Tansania 4

09.03. - 05.04.2026

Währung: 1 Euro = 3.000,-Tansania Shilling
Dieselpreis: 1l = 3.000,- TZS
Einreiseort: Rusumo Border

Für das 90 Tage Visum bezahlen wir 50,-USD, beim Zollpapier für den Amigo müssen wir diesmal auch wieder etwas beharrlich sein, wie des öfteren, dass sie es nicht als komerziellen Truck einstufen, denn dann müssten wir kilometerabhängige Maut bezahlen, so beläuft sich die Road tax auf 20,-USD/Monat.
Nach der Grenze besorgen wir uns eine neue SIM Karte, denn die alte ist nicht mehr gültig. 3.000,-TZS für die SIM und 35.000,-TZS für 18GB und 30 Tage Gültigkeit.
Dann reihen wir uns in der Lkw Kolonne ein, wir haben alle den gleichen Weg, denn es gibt nur diese eine Piste. Immer dem betonierten Band nach, eine ganz neue Fahrbahn bringt uns steil den Hügel hoch. Oben angekommen endet der Beton und die Baustelle beginnt. Sofort fällt uns die Weite auf. Es gibt wieder viel Buschland, wenige Dörfer und mehr "Einsamkeit".
Wenn die Piste nass ist, spritzt der Matsch bis aufs Dach, ist es trocken, staubt die Erde durch die kleinsten Ritzen. Die Chinesen sind mit schweren Geräten vor Ort, denn die Straße wird nun asphaltiert. Es macht den Anschein, als ob sie für die Zukunft bauen. Mehr Asphalt, größere Wasserdurchlässe und massive Dämme, auf 2spuriger Fahrbahn geht es künftig die Hügel bergauf. Die Baustelle hat es in sich, denn die Regenfälle haben Umfahrungen butterweich werden lassen und viele Sattelzüge schaffen es nicht. 50 Tonnen schwer, 6Achsen, davon nur eine angetrieben - eine tolle Kombination. Es sind Radlader vor Ort, doch nicht, um die Gestrandeten zu bergen, nein viel besser, entlang der steckengebliebenen Lkw wird eine neue Fahrspur aufgeschottert. Der Verunglückte muss warten bis die Piste soweit auftrocknet, dass er es selber aus der Misere schafft.

Vereinzelt sind kleine Ansammlungen, Tomaten und Zwiebel werden verkauft. Bei den vorbeiziehenden Watussirinderherden sind meist mehrere Hirten dabei. Die Hörner sind enorm und die Tiere sind ihr ganzer Stolz. In Biharamulo gibt es die erste Möglichkeit an Geld von einem Bankomaten zu kommen, allerdings sind die Gebühren sehr hoch, sodass wir nur etwas Bargeld wechseln.

Nach 2 Fahrtagen erreichen wir das Südufer des Viktoriasees. Kurz vor der neugebauten Brücke, die den Fährdienst nun abgelöst hat, gibt es ein nettes Camp direkt am Ufer. Das Rocky Bay Resort hat 2 Campingplätze mit englischem Rasen, großen Duschen, einer Grillstation mit Blick auf den See. Sowas hatten wir ja schon ewig nicht mehr. Am Wochenende heizen wir gleich ein, backen unser Brot in der Glut und grillen den fangfrischen Tilapia, den wir heute Morgen den vorbeiziehenden Fischern abgekauft haben.

Aus den Augenwinkeln sehen wir die rosarot/blauen Agamen vorbeihuschen. Wenn der Chef kommt, ziehen die anderen ab, kommt es zum Kampf, lassen einige auf der Flucht ihr Hinterteil abfallen, denn das wächst wieder nach. Bei ihrem Sportprogramm, das ausschließlich Liegestütze beinhaltet, müssen wir immer schmunzeln ;-) Ob das gegen die grüne Mamba hilft?


