Ruanda

16.02. - 10.03.2026

Währung: 1 Euro = 1.700,- RWF
Dieselpreis: 1l = 1900,-
Einreiseort: Chanika Border

Ausreiseort: Rusumo

Wenige Meter vor der Grenze gibt es einen Achter auf der Straße, den muss man folgen, um die Straßenseite zu wechseln. In den nächsten Wochen fahren wir rechts, so wie es sich für uns richtig anfühlt. Der Fahrer sitzt seit 2020 das erste Mal wieder auf der richtigen Seite im Straßenverkehr. Es ist eine One-Stop-Border, d. h. alles wird in einem Gebäude abgewickelt. Ausreise aus Uganda haben wir erledigt, nun will der Beamte, dass wir das Fahrzeug exakt einparken, denn die Suche nach Plastiksäcken beginnt. An anderen Grenzen wird nach Drogen, Alkohol und Waffen gefragt, in Ruanda interessiert man sich für Drohnen und Plastiksäcke, denn diese sind seit 2005 verboten und werden gegebenfalls abgenommen. "Nein haben wir keine!", das will er uns nicht recht glauben und durchsucht oberflächlich den Amigo. Währenddessen beobachten wir das Treiben. Bei allen ankommenden Einreisenden wird das Gepäck durch den Scanner geschickt und jedes noch so kleine Plastiksackerl abgenommen. Das Ruanda sauber ist, haben wir schon gehört und gelesen, aber wie sauber und ordentlich es ist, wird uns die kommenden Wochen noch öfter in Staunen versetzen.
Bei dem Einreiseoffizier bezahlen wir 50,- US-Dollar pro Person für 30 Tage Touristenvisum, nachdem er uns mit Fragen gelöchert hat nach wohin, wann, welche Unterkunft und was wir denn alles besichtigen wollen. Einen Stempel noch für den Amigo und durch sind wir.

Auf bester Asphaltstraße rollen wir in die erste Stadt Musanze ein. Sie wirkt modern mit vielen schönen Gebäuden, am Fußgängerweg gibt es kleine Kaffeehäuschen, die besten Cappuccino mit Kaffeebohnen aus Ruanda zubereiten. Der Milchschaum ist perfekt, ja Diane hat eine Barrista-Ausbildung gemacht.
Mathew ist mit seinem Mountainbike unterwegs, er zeigt uns den Weg zum Farmer Market. In einer überdachten Halle bieten die Frauen ihr frisches Obst und Gemüse an. Sehr sauber und geschmackvoll geschlichtet und drapiert. Die Kleinkinder liegen nicht auf ausgebreiteten Kartons wie oft üblich, sondern haben liebevoll geflochtene Kinderbetten. Es ist zwar etwas eng im Gang, irgendwie kommt jedoch jeder durch. Unzählige Träger warten auf einen Job. Vielleicht kaufen die Wazungu mehr ein und sie dürfen die voll gefüllten Taschen nach Hause tragen?!
Im Supermarkt gibt es eine große Auswahl an belgischen Produkten, die billiger sind, als die südafrikanischen. Vollkornnudeln, Couscous, Essiggurken, Käse und Wein. Der kommt aus Frankreich und Chile, ist aber mit ca. 11.000,- RWF leistbar und geschmacklich gut, zumindest der Chilene. Schon lange keinen Wein getrunken, freuen wir uns auf das Glaserl Rot am Abend.

