Tansania 5

05.04. - 06.05.2026

Währung: 1 Euro = 3.000,-Tansania Shilling
Dieselpreis: 1l = 3.900,- TZS
Ausreiseort: Tunduma

Heute wollen wir das Paket mit den Buchsen und Bolzen in der Stadt abholen. Beim genannten Busbahnhof parken keine Busse, keine Menschen, es wirkt vereinsamt. Aber der Bus aus Nairobi sollte doch heute Vormittag einlaufen. War er schon hier oder kommt er erst? 2 ältere Männer meinen, dass der Bus schon angekommen sei und wir sollten doch beim Ticketschalter, welcher ein paar hundert Meter in Richtung Kreisverkehr neben dem Restaurant liegt, nachfragen. "Nein, hier gibt es keine Pakete, nur Tickets zu kaufen." lautet dort die Auskunft. Was nun? Wo ist unser Paket jetzt? Die junge Frau meint, wir sollen beim alten Ticketschalter in der Stadt unser Glück versuchen. Ob sie denn so nett sei, dort anrufen und nachfragen könnte? Macht sie und hat auch gleich eine positive Antwort für uns. Das Paket mit dem Namen "Wolfi" liegt dort, es sind nur knapp 3km zu laufen. Erleichterung macht sich breit, wir marschieren los, finden den winzigen Shop erst nach mehrmaligen Fragen. Doch schließlich halten wir es in der Hand. Es wurde bereits geöffnet, doch die Teile sind vollzählig. Der Zoll war wohl neugierig, schließlich hat der Bus eine Grenze gequert. Das kleine Paket hat zum Glück unscheinbar gewirkt, Zoll wurde keiner verrechnet, denn diesen müssten wir nun vor Ort bezahlen. Niemand verlangt was. Glück gehabt!

Den Tag verbringen wir in der Stadt, besuchen das interessante Kulturmuseum, in dem über 1000 nationale und internationale Künstler ihre Werke zum Verkauf ausstellen.
Einen Kaffee im lauschigen Garten. Daneben gibt es ein Atelier von beeinträchtigten Menschen, welche Wolle spinnen, Glaskugeln auffädeln, Holzschmuck herstellen und allerlei bunte Textilien nähen. Man merkt, dass Arusha gut von Touristen besucht wird, im restlichen Land findet man sowas nicht.

Die nächsten Tage stehen ganz im Zeichen "Amigo verjüngern". Das 2. Federpaket ist gleich schwer, jedoch mit Hilfe der Jungs von der Farm ist der Ausbau bald geschafft. Wolfi wechselt die eingelaufenen Buchsen und Bolzen - Schwerstarbeit. Zuerst müssen die Buchsen mit vollem Kraftaufwand aus den Federaugen geschlagen werden, danach vorsichtig die Augen säubern und die neuen Buchsen gerade ansetzen. Nun gilt es diese ohne Verkanten und Beschädigung ins Federauge einzuschlagen, eine fehlende stabile Werkbank macht es nicht unbedingt einfacher.
Auch bei dieser Feder haben wir das gleiche Phänomen des Herzbolzensschwundes, zerbröselt und zweigeteilt gilt es diesen nun mühsam aus dem Achsgehäuse und der Unterlegsplatte zu bekommen. Das Material muss einfach das falsche gewesen sein. Manfred hat eine passende Eisenstange, von der Wolfi neue Zentrierungshilfen abschneiden kann. Beim Einbau fuchst es etwas, der vordere Bolzen will einfach nicht durchs Loch... Aber irgendwann ist das Luder dann doch drinnen - fertig.
Der Platz ist zum Schrauben einfach ideal, deshalb machen wir gleich weiter mit der Arbeit. Der Lufttrockner bekommt eine neue Patrone, der Separ Filter aus der Dieselleitung wird auch noch gereinigt und getauscht. Unser Wassertank wird abgelassen, gereinigt und neu gefüllt, der Trinkwasserfilter wird erneuert und noch einiges mehr.
Verena ist derweil am Wäsche waschen, es hat sich inzwischen wieder ein riesiger Berg angesammelt, den sie mit der Hand wäscht, bis ihr fast die Arme abfallen, sie erledigt den verspäteten Frühjahrsputz und hilft auch noch regelmäßig dem Wolfi bei seinen Arbeiten unterm Auto. Jeden Tag an die 10 Stunden, da sparen wir uns dann doch die tägliche Walking Runde :-)

