Uganda
25.11. - 29.12.2025
Währung: 1 Euro = 4.000
UGX (Uganda Shilling)
Dieselpreis: 1l = 4700 UGX
Einreiseort: Suam Border

Äußerlich versuchend ruhig zu wirken, sitzen wir doch etwas angespannt vor dem kenianischen Zollbeamten. Alle möglichen Ausreden haben wir uns zurechtgelegt auf die Frage hin, wieso denn das Fahrzeug mehr als die "angeblich erlaubten" 90 Tage im Land gewesen sei. Unsere zurechtgelegte Strategie klingt gut. Doch dann... kommt die Frage gar nicht, es interessiert ihm überhaupt nicht, dass Amigo fast 300 Tage da war. Wahrscheinlich ist das mit den 90 Tagen Aufenthaltsdauer fürs Fahrzeug ein Gerücht, welches sich hartnäckig hält. Gefragt haben wir ihn nicht. Er drückt den Ausreisestempel in unser Carnet und wünscht eine gute Weiterfahrt. Goodbye KENIA - welcome UGANDA!
In Uganda ist die Hälfte vom riesengroßen Grenzgebäude leer. Nur 1 Schalter von dreien ist geöffnet, wir sind die einzigen Grenzgänger. Mit dem ausgedruckten e-Visa bekommen wir den Visasticker mit einem Aufenthalt von 90 Tagen in den Pass geklebt und weiter geht es zum Zoll. Jedoch sind dort alle Schalter verwaist, niemand ist hier. Auf Anfrage erzählt man uns, dass gerade ein Meeting begonnen hat, wir sollen doch etwas warten. 30 Minuten vergehen, 1 Stunde vergeht.... vielleicht sollten wir inzwischen mal Geld wechseln? Denn ATM gibt es keinen und von der iOverlander App wissen wir, dass die Road tax in Uganda Shilling bezahlt werden muss. Irgendwann wird es uns zu blöd und wir suchen den Raum, wo die Konferenz stattfindet. Prompt springt einer der Anwesenden auf und vertröstet uns noch um einige Minuten. Danach geht alles sehr schnell, ein TIP wird ausgestellt und wir müssen die Straßengebühren im Ort bei der Bank einzahlen. Immer wieder wird man in Afrika aufs Neue überrascht, in all den 7 Jahren haben wir noch nie eine Bank in einem ausrangiertem Lkw-Aufbau gesehen.
Es ist mittlerweile schon später Nachmittag, in einer Kurve finden wir
eine ebene Fläche, sogar mit Aussicht auf das Elgon Gebirge und einem letzten
Blick auf Kenia. Die Dorfkinder haben uns sofort entdeckt, schüchtern stehen
sie vorm Eingang. Sie sprechen hervorragend Englisch. Sie erklären uns,
dass es in Uganda viele Tribes mit unterschiedlichen Sprachen gibt und sie zu
dem Volk der Sebei gehören. Die ca. 10jährigen Jungs erzählen
uns ganz stolz, dass sie im Dorf nun Strom bekommen haben und auch die Straße
mit dem Asphalt neu sei, ja der Präsident ist gut.
Es wird mehr Verkehr aus dem Südsudan erwartet, deswegen wurde diese Bergstraße rund um den Mt. Elgon von den Chinesen neu gebaut. Durch den Regen sind einige Erdrutsche abgegangen, die noch nicht weggeräumt sind, es gibt sogar Leitschienen, es wurde nicht gekleckert sondern ganze Arbeit geleistet. Oft haben wir tolle Ausblicke auf die Hügeln rundum, voll mit kleinen Höfen und Feldern. In der Ferne ist der Mt. Kadam zu erkennen, ein sehr markanter erloschener Vulkan. Schön ist es!

In Sipi parken wir uns bei Moses ein. Wir befinden uns auf einer Höhe von 1.799m, die Temperaturen sind angenehm um die 28°C tagsüber und herrliche 18°C in der Nacht. Von unserer Terrasse aus haben wir einen tollen Blick auf den 100m hohen herabstürzenden Wasserfall. Insgesamt soll es 3 davon geben. Die Meerkatzen besuchen uns jeden Morgen, nehmen Amigos Dach als Anlaufbrett und schwingen sich dann gekonnt vor unserem Schlafzimmerfenster hinauf in den Baum. Mit der Schaufel räumen wir noch vor dem Frühstück die Hinterlassenschaft der Bande weg...