Das Dian Fossey Museum könnte auch in Europa stehen. Ein moderner Bau, eine interessante Ausstellung, ein Kino mit 360° Leinwand und mit einer 3D Brille am Kopf fliegt man virtuell durch den Dschungel zu einer Gorillafamilie. Die Amerikanerin hat ihr Leben dem Überleben und Erforschen der Berggorillas gewidmet. Das Museum zeigt ihre Arbeit, ihren Einsatz und ihr Wirken, dem es zu verdanken ist, dass es die Menschenaffen heute hier überhaupt noch gibt und so gut habituiert sind, dass Menschen sie in ihrem natürlichen Lebensraum besuchen können. Achja, ihr Grab findet man neben ihrer Forschungsstation im Wald, sie wurde eines Nachts im Jahre 1985 mit einer Machete erschlagen. Da war es wohl ein Feind zuviel und Feinde hatte sie sich im Land genug gemacht...
Am Parkplatz gibt es eine Ladestation für E-Autos und im Park sind einige Gärtnerinnen stundenlang damit beschäftigt, Unkraut aus dem ohnehin schon englischen Rasen zu zupfen. Leider sind die Vulkanberge wolkenverhangen.

Die Nacht verbringen wir vor dem Vulkanoes Nationalpark Headoffice. Gleich bei der Ankunft am Parkplatz erwarten uns ein paar findige Jugendliche. Geld wollen sie von den reichen Weißen, aber nur für einen Fußball, denn ihr alter ist gestern kaputt geworden und heute haben sie ein wichtiges Training. Wolfi meint ganz lässig, wenn wir in unserem Land solch ein Problem hätten, würden wir den Bürgermeister fragen. "Ja das wollten sie ja auch, doch der Major hat heute eine Konferenz!", kommt promt seine Antwort. Wir müssen schmunzeln über soviel Schlagfertigkeit.
Der nächste Junge kommt an und posiert für ein Foto, unbedingt sollen wir eins mit ihm machen. Okay! Ob wir ihm denn nun das Foto über WhatsApp schicken könnten... Hmmm, wollen wir dann auch seine täglichen Anrufe entgegennehmen? Unweigerlich kommt irgendwann die Frage nach finanzieller Unterstützung. Wir kennen das bereits, haben schon mehrmals die Erfahrung machen dürfen. Das sind so ihre Maschen, die sie jeden Tag bei den Touristen abziehen!

Am nächsten Morgen werden wir von heranrauschenden Toyotas geweckt. Es nimmt kein Ende. Es ist 7.00 Uhr morgens und der riesige Parkplatz ist brechend voll. Briefing zum Berggorilla Trecking! Als wir aus dem Fenster schauen, sehen wir bestimmt 100 oder mehr Touristen. Nur 20km nordwärts in Uganda kostet es bereits stolze 800,-US Dollar, in Ruanda muss man für den 1stündigen Aufenthalt sogar 1.500,- US Dollar berappen. 30min später sind alle wieder weg, denn der Ausgangspunkt in den NP liegt einige Kilometer entfernt.
Nach dem Frühstück wollen wir die tolle Gegend erkunden. Nach dem Parkplatz ist der Asphalt abrupt zu Ende und ein gemeiner steiniger Fußweg führt den Hügel hinauf. Fast wie eine alte römische Straße, nun nach dem Regen sehr rutschig durch die von den Äckern ringsum mitgebrachte Erde. Die Häuser sind sehr einfach aus Lehm gebaut, mit einer Kuh und einer Ziege im Garten. Fred ist mit dem Unkrautvernichter zu seinem Gemüsefeld unterwegs. Die Blumen, die wie eine Mischung aus Kamille und Margerite aussehen, kauen sie gegen Bauchschmerzen, so erzählt er uns.


Unweit ensteht ein Marihuanafeld, dreifach eingezäunt mit einer riesigen Halle, daneben ist eine Gärtnerei und gegenüber blickt ein misstrauischer Soldat hinter dem geflochtenen Gräserzaun hervor. Es hat eine große Feier gegeben, denn es stehen die Gebäude noch. Leider ist die Kommunikation nicht so einfach, Englisch wird erst seit ein paar Jahren in der Schule unterrichtet, die alten Menschen sprechen es gar nicht. Darum ist es schwer zu erfahren, was der Grund für die Feier war. Jedenfalls sehen die Kunstwerke sehr schön aus.

