Uganda 3
26.01.2026 - 16.02.2026
Währung: 1 Euro =
4.000 Uganda Shilling
Dieselpreis: 1l = 4700 UGX

Wir nehmen Abschied vom alten Büffel, der uns täglich besucht hat, dem gleichgültigen Hippo, welches Spätnachmittags zum Grasen kam und vom Phirimon, dem Caretaker des Kasenyi Lake retreat Camps. Die Kops stehen links und rechts neben der Piste, wahrscheinlich wollen auch sie uns tschüss sagen.

Die Hauptstraße
queren wir und nehmen die nächste Piste zum Enklavendorf Katwe mittendrin
im Nationalpark. Die Sonne ist bereits am Untergehen und die Hippos warten
schon hart, dass das Ufer leerer wird und sie zum Grasen an Land kommen können.
Die Ziegen und die Ankole- oder Watussirinder mit ihren mächtigen Hörnern
werden hinter den Zaun gesperrt, nun gehört die gesamte Wiese den Flußpferden.
Rasenmäher braucht man definitiv keinen. Unwissentlich haben wir auf
deren nächtlichen Highway geparkt, denn sie ziehen gemütlich links
und rechts vom Amigo vorbei.
Bevor wir das geschäftige Dorf verlassen, wollen wir noch einen Blick
auf den Salzsee werfen. Händisch wird aus Erde ein Wall um ein rechteckiges
Feld gebaut, indem anschließend das Wasser verdunsten soll, aber momentan
sehen wir kein Salz. Das gewonnene Gut wird dann als Tiersalz verkauft, für
den menschlichen Verzehr soll es nicht geeignet sein.
Wir verlassen den Queen
Elizabeth NP, fahren durch eine Allee langsam dem Escarpement zu. Über
einigen Serpentinen gewinnen wir an Höhe und tauchen somit wieder in
eine dunkelgrüne Lanschaft mit viel Bananen, Bohnen, Mais und Süßkartoffeln
ein.
Bei "Dave the Cave" parken wir uns in den Hof. Dave hat einige Bungalows
um den Kratersee gebaut. Die Hälfte vom See gehört ihm. Vom letzten
Bungalow aus, der gerade fertiggestellt wird, hat man den besten Blick aufs
Wasser. Er will den Dorfbewohnern mehr Bewusstsein für die Umwelt vermitteln.
Sie sollten doch den alten Baumbestand stehen lassen und nicht Bananenstauden
bis ans Ufer hinunter pflanzen. Von oben lässt sich gut erkennen, wo
sein Grundstück endet. Doch bei der schnell wachsenden Bevölkerung
ist dies ein schwieriges Thema. Irgendwie sollten doch alle satt werden.
Wir sind im Paradies gelandet, denn wir dürfen Salat, Gemüse und
Kräuter aus seinem Garten nehmen. Besonders Blattsalate sind äußerst
selten und für uns eine wahre Delikatesse. Bunte Salatschüsseln,
köstlicher Spinat und Pasta mit frischen Kräutern stehen in den
nächsten Tagen auf dem Speiseplan.
Abends gibt es Lagerfeuer
und wir lernen unterschiedliche Touristen kennen. Mit Laure, einer 29jährigen
französischen Radfahrerin ist es besonders gemütlich zum Ratschen.
Auch das Wandern in der Gegend ist sehr nett. Viele Frauen mit Kleinkind am
Rücken, sind mit Krampen oder Schaufel am Erdäpfelacker beschäftigt.
Mit "Agandi?" (wie gehts?) zaubern wir oft ein Lächeln in ihr
Gesicht. Obwohl jeder sehr gut Englisch spricht, freuen sich alle über
ein paar Wörter in Luganda, ihrer Sprache. Kraut, Bohnen und Maniok sind
schon reif, die Kaffeebohnen brauchen noch ein paar Tage. Die Männer
stehen barfuß in der lehmigen Grube und füllen die Ziegelformen
damit voll, um sie zu trocknen und dann später zu brennen.
Die Studentinnen tragen Yamswurzeln und Feuerholz nach Hause, bis nächste
Woche haben sie noch Ferien. Dann werden sie wieder selten zu Hause sein,
denn sie alle sind im Internat, zu weit wäre der tägliche Heimweg.