Rund um das Camp wird Feldwirtschaft betrieben. Grüne Tomaten werden in gewebte Körbe gepackt, der Weg zum Markt ist weit. Okras werden geerntet und am Reisacker neue Setzlinge gepflanzt. Die Spazierwege sind meist abenteuerlich, denn durch die Regenzeit sind schmale Pfade sehr matschig, kleine Wasserläufe schwillen zu tiefen Bächen an und große, nicht gesund aussehende Tümpel lassen uns umkehren oder einen Umweg suchen. Auf gut genutzten Wegen werden Steine in die Pfützen gelegt, über die man dann balancieren kann.
In den nächsten Wochen werden wir meist mit gatschverschmierten Füßen nach Hause kommen, oft über angespülten Plastikmüll laufen, welcher vom Regen aus den Dörfern abtransportiert wurde. Unüberwindbare Gräben, die vom Hochwasser tief ausgeschwemmt wurden und Furten, die einfach zu reißend sind, zwingen uns zum Umdrehen.

Wenn die Sonne um 19.00 Uhr untergeht, kommen die Lakeflies (Zuckmücken) an Land. In riesigen Schwärmen ziehen sie dem Licht entgegen. Für uns ist es im Dunkeln eh schöner, wir beobachten die am Himmel dahinziehenden Wolken, hören hin und wieder die Fischer auf ihren Booten quascheln und auf der großen Brücke geht das Licht nun an.

Nach einer Woche ziehen wir weiter. In Mwanza wollen wir Lebensmittel aufstocken. Zuerst queren wir die 3km lange Brücke, die umstrittene Präsidentin lacht uns alle paar Meter vom Plakat. Wir kennen sie nun wirklich gut genug und wissen mittlerweile auch schon, welche Farbe ihre Brille hat.
In der Stadtmitte nehmen wir die falsche Straße und es wird etwas eng. Wir warten bis parkende Motorräder weggeschoben werden, der Mann mit den überladenen Karren kann nicht ausweichen, also tuckern wir ihm hinterher, Parkplatz finden wir hier sowieso keinen. Wolfi ist da die Ruhe in Person, im Verkehr kann ihm so gut wie nichts aus der Ruhe bringen. Etwas später, einmal abgebogen quetschen wir uns zwischen parkenden Autos am Straßenrand. Der Gasverkäufter ist nun komplett hinter dem Amigo versteckt, doch ihm macht es nichts aus.

Als wir nach 10min den kleinen Supermarkt verlassen wollen, stoppt uns ein Platzregen am Eingang. Es schüttet wie aus Eimern, mittelgroße Wasserfälle kommen von den Blechdächern runter auf den Gehsteig. Innerhalb kürzester Zeit sind die Abwasserkanäle voll und der Wasserpegel auf der Straße steigt in Minutentakt. Die ersten kleinen Autos stecken nun in dem tieferen Teil der Straße fest, das Wasser steht schon halbhoch an den Türen. In den Shopeingängen drängen sich die Menschen. Nach ca. 30 Minuten können wir weiter, nun kommt der Regen normal vom Himmel.
Kaum merklich geht der Wasserstand zurück, die Autos werden dann irgendwann weggeschoben. Der Durchlass unter der Brücke ist verstopft mit Müll, Plastik und Ästen, jedoch kommen wir noch gut darüber. Es ist Freitag und da gibt es meist gutes Birjiani in den muslimischen Restaurants. Wir trinken Milchtee, um uns zu wärmen, die nassen Zehen sind kalt und müssen erst wieder zum Leben erweckt werden.


Nach der Mittagspause staunen wir nicht schlecht, denn die Brücke ist verschwunden, ein einziger brauner Fluss. Da es kein Geländer gibt, weiß man nicht, wo der Straßenbelag aufhört und das tiefe Wasser beginnt. Nein, zu Fuß wollen wir nicht durch diese Brühe, denn auch die vielen Löcher in der Straße sind nun nicht mehr sichtbar. Ein Blindflug auf den wir gut verzichten können. Wir halten ein Mopedtaxi an und lassen uns nacheinander auf die andere Seite bringen, der Fahrer kann sich ein Lachen nicht verkneifen. "Die Wazungu sind echt verweichlicht!" wird er sich wahrscheinlich denken, aber er freut sich über schnell verdientes Geld.
Wenn das Wasser dann sinkt, ist alles bunt geschmückt. Eine echt afrikanische Müllabfuhr. Irgendwann landet es im Meer....