Recht hügelig und kurvig geht es weiter in den Süden. Gisenyi liegt am bezaubernden Kivusee. Die palmengesäumte Strandstraße ist leider zu eng für uns, macht nix. Die große Wiesenfläche vor dem netten Hotel passt doch hervorragend. Campingplätze gibt es so gut wie keine, besonders nicht für große Fahrzeuge. Wenn Camping ausgeschildert ist, ist ein Zeltplatz gemeint oder eine Parzelle am Hotelparkplatz. Wenn man Dusche und Toilette braucht, wird ein Zimmer dafür geöffnet. Wir brauchen das alles nicht, sind über die Wildcampingspots sehr erfreut und das funktioniert in ganz Ruanda gut. Man darf halt nicht menschenscheu sein, denn die Kinder bleiben meist länger und beäugen alles sehr interessiert. Zwischendurch wird dann auch gebettelt und immer wieder mit der Hand auf dem Bauch gerieben, was so viel heißt, wie Hunger. Gib mir Geld für Essen.

Es regnet sehr viel und die Sonne lässt sich nur selten blicken. Allerdings trübt das unsere Freude am Herummarschieren nicht. Tolle Häuser, große Gärten und plötzlich stehen wir vor einem Schützengraben. Wachtürme und viele Soldaten. Ach herjemine, das ist die Grenze zum Kongo. Die Stadt Gisenyi ist zweigeteilt und heißt in Kongo Gome. Mitten in der Stadt ist die stark bewachte Grenze. Schon 20m vorher winken uns die Soldaten weg, weiter näher dürfen wir nicht. Da es auf der anderen Seite noch immer Unruhen gibt, ist kein Überqueren für Ausländer erlaubt. Allerdings ist auf der ruandischen Seite gefühlt jedes 3. Auto aus dem Kongo. Dicke fette Mercedes und neue Geländewagen mit einem goldbehängten Fahrer. Etwas schräg.
In der Stadt gibt es Fußgängerwege, sogar ohne Löcher oder irgendwelchen Schikanen, es gibt Mistkübel und nirgendwo liegt Müll rum. Es gibt 1000e Gärtner, die mit Blumen pflanzen, Hecken schneiden, Wassergräben reinigen beschäftigt sind. Alles ist so sauber und ordentlich. Sind wir wirklich noch in Afrika? Sogar die Ananasschalen, die wir gestern hinter die Büsche entsorgt haben, wurden weggeräumt und bevor wir den Platz verlassen haben, hat uns die Straßenkehrerin mit erhobenen Zeigefinger verdächtigt, eine leere Colaflasche auf den Rasen geworfen zu haben. Nun hält sie die Flasche hoch und fragt: "Seid ihr das gewesen?"

Die 45minütige Massage kostet 5,- €, der Cappuccino 1,80€ und das indische Essen ca. 6,-€. Qualität gut, Preis perfekt! Nur die aufgeweichte, stark gewölbte Zimmerdecke des indischen Restaurants ist etwas beängstigend. Es hat wieder mal zu Regnen begonnen und sie wird doch nicht gerade heute runterkommen?
Es werden kaum Waren am Gehsteig oder neben der Straße angeboten. All diese Sachen sind in fensterlosen, kleinen Kämmerchen untergebracht, ohne Hinweis, dass es sich um ein Geschäft handelt. Lebensmittel muss man suchen. An der Kreuzung hockt ein Elektriker und zieht Glasfaserkabel für die umliegenden Häuser ein, Wolfi ist fasziniert und lässt sich den Vorgang des Verschweißens der Kabel genau erklären.

Direkt am Seeufer einen Platz zum Parken zu finden, gestaltet sich etwas schwierig. Eine steile Abfahrt führt runter zu einem Schuppen, wo Fischfutter gelagert wird. Vom Ufer aus kann man die Tilapiazuchtanlagen sehen. Mit kleinen Holzbooten rudern die Arbeiter raus zum Füttern. Es gibt überall am See solche Zuchtanlagen.