Bei uns gibt es auch Faschingskrapfen, allerdings ohne Fülle und dazu
noch ein paar Bananenmaniok-Pfannkuchen. Lucia freut sich uns zu sehen, da
wir bereits Wiederholungstäter sind.


Nach ein paar gemütlichen
Tagen geht es wieder runter ins Rift Valley in den Queen Elizabeth NP. Auf
einer solala Piste fahren wir durch den Park. Teilweise ist das Gebüsch
so hoch und dicht, dass es schwierig ist, Wildtiere zu sichten. "Da schau
Elefanten!", vielleicht haben wir Glück und sie kommen näher.
Der Motor wird abgestellt, kurze Zeit später riecht es im Aufbau schon
nach frisch gebrühten Kaffee und Verena schneidet den restlichen Mohnstrudel
auf. Kaffeekränzchen auf der Piste mit Elefantensichtung. Der Bulle ist
genau so neugierig wie wir, denn langsam kommt er näher, bleibt stehen,
geht wieder ein paar Schritte, und dann steht er vor dem Esszimmerfenster.
Der Kuchen ist schon weg, also macht er einen Hacken, geht hinten um den Amigo
rum und beim Küchenfenster auf der anderen Seite vorbei. Sehr cool! Das
Moped auf der Gegenfahrbahn wartet schon bestimmt 30min, nun endlich kann
er losfahren, als der Elefant hinter dem Busch verschwindet.
Eine Prämiere bahnt sich an:
Die erste afrikanische Wildschweinfamilie trottet auf uns zu. Ganz gemütlich
kommt die Rotte näher, auch 2 Frischlinge sind dabei und der Keiler schirmt
von hinten ab. Es muss ihen gut schmecken, denn wir hören sie anständig
schmatzen.
Im Dorf Nyamweru parken
wir über Nacht vor der Kirche. Die Dorfbewohner leben ausschließlich
vom Fischfang im Lake Edward. Morgens kommen sie mit ihrem Fang zurück.
95% von den Fischen sind Tilapia, ein köstlicher Speisefisch. Die Ziegen
machen es sich in der Scheibtruhe gemütlich, in der normalerweise der
Fischfang ins Dorf gekarrt wird. Die Warzenschweine grasen vor dem Greislerladen
- eine etwas andere Dorfidylle!
Am Abend gibt es Tilapia aus der Pfanne mit Süßkartoffel- Kochbananenpüree.
Langsam nähern wir uns Ishasa, dieser Teil des Parks sollte für die baumkletternden Löwen bekannt sein. Angstrengt scannen wir jeden Feigenbaum und Kaktus ab, um die großen Katzen zu sehen. Leider vergeblich. Es bleibt eher ruhig, wenig Tiere, dafür immer wieder schlimme Pistenabschnitte.
Ca. 10km vor der Grenze zum Kongo biegen wir links zum Fluss ab. Dort nächtigen wir bei der Ishasa Pride Lodge. Der Fluss ist dunkelbraun und ziemlich hoch. Ein tolles Vogelkonzert zum Sonnenuntergang und nachts wecken uns die Elefanten. Trompetend werden Böume umgetreten und auch das Bad im Fluss wird laut plantschend genossen. Es ist zu dunkel, wir können nichts sehen, doch die Geräuschkulisse ist herrlich. Am nächsten Morgen fallen uns gleich die umgeknickten Böume auf.

Der Imam ruft von der
Moschee, Musik plärrt aus den Häusern, Gehupe von den Motorrädern
- aha, wir nähern uns der Parkgrenze und kommen wieder in die Zivilisation.
Ein Dorf reiht sich ans andere, so viele Menschen. Es wird hügeliger
und kurviger, es geht hoch auf 2.000m.
Weit ist es nicht mehr zum Bwindi Nationalpark. Am Rande des Parks wird hauptsächlich
Tee und Kaffee angepflanzt, das wächst gut in dieser Höhe und die
Affen und Elefanten, welche im Park heimisch sind, verschmähen diese
Genussmittel. Über Bananen, Kartoffeln und Maniok würden sie dafür
genüsslich herfallen.