Sobald wir durch das Dorf
spazieren, werden wir von den vielen lästigen Guides umringt, jeder will
uns eine andere Tour verkaufen. Nein danke!
Wir erkunden gerne alleine in unserem Tempo das Gebiet. Jedes Haus hat einen
Garten mit Bananen- und Kaffeesträuchern. Ein Teil der Ernte liegt zum
Trocknen aus. Der Rohkaffee wird dann an die Zwischenhändler weiterverkauft.
Wir kehren am Viewpoint bei Marine ein, sie kocht uns den ersten ugandischen
Kaffee. Er schmeckt herrlich! Bis jetzt haben wir die Erfahrung gemacht, dass
guter Kaffee aus afrikanischen Länder meist exportiert wird und nur der
"Schrott" im Land bleibt. Schön, dass es hier anders ist.
Neben uns parken Jessie & Flo aus Deutschland, sie sind mit einem Mietcamper schon einige Wochen in Unganda unterwegs. Wir verbringen eine nette Zeit mit den beiden.
Heute geht es weiter. Runter
in die Tiefebene. Es wird etwas trockener und die Dörfer liegen weiter
auseinander. Unser Kühlschrank macht seinen Job nicht so, wie er es machen
sollte. Das Ersatzteil aus Südafrika wird in die Stadt Jinja geliefert
und das wird sicher einige Zeit dauern.
Im Dorf wird eine Ziege geschlachtet und ausgenommen. Nebenan gibt es Rollex
zu kaufen. Chapatifladen in denen verquirlte Eier gerollt werden. Es riecht
von allen Seiten nach Essen. Es wird wieder direkt neben der Straße gekocht
und verkauft, was uns sehr symphatisch ist, denn man sieht, was man bekommt.
Vor der Hütte sitzt Ritas Sohn und sortiert die schlechten Bohnen aus.
Die guten kommen in den Topf und später in das Chapati, welches dann fritiert
wird. Um 17.00 Uhr soll die Leckerei fertig sein und wir versprechen zu kommen.
Rita freut sich über die ausländischen Gäste.
Moroto - das Gebiet der
Karamoja. In der 20.000 Einwohner Stadt ist die Welthungerhilfe, die UNO, die
GIZ und diverse andere Hilfsorganisationen vertreten. Die neue Markthalle ist
überdiemensioniert, die meisten betonierten Verkaufsstände sind leer.
Wahrscheinlich müssen die Verkäufer eine kleine Miete bezahlen, die
sie sich nicht leisten können, deswegen werden Tücher und Planen am
Boden ausgebreitet und darauf Obst und Gemüse angeboten. Die Auswahl ist
bescheiden. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass es im gesamten Norden
fast nichts mehr zu kaufen gibt und im Vergleich dazu, das Marktangebot hier
richtig reichhaltig ist. Gegenüber steht eine große Kirche, nein
eher eine Kathedrale.
Bei unseren morgendlichen Spaziergängen gibt es immer viel zu entdecken.
Es sind Ferien und die Kinder müssen bei der alltäglichen Arbeit mithelfen.
Josef ist mit seinen 3 Ziegen auf Tour. Der kleine Bub pumpt am Brunnen, während
seine Mama Steine kleinklopft, die dann als Schotter verkauft werden.
Das Radio mit Solarpanel hat momentan genug Strom, denn es plärrt laute
afrikanische Musik am Arm des vorbeigehenden Mannes. Das Frühstücklieferservice
zieht an den Häusern vorbei. Es gibt selbstgebackene Samosas und Bananenpfannkuchen
aus Kübeln. Sehr praktisch.
Wir freuen uns aufs Weiterfahren. Die Gegend wird immer trockener und einsamer. Das ganze Jahr über fällt nur wenig Regen. Leider gibt es viele Buschbrände, sodass die Wildtiere momentan abgewandert sind, erzählt uns der Soldat am Checkpoint. Später erfahren wir, dass dies alles nur der Wilderei wegen getan wird. Die Brände entzünden sich nicht selber, sie werden gelegt, denn wenn das Gras nicht so hoch ist, sieht man das Wild leichter und auch die Schlingen sind einfacher zu legen.
Die Piste ist in gutem Zustand.