Am nächsten Morgen sitzen wir beim Frühstück und beobachten vier Menschen, die immer wieder mit Säcken an unserem Fenster vorbeilaufen. Neben der Straße oben parkt ein Lkw voll beladen mit 25kg Säcken Fischfutter. 3 junge Burschen mit jeweils 3 Säcken am Nacken, das sind 75kg, 1 Frau mit 2 Säcken und ihr ca. 8 bis 10 jähriger Sohn mit einem Sack, laufen die steile Auffahrt zum Schuppen rauf und runter und das 2 Stunden lang, bis der Lastwagen leer ist. Direkt danach werden sie entlohnt.


Immer wieder gibt es schöne Ausblicke auf den See.

Die Straße ist neu gemacht in pipifeinem Zustand, die Böschung wird geschnitten, die Wasserläufe sind betoniert und breit genug, um das viele Regenwasser durchlaufen zu lassen. Aber vor allem sind sie sauber. Nirgendwo liegt Müll, nicht mal ein Futzerl oder eine kleine leere Flasche. Man kann bedenkenlos überall barfuß laufen und in der Wiese liegen, wenn sie denn trocken ist.

Ein durchgehender Radstreifen, der von vielen berufsmäßigen Lastenliefernden Fahrradfahrern benutzt wird. Beladen mit Kühlschränken, Türrahmen oder Kisten. Ohne Gangschaltung, dafür auf uralten Rädern sind sie auf dem Weg. Die runtergebogenen Lenker helfen beim Bergaufradeln ungemein, selten steht einer auf, fast alle sitzen trotz schwerer Last und bergauf! Bergab schießen sie dann oft wie der Blitz. Nun wissen wir auch, wieso die Fahrräder eine Art Nummerntafel am Hintergestell angebracht haben, damit kann die Radarrechnung nach Hause geschickt werden ;-)


Privatautos gibt es im Osten wenige, erst im Westen Ruandas wird es dann anders. Alle paar Meter stehen funktionierende Straßenlaternen, sogar mitten durch den NP. Wahrscheinlich damit die querenden Colomboaffen die herannahenden Autos früh genug sehen können. Viele Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen und die sollte man besser einhalten, denn es gibt gefühlt Millionen von Radarkästen im Land - und sie sind geladen, denn wir sehen es oft genug blitzen. Allerdings kann man die meiste Zeit eh nicht schnell fahren, denn es ist so kurvig und hügelig... unglaublich, kaum 100m die nur gerade aus gehen. Es wird nicht umsonst das Land der 1000 Hügeln genannt. Aber die Landschaft ist grandios. So grün und saftig sieht die Kulturlandschaft nun aus. Das Land ist nur ca. 30.000km² groß, hat aber 14 Millionen Einwohner und die müssen ernährt werden. Mais, Süßkartoffel, Kaffee und soviele Teefelder. Mais hat gerade Erntezeit, dafür brechen sie die Kolben ab und lassen den Halm stehen, der dann später als Rankhilfe für die Bohnen genutzt wird, die sie nun setzen.
Jeden Tag beobachten wir die Frauen, wie flink sie die Teeblätter abzupfen, in ihren Rückenkorb geben und damit den steilen Weg zum überdachten Abladeplatz laufen, um dann wieder aufs Feld zurückzukehren. Keine Ahnung, wie viel Tee da jeden Tag geerntet wird, es muss eine Menge sein.
Auch der Kaffee aus Ruanda hat einen guten Ruf und wird in internationalen Kaffeeketten verwendet.