Heute ist das Ende vom Ramadan. Schon seit gestern Abend hören wir die vielen Imame predigen. Keine Ahnung, wie oft wir in der Nacht davon munter geworden sind. Nun sind die Straßen mit hübsch angezogenen Menschen bevölkert. Das Zuckerfest ist im Gange, nach dem Moscheebesuch wird überall groß aufgespeist.

An den Marktständen neben der Straße geht es rund. Was sich nur irgendwie als Verkaufsfläche eignet, wird verwendet. Ob die momentan trockene Wasserrinne, auf der nun sportliche Outfits liegen oder das Blechdach, auf dem die neueste Mode für die Frau von heute präsentiert wird. Beginnt es zu Regnen, sind sie alle am Laufen, um die Ware mit Planen zuzudecken oder überhaupt wegzuräumen. In der Regenzeit sind die Verkäufer wirklich gefordert, denn es fängt an manchen Tagen mehrmals zu Regnen an.

Wolfi bremst den Amigo abrupt ab, denn rechts neben der Straße steht ein ausrangierter Mercedes SK Lkw, so einer wie der Amigo ist. Wolfi kann immer etwas brauchen, viele Teile am Fahrerhaus sind bereits abmontiert. Jedoch kommt er nicht mit leeren Händen zurück, die dreieckigen Seitenscheiben sind noch gut, die Rahmen von unseren löst der Rost schön langsam auf. Schon längere Zeit versuchen wir welche zu bekommen, jedoch ohne Erfolg.
Kurze Zeit später entdecken wir dann auch noch den Zylinderkopfdichtungsbaum, endlich wissen wir nun wo die Teile wachsen... Wie viele Plastiksackerl wohl den großen Reifen abdichten? Ob der Fahrer damit nach Ruanda einreisen darf?

Diese Gegend in Tansania ist am dichtesten besiedelt, sehr viele Menschen leben hier, dementsprechend schwer ist es, einen Nächtigungsplatz zu finden. Wir haben Glück, entdecken eine kleine Piste zu einem Hotel am Seeufer und einen Flecken Land für unsere heutige Nacht. Nun haben wir den größten See Afrikas, den Viktoria Lake umrundet. Ein letzter Spaziergang zum Ufer. Heute scheint die Sonne wunderschön vom Himmel, allerdings türmen sich die Wolken am Horizont schon wieder zu tollen Gebilden auf.
Der Reis ist fast fertig, in ein paar Tagen kann die Ernte beginnen. Auf dem aus Holz zusammengezimmerten Beobachtungsposten sitzt nun die junge Frau den ganzen Tag und verscheucht Vögel, Tiere und Menschen, die sich an den Körnern vergreifen wollen. Das Ufer vom See hat sich landeinwärts verschoben, durch den vielen Regen stehen einige Bäume unter Wasser.
Regenzeit ist Geburtenzeit. Die jungen Kälber werden in eine Kindergartengruppe zusammengetan und die Hirten passen auf, bis das Muttertier am Abend vom Grasen zurück nach Hause kommt. Zusatzfutter gibt es kaum und das erste grüne Gras ist nicht sehr ergiebig, erzählen sie uns. So kommen die Tiermütter oft erst kurz vor dem Sonnenuntergang retour.