Der Simmering für die Radnabe tropft immer mehr. Sollen wir umdrehen? Es
liegen noch ca. 800km abgelegene Region vor uns. Doch Wolfi meint, dass wir
das schon schaffen, im nächsten Dorf gibt es noch eine Tankstelle, dort
werden wir versuchen, Getriebeöl zu kaufen, damit wir den Ölverlust
ausgleichen können, falls es notwendig wird.
Dafür wird das tägliche Bushcamping zur Herausforderung, wenn es abends
in der Nähe noch brennt.

Heute Morgen wollen wir
zum Fluss. Ein Trampelpfad marschieren wir entlang, sehr viel Elefantendung
liegt am Weg. Wie frisch ist er? Durch die trockene Hitze und den ständigen
Wind, trocknen die Hinterlassenschaften sofort aus und für uns Hobbyspurenleser
ist es schwierig, den Zeitpunkt des Abwurfes zu bestimmen, denn dadurch wissen
wir ungefähr, wie weit die Herde entfernt ist.
Das Flussbett ist trocken. In der Mitte graben die Hirtenvölker Löcher
in den Sand, um zu Wasser zu gelangen. Beim Rückmarsch treffen wir auf
2 Karamojamädchen. Sie sind auf der Suche nach Holz zum Kochen und dann
deutet eines der Mädchen rechts in die Ferne. Eine kleine Elefantengruppe.
"Lass uns leise sein und einen Bogen herum machen", meint es.
Die Karamoja sind ein halbnomadisches Hirtenvolk, Kühe und Ziegen bedeuten ihnen alles. Das ganze Denken um Werte und Bezahlungen spielt sich in Stück Vieh ab. Jahrzehntelang war Viehdiebstahl unter den verschiedenen Hirtenvölkern ganz normal. Nach dem Bürgerkrieg in den 70er Jahren waren AK 47 Gewehre allgegenwärtig und damit wurde auf Viehdiebe geschossen oder waren hilfreich, wenn es selbst auf Raubzug ging. Vor einigen Jahren hat ein Entwaffnungsprogramm der ugandischen Regierung stattgefunden und es wurde schlagartig ruhiger. Alternative Einkommensmöglichkeiten gibt es hier weit und breit keine, in einer Region die von chronischer Dürre geplagt wird, bleiben letztendlich nur die spärlichen Einnahmen von Vieh und Landwirtschaft, welches gerade so reicht oder auch nicht. Die Menschen betteln nach Essen. Das vergessene Volk in der vergessenen Region des Landes... zumindest haben wir so das Gefühl. Wie lange das noch so bleiben wird? Gerüchte von reichhaltigen Bodenschätzen in dieser Gegend gehen um.
Kilometerweit marschieren hunderte Menschen der Piste entlang. Das kann eigentlich nur eines bedeuten, im kommenden Dorf ist Wochenmarkt. Der Markt ist Treffpunkt, Austausch von Neuigkeiten, Heiratsmarkt und noch viel mehr - der wöchentliche Höhepunkt. Das Markenzeichen der Karamajong ist das karierte Tuch und der bunte Hut der Männer.
Tolle Savannenlandschaft! Die Häuser sind aus Lehm gebaut, die Dächer aus getrocknetem Gras. Ganze Familien sind im Schottergeschäft tätig und machen aus großen Felsen kleine Steinchen. Regelmäßig wird Grillkohle gemacht, welche in großen Säcken verpackt wird. Wenn die Männer zum Viehmarkt unterwegs sind, werden die Kühe und Ziegen auf die Lkws gepfercht, auf denen auch die Grillkohlesäcke Platz finden. Wieder einmal nehmen wir eine Abkürzung, zum Glück ist es trocken, denn die zuerst gute Piste wird zum Wanderweg.
Die Hirse ist reif und die
Frauen kochen das vermaischte Getreide über dem Feuer... Das Hirsebier
hält sich nur wenige Tage, aber das ist kein Problem, denn das Hirtenvolk
liebt das Gebräu. Mitten im Dorf steht eine quasi Regentonne voll mit Bier.
Die Bierbräuerin verkauft nun Becherweise das gewöhnungsbedürftig
schmeckende Getränk. Nur wenige Shilling kostet es und ist der Plastikbecher
leer, wird er aufgefüllt und an den nächsten weitergegeben.
Am Dorfplatz stehen schiefe Bretterbuden, in denen Alltagssachen verkauft werden.