In den letzten Wochen haben wir viel Zeit mit der Frage "wie geht es für uns weiter?" verbracht. Unseren ursprünglichen Plan, den afrikanischen Kontinent zu umrunden, den haben wir ja schon länger aufgegeben.
- Der Norden Äthiopiens und Sudan sind noch immer gesperrt. Der vergessene Krieg dauert nun schon 4 Jahre an und es ist kein Ende in Sicht. Wir sind sozusagen in einer Sackgasse gelandet.
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Die Zentralafrikanische Republik, der Südsudan und der Osten der Demokratischen Republik Kongo sind ein NO GO. Nicht vorhandene Straßen und unzählige Rebellengruppen sind keine Alternative.
So haben wir nach anderen Möglichkeiten gesucht, eine Verschiffung von Tansania oder Kenia in den Nahen Osten.
- Eine RORO Verschiffung (roll on, roll off), wo man über eine Rampe auf das Schiff fahren kann, konnten wir nicht finden.
- In einen Container passen wir nicht, also muss der Amigo mit einem "Flat Rack" befördert werden. Dazu wird der Lkw auf einen Boden gefahren und bei einer Verschiffung zuoberst auf die anderen Container gesetzt, allerdings waren die Angebote dafür viel zu teuer.
Dann kommt da plötzlich ein Hinweis von anderen Reisenden, wir kontaktieren die Agentur und tatsächlich gibt es eine RORO Verschiffung von Daressalam in den Nahen Osten. Sollen wir? Ist zwar auch ein stolzer Preis, allerdings wären wir bereit, die Summe zu bezahlen. Wir könnten die arabische Halbinsel bereisen, über den Irak in die Türkei und weiter nach Europa fahren, was ja eigentlich annähernd unserem ursprünglichen Plan nahe kommt. Während wir so überlegen und die Route nach Dar planen, beginnt doch tatsächlich der Iran/Israel/USA Krieg.
- Sollen wir warten, bis der Krieg vorüber ist?
- Wie lange wird es dauern?
- Gibt es danach überhaupt noch eine Landroute in die Türkei?
- Es gibt oder besser gesagt gab es eine Fährverbindung von den VAE in den Iran. Wird es sie überhaupt wieder einmal geben? Sonst ist der Nahe Osten unsere nächste Sackgasse!
- Sollen wir den Amigo nochmals in Ostafrika einstellen, den Sommer in Österreich verbringen und abwarten? Aber wenn sich dann bis zum Jahresende nichts tut, sind wir WIEDER in der Regenzeit zurück in Afrika.
Welche Möglichkeiten gibt es also noch?
Fragen über Fragen....und lange keine Antworten.

UND letztendlich haben wir eine ENTSCHEIDUNG getroffen! Wir kehren um und fahren zurück ins südliche Afrika - dann schauen wir weiter. Dazu müssten wir aber jetzt losfahren, um in der trockenen Zeit die nächsten Länder zu bereisen. Österreich fällt daher für heuer aus.
Es tut gut nun wieder einen Plan zu haben, auch wenn es nicht die 1. Wahl ist. Also los gehts!

In den letzten Tagen hat es jede Nacht geregnet und heute Vormittag regnet es noch immer. Es ist viel Verkehr stadteinwärts, wir wollen zum Gastanken. Arbeiter sind mit dem Reinigen der Wasserrinnen beschäftigt, der viele Müll verhindert das Abrinnen, alles Wasser tritt über, es schwimmt. Will man links oder rechts der Hauptstraße abbiegen, ist es besser man trägt Gummistiefel.