Auch die Gnus haben Nachwuchs. Auf der großen Ebene springen und toben sie umher. So agil haben wir sie noch nie erlebt. Hunderte von diesen Tieren teilen sich gemeinsam mit Gazellen die Steppe. Die Nationalparkgrenze vom Serengeti endet an der Straße. Zum Glück kennen die Tiere ja keine Grenze und so auch die Elefanten. Denn am nächsten Morgen werden wir von einem "Bummm" munter. Was ist denn das, das war doch neben uns? Ein Blick aus dem Fenster bringt die Lösung. 10 Elefantenbullen wollen an die frischesten Blätter in der Baumkrone. Dafür sind die Riesen jedoch zu klein und so werfen sie ihn um. Zum Glück ist er neben dem Amigo gelandet. Die Bäume müssen schon was aushalten. Die Rinde wird abgekratzt und verschwindet in den Elefantenbäuchen, das juckende Hinterteil wird am Stamm gekratzt und sie werden um viele Kilogramm Blätter erleichtert. Gut gelaunt verlässt die Herde nach ca. 2 Stunden den Tatort. Als Verena das Geschehen aus nächster Nähe betrachtet, bleiben vorbeikommende Ranger stehen und warnen sie. "Geh nicht zu weit weg vom Auto, die Elefanten haben heute Nacht einen Dorbewohner zu Tode getrampelt!" Nein, Kuscheltiere sind sie definitiv keine!

Leider durchkreuzt der Regen unsere Reisepläne. Entlang der Serengeti zu fahren, stellt sich als halsbrecherisch und zu riskant heraus. Die Pisten und Felder sind überschwemmt, meist weiß man nicht, ob das ein kleiner See ist, oder nur momentanes Überschwemmungsgebiet. Sogar Nächtigungsplätze etwas abseits der Hauptstraße zu finden, gestaltet sich schwierig. Der Untergrund ist so aufgeweicht, dass er sofort nachgibt und schwups ist der Reifen 30cm tiefer, Sperren rein und zurück...
Alle unsere Reisepläne werfen wir nun um, denn sogar Pisten sind momentan nur mit viel Herausforderung zu meistern. Man weiß im Vorfeld nie, wie aufgeweicht sie sind, ob es die Brücken derzeit noch gibt und ob sie nicht von steckengebliebenen Fahrzeugen blockiert wird. So einfach nebendran vorbeifahren mit 12.000kg geht dann oft nicht gut. Die Regenzeit hat halt so seine Tücken und Grenzen für uns. Wir verabschieden uns von dem Vorhaben und bleiben auf der Asphaltstraße. Später werden wir erfahren,dass der gesamte westliche Teil der Serengeti unbefahrbar war und gesperrt wurde.

Von einem Reisebüromanager hören wir, dass sie kürzlich 8 Motorschäden binnen einer Woche bei ihren Safarifahrzeugen hatten. Steckengeblieben, gesunken und Wasser in den Motor bekommen. Ihr Reisebüro besitzt 300 Fahrzeuge, 50 neue sind gerade geordert worden, das Safarigeschäft boomt wie nie zuvor! Und das Reisebüro ist nur eines von vielen.
Allerdings hat die Regenzeit auch etwas gutes. Für die Menschen bedeutet es ALLES, Regen lässt ihre Pflanzen gedeihen, ihre Tiere haben genug Futter und Wasser. Die Luft ist klar, kein Staub auf den Bäumen, klare Sicht, herrliches Grün in der Landschaft und in den Tümpeln blühen Wasserrosen. Es regnet sehr oft, allerdings scheint danach auch sofort wieder die Sonne.

