Uganda 2
29.12.2025 - 26.01.2026
Währung: 1 Euro =
4.000 Uganda Shilling
Dieselpreis: 1l = 4700 UGX

Wir nehmen Kontakt zu Clemens auf. Er ist gebürtiger Deutscher und lebt schon seit 35 Jahren in Uganda. Seit einiger Zeit betreibt er eine "BIO zertifizierte" Vanillefarm und die ist gar nicht weit weg, also machen wir uns auf den Weg dorthin. Emanuel führt uns durch den Garten. Die Vanillepflanze ist eine tropische, schnellwachsende Kletterorchidee. Sie braucht eine Rankhilfe und muss händisch bestäubt werden, weil es an den natürlichen Bestäubern den Kolibris, mangelt. Von der Ernte bis zum Kücheneinsatz ist viel Aufwand nötig. Blanchieren, fermentieren und wochenlanges Trocknen, Abpacken und dann natürlich verkaufen. Der Preis der Vanille ist zur Zeit leider sehr niedrig, sodass ein Gewinn nicht möglich ist.
Abends sitzen wir auf Clemens Terrasse, schlürfen Bier, essen selbstgemachte Mohnnudeln und lauschen seiner Lebensgeschichte.
Am nächsten Tag will
uns Clemens seine mehrere Hektar große Farm zeigen. Er führt uns
am Gelände herum und zeigt uns die Hasenzucht. "Gestern ist ein
kleineres Wildtier durch das Fenster gekommen und hat den Hasenbestand um
die Hälfte dezimiert", erzählt uns ein Angestellter. Der Hasenurin
wird in kleinen Regenrinnen aufgefangen, welcher zusammen mit dem Ziegen-
und Eselsmist gemischt wird, es werden Würmer hinzugefügt und nach
einer Zeit ist der Kompost bereit, um die Vanillebäume zu düngen.
Das kleine Lämmchen will nicht mehr von den Zitzen trinken, gestern hat
es einen Tritt vom Esel abbekommen. Clemens erzählt uns, dass die Angestellten
es verabsäumt haben, ihm das neugeborene Herdenmitglied unter
die Nase zu halten. Er muss mit dem Geruch bekannt werden, um es zu akzeptieren.
"Es wird wahrscheinlich morgen sterben", meint er.
Die Vanilleplantage ist in einem desolaten Zustand, der Großteil der
Pflanzen sind von einer Pilzkrankheit befallen und abgestorben, nur einige
wenige haben überlebt. Clemens hofft auf neues Geld von den Teilhabern
an seiner Plantage, um die Farm weiterführen zu können und steckt
mitten in den Verhandlungen. Wir wünschen ihm dafür alles Gute!
Morgen ist Silvester und den wollen wir in der Hauptstadt verbringen. Man merkt, es gibt ein Fest, denn so viel Fleisch an den Ständen neben der Straße haben wir noch nie gesehen, Rind, Ziege, Huhn oder Truthahn je nach Geschmack und Geldbeutel.

Das "Red chilli retreat" ist am Rande der Stadt. Mit uns ist noch eine kleine Runde fahrradbegeisterter, ugandischer Camper mit ihren Zelten am Gelände. Aber die bleiben unter sich und so verbringen wir den Abend an der Poolbar. Nachdem wir unsere selbtsgebackenen Burgerbrötchen mit Bohnenpatties, Guacamole und Chips verspeist haben, sitzen wir an der Poolbar, schlürfen Gin Tonic und wollen mit den beiden Barladys ins Gespräch kommen. Die jedoch haben keine Lust zum Quatschen, wischen lieber auf ihrem Handy rum und sind sauer, dass sie heute Abend arbeiten müssen. Also verziehen wir uns in den Amigo, machen einen Spieleabend und warten auf den Jahreswechsel. In der Stadt geht krachendes Feuerwerk in die Luft, 10 min später schlafen wir auch schon. Allerdings werden wir um 4 Uhr munter, das laute Karaokegesinge hört sich wirklich nicht gut an. Als wir den "Sänger" darauf aufmerksam machen, hat dieser ein Einsehen und geht auch ins Bett.

Kampala hat nichts besonderes
zu bieten. Das moderne Stadtviertel besteht aus ein paar Wolkenkratzern, Kirchen,
Moscheen und indischen Tempeln. Das Jesukind ist auch bei den Schwarzen weiß.