Eigentlich wollten wir einige Tagesetappen vom 260km langen Kongo-Nile trail ablaufen. Ein Wanderweg, der sich am See entlangschlängelt. Allerdings gestaltet sich die Umsetzung als sehr schwierig, weil alle Abzweigungen runter von der Asphaltstraße Richtung Küste einfach zu eng und nicht für LKWs geeignet ist. Von der Hauptstraße loszumarschieren, die oft ein paar hundert Höhenmeter höher liegt, ist der Weg zum Wanderweg einfach zu weit.
Wir hätten den Amigo irgendwo sicher einparken und den gesamten Weg erwandern können. In 5-6 Tagen machbar, jedoch hat uns das jetzt in der Regenzeit mit den vielen Regen nicht angelacht. Also doch nur kurze Wanderungen durch die umliegenden Dörfer.


Kibuye am Kivu See ist die Urlaubsdestination in Ruanda schlechthin. Beach bars, Hotels aller Preisklassen, versteckte Buchten und nette Spazierwege. Direkt am Sunsetpoint über dem kleinen Bauernhaus parken wir uns ein mit tollen Ausblick auf den See und die Inseln. Die große Insel vor uns gehört schon zum Kongo. Die Nachbarskinder kommen jeden Tag auf Besuch, besonders nachdem wir ihnen Kuchen und Kekse aus der Stadt mitgenommen haben. Die Ruander backen recht gerne, es gibt verschiedene Kuchen, Ölkekse, süßes Germteigbrot und natürlich fritierte Teigtaschen.
Es ist Sonntag, viele Frauen sind hübsch gekleidet unterwegs zur Kirche. Allerdings barfuß mit reichlich Erde an den Füßen. Die Sandalen baumeln in der Hand und warten auf ihren Einsatz. Neben der Kirche gibt es bestimmt eine Pfütze, um sich den Lehm runter zu waschen, denn ohne Schuhe betritt niemand das Gotteshaus.

Der erste Sonnenuntergang am See ohne viele Wolken. Das Bier schmeckt gut, die Musik aus der Bar ist angenehm, trotzdem geht es morgen weiter.

Die Wäsche sollte gewaschen werden und das ist in der Regenzeit wirklich nicht einfach. Meist fehlt es am Dach über die Wäsche, im Amigo ist zuwenig Platz. Der Regen sollte nicht so schnell kommen, ein Wind wäre super und sie sollte trocken werden, bevor die Sonne untergeht und die Umgebung wieder feuchter wird. Die Luftfeuchtigkeit ist ohnehin bei 75%. Heute haben wir Glück und alles ist perfekt.
Am Abend fahren die Fischer auf den See raus. 2 Mann in je 1 Holzboot rudern singend und mit schnellen Bewegungen in die Mitte. Die Boote werden zusammengehängt, das Licht wird eingeschaltet, das Netz ausgerollt und auf guten Fischfang gehofft. In der Nacht setzt heftiger Regen ein, es prasselt aufs Dach, Blitz und Donner lösen sich in Sekundentakt ab. Hoffentlich haben sich die Fischer früh genug auf den Nachhauseweg gemacht..

Wir verlassen den pittoresken See und fahren ostwärts durch den Nyungwe NP. Dichter Dschungel mit prächtigen Bäumen, Farnen und Gräsern. Wir besuchen das Besucherzentrum in Uwinka. Zipline, Canopywalk, verschiedene Wanderungen, Schimpansentrekken und vieles mehr wird angeboten. Doch leichter Regen auf 2.400m Höhe lässt uns frösteln.
Entlang der gesamten Straße durch den Park beobachten wir, dass jeweils 4 Soldaten in bester Ausrüstung alle paar Kilometer Wache halten. Auf Nachfrage bei einigen Soldaten, geben wir auf. Die Sprachbarriere ist zu groß, keine Antwort auf "was macht ihr hier?" oder dürfen sie keine Auskunft geben? Burundi ist doch noch einige Kilometer entfernt und der Kongo sowieso.
Das Land hat ein sehr gut ausgebildetes Militär, welches in ganz Afrika seinesgleichen sucht. Die Soldaten werden auf Anfrage in Krisenländern gesendet, um dort die derzeitigen Machthaber zu unterstützen. Im Gegenzug bekommt Ruanda wirtschaftliche Aufträge und Rohstoffe. Es wurde somit zum größten Kobalt-Exporteur Afrikas, obwohl es nicht viel davon im eigenen Land abbaut. Militär und Polizei sind bestens ausgerüstet. 3achs Mercedes Zetros und 2achs MAN, sowie neue Toyota Pickups fährt die Armee. Die Polizei setzt auf Toyota Pickups, VW Passat und BMW 1250er.