Buhoma ist wahrscheinlich der am meist besuchte Ort in Uganda, trotz seiner
Abgeschiedenheit und Nähe zur DR Kongo. Die Berggorillas leben im Bwindi
NP und das ist das Highlight eines jeden Ugandabesuchers. Das Dorf besteht
großteils aus Hotels und Gästehäusern, Souvenirständen,
ein paar Geschäften und am Ende der Piste ist das Gate zum Park. Dort
wollen wir hin und uns erkundigen. 800,-US Dollar pro Person für 1 Stunde
mit den Berggorillas - soviel kostet das Permit. Es gibt eigene Spurenleser,
die täglich nichts anderes machen, als den 5 hier ansässigen habituierten
Berggorillasfamilien zu folgen, bis diese am Abend ihre Schlafstätte
herrichten, dann dürfen die Tracker nach Hause. Allerdings müssen
sie am Morgen, bevor die Primatenfamilie weiterzieht wieder vor Ort sein,
um die Koordinaten an die Ranger zu übermitteln, damit diese dann mit
den Touristen dorthin wandern können. "Heute mussten wir 5 Stunden
gehen, um sie zu treffen", erzählt uns der Ranger am Eingangstor.
"Permit habt ihr keines?" ganz verwundert schaut er uns an. Na dann
kann er für uns nichts machen. Vor 1 Woche wurde eine Regeländerung
von der Uganda Wildlife Autority Zentrale übermittelt, ab sofort dürfen
Gorilla Permits nur noch in der Hauptstadt verkauft werden. Verena ist enttäuscht,
obwohl 800,-US Dollar viel Geld ist. Wäre sie bereit gewesen, soviel
zu bezahlen? Sie weiß es nicht.
Im Dorf laufen Kinder mit Gorillazeichnungen in der Hand rum, 1,- bis 5,-
USD sollte solch ein Unikat kosten. Das dörfliche Vokalensemble stimmt
sich auf ihre Hotelperformance ein und der Holzschnitzer formt bestimmt schon
seinen 75. Gorilla aus dem Eukalyptusholz. Alles ist eng, laut und fordernd,
wir wollen eigentlich nur weg. Etwas außerhalb finden wir in einem aufgelassenen
Steinbruch eine ebene Fläche. Kurz vor Mitternacht wird es im Auto ungemütlich,
Verena bekommt Kopfweh, Rauch hängt in der Luft. Der Wind hat sich gedreht
und die Abgase der Ziegelbrennerei qualmen nun in den Amigo. Wir müssen
weg, wollen wir doch morgens wieder munter werden...
Im Stockfinsteren fahren wir in Schrittgeschwindigkeit der Piste entlang,
Ziegen und betrunkene Männer kommen uns entgegen. Eigentlich wollen wir
gar nicht weit fahren, jedoch gibt es nirgendwo eine Ausweich, einen Platz
zum Parken. Als dann die Piste breit genug ist, sodass locker jeder vorbeifahren
kann, bleiben wir einfach am Rand stehen. Es wird uns doch keiner reindonnern....
so zumindest hoffen wir. Es sind eh nur noch wenig Verkehrsteilnehmer unterwegs
und die meisten davon mit Mopeds. Wird schon gut gehen. Das war definitiv
nicht unser Tag!
Die Nacht war überraschenderweise gar nicht schlecht, wir sind ausgeschlafen und Amigo hat auch keine Blessuren. Allerdings sind wir von neugierigen Kindern umringt, die nun im Chor nach den Wazungus rufen und lautstark "my money" fordern. "Komm lass uns fahren, wir frühstücken später irgendwo!"
Verena hat sich eine neue
Strategie zurechtgelegt. So schnell geben wir nicht auf. Gorillas kennen ja
keine Parkgrenzen und es führt da ein kleiner Weg am Park entlang. Da
wollen wir nun entlangmarschieren, quasi unsere tägliche Runde. Wolfi
dreht nach 500m um, sein Knie will heute nicht. Verena marschiert zielstrebig
weiter und nach der 4 Kurve sieht sie 2 Touristenautos. Leicht erkennbar,
es sind Toyota Landcruiser mit großen Fenstern im Spezialaufbau und
6 bequemen Sitzen drin. Die Weißnasen kommen gerade vom Teefeld runter.