In den Shoppingmalls gibt es guten Cappuccino, Verena geht zum Stadtfigaro
und der Meister macht einen guten Job, im Great Dhaba genießen wir köstliches
indisches Essen.
Die Stadt ist auf mehreren Hügeln gebaut. Im Außenbezirk steht
eine mächtige Stadtvilla mit 10m hohen Marmorsäulen und vielen Balkonen
in Sichtweite vom windschiefen Holzverschlag mit rostigem Blechdach. Davor
wird auf Holz in einem großen Blechtopf Suppe mit Hühnerkrallen
und Kopf gekocht. Am Hafen wird Fisch verkauft, statt Kaffee gibt es nur Bier.
Eh klar, daneben steht eine der beiden großen Bierbrauereien Ugandas
namens Bell. In den Bäumen leben die Marabus. Wenn man Pech hat, verrichten
sie exakt ihr Geschäft, wenn man drunter vorbei geht.
Wir haben eine Werkstatt gefunden, die vertrauenswürdig wirkt. Dorthin
wollen wir in einer Woche zurückkehren, wenn wir die Simmeringe von Becky
erhalten, welche am 10.01 mit dem Flieger in Entebbe landet. Die verbleibende
Woche wollen wir nicht in der Verkehrskollapsnahen, abgasgeschwängerten,
stinkenden Großstadt Kampala verbringen.
Clemens hat uns das Kisubi Areal empfohlen. Eine Kirche, ein großes
Hotel, einen Seminarraum und Picknickplätze direkt am Ufer des Viktoriasees.
Ja, hier lässt es sich aushalten. Tagsüber kommen die Städter
zum Essen und aufs Wasser schauen. Zum Essen kommen sie nur, wenn sie schnell
genug sind, denn die Gelbschwanzaffen sind außerordentlich talentierte
Diebe und auch die Marabus ziehen den Kreis immer enger um die Gäste.
Unser Mittagessen wird nur noch indoor abgehalten, dorthin folgen uns die
tierischen Nachbarn nicht.
Jeden Morgen beobachten
wir den Hammerkopf, der unentwegt mit Gräsern und kleinen Ästen
sowie reichlich Plastikmüll zum nahen Baum fliegt, um dort sein Nest
noch größer zu machen. Ein Ästhet ist er nicht, allerdings
ein tüchtiger Baumeister, denn sein Nest ist riesig, der Eingang ist
tunnelförmig, um eventuelle Nesträuber zu verwirren.
Marabus sind häßlich, das lässt sich wirklich nicht schön
reden. Wir können den Nimmersatt, Kronenkranich, Reiher und viele ander
Vögel beobachten, es ist ein Kommen und Gehen, oder besser ein Rumgefliege.
Jeden Morgen spazieren
wir ins Dorf und kommen meist mit frischem Obst zurück. Zuckersüsse
Ananas, köstliche Mangos oder unsere Lieblingsfrucht, die unverwechselbare
Jackfrucht. Heute wollen wir beim Frühstücksbeisl einkehren, bestellen
Rollex (Fladenbrot mit Ei), sitzen auf der windschiefen Holzbank und lassen
uns gemeinsam mit den Einheimischen von den vorbeifahrenden Autos einstauben.
Der Jackfruchtverkäufer rollt uns auch schon entgegen, es hat sich rumgesprochen,
dass die Wazungu auf diese Frucht stehen ;-)
Am Abend bei Sonnenuntergang nehmen wir unser Bankplatzerl am Ufer in der
1. Reihe ein, beobachten die Otter, wie sie gemeinsam auf Fischfang gehen.
Die Fischer in den kleinen Holzbooten ziehen vorbei, es ist eine sehr schöne
Lichtstimmung. Dazu geht dann noch die Sonne im Viktoriasee unter, herrlich.
Der Schuhschnabel lässt
sich leider nicht blicken, er lebt in den sumpfigen Papyruswälder, die
sich an der Küste entlangziehen. Also machen wir einen Ausflug, um ihn
zu suchen. Mit einem größeren Motorboot geht es den Viktoriasee
entlang durch einen breiten Kanal und legt dann am Ufer eines abgelegenen
Dorfes an. Dort steigen wir in ein kleines Holzboot um, mit dem wir die verschiedenen
engen Kanäle entlangfahren. Tausende Kingfisher sind auf Lauerstellung
und warten den richtigen Zeitpunkt zum Eintauchen ins Wasser ab. Oft beobachten
wir, dass sie mit einem kleinen Fisch im Schnabel wieder auftauchen.