Dikdiks am Straßenrand und verschiedene Primaten. Leider zieht noch Nebel rüber, sodass die Sicht nun sehr eingeschränkt ist.


Huye ist das kulturelle und religiöse Zentrum. Bestimmt 8 Kirchen oder besser gesagt Kathedralen, viele Schulen und eine Universität zählt die Stadt. Königspalmen zieren den Boulevard. Wir besuchen den Chinesen und parken vor der katholischen Kirche. Schwester Eugenie spricht zu wenig Englisch, also wird der Pfarrer angerufen und stattet uns einen Besuch ab. Alles in Ordnung, wir dürfen gerne parken, er will nur unsere WhatsApp Nummer, denn Freunde in Europa zu haben, ist immer schön. Am Morgen werden wir von herrlichem Gesang geweckt. Die Schwestern singen wie Engel.

Die Hügel sind nun nicht mehr so hoch, allerdings immer noch gleich viele, mehr Menschen und auch hat der Verkehr um einiges zugenommen. Viele neue Lastwagen aus Europa und in sehr guten Zustand. Besonders wenn die Schule aus ist und die vielen Kinder auf der Straße nach Hause laufen und dann noch Gegenverkehr kommt, wird es etwas eng. Die Fußgänger in Ruanda fordern ihr Recht ein, nebeneinander gehen sie selbsbewusst entlang, weichen selten aus und auf dem Zebrastreifen haben sie sowieso Vorrang. Und die Autofahrer bleiben stehen! In ganz Afrika muss man um sein Leben fürchten, wenn man die Straße nicht schnell genug quert. Dieses Land ist sowas von anders!


Jeden Morgen wird gekehrt und seien es nur die Blüten, die durch den Wind vom Baum gefallen sind.
Jeden 1. Samstag im Monat ist Umuganda Day. Da steht alles für einige Stunden still. Gemeinschaftlich wird geputzt, gepflanzt, gekehrt und Häuser renoviert. Wartung - das ist ein Wort, das in Afrika niemand versteht, ja wahrscheinlich in den vielen unterschiedlichen Sprachen gar nicht existiert. Wieso etwas reparieren, wenn es noch gar nicht kaputt ist? In Ruanda ist Wartung selbstverständlich. Wir kommen oft aus dem Staunen nicht raus.

Auch die Hauptstadt Kigali ist auf einigen Hügeln gebaut. Im Zentrum gibt es keinen Platz für uns, also parken wir uns beim Fazenda Sengha Country Club, 7km außerhalb der Stadt am Hügel ein. Auf einer Wiese unter dem Reitplatz, wo dann die Pferde und Esel zum Grasen vorbeikommen, parkt nun der Amigo. Zipline, Quadfahren (allerdings nur mit einem erfahrenen Mitarbeiter am Rücksitz), Kinderbetreuung, nettes Restaurant - hier verbringen die Städter ihr Wochenende.


Tok, tok, tok....nein das ist nicht unser Wecker....das sind die vielen eitlen Vögel, die im folierten Fenster sich selber erblicken. Vom Ast zum Fenster, mit dem Schnabel an die Scheibe tok, tok, tok, nein landen ist nicht möglich, fliegen sie wieder retour zum Ast. Auch während wir frühstücken, kommen sie immer wieder angeflogen.