Im Gasgeschäft müssen wir die gewünschte Gasmenge bezahlen und dann mit der Flasche in den Vorort fahren, wo sie im Depot von einem Nepali aufgefüllt wird. Mit dem richtigen Adapter, diesmal dem thailändischen, geht das recht zügig. Wir decken uns noch mit Lebensmittel, Obst und Gemüse ein, denn wir fahren in die Landesmitte, wo zwar die Hautpstadt des Landes liegt, ansonsten es aber eher dünn besiedelt ist.

Davor jedoch besuchen wir noch das Burka Coffee Estate. In der angeschlossenen Rösterei kann man sich mit köstlichem Kaffee eindecken. Ob ganze Bohnen oder gemahlen, gewünschter Mahlgrad oder das Mischen verschiedener Röstgrade, alles ist möglich. 3kg schwerer queren wir den Hof, wo ihr Fuhrpark steht. Wolfi entdeckt alte Steyr Lkws und freut sich über die Raritäten. Wir dürfen am Gelände übernachten, spazieren durch die Kaffeeplantagen und können noch einen Blick auf den Mount Meru erhaschen. Kurz geben ihn die Wolken frei, es ist erst das 2. Mal, dass er sich uns zeigt, seit wir vor gut zwei Wochen in Arusha angekommen sind.

Südlich gehts an der Serengeti vorbei, die leider noch immer zu viel Wasser hat. Wir erspähen eine Herde Zebras, mitten im Dorf marschieren sie umher. Für die Dorfbewohner wahrscheinlich ein normaler Anblick, für uns eher ungewohnt.


Das zentrale Plateau liegt auf 1.200m, Arusha auf 1.500m. Seit wir im September in Nairobi losgefahren sind, waren wir nur 1x ganz kurz unter 1.000m. Eigentlich schwer vorstellbar, dass wir uns permanent auf einer Hochebene befinden. Ostafrika liegt eigentlich ganz schön hoch, in Österreich würden wir die Subsistenzwirtschaftler Bergbauern nennen.
Die Landschaft ist saftig grün, wenig Bewohner, viel Einsamkeit und gute Bushcamping Möglichkeiten.

Zu Zeiten der arabischen Sklaven-und Elfenbeinhändler war das riesige Gebiet als "Nyika" bekannt, was so viel wie großes, weites Land bedeutet. Die Deutschen haben dann auf dieser Route eine Eisenbahn gebaut, die von der Küste bis zum Tanganjika See verläuft. In der britischen Kolonialzeit wurde die Bahn schön langsam durchs Automobil ersetzt und Dodoma wurde der wichtigste Verkehrsknotenpunkt von Kairo - Kapstadt im British East Africa.


1973 wurde es zur Hauptstadt und die präsentiert sich nun in der Regenzeit von ihrer attraktivsten Seite, denn die restlichen Monate ist es heiß und staubig, so zumindest sagt es der Reiseführer. Viele Verwaltungsgebäude stehen leer, die Minister bevorzugen das Leben an der Küste. Und wir können das vollkommen verstehen, denn es gibt nicht viel Schönes. Wir besuchen den alten Bahnhof, gegenüber das ehemalige Railway Hotel, das sich selbst als "the only businessman´s Hotel in Dodoma" betitelt. Kein Cafe, kein Supermarkt... aber viele Kilogramm handgemachte Pommes.


Nach nur wenigen Stunden haben wir die unattraktive Stadt hinter uns gelassen. Beim Rausfahren links von uns steht ein überdimensioniertes, modernes Gebäude. Wirkt wie ein Shoppingtempel, doch nein, es ist der neue Bahnhof, erbaut von den Chinesen... den Zug sehen wir leider nicht.