Der Außenbordmotor wird abgestellt,
nun geht es mit den Holzstöcken und Manneskraft weiter durch den dichten
Sumpf. Die Wasserlilien blühen in unterschiedlichen Farben, die Wasserhühnchen
mit ihren langen Zehen können bequem von einem Seerosenblatt zum anderen
laufen.
Dann erspähen wir
die anderen Boote, wir sind definitiv nicht die einzigen Schuhschnabelsichtungstouristen.
Da wir das 10. Boot sind und somit in der 10. Reihe des engen Kanals, dürfen
wir von Boot zu Boot in die 1. Reihe vorklettern, um ein gutes Foto machen
zu können. Die Fischer am Morgen sichten die außergwöhnlichen
Vögel und geben den Standort an die Ranger weiter. Emil unser Ranger
erklärt uns, dass es sich um einen 8 Monate alten Schuhschnabel handelt.
Er wartet in der Nähe des Nests auf seine Mutter, die mit Fressen zurückkehren
soll, denn selber jagt er noch nicht, obwohl er schon 1m groß ist. Ausgewachsen
wird er 1.40m sein und er zählt zu der Storchenfamilie. Ein gewaltiger
Schatten über uns, die Mutter kommt zurück, fliegt aber einen Kreis
um uns und landet entfernt im Dickicht.
Am Rücken vom Jungvogel entdecken wir dann einen Tracker. Ja, sie wollen
den Schuhschnabel besser erforschen, denn sie wissen selber nicht so viel
über den Vogel. Dieses Exemplar ist nun das erste Forschungsobjekt.

Nach ca.4 Stunden sind wir wieder zurück am Festland. Verena will schon lange äthiopisches Essen ausprobieren, in Entebbe sollte es ein gutes Restaurant geben. Injera, ein Sauerteigfladenbrot wird mit verschiedenen Gemüse- und Fleischcurries serviert. Auch die traditionelle Kaffeezeremonie lassen wir uns nicht entgehen.
10 Jänner: Wolfi
hat die ganze Zeit mit dem Becky kommuniziert, bis wir dann die Adresse zum
Senden bekommen haben. Darauf stand dann Rebecca :-) Voll lieb von ihr, dass
sie uns die Ersatzteile für den Amigo und noch dazu ein Care-Paket mitgenommen
hat. Dankeschön!
Am Abend wollen wir ins Kino, Avatar der 3. Teil. Nun wissen wir auch, wieso
die Lautsprecher im Kino voll aufgedreht sind, sodass man fast einen Hörsturz
bekommt, denn die Schwarzen kommentieren gerne Szenen lautstark mit oder telefonieren
sogar während der Vorstellung.
Es ist Sonntag, ein guter
Tag, um durch die Hauptstadt zu fahren., relativ wenig Verkehr und gutes Vorankommen.
Frühmorgens möchten wir in der Werkstatt sein, damit wir so bald
wie möglich die Stadt wieder verlassen können. Am Donnerstag sind
Präsidentschaftswahlen und da wollen wir dann in Fort Portal bei Kluges
Guesthouse sein.
An den wichtigen Kreuzungspunkten stehen bereits Panzer und Militärlastwagen,
bewaffnete Soldaten - alles für den Ernstfall. Jetzt wissen wir, was
damit gemeint ist, dass für die Sicherheit der Touristen gesorgt ist,
denn heute Nachmittag lesen wir ein Rundschreiben vom Präsidenten auf
Facebook, wo die Touristen dazu aufgerufen werden, ihre Reise wie gewollt
fortzusetzen, die Regierung hat alles im Griff.
Der Sicherheitsmann von der Mobikye Werkstatt lässt uns sogar Sonntagabend
auf das Gelände. Wir können
dort übernachten, sodass wir morgen früh beim Aufsperren gleich
die ersten Kunden sind.