Nach dem Frühstück mit selbstgebackenen Sauerteigbrot und Avocadocreme sind wir abfahrbereit. Wir starten den Motor, fahren den kleinen Pfad retour zur Hauptstraße, 4 km später bleibt Amigo stehen, der Motor ist aus. Mit großen Fragezeichen in den Augen sehen wir uns an, der nächste Blick geht auf die Tankanzeige. Leer, die Nadel bewegt sich nicht mehr! Nein, nicht wirklich! Beide haben wir den gleichen Einfall. Gestern haben uns einige jugendliche Masai sehr lange beobachtet. Unter den Büschen sitzend, während ihre Ziegenherde gegrast hat. Ob sie es waren oder jemand anderes, das werden wir nie erfahren, aber es ist fix, dass uns Diesel geklaut worden ist. Ungefähr 40l hatten wir noch im Tank, jetzt ist er komplett leer. Wir können nichts erkennen, dass sich jemand am Tankdeckel zu Schaffen gemacht hat, oder beim Ablassventil herumgespielt hat.
In Malawi wurde uns bereits mal Diesel geklaut, jedoch war danach der Tankdeckel kaputt, der Ersatz ist ein Nachbau aus China und damit fahren in Tansania viele herum. Es waren wahrscheinlich Profis, die das nicht zum ersten Mal gemacht haben. Wolfi ist bereits am Pumpen, bis die Luft aus der Leitung ist, zum Glück haben wir im 2. Tank noch einige Liter drinnen!! Also bis zur nächsten Tankstelle kommen wir locker.
1 Mal vollmachen bitte! Die Anzeige an der Zapfsäule zeigt 209 Liter. Das ist aber eigenartig, wo wir doch nur einen 200l Tank haben. Heute ist nicht unser Tag! Also her mit dem Manager, den brauchen wir nicht lange bequatschen, weiß er doch genau, dass er seine Kunden beklaut und berechnet uns sofort nur 200l.
Später erfahren wir von Einheimischen, dass diese Masche bei den Tankstellen sehr oft passiert. Es sollte eine präparierte Tanksäule geben, speziell für Kunden, die nicht so oft vorbeikommen, sprich Touristen! In seltensten Fällen ist der Tank so leer, dass man den Schwindel überhaupt bemerkt. Seit heute nehmen wir immer eine andere Zapfsäule an der Tankstelle, nie die, wohin uns die Angestellten schicken wollen. Da wollten sie uns doch glatt an einem Tag 2x beklauen. Glück im Unglück: Tags drauf steigt der Dieselpreis in Tansania um 30%.

Im Dorf Katesh am Fuße des Mt. Hanang ist heute der wichtige Markt, der einmal pro Monat stattfindet. Die Masai reisen von weit her an, um ihre Waren feilzubieten. Ihr Status wird an der Anzahl der Rinder gemessen, also der Rindermarkt ist der wichtigste Marktabschnitt. Es wird gefeilscht und gehandelt bis man sich endlich auf einen akzeptablen Preis geeinigt hat. Ein junger Bulle kann schon um die 500,-USD kosten. Dicke Bündel Geldscheine verschwinden in den Hosensäcken. Die Ziegen stehen in Reih und Glied. Wer will mich?


Daneben werden einige Tiere geschlachtet, um dann im Kochtopf der Restaurantzelte zu landen. Die Mamas haben ihre Freude und lächeln schüchtern, als Verena interessiert ihren Blick von Topf zu Topf wandern lässt, darin finden sich viele Innereien, Maisbrei und Fladenbrot. Verena beschließt, heute doch selber zu kochen;-)


Haushaltsartikel, Schuluniformen, Schuhe, Klamotten, Möbel, Lebensmittel, Matratzen und vieles mehr wird auf dem riesigen Areal angeboten. Alles was man zum Leben braucht... auf Planen am Boden ausgelegt oder auf kunstvoll geschlichteten Kartons. Papa Masai, der jedes Wehwechen lindern kann, wartet auf Kundschaft.
Wassergräben werden gezogen, die heute zum Glück nicht gebraucht werden. Kein Regen und auf die Gummistiefel bleiben sie sitzen.

Die Straße ist mit Schlaglöchern überzogen, der Reis trocknet nebenan. Am Abend wird er in Planen verpackt, um am Morgen wieder ausgebreitet zu werden. Fast jedes Haus hat im Vorhof nun seinen Reis ausgelegt.

Kurz vor den Abzweig zur Serengeti nehmen die Safarifahrzeuge rapide zu. Der Lake Manyara ist eine braune Brühe, sieht nun in der Regenzeit nicht schön aus. Jedoch ist die Savannenlandschaft ein Traum in grünem Flaum, die Akazien sind mit frischen Blättern bedeckt und der Fieberbaum schimmert in herrlichem Gelbgrün. Dazwischen grasen Zebras, Antilopen und Strause.