Die Burschen an der Straße winken mit kleinen Kanistern in der Hand. Ist das Wein? Wir bremsen ab, freuen uns. Allerdings ist es roter, süßer Wein. Die Qualität lässt wahrscheinlich zu wünschen übrig, denn der 1l Kanister sollte 8.000,-TZS kosten und da ist der Muzungu Preis bestimmt schon miteinkalkuliert. Nein Kopfweh wollen wir nicht.
Als wir am nächsten Morgen unsere Spazierrunde drehen, entdecken wir einige Weingärten. Alte und neue Stöcke, es wird gerade gespritzt. Das einzige Weinanbaugebiet in Tansania und der trockene Dodoma Wein, den es als Weiß- oder Rotwein gibt, ist gar nicht einmal so schlecht.


Auf den Feldern wachsen Mais und Süsskartoffel. Dass wir noch immer im Masailand sind, bezeugen die Krals, in denen die Kühe nachts eingesperrt werden und die Besucher, die uns am Nächtigungsplatz hinter der großen Akazie, heimsuchen. Es sind ca. 10 Jahre alte Jungs, die den ganzen Tag mit dem Vieh herummarschieren. Dongdo sitzt schon seit 3 Stunden am Boden neben uns, seine Ziegenherde ist weithin verstreut. Die Konversation ist sehr schwierig, denn die Masaisprache Maa verstehen wir nicht und er kein englisch. Der Reindling scheint ihm nicht richtig zu schmecken und das Wasser rührt er nicht einmal an, aber er hat ein nettes Lächeln und unsere Fahrräder faszinieren ihn. Zwischendurch hüpft er auf, gibt schrille Laute von sich, damit die Ziegen sich wieder sammeln - es funktioniert tatsächlich.
Am späten Nachmittag sind wir dann von 10 Hirten, 60 Ziegen, 35 Schafen, 40 Rindern und 20.000 Fliegen umgeben. Als die Sonne untergeht, verschwinden sie mit ihren Herden zwischen den Büschen und wir haben den Nachthimmel für uns allein. Herrlich!

Nach ein paar Tagen in der Abgeschiedenheit, fällt uns der Lärm, der Verkehr, die schlechte Luft und die vielen Menschen in der Großstadt doppelt auf. Unser Ziel ist Mama Iringa, denn da sollte es eine richtige italienische Pizza geben. Das Gästehaus ist wie ein Vierkanthof angelegt, in der Mitte ein netter Rasen, drumherum liebevoll gerichtete Gästezimmer und auf einer Seite das stylische Restaurant. Der Campingplatz ist im Hinterhof auf einem geschotterten Parkplatz, das Stiefkind der Anlage. Aber wir sind ja wegen der Pizza hier und die ist wirklich köstlich.

In Iringa ist Markt, Avocados haben Saison und die Mangos kommen aus Kenia, zu Bergen geschlichtet, schauen sie köstlich aus. Dass die neu errichtete Moschee einen türkischen Baumeister hatte, lässt sich nicht leugnen, auch die Boma aus der deutschen Kolonialzeit ist nett anzusehen.

Der Tischler fertigt ausschließlich aus Palettenholz Couchen und Betten an, der Tuktuk Mechaniker repariert gleich neben der gut befahrenen Straße, durch den Ersatzteilladen mit Gebrauchtteilen muss man sich schon durchkämpfen und Handwerker jeder Art, die hier Fundi heißen, gibt es an jeder Ecke. Der Fundi für den Computer, der Fundi für die Wasserleitungen, der Fundi für die Pflanzen usw.

Als wir Iringa verlassen, wollen wir noch ein paar Kilogramm von den köstlichen Mangos mitnehmen, denn unsere Marmelade geht zu Neige. Die Mango/Bananen/Zimt Variante war schon sehr köstlich, nun wollen wir auch noch Mango/Maracuja versuchen. Zucker und Maracujas sind bereits in den Einkaufstaschen, aber wo sind die Mangos? Es gibt heute keine! Kein Wochenmarkt und in der Markthalle gibt es nur ein paar verschrumpelte überreife, keine schöne Ware. Also wird leider nichts mit der Marmelade. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Dafür gibt es jede Menge Reis. Milchreismarmelade??