John, der Mechaniker macht einen kompetenten Eindruck, er hat vorher bei Mercedes gearbeitet. Rad und Bremstrommel runter, Planetengetriebe auseinanderbauen, sauber machen, Dichtungen und Simmeringe tauschen - am frühen Nachmittag sind wir schon wieder auf dem Weg. Es staut sich in Stopp and Go bis zur Nordumfahrung. Ein Wolkenbruch mit dicken Tropfen. Die vielen Mopedfahrer suchen ein Dach, bei den Tankstellen ist nun kein Platz mehr. Die Verkäuferinnen decken im Laufschritt ihre Waren mit Planen ab. Innerhalb kurzer Zeit gibt es Sturzfluten links und rechts der Straße.

"Schau da vorne ein Lkw-Wohnmobil", ruft Verena aufgeregt und deutet geradeaus. Vornweg Militärfahrzeuge und Soldaten mit Plastikmasken im Gesicht. Später erfahren wir, dass die Polizisten und Soldaten bei öffentlichen Demonstrationen auch gegen Nachbarn und Bekannte vorgehen müssen. Um der Lynchjustiz zu entgehen, sind sie maskiert. Wir stoppen, sind neugierig welch Landsleute in dem Wohnmobil sitzen. Was? Die halten gar nicht an, fahren voll weiter?! Das gibt es doch nicht, schon wieder "keine zeithabenden Touristen", die in 80 Tagen um die Welt wollen. Verena hat vorher schon ein Foto geknipst und ist überrascht, als sie darauf ein ugandisches Kennzeichen erkennt mit einem schwarzen Fahrer und Copiloten. Und da dämmert es uns.... zu Silvester hat jemand erzählt, dass ihr Präsident auch so einen Truck hätte, einen Lkw mit Wohnkoffer hinten drauf, sie nennen das Fahrzeug "the first toilet". Vielleicht hat der 81jährige Präsident ein Blasenleiden und hat gerne sein eigenes Örtchen mit. Wahrscheinlich war er auf einer Wahlveranstaltung in Fort Portal und während er zurückfliegt, wird sein mobiles Badezimmer nach Kampala überstellt...
Kurz vor Fort Portal wird intensiv Tee angebaut. In hellem Grün leuchten die Felder, die Teeblätter werden mit einer großen Heckenschere geschnitten und in den Rückenkorb geworfen. Von der Moschee plärrt es zum Mittagsgebet.
In Fort Portal suchen wir den Markt, Lebensmittel für eine Woche wollen wir bunkern, falls es zu Unruhen kommt. Doch die Straße zum Markteingang ist blockiert mit Wahlwerbern. Fahrzeuge mit dicken Lautsprechern, Plakaten und gelb gekleideten Menschen darauf. Unzählige Mopeds, mit Fähnchen, Plakaten, Ästen und in Gelb dekoriert fahren im Konvoi nach. Wir warten bis wir einigermaßen überholen können und fahren direkt zu unserem Stellplatz für diese Nacht. Morgen ist auch noch ein Tag...

Wir sind dann froh, als wir bei Marjiam & Stefan in den Garten von Kluges Guesthouse einrollen. Ein Paradies mit unzähligen Blumen, einem Pool, Karpfenteich und Biergarten. Das lässt sofort erahnen, welch Landsmann Stefan ist. Nach dem Abendessen sitzt man um das Lagerfeuer. Eine Reisegruppe wohnt in den Bungalows und so gibt es viel Gesprächsstoff. Der lokale Bananenschnaps vom Stefan macht sich erst nach einem Positionswechsel bemerkbar... Der nächste und auch der übernächste Tag ist verhaut, gut dass wir keine Pläne haben. Am Camping parken Doris & Klaus neben uns, sehr nette Zeitgenossen. Die beiden reisen mit einem Toyota Hilux und Wohnkabine in Zebramuster durch Ostafrika. So geht die Wahlwoche viel zu schnell rum.


Am Abend schallt Musik aus den Dörfern, gibt es schon was zu feiern?
Seit Tagen haben wir kein Internet (das wird für 5 Tage landesweit abgeschaltet),
das lokale Radio in Luganda verstehen wir nicht und Stefans Informationen
sind auch nur vom TV, das dem Präsidenten untersteht. Unabhängige
Nachrichten haben wir im Moment nicht. Kleine Ausschreitungen sollte es wohl
in Kampala gegeben haben. Aber es ist eine Nachrichtensperre über das
ganze Land verhängt.