Es ist erst 11.15 Uhr und die sind schon retour!? Das heißt soviel wie,
der Weg zu den Gorillas ist heute sehr kurz, vielleicht sind sie ja sogar
da oben am Waldrand. Mit wilden Herzklopfen marschiert sie forsch vorbei,
die Dorfkinder laufen ihr mit den Zeichnungen hinterher. Die Fragen der Ranger
wohin des Weges überhört sie, kein Wunder bei dem Kindergeschrei.
Den Kopf angestrengt Richtung Wald gestreckt, um ja keinen der Gorillas zu
verpassen, prompt hat sie am Abend ein steifes Genick. Nach ca. 5km dreht
sie um, muss sich eingestehen, dass die Gorillas nicht in der Stimmung sind,
sich außerhalb vom Wald zu zeigen.
Beim Nachhauseweg kommen 2 Polizisten am Moped angefahren. "What are
you doing here?" Erfreut sind sie nicht, dass ein Weißer so nahe
am Parkrand herummarschiert, das ist ihnen deutlich anzumerken.
In den Süden führt durch den NP eine öffentliche Piste. Ein wunderschöner dichter Dschungel mit alten Bäumen, Farnen und Geflechten. Langsam rollen wir durch, die Gorillas könnten ja den Weg queren. Ranger fahren uns nach, stoppen uns und fragen nach unserem Weg. Keiner ist glücklich, dass wir uns so frei bewegen, noch dazu ohne Gorilla Permit, doch wir sind auf einer öffentlichen Straße.
In Ruhija, wo das 2. von insgesamt 4 Eingangstoren in den Park ist, wollen
wir ein paar Tage bleiben. Mittlerweile sind wir auf 2.400m in einem kleinen
Bergdorf, dass nahezu ausschließlich vom Gorillatourismus lebt. Beim
Community Camp stehen wir im Garten, mit toller Terrasse und traumhaften Blick
auf das grüne Undurchdringliche.
Vielleicht ist ja ein Tourist unpässlich? Hat eine Durchfallerkrankung bekommen oder ein schmerzendes Knie, denn Wolfis Knie ist mittlerweile wieder in Ordnung. Wir fragen uns durch die Unterkünfte und die Rezeptionisten versprechen, sich bei uns zu melden.
Am Abend haben wir ein
nettes Gespräch mit Wilson, dem Manager. Er erzählt uns, dass das
Dorf erst vor 8 Monaten ans Stromnetz angeschlossen wurde. Von den Eintrittsgeldern
haben sie in den 25 Jahren, seit es Gorillatrecking gibt, nicht viel gesehen.
Gorillas sind das Eigentum der Regierung, so wurde es ihnen erzählt.
Jeder Haushalt hat kürzlich aus den Einnahmen eine schwarze große
Regentonne erhalten, um das Regenwasser auffangen zu können, denn auch
Wasser ist im Dorf Mangelware. Die Häuser sehen mehr als ärmlich
aus, die Menschen laufen mit abgerissenen Kleidungsstücken, 2 verschiedenen
Schuhen und einer rotzenden Nase herum. Das Geld kommt definitv nicht bei
der Bevölkerung an, obwohl sie schreiben, dass 20% der Eintrittsgelder
an die umliegende Bevölkerung geht. Ein neues Krankenhaus sollte es wohl
in Buhoma geben...
Das Pygmäenvolk der Batwa, die jahrzehntelang im Bwindi Dschungel mit
der Natur gelebt haben, wurden aus dem Park vertrieben, die Jagd wurde ihnen
verboten und natürlich haben sie auch keine Entschädigung bekommen
mangels fehlenden Landtitel. Da viele von ihnen niemals eine Schule besucht
und nun keine Perspektive haben, sind nicht wenige dem Alkohol verfallen.
Sie werden durch Nahrungsmittelspenden am Leben erhalten. Die Dörfler
bringen Touristen zu ihnen, für die wird getanzt, dafür gibts dann
auch Schnaps. Das und vieles mehr wird uns erzählt.
Verena geht mit einem rauchenden Kopf ins Bett. Die Gorillas in ihrem eigenen
Lebensraum zu besuchen und beobachten zu können, war und ist ein großer
Traum von ihr. Es muss schon ein gewaltiges Gefühl sein, für kurze
Zeit ein Teil dieser Familie sein zu dürfen, vor allem weil sie ja sehr
gut an den Menschen gewöhnt sind.