In der gesamten Stadt ist das öffentliche Wasser anständig gechlort. Feiert die Stadt ein rundes Jubiläum oder hat der Bürgermeister Geburtstag, weil er eine Runde Chlor schmeißt? Gut für die Bevölkerung, schlecht für unseren Wasserfilter, denn zu stark gechlortes Wasser schmeckt nicht gut. Aber vor allem setzt es sich im Filter ab und wir bekommen den Geschmack lange nicht raus.
An der Tankstelle am Stadtrand gibt es Diesel mit Kreditkarte und ungechlortes Wasser. Bis der Tank voll ist, kaufen wir uns einen Cappuccino im "angesagtesten Beisl" der Stadt. Zumindest erzählt uns das der Manager. Er kommt aus Arusha, ist erst seit 4 Monaten hier. Am Wochenende stürmen ihn die Kunden und öfter hat er dann 16 Stunden Tage.
Zuckerrohr hat Saison, die Menschen lieben es darauf herumzukauen. Er wird bereits geschält und in kleine Stücke geschnitten in Plastiksackerl von den fliegenden Verkäufern am Straßenrand und auch mitten auf der Straße verkauft.

Am "Highway to Hell", so wird der TanSam Highway genannt, der von der Küste Tansanias bis nach Sambia führt. 95% Schwerverkehr, noch mehr Speedbraker, die meist wirklich sehr gemein sind. Kleine asphaltierte Hügeln, oft nur schwer zu erkennen, weil die Hinweisschilder geklaut und die Markierung am Asphalt totgefahren wurde. Fast durchgehend eine 50iger Beschränkung und dazu doppelte Sperrlinie. Die Lkws sind voll beladen und untermotorisiert, wenn wir dann doch am Überholen sind, stoppt uns prompt die Polizei, die gefühlsmäßig hinter jeden Baum sitzt. Sind wir in ganz Tansania bisher immer durchgewunken worden, stoppen sie uns nun sehr oft, eigentlich IMMER. Mal sind wir zu schnell, mal haben wir die Sperrlinie überfahren.
Polizist: "Hello! Car papers, please!" Wolfi: "Salama, Habari? Whats wrong?"
Unser Vergehen: Überholen bei einer Sperrlinie. Naja das machen auch andere Verkehrsteilnehmer, besonders die Überlandbusse, aber das wäre das falsche Argument. Wolfi lädt den Polizisten zum Spaziergang ein, retour zur Stelle, wo wir überholt haben, dort ist der Asphalt schon 20x geflickt, aber die Sperrlinie nie mehr nachgezogen worden. Natürlich kann man die Linie noch erahnen, aber Wolfi eben nicht. Ob er denn wenigstens ein Geschenk für ihn hätte? Wolfi: "Kescho, morgen!" Und weiter gehts... bis zum nächsten Stop.
Schon wieder 58km/h bei einem 50er UND der Fahrer fährt ja verbotenerweise mit FlipFlops! Das kostet 2x Buße! Das Bild auf der Radarpistole zeigt den Amigo und darunter die Zahl 58. Wir wissen nicht, wie schnell wir unterwegs waren, schnell fahren kann man bei dem vielen Verkehr eh nicht. Wolfi lässt seit vielen Jahren die Navi App Osmand immer mitlaufen und die zeichnet auch die Geschwindigkeit auf. Wolfi: "Wegen Leuten wie euch wird bei uns alles aufgezeichnet! Hier schau, es ist eindeutig - über 50km/h sind wir vor 4km das letzte Mal gefahren und so weit wird dein chinesisches Ding ja wohl nicht schießen." Die Schwarzweiß Kopie vom Führerschein wird uns zurückgegeben, "Gute Fahrt". Auf das Bußgeld für das falsche Schuhwerk hat der perplexe Beamte komplett vergessen.
So geht das Katz- und Maus Spiel den ganzen Tag und auch die nächsten Tage weiter. Wolfi ist schon ein halber Afrikaner, zumindest pallavert er schon mindestens genauso gut - oder gar nichts. Denn einmal hatten wir einen sehr unfreundlichen Beamten, mit dem hat Wolfi kein Wort geredet, bis es diesem zu blöd wurde und die Papiere zurückgab, denn der Amigo blockierte die Fahrbahn.
Jungs in Zivilkleidung sitzen hinter den Büschen und filmen mit ihrem Smartphones, besonders bei Hügeln, wo sich die schweren Lkws mit 5 bis 7km/h hochkämpfen, eine dicke doppelte Sperrlinie. Das Video wird dann mit WhatsApp zum Polizisten weitergeschickt, der den Verkehrssünder dann 5km später aufhält und mit großer Genugtuung das Video vorspielt. Das gibt bestimmt ein gutes Bußgeld!! Wenn da nicht dieser Muzungu wäre... der sich aus jeder Situation rausredet. "Die Jungs hatten ja nicht einmal Uniform an! Da kann ja wohl jeder filmen!" und kommt prompt mit einer Verwarnung davon: "I forgive you, but next time...".
Das schönste ist: Wir verabschieden uns eigentlich immer als Freunde!