Weit ist es nicht mehr zum Snake Park Camping. Dort sollte es eine Werkstatt geben und wir wollen endlich unsere Bolzen und Buchsen bei den Hinterfedern tauschen. Die Campingwiese schwimmt, der Fluss ist vor ein paar Tagen über seine Ufer getreten und durchs Camp geflossen, sodass wir nun in der Einfahrt stehen bleiben. Dementsprechend sieht es aus, die Pavillons sind verschlammt und die Badezimmer haben schon lange keinen Putzeimer gesehen. Das ganze Areal hat sicherlich schon bessere Zeiten erlebt.
Auch der "Zoo" ist eher eine traurige Geschichte. Die Terrarien sind lieblos gewartet, die eingezäunten Zonen für Krokodile und verletzte Vögel sind nicht nett anzusehen. In den Baumkronen sitzen die Flughunde und verrichten ihr Geschäft aus der luftigen Höhe, sodass man sich nicht sicher sein kann, ob etwas am Kopf landet - und der penetrante Geruch lässt uns den Besuch abkürzen. Der Eintritt ist im Campingpreis inkludiert und Ma, die ältere Besitzerin drängt uns, den Park zu besuchen, obwohl es bei ihr an der Bar doch viel gemütlicher ist.

Wir sind im Masailand. Jugendliche mit weiß geschminkten Gesichtern und schwarzen Umhang kommen uns entgegen. Sie haben gerade ihre Beschneidung hinter sich und steigen nun vom Hirten zum Krieger auf. Nicht alle von ihnen sind besonders freundlich, als wir sie ansprechen. Oft sehen wir 5 oder 6jährige Buben, die ganz alleine mit einer 15köpfigen Kuherde auf Futtersuche sind. Als Hirte leisten sie so ihren Beitrag für die Familie. Die Masai halten an ihren Traditionen fest und wirken oft, als ob sie aus der Zeit gefallen wären.
Vorbei an Dornenzäunen, hinter denen die wertvollen Kühe ihre Nächte verbringen. Das kleine Mädchen steht neben dem Gestrüpp und will Geld. Die Spaziergänge sind immer ein Abenteuer.

Am nächsten Tag erfragen wir, dass der Verantwortliche für die Werkstatt in den nächsten Wochen nicht anwesend ist. De Angestellten, welche eher lustlos umherwandern und auch keine dicken Holzblöcke zum Aufbocken des Amigos finden. Was sollen wir hier machen? Ein Anruf bei Manfred und wir dürfen auf seiner Farm schrauben, wenn wir dort das passende Unterbockmaterial finden können.

Unter Dach auf betoniertem Boden mit richtig dicken Holzblöcken macht sich Wolfi ans Werk. Die Vorarbeit mit Staukästen, Stabi und Briden runter, ist noch die angenehmere Arbeit. Schon 2x hat er die ca. 200kg schweren Federblöcke rausgenommen gehabt, doch jedesmal werden sie schwerer oder er älter?? Monas, ein Farmarbeiter hilft, sie auszubauen und schnauft recht ordentlich dabei. Beim Einbau hat er plötzlich 3 weitere Arbeiter im Schlepptau, was die Arbeit ungemein erleichtert. Die Bolzen sind eigentlich noch nicht schlecht, jedoch sind die Büchsen ausgeleiert und der Herzbolzen ist komplett verschwunden. Der hat sich aufgebröselt und ist in 2 Teile zerfallen. Wahrscheinlich war das gehärtete Material schuld dran.


Wolfi hatte vermutet, dass nur 2 Bolzen gewechselt werden müssen, jedoch sind alle 6 zum Tauschen. Das blöde ist, dass wir nur 2 Ersatz haben. Erneuter Anruf nach Nairobi, Salem packt es wieder in den Bus über die Grenze nach Tansania und in wenigen Tagen werden wir das Paket am Busbahnhof abholen können. Gleiches Spiel wie nach Uganda, jedoch muss diesmal der Bus nicht gewechselt werden, also dürfte es einfacher sein.