Aber es gibt auch eine andere Seite: Die Regierung, die definitiv viel zu
wenig für ihre Bevölkerung macht und stattdessen wahrscheinlich
zu viel in ihre eigenen Taschen steckt. Besonders in dieser Gegend sind die
Leute ärmer, als im Rest des Landes, eigentlich müsste es umgekehrt
sein. Wollen wir das unterstützen? Es wird der Dorfbevölkerung erzählt,
dass durch das Gorillatrekken viele Touristen in ihre Dörfer kommen und
sie dadurch profitieren können, indem sie Unterkünfte errichten
(dafür braucht man aber etwas Startkapital) , geführte Wanderungen
anbieten und kulturelle Besuche der Batwas organisieren. können. Allerdings
ist das Program der meisten Touristen sehr straff, dass dafür oft keine
Zeit bleibt. Außerdem gibt es ein Rotationssystem bei den Trägern.
Die 800,- USD sind nur für das Permit, der Träger kostet extra.
Wirklich brauchen tut man den wahrscheinlich nicht, denn eine Wasserflasche
und eine Regenjacke sind nicht schwer. Aber dadurch verdient die Bevölkerung
und dann noch das Trinkgeld, welches die zufriedenen Touristen nach der Tour
geben sollen. Die Regierung macht es sich wirklich sehr einfach!
Es gibt insgesamt 15 habituierte Menschenaffenfamilien, je Familie dürfen
8 Personen pro Tag rein. Das sind 120 Besucher pro Tag auf ca. 180 Tage pro
Jahr gerechnet, ergibt das eine Summe von über 17.000.000 US Dollar pro
Jahr.
Sehr gemischte Gefühle machen sich in uns breit und als dann der Manager
am Gate meint, er habe uns eine e-mail Adresse besorgt, wo man beim Chef anfragen
kann, ob man großzügigerweise und ausnahmsweise das Permit online
beantragen kann. Allerdings müssen wir zuerst auf seine Antwort warten.
Die Bezahlung erfolgt per Smartphone, es darf kein Bargeld im Umlauf sein.
Im Ort gibt es eine Dame, die eine Kreditkartenmaschine besitzt, auf der man
800,- USD von der Karte abbuchen und auf ihr Handy schicken kann, natürlich
mit horrenden Bankgebühren und einem fetten Trinkgeld für die Madame...
Verena weiß nicht mehr, ob es ihr so wichtig ist.
Wir sitzen auf der Frühstücksterrasse. trinken Kaffee und essen Erdbeermarmeladebrot, als wir einen komischen Laut vernehmen. Es hört sich an wie ein Hippogegrunze an, aber die gibt es hier ja nicht....also kann es eigentlich.... ja nur eine GORILLA sein... und zwar ganz nahe. Da hinten in den Bäumen, von da ist der Ruf gekommen. Müsste da nicht der Weg zum Forschungszentrum hoch sein? Beide stürzen wir auf, lassen alles stehen und liegen und machen uns auf den Weg. Aufgeregt marschieren wir den steilen Pfad hoch. Angestrengt scannen wir die Gegend ab, blicken immer wieder den steilen Hang hinter den großen Farnen runter. Doch leider sehen wir nur verschiedene Stummelaffen.
Weiter gehts durch den Bwindi Park. Große Baumameisennester hängen von den Ästen. Die Farnblätter sind zerfressen, wahrscheinlich ist dies ihr Baumaterial. Wieder fahren wir in Schritttempo durch den Park, bei jeder Lichtung holen wir unser Fernglas raus und scannen die Hügel ab. Weit ist es nicht mehr zum Waldende, denn dort ist unser persönliches Gorillafinding zu Ende. Leider ohne Erfolg.
Ein neuer Wolkenbruch,
die Regenzeit hat schon eingesetzt und jeden Tag kommt viel Nass vom Himmel.
Sobald wir die NP Grenze überquert haben, sind die Wälder allesamt
gerodet und auf den steilen Hängen Felder errichtet. Zum Durchfahren
ist diese Kulturlandschaft ein Augenschmaus, zum täglichen Leben und
Arbeiten augenscheinlich sehr hart.