Mittlerweile wissen wir auch, wieso einige Lkws so elendig langsam dahinrollen. Entlang der Hauptroute ist ein richtiger Geschäftszweig entstanden, wahrscheinlich sogar ein Lehrberuf? Während unserer Mittagspause beobachten wir, wie 2 Diesel-Fundis direkt neben der Straße den Diesel aus den Lkw-Tanks in 20 Liter Kanistern abgesaugen. Der Fahrer bekommt ein paar Scheine und weiter gehts. Die bestehlen doch tatsächlich ihre Arbeitgeber! Langsames Fahren macht dann den verkauften Treibstoff wieder wett. Den Diesel kann man anschließend von den Jungs kaufen, für 65.000,- TZS - um ein Drittel günstiger, als auf der Tankstelle.

Am Fluss Ripera liegt der kleine Campingplatz Mfumbi, der von den symphatischen Brüdern Moses und Mathew geführt wird. Eine Eimerdusche, die Toilette ist ein Loch im Boden, aber immerhin mit Tür! Wasser gibt es nur vom Fluss, das ist aber derzeit noch etwas sandig. Herrlich ruhig, nur das Plätschern vom Wasser ist zu hören, hin und wieder marschiert ein Fischer mit seinem Netz am Ufer herum. Es gibt Feuerholz und wir backen, kochen und schauen den Sternen beim Vorbeiziehen zu. Auberginentartar mit Fladenbrot, Mohnstrudel und Kartoffelgulasch. Wolfi macht unsere Dachluken sauber, wie hell es plötzlich wieder im Inneren vom Amigo ist.

Wir wollen noch ein bißchen Zeit in Tansania verbringen, warten bis der Regen aufhört und die Pisten in Sambia auftrocknen, denn dort wollen wir endlich wieder abseits der Hauptroute fahren. Es ziehen zwar noch jeden Tag dunkle Wolken auf, allerdings hat die Regenmenge deutlich nachgelassen. Wir erkunden die Umgebung mit den schönen ausladenden Akazienbäumen und der eigentümlichen Fauna.
Endlich bekommen wir Antwort aus Sambia, dort regnet es schon seit einigen Tagen nicht mehr. Die Sonne hat ordentlich Kraft und lässt die Erde auftrocknen. Sehr gut, also gehts weiter.

Der Mbeya Hochlandreis ist zum Ernten bereit. Geschnitten, nun getrocknet, wird er dann in Säcke verpackt und verkauft. Leider ist die Ernte vom letzten Jahr ausverkauft und der neue Reis wird erst in ein paar Wochen in den Geschäften liegen. So fallen wir um den leckeren Reis um.

Mbyea liegt an den Ausläufern der Highlands. Die Durchgangsstraße ist chaotisch, mit viel Schwerverkehr und dazwischen hunderten Tuktuks. Eine tolle Kombi! Die Durchgangsstraße war vor 1,5 Jahren schon eine Baustelle, viel hat sich seitdem nicht getan. Damals sind wir aus Malawi hochgefahren und waren von der Großstadt mit ihren vielen Geschäften positiv überrascht. Nun ist die Stadt genauso unansehnlich, wie fast jede andere tansanische Stadt.
Amigo bekommt neues Motoröl, wird gleich direkt neben der Straße erledigt. Ganau rechtzeitig beendet der Öl-Fundi seine Arbeit, denn die ersten Tropfen fallen vom Himmel.