Secondhand-Klamotten und chinesische Plastikschuhe versus handgemachte Reifensandalen.
Wolfi findet Gefallen und kann sich nicht entscheiden, ob Gucci Flipflops oder
Louis Vuitton Schlappen.
Kaboong ist eine tolle Gegend. Viele unterschiedlich hohe Hügelketten, dazwischen bizarre Granitfelsen, das leuchtende Gelb der Gräser, die im Wind wehen. Wir parken neben der Piste. Gegenüber ist ein großer Felsen, Treffpunkt und Aussichtspunkt der Krieger, von hier aus sieht man übers ganze Umland und kann eine nahende Gefahr frühzeitig erkennen, den ganzen Tag wird abwechselnd Wache gehalten. "Nein heute kommen keine Viehdiebe mehr aus Kenia!" meinen sie, als es später Nachmittag wird. Wolfi ist mittendrin und es wird mit Händen, Füßen und etwas Englisch über alles mögliche geratscht, bis die Sonne unter und der Vollmond aufgeht. Tiefrot und sehr groß erscheint er uns heute. Sobald es dunkel ist, verschwinden die wachsamen Krieger in ihre Kraals. Das sind Hüttenansammlungen auf engstem Raum, die außenrum mit meterhohem Dornengestrüpp als Zaun gesichert sind. Auch das Vieh muss jede Nacht zwischen die Hütten hinter den Zaun. Morgens wird das kleine Eingangstor aus starken Ästen für Mensch und Tier wieder geöffnet.
Im letzten Dorf vor dem Kidepo Nationalpark versuchen wir einen Guide für eine Tagestour auf den Berg Morungole anzuheuern. Sofort sind wir umringt und jeder bietet sich an. Es macht aber den Anschein, als ob keiner eine Ahnung davon hat, was wir wollen, doch sie sehen in uns eine schnelle Einkommensmöglichkeit. Uns ist das alles zu vage, viele haben nicht mal Schuhe und ob sie wirklich den Weg auf den Berg kennen, sei dahingestellt. Wir verabschieden uns von der Wanderung und von den Dorfbewohnern.
Kurz vor dem NP parken wir uns ein. Zäune gibt es nicht und so hoffen wir
auf ein paar Tiersichtungen. Außer ganz vielen Tsetse Fliegen sehen wir
nichts. Da diese die tödliche Schlafkrankheit übertragen, setzen wir
uns selbst für den restlichen Tag unter Hausarrest. Kommendes Wochenende
ist der 2. Advent und so wollen wir heute Nachmittag Kekse backen. Vielleicht
locken wir mit dem Duft Elefanten oder Büffel an? Der Kühlschrank
schaltet sehr unregelmäßig und das Gefrierfach friert nicht mehr
richtig tief, die eingefrorene Butter muss weg. Mürbteig bei 40°C Außentemperatur
ist eine wahre Herausforderung.
Am nächsten Morgen gehts dann los zu unserer täglichen Runde, zum
Glück sind die Fliegen noch nicht aktiv. Wir kommen am Eingangstor zum
NP mit einem elektrischem Schranken vorbei, Strom gibt es aber keinen. Bei einem
Eintrittspreis von 300,- USD verzichten wir auf den Park.

Beim Nga Moru Camp, das
von Mutter, Tochter und Enkeltochter geführt wird, parken wir uns auf deren
Wiese. Ihre wenigen Bungalows sehen etwas ungepflegt aus, das Wasser rinnt nicht
und erst im Jänner haben sie eine Unterkunft durch Buschbrand verloren.
Die 3 Frauen setzen voll auf Frauenpower. Die Regierung hat 3 bewaffnete Ranger
auf die Farm gesetzt, um sie vor Wilderern und Wildtieren zu schützen.
Hinter uns im Steingarten liegen 3 Puffottern im Schatten und verdauen wahrscheinlich.
Die Schlangen sind derzeit sehr rege, sie sind hungrig, denn während der
Regenzeit haben sie geschlafen und die ist nun vorbei. Also nur mit Stock und
Adlerauge durch die Gegend marschieren.
Die Aussicht auf die Ebene in den Nationalpark ist wunderschön. Mit dem
Fernglas können wir große Büffelherden, Giraffen, Zebras und
Warzenschweine erkennen. Noch weiter im Norden ist die Grenze zum Südsudan.