Leider wird in dieser Region sehr viel gebettelt. Umso mehr Touristen durchfahren,
desto mehr wird gebettelt, kein Wunder wenn es Bonbons aus den Fahrzeugen
regnet...
Muzungu!!! Give me my money, give me my pen, give me food, give me bycicle...
gebrauchen können sie alles! Ob nicht vielleicht ABBA hier waren und
ihre Idee zu GIMMI GIMMI GMMI aus dieser Gegend kommt???
Im Chor und im permanent wiederholenden Sprechgesang geht es über Stunden
so dahin, besonders wenn man Mittags wo einparkt und Pause macht, kann es
etwas nervig werden. Und jeden Morgen beim Walken haben wir die Dauerbeschallung
der unzähligen Kindern erneut. Wir werden aber auch immer entdeckt....
Dass auch alle Gorillatrekking-Touristen
an den verwinkelten, schön gelegenen Bunyonyisee gebracht werden, war
uns im Vorfeld nicht so klar. Die Piste zum Seeufer wird gerade verbreitert.
Dafür sitzen die Menschen nebenan im Dreck und schlagen händisch
Felsen zu kleinen Schotter, der dann für den Straßenbau verwendet
wird. Auch der Klein-Lkw wird händisch mit Steinen beladen.
Durch den Regen ist es matschig und rutschig, es wird noch einige Zeit dauern,
bis die neue Straße fertig ist.
Eine letzte Kurve und
wir können die Bucht vom See schon erkennen. Das Dorf ist eng und klein
und die Stellplätze für einen Lkw unserer Größe begrenzt,
da kommt doch das leere Grundstück wie gerufen. Weit und breit ist niemand
zu sehen, aber der Besitzer wird sicher bald vorbeikommen, schließlich
redet es sich schneller rum, als lieb ist, dass Wuzungu angekommen sind. Weiße
Haut fällt halt auf. Rose kommt keine 15 Minuten später bei uns
vorbei. Ihr Bruder, der kurz vorher mit dem Moped auf der, in Sichtweite befindlichen,
Straße vorbei gefahren ist, hat sie angerufen und von uns erzählt.
Rose arbeitet im Kinderheim einen Hügel unter uns und hat sich sogleich
auf den Weg gemacht. Morgen kann sie nicht arbeiten, denn sie muss ins Krankenhaus,
welches weit weg ist. Das Mopedtaxi kostet viel, die Schmerzen im Bauch werden
immer schlimmer, die Naturmedizin hilft nicht mehr, eine Operation sollte
helfen, aber dafür hat sie kein Geld. Solche oder ähnliche Geschichten
hören wir jeden Tag mehrmals. Ob sie immer alle wahr sind, können
wir nicht beurteilen, in diesem speziellen Fall fehlt uns doch glatt das Röntgengerät.
"Achja, der Besitzer vom Grundstück ist ein reicher Mann aus der
Stadt und wohnt nicht hier", erzählt uns Rose.
Nach dem Regenguss kommt dann der 5. Besitzer vorbei, will Geld fürs
Parken.... "Ja wenn wir morgen losfahren, gibt es eine Kleinigkeit."
Wer weiß, wieviele Besitzer da noch kommen?
Die Wanderung hoch zum Arcade Hotel mit seiner toller Aussichtsterrasse ist
ein Rauf und Runter. Viele Hügeln, nette Landschaft, steinige Pfade,
bettelnde Jugendliche und bettelnde Erwachsene, die Unterstützung von
den reichen Touristen fordern. Aber Halt! Irgendwie läuft hier was falsch...
Wo sind die bettelnden Kinder? Man glaubt es kaum, die SCHULE hat endlich
wieder angefangen. Aufgrund der Präsidentschaftswahlen und Befürchtungen
bezüglich etwaiger Unruhen, wurden schon vorab die Ferien um 3 Wochen
verlängert.
Etwas genervt... weil es einfach so viele sind, entgleist uns öfter mal
die freundliche Miene. Wir quatschen gerne mit den Menschen, aber wenn die
Antwort auf "Hallo wie gehts?" Give me money ist, haben wir auch
keine Lust mehr auf Konversation.
