommen. Ansonsten macht er einen guten Job. Mit einem zufriedenem Lächeln verlässt Wolfi die Zahnarztpraxis, er hat schon mit dem Verlust des Zahnes spekuliert.

Der Tag des Aufbruchs kommt und so nehmen wir Abschied von Maxim, Emil, Alan und all den anderen netten Jungs am Platz. Sie wünschen uns statt "bon voyage" ein "bon chemin", was so viel wie "guter Weg" heißt, denn der ist in Westafrika nicht selbstverständlich.
Wir fahren nach Ziguinchor, um dort unser Visum für Guinea- Bissau zu holen. So einfach und so schnell sind wir noch nie zu einem Visa gekommen. In weniger als 10min verlassen wir das Konsulat. Nur noch 15km sind es bis zur Grenze. "Au revoir Senegal!"

 

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