"Wir sollen uns vor den Büffeln in Acht nehmen", meint Brenda.
Sie seien leider etwas aggressiv, denn es wird sehr viel gewildert. Der Südsudan
ist arm, auch der Norden von Kenia ist arm und Buschfleisch ist ein guter und
günstiger zusätzlicher Sattmacher. "All das Buschfeuer, das jede
Nacht entzündet wird, wird von den Wilderern gelegt". Erst heute Morgen
haben wir einen Schuss gehört. Das stört hier niemanden, denn sie
arbeiten alle zusammen. Abgelegen bedeutet nicht immer tierreich.
Wolfis Lieblingsposition
ist nun am Podest unseres Eingangs. Die Kühlbox haben wir aus der Halterung
genommen und sie steht mitten im Weg. Das Magnetventil lässt sich meist
nur noch händisch zwischen Kühl- und Gefrierabteilung schalten. 2
Tage lang plagt er sich damit ab und dann geht gar nichts mehr. Es gibt ein
Festessen, das eingefrorene Fleisch und Teigtaschen müssen verzehrt werden
und wir sind zuversichtlich, das Käse und Salami bis zur nächsten
Stadt halten, wo wir auf Eisblöcke hoffen.
Also verabschieden wir uns früher, als gedacht von den Frauen und machen
uns auf den Weg nach Kitgum, der Provinzhauptstadt. Sonnenblumenfelder, Maniok,
Bananen, Hirse und Mais werden in der Gegend nach dem NP angepflanzt. Zum Glück
regnet es nicht, denn die Piste ist nicht sonderlich gut. Hier wohnt das Volk
der Acholi.
Der schlimme Rebellenkieg unter Führung von Josef Kony ist noch heute fest
in den Köpfen verankert. Tausende von Kindern wurden entführt, auf
schlimmste Weise zu Kindersoldaten ausgebildet, ihr altes Dorf war nun ihr Feind
und obendrein wurden die Mädchen zur Prostitution gezwungen. Seit ca. 10
Jahren ist nun Frieden, eine Wiedereingliederung der ehemaligen geschändeten
Kindersoldaten in ihr altes Dorf ist schwierig. Nach Kony wird weltweit gefandet
mit einem internationalen Haftbefehl, allerdings ist er erfolgreich untergetaucht.

In der Stadt fragen wir nach ice cubes, das versteht keiner. Fragend blicken
sie uns an. Der dritte Mann klärt uns dann auf, dass wir nach ice oder
ice block fragen sollen, jedoch bekommen wir in dieser Stadt ohnehin kein Eis,
sowas gibt es hier nicht. Vielleicht in der nächsten, spätestens in
Lira, das ist dann 150km entfernt.
Gekocht wird vor dem Haus, das Holz lodert und im Topf darin wird Maniok frittiert.
Daneben bereits am Ofen in Stehhöhe werden Mandazi (so ähnlich wie
Krapfen) und Samosa (gefüllte Teigtaschen) angeboten. Wir machen uns mit
getrockneten Silberfischen aus den Viktoriasee vermengt mit Erdnusspaste vertraut.
Die Ernüsse werden auf Steinen verrieben, wie anno dazumal. Es wird nicht
unser Lieblingsgericht.
Weihnachten naht und Wolfi will seiner Verena neue Unterwäsche kaufen.
Sie kann sich was aussuchen! Dankend lehnt sie ab.
Der gute Aspahlt geht weiter über Galu und nach Kampala, wir biegen jedoch ab nach Lira und finden uns einige Kilometer später auf übelster Piste wieder. Superholprig mit unterschiedlich großen Löchern, Matschpassagen und nicht vertrauenserweckenden Brücken. Jedoch ist die Landschaft nett und das Alltagsleben spielt sich direkt vor uns und am am Straßenrand ab. Werkstätten sind leicht auszumachen, denn deren Vorhof staubt nie, da der Boden ölverschmiert ist. 100 Hühner auf einem Motorrad? Es gibt nichts, was es nicht gibt! Außer dem Foto dazu, dass haben wir verpasst.


Und plötzlich aus dem
Nichts stehen wir auf einer Asphaltstraße vom Feinsten. Viele fette Baumaschinen,
4 Achskipper und tolle betonierte Wassergräben. Das wird was, wenn es fertig
ist. Generell können wir feststellen, dass die Pisten und Straßen
in Uganda meistens in tollen Zustand sind. Viele pseudomäßig neuen
Straßen in Afrika sind von so schrottiger Qualität, dass das Ende
schon vorhersehbar ist, bevor die Farbe der Mittelstreifen trocken ist.