"Little man". einer der Grundbesitzer, erwartet uns schon, heute
ist Zahltag. Wir wollen ihm 10.000,- UGX geben, die will er nicht, da hat
er ja mehr in seiner Hosentasche, nämlich 25.000,-UGX. Er hätte
sich 500,- USD vorgestellt. Wir schauen ihn verdattert an, fangen zu lachen
an und schütteln den Kopf.
Aber im Nachhinein ist es sogar irgendwie verständlich. Uganda ist ein
sehr armes Land, für 500,- USD müssen die Menschen mehrere Wochen
hart arbeiten. Ein jeder Einzelne weiß, dass die Touristen 800,-USD
für eine Stunde mit den Gorillas bezahlen, da ist doch ein ganzer Tag
Parken wenigstens 500,- wert. In ihren Augen sind wir natürlich alle
reich und wahrscheinlich auch noch geizig, wenn wir nicht großzügig
unser Geld mit ihnen teilen.
Die Markthalle in Kabale
ist prall gefüllt. Die Auswahl ist riesig und die Ware sehr frisch. Früchte
brauchen wir keine kaufen, denn die sind gleich teuer wie in Europa, denn
auch ein Marktbesuch steht am Rundreiseprogramm.
Es regnet nun fast jeden Tag und die Taximopeds sind gerüstet, mit einem
länglichen Regenschutz und einer Plane vorne am Lenker, kommen nur noch
die Hälfte der Tropfen an.
Wir warten auf unser Paket.
Die Aufhängung der Federlagerung ist ausgelutscht, der Bolzen hat zuviel
Spiel. Ein Ersatz muss her. John der Mechaniker aus Kampala hatte nur eine
schlechte Nachbauversion auftreiben können, bei Salim in Nairobi, der
uns letztes Jahr Stoßdämpfer besorgt hat, werden wir fündig.
Das angeforderte Teil wird in den Bus von Nairobi in Kenia nach Kampala in
Uganda gelegt. In Kampala wird das Paket von Salims Bekannten Christopher
abgeholt, umetikettiert und mit dem Mopedtaxi zum Busstand gebracht, welcher
am Abend nach Kabale losfährt. Dort wollen wir das Paket in Empfang nehmen.
1000km Fahrt und 2 Tage später hält Wolfi glücklich das Paket
in der Hand. Anstatt dem Paketdienst, machen das die öffentlichen Busse,
ein cooles System. Wir sind beeindruckt von soviel Einfallreichtum. Eine Adresse
haben die wenigsten, Telefonnummer, Name und Ort reichen vollkommen. Alles
mögliche wird so transportiert, jeder verdient damit ein Zubrot und ganz
besonders der Paketverwalter im dunklen Raum neben der schmutzigen Grube.
Während wir warten, können wir beobachten, wie die Frau vor uns
ein paar Scheine locker lassen muss, um ihr Paket zu erhalten.
Momentan bevorzugen wir
menschenleere Plätze, was sehr schwierig ist. Bleiben wir stehen, sind
schon die ersten kleinen und großen Besucher rum. Gehen wir im Wald
spazieren, folgt uns ein Jugendlicher im gebührenden Abstand, aber immer
in Sichtweite. Man ist nie alleine. Alles wird berichtet.
Immer wieder können wir tolle Ausblicke in die schöne Landschaft
genießen und freuen uns über die zahlreichen Chamäleons, die
unseren Weg kreuzen.


Über einen kurvigen
Pass geht es wieder mal hoch auf 2.500m. Ganze Hänge sind gerodet und
darauf windschiefe Felder angelegt worden. Süsskartoffel, normale Kartoffeln
und Zwiebeln.
Tabakblätter werden getrocknet und Sorghumhirse wird liebevoll auf den
Matten immer wieder gewendet, damit sie zum Brauen richtig trocken ist. Bald
ist Bierbrauzeit und die Menschen freuen sich darauf.
In Kisoro kaufen wir am
Markt noch Gemüse und Obst ein. In ein paar Tagen läuft unser Visa
aus und wir müssen raus aus diesem wunderschönen Land. Trotz der
vielen bettelnden Kinderhorden, treffen wir immer wieder nette Menschen, die
nichts wollen.... nur zurücklächeln.