Die Oberstadt ist viel schöner und deutlich ruhiger, wir wollen zum englischen Butcher Paul. Der ist bekannt für seine Fleischwaren und seinen Garten, wo man gut campen kann. Eng gehts durchs Tor, dann noch enger zwischen 2 Bäumen auf eine schiefe, feuchte Wiese, für 15 USD pro Kopf und Nacht? Nein danke! Beim Verabschieden sagt Paul uns noch, dass der letzte Lkw sich beim Rausfahren anständig versenkt hätte - ja, genauso sieht es aus.
Beim Landratsamt gibt es einen netten Parkplatz im Grünen. Tagsüber sind wir zwar eingeparkt, nachts aber alleine. Zentral gelegen können wir alles zu Fuß erledigen. Der rote Weihnachtsstern nebenan ist nicht zu vergleichen mit den Topfpflanzen, die es in Europa zu kaufen gibt. Ein Blütenmeer, das Nachmittags besonders schön von der Sonne angeleuchtet wird.

Ein netter Waldweg führt weit in die Berge rein. Obwohl Feiertag ist, sind die Bauern am Düngen und Unkraut spritzen, es riecht gar nicht gut, dafür ist die Aussicht über Mbeya bis hinüber zum Vulkan Ngozi und nach Malawi wunderschön. Wir bekommen eine Dschungelbanane geschenkt, unsere Erste. Mehr Kerne, als Fruchtfleisch, eher zum Lutschen geeignet - die Frucht ist nicht besonders, allerdings ist ihre Blühte sehenswert.
Nicht nur am Land, auch in Kleinstädten werden wir öfters mit "Shikamoo" begrüßt, das ist die respektvolle Anrede älteren Menschen gegenüber. Es heißt soviel wie "Ich fasse deine Füße an", einige wenige machen auch noch einen Knicks dazu, wie bei einer königlichen Hoheit, die korrekte Antwort darauf ist "Marahaba" (es ist nicht nötig). Es erstaunt uns, dass Kinder, Jugendliche und auch junge Erwachsene uns diesen Respekt zukommen lassen.... allerdings fühlt man sich dann auch irgendwie seeehr alt :-)


Das Mbeya Hotel wird von Tansaniern indischer Abstammung betrieben und sie kochen sehr gutes indisches Essen, das wir uns nach unseren Wanderungen herzlich schmecken lassen.
An der Straßenecke beim Cafe werden wir von Jungs angequatscht, wo wir denn herkommen. "AUSTRIA" - "Ah, Australia... Willkommen, wie geht es Ihnen" quaschelt er uns dann in Deutsch an. Gar nicht gewusst, dass in Australien auch Deutsch gesprochen wird. Wir erzählen ihnen dann meist stolz von unseren überall herumhüpfenden Kängurus ;-)
Der Tiefkühlschrank wird enteist und neu geschlichtet, um Platz zu machen. Am Montag bekommt der Fleischer aus Namibia ein Lamm und da wollen wir Koteletts einfrieren, denn der Norden von Sambia ist eher ärmlich und die Auswahl an Lebensmittel wird wohl nicht allzu groß sein. Außerdem haben wir schon ewig keine schönen Lammchops mehr gegrillt!