Es wird bald finster und wir fragen bei der Uni an, ob wir auf deren Gelände
parken dürfen. Die Schulen im Lande sind immer sehr ordentlich mit großer
Rasenfläche und bunt blühenden Bäumen. Da will doch jedes Kind
hin, oder? Schwester Margharete entscheidet, dass wir willkommen sind, jedoch
macht sie sich um unsere Sicherheit Sorgen. Wir sollen doch 10m weiter unter
die Straßenlaterne parken. Schließlich können wir sie überzeugen,
dass wir unsere Haustür Nachts eh zusperren.
Am Abend kommt noch der Uni-Direktor vorbei und wir staunen nicht schlecht,
dass er schon mehrmals Urlaub in Oberösterreich gemacht hat. Er hat in
Italien studiert und ist dann etwas in den Nachbarländern herumgereist.
Da hat er seine Liebe für Österreich entdeckt.
Heute Nacht regnet es wie aus Kübeln. Ach, was wir doch Glück hatten,
dass wir die letzten 50km trocken hinter uns bringen konnten. Jeden Tag soll
es nun regnen, bevorzugt nachts. Heftige Wolkenbrüche mit Blitz und Donner.
Später erfahren wir, dass der ganze November trocken war, obwohl da Regenzeit
gewesen wäre und der normalerweise trockene Dezember nun dafür nass
ist.
In der Stadt Lira bekommen
wir endlich einen Eisblock. In der 3. Reihe beim engen Eingang im Innenhof,
nur mit Hilfe der Einheimischen zu finden. Die Salami und der Käse kühlen
langsam wieder runter. 3 Tage hält so ein Block. Das heißt, dass
wir ruhigen Gewissens unsere Verabredung einhalten können. Wir treffen
uns mit Landsleuten abseits von Infrastruktur, also sprich kein Eis.
Vom DHL Büro haben wir schon vor Tagen einen Anruf bekommen, dass das Magnetventil
eingetroffen ist, viel schneller als gedacht. Es wird noch ein paar Tage dauern,
bis wir es abholen werden.
Lira ist eine quirlige Stadt, uns gefällt das Bummeln im geordneten Chaos.
Bei der Eierverkäuferin schlagen wir zu. Die Backwarenverkäuferin
hat neue Lieferung bekommen, jedoch noch keine Lust verspürt, die Ware
zu verräumen. Wieso denn auch? Es wird ja ohnehin verkauft, ob sie sich
nun für das mit Schoko versetzte Toastbrot bücken oder es aus dem
Regal ziehen muss, ist ihr herzlich egal. Weder Toastbrot mit Orangengeschmack
noch gezuckertes lacht uns an. Nein danke, vielleicht morgen.
Hirsebier aus dem Strohhalm genossen mit einem Brettspiel und ein Plausch dazu
- die Lieblingsbeschäftigung vieler Männer.
Weitläufig um den Kyogo
See ist Sumpfgebiet, großflächig wird Reis angebaut. Süsskartoffeln,
Tomaten, Mandarinen, Mangos........die Vielfalt ist groß.
Weit ist es nicht mehr zu den Rock paintings, den Felsmalereien, dort am Parkplatz
treffen wir uns mit Evelyne & Manfred. Es gibt viel zum Quascheln und die
Zeit verfliegt dabei.
Die Umgebung ist traumhaft. Riesige Granitblöcke, dazwischen die kleinen
Bauernhöfe. Die Dorfbevölkerung freut sich über die morgendlichen
Spaziergänger. Bunt bemalte Häuserfasaden, das Dach ist neu gedeckt.
Der Papa präsentiert uns stolz seine hübschen Kinder.
Die beiden fahren in den Norden, während wir unsere Reise in den Süden fortsetzen. In Mbale decken wir uns mit ugandischem Kaffee ein, gehen Mittagessen (Bohnen mit Fladenbrot und Lamm mit Kochbananen), fragen uns den Weg durch, wo wir wieder einen Eisblock erstehen können. Im Hinterhof im 3. Stock rechts hinten im Gang, dann stehen wir bei einer muslimischen Frau in deren Küche. Ein uralter Gefrierschrank ist prall gefüllt mit Eisblöcken in Plastiksäcken. Eigentlich könnte sie die Eisschicht im Gefrierabteil auch schon als Eisblock verkaufen, wenn sie diese herunterschneiden würde.