Ein Wolkenbruch hat den Boden in eine Kraterseelandschaft verwandelt. Hundert
mal geflickte Planen sollen die Süsskartoffel und Zwiebel vom Regen schützen.
Der Sonnenschirm hat auch schon bessere Zeiten gesehen, allerdings lässt
er nur jeden 20. Tropfen durch.
Bunte Schaumstoffmatratzen aus
Eurofoam oder Superfoam sind gerade IN. Ja weich gebettet zu sein, ist schon
was schönes. Nach Hause transportiert wird das gute Stück am Kopf,
stehend am Fahrradgepäcksträger oder mit dem Mopedtaxi.
Wenn es zu Hause keinen Strom gibt, dann kann man für kleines Geld seine
elektronischen Geräte bei Andrea laden. Vorsichtshalber zieht sie ihren
wackeligen Holztisch noch etwas mehr unter das Dach, denn der Regen wird nun
vom Wind hereingepeitscht, schließlich will sie keinen Kurzschluß
riskieren. Wir warten neben ihr mit jeder Menge anderer Fußgänger,
bis der Regen etwas nachlässt. Robert der Mopedtaxifahrer quetscht auch
noch sein Motorrad dazwischen. Es ist sein Eigentum, erzählt er ganz
stolz. Früher musste er 50.000,-UGX wöchtentlich für den Mopedvermieter
abdrücken. Viele seiner Kollegen machen das noch immer so. Eine kurze
Strecke kostet ca. 2.000,-UGX. Da muss er aber den ganzen Tag brav arbeiten,
damit sich das ausgeht, Benzin kommt ja auch noch dazu und der ist auch nicht
ganz billig. Immer wieder wischt er liebevoll mit einem Tuch die Tropfen vom
Lenker und Sitz.
Der Kampfadler wartet auf Beute, dem ist der Verkehrslärm und das Treiben
absolut egal.
Auch in dieser Gegend
gibt es versteckte Kraterseen. Kurz vor dem Sendemasten werden wir vom diensthabenden
Armeeangestellten, der den Masten bewachen muss, begleitet. Denn am Hügel
wird eine neue Lodge gebaut und der Pfad wurde nun umgeleitet, dafür
müssen wir einen kleinen Umweg machen und er zeigt uns den Weg.
Landschaftlich ist diese Ecke wunderschön. Ein toller Blick runter auf
den See und die danebenliegende Ebene, der Bananenwald ist dominierend.
Beim Nachhausegehen kehren wir in die katholische Bäckerei ein, es gibt
Bananenmuffins und Cappuccino ohne Milchschaum, denn gerade ist der Strom
ausgefallen. Wie lange, das weiß keiner, ist ja auch egal.
Es ist Mittag und dunkle Wolken ziehen vom Horizont schon wieder heran. Vormittags
haben wir fast immer schönstes Wetter.


Heute wollen wir auf den kleinen erloschenen
Vulkan hinter dem Dorf. Zwischen den Feldern geht ein schmaler Erdpfad hoch
und dann stehen wir am Kraterrand. Anstatt Wasser wachsen Bäume und am
inneren Kraterrand sind auch Felder. Die Menschen sind wirklich fleißig.
Jede nur mögliche Fläche wird bebaut.
Heute arbeitet fast keiner, denn es ist Sonntag. In hübschen Kleidern
sind einige Frauen am Kraterrand unterwegs. "Es ist schon meine 3. Runde
von 7", berichtet eine etwas ältere Dame. Ihre Gebete sollen beim
Umrunden besser erhört werden und sie will auch gleich ein kurzes Gebet
für uns sprechen, denn schließlich brauchen wir göttlichen
Beistand auf unserer Weiterreise ins Nachbarland.
Morgen soll es über die Grenze nach Ruanda gehen. 2 der 3 Vulkane befinden
sich bereits dort. Die bewaldeten Hügel sind ebenfalls Heimat der Berggorillas.
Der 4. Vulkan ganz rechts ist bereits im Kongo. Wir sind im 3 Ländereck.
Tschüss Uganda, schön war´s! Wie es in Ruanda werden wird? Wir sind schon neugierig, es soll doch "etwas anders" sein...
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Definitv empfehlenswert, dieser Reisführer für Uganda!