Mit dem Bus geht es in die Innenstadt. Während bei den Überlandbussen nur exakt die Anzahl an Passagieren mitfahren darf, wie es Plätze gibt, darf man beim Stadtbus auch stehen. Moderne Busse, sehr billig und ein leicht verständliches Busnetz, wir steigen ca. 30min später im Stadtzentrum aus.
Kigali präsentiert sich modern mit vielen hohen Häusern aus Glas und Beton, begrünten Fassaden, autofreier Zone mit netten Cafes, tolle Hotels und einem Kongresszentrum, welches in der Nacht in bunten Farben beleuchtet ist, grünen Parks und tollen Restaurants. Der Präsident will aus seiner Hauptstadt das Businesszentrum Afrikas machen. Überall wird gebaut und die Baustellen schauen sehr professionell aus, ohne Ausweis kommt niemand hinein. Es entstehen tolle Projekte, wenn man den Leinwänden mit den zukünftigen oder gerade im Bau befindlichen Projekten, vertrauen kann.


In der Nähe vom Markt geht es turbulenter zu, jedoch kein Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern. Es gibt vom Kücken bis zur Smartwatch jedes erdenkliche Produkt. Dafür keine Seconhandklamotten aus Europa, deren Import ist verboten, stattdessen bieten gut ausgebildete Schneider ihre Dienste an. Aus verschiedensten Stoffen zaubern sie auf Mass alles erdenkliche.
Sportschuhe, Jeans und Miederunterhosen kommen aus China. Ist das wohl der Grund für die vielen tollen weiblichen Hinterteile?? Zum Radfahren werden sie sie wohl nicht nehmen und für die Fahrradrikschas braucht man auch keinen ausgepolsterten Hintern, denn der Sitz ist gut und weich.
Anstatt Uber Taxi gibt es die VW move App.
Europäische Schokolade ist teuer und die 3D Bildkunst aus einfachen geometrischen Formen in schwarz/weiß Bemalung aus Kuhmist nennt man Imigongo.

Für die Laufmeile rund um den Megakreisverkehr sind wir nicht ordentlich genug gekleidet, sprich Sportschuhe und Laufklamotten sind erwünscht, wir müssen den Gehweg durch den Park nehmen. Ist auch schön, sehr grün und nett bepflanzt mit kunstvoll errichteten Bänken, die alle ganz sind, kann man rasten und dem Vogelgezwitscher lauschen.
Kulinarisch ist die Hauptstadt einfach nur ein Gewinn. Was das Herz und der Gusto begehrt... wir kehren beim Araber auf Falafel, Baba Ganoush und kurzgebratene Leber, beim Inder auf Curry und Lamm Karai und beim deutschen Gasthaus auf Ripperl und Haxe ein. Kaufen noch Selchwürste, die wir einfrieren, in wenigen Wochen ist Ostern ;-)

Zum Nachhausefahren nehmen wir uns ein Mopedtaxi, nein, eigentlich 2, denn es ist nur eine Person am Sozius erlaubt und auch nur mit Helm. Gut dass wir unsere Kopftücher mithaben, denn der Helm wird täglich strapaziert... Läuse wollen wir uns nicht holen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind so günstig, dass es sich jeder leisten kann. Mit dem Moped ist man aber am schnellsten, weil sie sich rechts und links an den Autos vorbeischlängeln. So die nächste Fahrt geht zum Laden. Die Batterie vom E-Moped ist fast leer. 4 Stunden kann James damit fahren und 2.000,- kostet das Laden. Ladestationen, an denen er seinen Akku austauschen kann, gibt es zur Genüge.

Es gibt unglaublich viele Radrikschas. Auf dem Gepäcksträger ist ein Brett mit dicken Schaumstoff und wasserfester Folie überzogen, auf der die Kunden bequem durch die Stadt kutschiert werden. Ob damit die Kinder von der Schule nach Hause gebracht werden, oder der Geschäftsmann nach dem Mittagessen zurück ins Büro geradelt wird, viele verdienen damit ihr Auskommen.