Endlich sind wir in Jinja. Der Simmering hält sich noch immer gut, muss er auch, denn ein Ersatz wird erst am 10.1. mit Rebecca eintreffen. Aber das Päckchen für den Kühlschrank liegt im DHL Büro. Eine Adresse von einem Kühltechniker haben wir schon im Vorfeld recherchiert. Unweit der Kirche soll es sein. Bei den Mopedtaxifahrern fragen wir nach Dickson. Es wird telefoniert und 2min später kommt er uns abholen. In einem Privathaus hat er sich im Hintergebäude einen Raum gemietet, wo er die Kühlschränke reparieren kann, wenn er es nicht vor Ort macht. Wir haben das Gefühl, dass er weiß was er tut. Das Magnetventil wird ausgetauscht und die Blockade aus der Leitung gespült, es kommt neues Gas rein und voilà.... nach 3 Stunden funktioniert er wieder! Juhuu....wir können wieder shoppen gehen und das Weihnachtsessen ist auch gerettet! Es gibt Fleisch zum Gemüse!
Jinja gefällt uns sehr gut, wir bleiben ein paar Tage. Erkunden die gute Gegend am Seeufer, beäugen die vielen Tausend Spinnen, die ihre Netze ineinander verzweigt gebaut haben und haben das Gefühl,dass auch sie uns beobachten. Die alten indischen Häuser haben einen morbiden Charme. Die neue Brücke über den Nil ist eine große Erleichterung für den vielen Verkehr.
Wir bummeln in den Souvenierläden und erkunden den riesigen zentralen Markt, der eigentlich eine Stadt in der Stadt ist. Jeder Berufszweig hat sein eigenes Areal in der 4stöckigen Halle. Die Bügler und Schneider, die Stoffverkäufer und Haushaltswarenabteilung. Gemüse und Obst, die Elektronik wird in vielen kleinen Verkaufstheken angeboten. Wo finden wir frischen Fisch? Im 1. Stock kaufen wir Tilapia. Die Fleischabteilung ist einen Stock höher. Lebendige Hühner, halbe Rinderhälften, Ziegenmägen und eine halbe Pute hängen am Baustahlgitter. Die Jackfrucht ist reif und jeden Tag kaufen wir ein Stück davon, herrlich! Sogar Glitzergirlanden, Lametta und Plastikweihnachtsbäume gibt es zum Erstehen.
Im Viktoriasee ist der Ursprung
des Nils, von hier aus nimmt seine 6.853 km lange Reise seinen Anfang, bis er
"oben" im Mittelmeer mündet. Auf der anderen Uferseite parken
wir uns neben dem Handygarten, denn die Jungs kommen nachmittags zum Handy schauen
vorbei. Gemütlich liegen sie in der Wiese, wahrscheinlich gibt es hier
von irgendwoher freies WiFi.
Der Spaziergang durch die Ansiedlungen ist toll. Tiefrote Erde und grüne
Bananenstauden, die Mangobäume haben schon kleine Früchte drauf, die
Ananas reifen heran, die Kaffeepflanzen haben gleichzeitig Beeren und Blüten,
die herrlich duften. 3 Frauen sitzen im Erdnussacker und zupfen die Nüsse
von den Stengeln. Wir bekommen eine Kostprobe.
In der Oldie Bar wollen wir einen Blick auf den Nil erspähen und treffen
auf Kevin. Die lebenslustige Ugandarin verblüfft uns mit wunderschönem
Deutsch. Sie hat einige Jahre in Stuttgart gewohnt, ihre Kinder sind noch immer
dort. Wir quasseln und quasseln, wir fragen nach dem Wahlausgang. Mitte Jänner
ist in Uganda Präsidentschaftswahl und es gibt vereinzelt Warnungen, dass
es nicht ganz ruhig bleiben könnte. Erst kürzlich waren Wahlen im
Nachbarland Tansania und dort ist es zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen.
Nein, ausreisen wollen wir nicht, denn Uganda gefällt uns sehr gut, wir
wollen noch viel mehr vom Land sehen. Kevin gibt uns einen guten Tip mit auf
den Weg und meint: "Habt keine Ahnung und keine Meinung!" Redet über
die schönen Blumen und das tolle Wetter, aber nicht über Politik.