Später lesen wir, dass Museveni, der 81jährige Präsident der
schon 40 Jahre im Amt ist, mit 71% wiedergewählt wurde. Allerdings bei
einer Wahlbeteiligung von 52% (niedrigste bisher) und ca. 50% der 51 Millionen
Ugander sind unter 17 Jahren, also nicht wahlberechtigt. Der Gegenkandidat
ist seit der Wahl verschwunden, ob auf der Flucht oder verschleppt, so genau
kann das keiner sagen. Wahlen laufen in Afrika anders ab. Wir wollen euch
auch nicht das Wahlplakat vorenthalten, zigtausendfach verteilt übers
ganze Land.

Südlich beginnen
die Kasenda Kraterseen. Ca. 40 Seen vulkanischen Ursprungs gibt es davon in
diesem hügeligen Gebiet. Die Hauptpiste durch diese tolle Landschaft
ist mit dem Amigo machbar, allerdings die Stichstraßen und kleinen Wege
zu den Seen hoch müssen wir zu Fuß bewältigen, was uns eh
sehr gefällt. Einen Parkplatz für den Amigo zu finden ist sehr schwierig,
oft blockieren wir einen Teil der Piste und aus der 1 1/2 Spurbreite wird
dann nur noch 1 Spur, z. Glück ist ja nicht so viel Verkehr.
Los gehts, dank der App von Maps.me finden wir die kleinsten Wege durch Bananenwälder,
Erdnuss- Hirse- und Maniokfelder. Es gibt mindestens 7 verschiedene Bananensorten,
welche zum grillen, verschiedene süße, große und kleine,
dicke und dünne und die Kochbanane, die eher wie Kartoffel schmeckt.
Die Frauen ernten gerade die Hirse, genannt Millet, aus der wird am Morgen
ein Brei gekocht, mit der größeren Pflanze Sorghum genannt, wird
Bier gebraut. Im kleinen Dorf nebenan werden Lehmziegel hergestellt, die dann
gebrannt werden. Vor den Häuser liegen Erdnüsse zum Trocknen.
Wir treffen Alexander
und er zeigt uns sein zukünftiges Camp direkt am Lake Mahura. Leider
ist die Zufahrt für unseren 12Tonner nicht möglich. So parken wir
uns in die Einfahrt zur Kirche. Von oben sieht man einen Kratersee mit einem
Ring aus Wasser drumherum.
Leider betteln die Kinder sehr viel, was mit der Zeit etwas nervig wird. "Give
me money!" der Standardsatz. Wir reichen Weißen können doch
den armen Schwarzen was abgeben, ein schwieriges Thema. Diese penetrante Bettlerei
wird uns die nächsten Wochen begleiten. Es gibt einfach zuviele Kinder
in diesem schönen Land.
Am nächsten Tag wollen
wir ins Zentrum von Kasenda. Der Lake Wakenzi ist umgeben von steilen Hängen
mit fruchtbarer Erde. Der Kleinbauer Makerina lädt uns spontan auf eine
Hofführung auf sein pipifein sauberes Anwesen ein, als wir daran vorbeispazieren.
Vor 3 Jahren hat er geheiratet, er hat 2 Kinder, die sich schüchtern
im Haus verstecken und seine Frau zeigt uns stolz ihre 5 Ziegen und 2 Schweine,
Hühner haben sie auch. Das relativ große Haus hat er vor 3 Jahren
selber gebaut, die Küche ist neben dem Stall, gekocht wird am Boden über
dem Feuer. Der Ziegenstall wird Nachts verschlossen. Ein kleiner Bananenwald
ist ihre Einkommensgrundlage. Die Kochbananen sind nun reif. Er bringt die
Bananenstaude bereits auf seinem Moped ins Dorf. Für eine Staude bekommt
er 20.000,-UGX.
Dann kommt der neugierige Nachbar vorbei, wir ziehen weiter.


Viele müssen die
Bananen mit dem Fahrrad transportieren. Bei 8 Stauden zu je 10-15kg kommt
da schon ein Gewicht zusammen. Jene Bauern, die nicht einmal ein Fahrrad besitzen,
müssen ihre Stauden an Zwischenhändler mit Fahrrad oder Moped günstiger
verkaufen, um die Ernte loszuwerden. Wenn man in der Nähe eines Dorfes
oder gar einer Hauptverbindungsstraße lebt, kann man die Stauden auch
einzeln am Kopf transportieren, so wie es einige Frauen machen.