Jeden Tag scheint die Sonne und es ist warm, der Regen verlagert sich auf die Nacht. Jedoch in solchen Mengen, dass wir oft munter werden. Der Regenschauer gibt Gas, noch mehr Gas und wenn man glaubt, mehr geht nicht mehr, schaltet er den Turbo ein und plötzlich hört der Regen komplett auf. Kein Tropfen für ca. 15 Minuten, dann geht das Spiel von vorne los. Es hört sich wie ein lautes Musikstück an. Über 600 mm Regen im März, die heftigste Regenzeit seit 25 Jahren, wird uns gesagt.
Die 800m Piste bis zur Asphaltstraße hat es in sich. Mit den Fahrrädern bleiben wir im Gatsch stecken, der Dreck spritzt bis zum Rücken hoch und die Füße sind knöchelhoch verschlammt.

Im braunen Bachwasser waschen wir uns den gröbsten Dreck ab, bevor wir in die Stadt fahren. Ein Behördengang steht an, die Road tax muss auf ein weiteres Monat verlängert werden. Mit dem Zahlschein geht es zum Parkplatz, eine Dame holt aus dem Kofferraum eine Art Kreditkartenmaschine. Das Bargeld und die Quittung tauscht den Besitzer, damit muss man wieder hoch in den 1. Stock, um den wichtigen Stempel zu bekommen.
Arusha ist eine Stadt mit 700.000 Einwohnern. Es gibt vieles, sogar einen Dreher, der Wolfi das passende Werkzeug für den Buchsentausch herstellt.
Gegenüber am Secondhand Markt werden gebrauchte Wanderschuhe, Trekkingrucksäcke und Klamotten bekannter Ausrüster angeboten. Überbleibsel oder Genschenke an Guides und Portern von Kilimandscharo- und Mt. Merubesteigern.
Wir gehen stattdessen zum Inder auf ein Mittagessen, erfreuen uns am frisch gepressten Zuckerrohrsaft, kaufen Gemüse am Markt und radeln die 12km wieder retour.

Langsam wird das Wasser im Kanal weniger, jedoch liegt noch immer viel herausgeschwemmtes Material auf der Straße, die Löcher sind auch noch mit Wasser gefüllt und die anderen Verkehrsteilnehmer nehmen auf die Radfahrer nicht sehr viel Rücksicht.

Es gibt Schafe, Enten, Gänse und Hühner auf der Farm, davon sind die Schafe unsere täglichen Besucher und kommen gleich mehrmals am Tag nachschauen. Das Gras vor dem Unterstellplatz ist einfach das beste. Jedoch jammern sie heute und sie hören gar nicht mehr auf. Als Verena um die Ecke schaut, laufen sie blöckend davon. Das Gejammere hält bestimmt noch eine Stunde an, dann ist wieder Ruhe. Am späten Nachmittag, als die kleine Herde wieder vorbeizieht, wissen wir was los war. Die Familie ist um ein weiß/braunes Lamm größer geworden. Es hüpft bereits und fordert mit richtig harten Stößen an den Zitzen seine Milch. 2 Tage vor Ostern ist das Lamm geboren!

Am Gründonnerstag gibt es Spinat, am Karfreitag hören wir die Kirchenglocken das erste und einzige Mal, am Samstag färben wir die Ostereier mit Kurkuma, backen Kärntner Reindling und Hefeosterhasen. Es riecht köstlich aus dem Amigo und wir freuen uns auf die Osterjause mit Essiggurkerl und Kren.

Das Tauschen der Bolzen am zweiten Federpaket steht noch aus. Jetzt nach den Osterfeiertagen wollen wir das Paket aus Kenia in der Stadt abholen. Ist es da? Hat der Zoll es gesehen, geöffnet und will Geld? Und hoffentlich finden wir den richtigen Busbahnhof, denn es gibt mehrere...

 


Tansania 5

 

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