Auf den Besuch der vielen Genozid-Gedenkstätten verzichten wir bewusst. Das Abschlachten im Jahre 1994 zwischen Hutsis und Tutsis ist nicht in Worte zu fassen, das Traumata ist bei vielen Menschen noch nicht überwunden. Die Menschen sind etwas zurückhaltender und es dauert oft länger, bis ein Lächeln zurückkommt.
Das Land hat sich in den letzten 30 Jahren unglaublich entwickelt. Es gibt kaum Korruption, eine Krankenversicherung kann sich jeder leisten, die Wirtschaft wächst, die Armut wird bekämpft, viele haben eine bezahlte Arbeit und anscheinend kommt der Wohlstand auch der Bevölkerung zu Gute.


Das Land ist landschaftlich wunderschön. Die sumpfigen mit Papyrus bewachsenen Regionen wurden in Reisfelder umgewandelt. Die Menschen arbeiten fleißig in der Landwirtschaft.
Wir sind bekennende Basmatireis-Liebhaber, aber das haben wir uns in Afrika abgewöhnt. Die Qualität des indischen Reises, welcher für Afrika bestimmt ist, ist definitiv nicht gut. Meist modrig im Geschmack und Geruch bevorzugen wir den lokalen Reis, der um ein Vielfaches besser ist.

Ruanda ist Urlaub für unsere müllstrapazierten Augen. Allerdings fehlen etwas die Highlights. Wir hätten noch 1 Woche Visa, doch zieht es uns weiter. Schade, dass wir soviel Regen hatten.
Die Hügellandschaft wird sanfter, es gibt nun auch Passagen, an denen man nicht gleich wieder nach rechts oder links kurbeln muss. Bananenwälder, große Kartoffeln, zu unserer Freude gibt es wieder Jackfrüchte. "Schau ein Markt!", wir bremsen ein und wollen unser letztes Geld auf den Kopf stellen. Die Marktfrauen haben die größte Gaudi mit uns, oft kommen Wazungu nicht vorbei und dann handeln die auch noch!! Unglaublich...

Mit vollen Säcken kehren wir retour, es erwartet uns schon ein Verkehrspolizist. Viel zu gefährlich, da neben der Straße einfach stehen zu bleiben, es könnte ein Auffahrunfall passieren. Wir können uns kaum ein Lächeln verkneifen, das passiert uns in Afrika? Wir bedanken uns recht herzlich und versprechen, alsbald loszufahren. Wie werden wir uns bloß im chaotischen Tansania wieder zurechtfinden?!

Kurz vor der Grenze übernächtigen wir, es ist sehr laut mit viel Lastwagenverkehr. Tanklastwagen und Sattelschlepper mit Seecontainern. Treibstoff, allerlei Waren und vieles mehr muss aus dem 1400km entfernten Daressalam geholt werden. 4 Tage brauchen sie für eine Strecke. Eingestaubt mit roter Erde und dreckverkrustet am Rahmen, so kommen uns die Lkws entgegen. Das sanfte und saubere Fahren auf einem perfekten Asphalt geht morgen zu Ende.

Eine Kolonne und es sind noch 3km bis zur Grenze. Oje, da haben wir uns heute den falschen Tag zum Queren ausgesucht, allerdings stehen wir nun schon mittendrin. 2 Stunden dauert es bis wir den Parkplatz vor der One Stop Border erreichen. Blockabfertigung - zuwenig Parkplätze für die vielen Lastwagen und es ist die einzige Grenze nach Tansania. Es schüttet wie aus Kübeln, Regen hatten wir eigentlich genug, aber die Regenzeit ist noch nicht zu Ende.

 

 

 

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Tansania 4

 

Definitv empfehlenswert, dieser Reisführer für Ruanda!

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