Es ist nicht einfach Bananenbauer zu sein. Allerdings ist der Baum fast ein
Selbstläufer. Werden die Früchte geerntet, muss der Stamm umgeschnitten
werden, denn er trägt nur 1x. Der nächste Jungbaum geht von selbst
daneben auf, der abermals eine Staude pro Jahr tragen wird und daneben hat
sich die Banane bereits schon wieder von selber weitervermehrt.

Fast alle Kleinbauern
haben Kaffeebüsche im Garten. Die Bananen spenden ihnen den benötigten
Schatten. Die roten Beeren werden nun in der Erntezeit jeden Tag gepflückt,
in der Sonne getrocknet und dann an Sammelstellen weiterverkauft. Die Kinder
schleppen die Wasserkanister steil zu den Häusern hoch.
Der Sonnenuntergang vom Lake Ntambi ist bezaubernd. Auch die Maisernte ist
in vollem Gange. Die Familie hat länger gebraucht und sie sind vor Nachtbeginn
nicht mehr fertig geworden, also schlafen sie neben den geernteten Kolben
am Feld. Am nächsten Morgen, wir sitzen gerade beim Frühstück,
fährt der Klein-Lkw zum Aufladen ein.
Wir befinden uns im Dorf
Nyakalengija im Rwenzori Gebirge. Von hier gehen die Mehrtageswanderungen
los. Bis zur Margherita Spitze auf 5.087m braucht man schon ein paar Tage.
Träger, Guides und bewaffnete Ranger, denn es ist ein Nationalpark mit
Wildtieren und die Eintrittsgebühren für den Park schlagen mit ca.
120€ /Tag und Person zu Buche.
Wir bleiben im Vorgebirge und erkunden dort die Bergdörfer und deren
steile Wege hoch zu ihren Feldern mit Erdnüssen, Maniok und Süsskartoffeln.
Mit ihren Kleinkindern auf den Rücken geschnallt, mit ausgelatschten
Gummistiefeln oder Flipflops und einer Hacke geht es auf engen, steilen Pfaden
hoch zu den Feldern. Erst am Nachmittag werden sie mit ihrer Ernte im Sack
auf dem Kopf hungrig und müde ins Dorf zurückkehren. Noch etwas
lernen wir, sobald man laufen kann, muss man auch schon was tragen.
Die Parliaments- und Gemeindewahl ist noch immer im Gange. Viele Abende hören wir Ansprachen und Musik aus den Lautsprechern dröhnen. Im pinken Seidenkleid und silbernen, hochhackigen Schuhen hüpft die Gemeinderatskanditatin von einem Stein zum anderen durch das Bachbett. Verena tut sich mit ihren Sportsandalen schon schwer. Das Wahllokal findet man im schattigen Baum vor der Grundschule. Tische und Sessel stehen dort, die wählende Gemeinde steht Schlange. Der Fingerabdruckscanner, der die Leute registriert, funktioniert nicht, weil ja das Internet noch immer teilweise abgeschaltet ist. So dauert es etwas, bis man auf der Wählerliste den richtigen Namen gefunden hat. In einer großen Plastikschüssel darf man dann am Zettelchen ein Kreuzchen machen. Manch ein Gemeindemitglied schielt schief rüber, ob man denn eh das richtige ankreuzt. Zu guter Letzt wird einem noch ein blauer Stempel auf den Finger gedrückt, damit man im Nachbardorf nicht nochmals zur Wahlpalstikschüssel schreitet.
Bevor wir ins nächste Tal fahren, besuchen wir die Kunstausstellung in Kasese. Internationale und nationale Künstler bearbeiten Stein und fertigen Bronze, um daraus Skulpturen zu zaubern.
In Kilembe hat vor 50
Jahren die Kupfermine dichtgemacht. 4000 Menschen haben ihre Arbeit verloren,
das Fangen von Wildtieren, was für sie ganz normal war wurde verboten,
als das Rwenzori Gebirge zum Nationalpark deklariert wurde. Job-Alternativen
gibt es kaum bis keine, ein paar Glückliche sind zu Täger und Rangern
ausgebildet worden. Der Rest hofft auf eine Wiederinbetriebnahme der Mine.