Im örtlichen Krankenhaus wollen wir einen Billharziosetest machen, welcher über Stuhl und Urin getestet wird, wir waren gestern schon hier, um die Behälter dafür zu besorgen. Ein großes Areal mit einem Labor, das 24/7 offen hat. Die Rezeption ist ein Schalter im Freien, da muss man sich anmelden, die Bänke sind voll mit Patienten. Warten ist angesagt, zum Glück läuft der Fernseher. In der Flimmerkiste wird kräftig begrüßt, gebuckelt und viele, bedeutsame Reden gehalten. Der Premier Minister von Tansania ist in Iringa zu Besuch und spricht dann vor 25-30 Fähnchenschwingenden Menschen, mehr fängt die Kamera nicht ein. Na wenn das kein triftiger Grund für eine kräftige Dosis Chlor im Trinkwasser ist?!
Die Behandlung ist im Verhältnis zum Einkommen relativ teuer und so kommen die Menschen erst zum Arzt, wenn sie schon sehr, sehr krank sind. "Warum bist du hier, wenn du nicht krank bist?" fragt die Rezeptionistin und starrt uns entgeistert an, sie verrechnet auch gleich einmal einen Weißnasenzuschlag. Wolfi zahlt um 30% mehr als Verena, geht wahrscheinlich nach der Menge vom Stuhl??
Rund um das Areal hat sich eine Einkaufstraße entwickelt, wo man Lebensmittel oder bereits fertig zubereitetes Essen, Polster und Decken und vieles mehr, was man als Familienangehöriger für die Pflege des Patienten braucht, kaufen kann. Es gibt keine Krankenpfleger, das übernimmt jemand aus der Familie.
In den kleinen Läden kann man auch Datenguthaben für das Handy kaufen, welches Wolfi nun ersteht. 5.000,-TZS für 2,5GB, eine Woche gültig.
Keine Stunde warten wir auf das Ergebnis, welches zum Glück negativ ausfällt. Die Schneckeneier sind in sämtlichen stehenden Gewässern und in der Regenzeit mussten wir viele davon durchwaten, generell sind alle ostafrikanischen Seen Billharzioseverseucht.

Die Autoversicherung für Sambia haben wir online besorgt, nur noch schnell im Shop ums Eck ausdrucken. Am Markt kaufen wir Gemüse und Obst, beim Fleischer machen wir auch noch Halt - und schauen blöd, denn leider hat er keine Ware bekommen. Wolfi ist darüber sehr traurig, geht die vegetarische Kost nun noch einige Wochen weiter. Dabei hat er schon Grillkohle gekauft...

Aus der Stadt raus quält sich der Verkehr langsam voran, das mobile Gerichtsheim ist heute im Einsatz. Der Wind fährt ein und es staubt, die letzten tansanischen Schilling werden in Diesel umgesetzt und Wasser wollen wir auch auffüllen, allerdings ist der Druck so gering, dass es fast 1 Stunde dauert. Eh egal, heute wollen wir ohnehin nicht mehr über die Grenze fahren.

100km sind es noch. Tiefe Spurrinnen im Asphalt Die Polizeipräsenz ist enorm, bei der Abzweigung zur Weight Bridge, wo jedes Fahrzeug über 3.5t drauffahren muss, herrscht vollkommenes Durcheinander. Von beiden Fahrseiten müssen die langen Sattelschlepper abbiegen, die vielen Tuktuks und Autos quengeln sich vorbei, fahren Slalom oder nehmen den ausgewaschenen Schotterweg daneben.
13km vor der Grenzstadt ist es schließlich nur noch eine einzige Kolonne. Der kleinere Gegenverkehr muss aufs Bankett ausweichen, weil wir die gesamte Kolonne überholen. Trotzdem wird es spät und ist schon finster, als wir das Grenztor passieren. Alles steht still, im Hof zwängen wir uns irgendwie zwischen die vielen Lastwagen und parken ein. Die Grenze schließt um 20.00 Uhr, also bereiten wir uns auf eine ruhige Nacht vor. Doch nach dem heftigen Platzregen geht es erst richtig los. Motorenlärm, Bremsgeräusche und das Schlagen mit dem Stock vom Zöllner auf die leeren Tanklastwagen weckt uns gefühlt alle 10 Minuten aus dem Schlaf, die ganze Nacht lang! Na das wird ja lustig werden, diese berüchtigte Grenze so unausgeschlafen zu queren?! Aber davon erzählen wir euch dann das nächste Mal.

 

 

 

Sambia 2

 

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