Erwartungsvoll blicken uns die Einheimischen an, als wir durch die Ruinen
spazieren. Unsere jungen Nachbarinnen erwähnen es dann ganz explizit
und schauen dabei den Wolfi an: "YOU will get EVERYTHING you want if
you buy the mine!"
Vor 6 Jahren hat es eine krasse Überschwemmung gegeben. Es müssen
unglaubliche Wassermassen durchs Tal geströmt sein, denn Brücken,
Häuser und Teile der Arbeiterwohnblöcke wurden komplett zerstört.
Wir überqueren wieder einmal den Äquator und befinden uns nun wieder
auf der südlichen Hemisphäre. Eine schöne Weltkugel haben sich
die Ugander dafür geleistet. Allerdings bleibt auch jeder Tourist, der
in den Queen Elizabeth NP möchte, hier stehen. Und Uganda boomt mit Touristen.
Es wird auch Pearl of Africa genannt, das Land ist tatsächlich wunderschön,
abwechslungsreich und absolut sehenswert.

Auf den Weg zum Kasenyi
Lake Retreat sichten wir viele Büffel, Wasserböcke, Kops und Wildschweine.
Die Sonne geht schon unter, im Dorf müssen wir abbiegen. Würde dort
kein Schild stehen, hätten wir es keinesfalls als Zufahrt zum Camp identifiziert.
Über den Dorfmüllplatz, zwischen 2 Baracken unter dem Stromkabel
geht es weiter durch den Busch.
Mitten im NP dürfen die Dorfbewohner Rinder halten, dazwischen haben
sich wilde Büffel eingefunden. Neben den spielenden Kindern laufen 2
Warzenschweine herum. Sie alle sind mit den Gefahren der Wildtiere aufgewachsen,
für sie würde der Straßenverkehr in Europa wahrscheinlich
sehr viel gefährlicher sein. Ackerbau können sie nicht betreiben,
das würden die Elefanten jede Nacht abernten. Also leben alle vom Tilapia-Fischfang
vom Lake Georg.
Kurz vor Erreichen des Camps hören wir einen Fischer schreien, immer wieder schlägt er mit einem Stecken auf den Boden, fuchtelt wild herum. Er ist um den Busch gebogen, wo ein Büffel liegt. Beide haben sich gleichermassen erschreckt. Nun will der Mann ihn mit Lärm vertreiben, was auch funktioniert.
Wir parken direkt am Ufer, vor uns grunzen die Hippos, hinter uns grasen die Kops und die Wildschweine. Die Vogelvielfalt ist enorm und der Schrei des Schreiseeadlers lässt Wolfis Herz höher schlagen. Am Nachmittag kommt eine Herde Elefanten vorbei. Nur 100m von uns entfernt, trinken die ca. 50 Tiere am Seeufer. Das Gras ist sehr kurz, also müssen die Bäume dran glauben. Die Blätter der dünnen Äste und auch das Holz verschwindet in ihren Mäulern.
Verena bäckt herrlich duftende Grisini, weiß sie doch, dass am Abend zum Sundowner Besuch kommt. Ein alterschwacher Büffel kommt vorbei und auch das Hippo trottet eher unelegant aus dem Wasser, markiert gleich mal die Blumentöpfe vor unserem Pavillon und spielt Rasenmäher.
Als es dunkel wird, will
uns Phirimon die Kops zwischen den Bungalows zeigen. Jede Nacht kommen sie
hierher zum Schlafen. Sie wissen wahrscheinlich, dass die Löwen die Menschen
meiden und fühlen sich sicher, so meint es der Caretaker. Mit unserer
Taschenlampe leuchten wir die vielen Tiere ab und wir können eigentlich
nur das Leuchten der Augen erkennen. Hunderte Augenpaare sind auf uns gerichtet.
Später am Feuer hören wir einige Hyänen
miteinander kommunizieren, weit weg sind sie nicht. Auch die Hippos hören
wir genüsslich schmatzen.
Nach 3 Tagen wollen wir aufbrechen, doch es ist kalt, es regnet dicke Tropfen und die schwarze Erde ist super schmierig. Wir hatten es gerade mal 3 Wochen trocken, nun soll bereits die nächste Regenzeit beginnen? Zumindest meint das Phirimon. Sollen wir wirklich weiterfahren?
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Definitv empfehlenswert, dieser Reisführer für Uganda!