Und sie weiß, von was sie redet, denn sie wurde vor einiger Zeit abgeholt,
weil sie etwas gesagt hat, was sie sich lieber denken hätte sollen.
Verena ist am Salat machen, als ein 3 Achs MAN an uns vorbeifährt und anhält. Silvia & Hans Peter aus Deutschland, sie kommen gerade aus Kenia. Die beiden sind im Westen Afrikas runtergefahren und nun im Osten hoch, so wie wir. Es gibt viel Gesprächsstoff und die Zeit vergeht viel zu schnell. Alle guten Dinge sind drei, denn es kommt noch ein Mercedes angefahren. Monika & Christian aus Tirol, auch am gleichen Weg unterwegs wie wir. Das gibt es doch nicht. Da treffen wir an einem Tag gleich 2 Overlander. Leider haben wir heute Abend eine Verabredung, sodass wir uns nach ein paar Stunden verabschieden müssen.

Wir haben Markus aus Linz
vor ein paar Tagen getroffen, er lädt uns zum Pizzaessen ein. Aus dem Gasofen
schmeckt die napolitanische Pizza perfekt, wie aus dem Holzofen. Markus hat
sich selbst übertroffen!
Am Morgen werden wir vom Muezzin geweckt, die Musik aus der Bar dröhnt
auch noch oder schon wieder, auch die Kirchen haben große Boxen, wo ihre
Musik sich überschlägt. Der Lärmpegel in der Stadt ist schon
gewaltig.
Als wir am nächsten
Tag auf unser ausgesuchtes Weihnachtscamp "The Haven" am Nil zufahren,
wissen wir, dass wir nicht die einzigen Overlander sind. Auf der feuchten Piste
sind deutlich Lastwagenspuren zu erkennen. Monika & Christian erwarten uns
schon. Nett ist es am Platz, eine schöne Wiese direkt am Nil, der hier
eher gemächlich vorbeifließt. Die Fischer sind mit ihren Holzbooten
unterwegs, leider kommen sie nie mit einem Nilbarsch vorbei, wahrscheinlich
werden sie keinen fangen. Rar sind sie geworden, erklären uns ein paar
Einheimische. Die Stromschnellen, die man vom Restaurant gut sehen kann, waren
vor dem Bau des 250 Megawatt Staudammes viel reißender. Nun sind sie unter
der Wasseroberfläche verschwunden.
Am Morgen werden wir von Vogelgezwitscher geweckt, auch die Rotstummelaffen
hanteln sich von Ast zu Ast. Die reifen Jackfrüchte lieben sie genauso,
wie wir. Die ganze Nacht werden wir von quakenden Fröschen beschallt. Sie
sitzen überall, im Türscharnier, am Fensterbankerl... 2 Wochen später
finden wir noch immer lebendige Frösche im Keller und im Führerhaus.
Einige von ihnen passen sich der Hintergrundfarbe an, ähnlich wie ein Chamäleon.
Meist bei Frühnebel marschiern wir Morgens los, 1 Stunde später scheint dann schon die Sonne, grad recht zum Frühstück. Das Leben im Dorf beginnt gemächlich. Kleine Pfannkuchen aus Kochbananen werden gebacken, am Dorfbrunnen wird angestanden, die Kühe erfreuen sich an den welken Bananenstämmen, vor den Häusern wird gekehrt und die vielen Kinder begrüßen uns mit "how are you wazungu?" im Chor. Es wird auch in den nächsten Tagen nicht besser, obwohl sie uns nun eigentlich kennen sollten. Die vielen Kinder haben echt Ausdauer und es dürfte eine Art Sport sein. Ein Kind schreit Muzungu und die anderen erschallen im Chor und aus jeder engen Gasse oder Hüttentüre erscheinen ein paar Kinder. "Austria", ja das kennt er, meint der freche kleine Dorfjunge, nämlich von "tikitoki". Ein anderer kichert und deutet auf unser Gesicht "long nose". Ja, sie sind definitiv länger, aber auch schmäler ;-)
Morgen ist Weihnachten. Wir basteln und dekorieren. Es soll ja gemütlich
sein. Am Lagerfeuer gibt es weihnachtlichen Nussschnaps zur Einstimmung von
den Nachbarn.
24.12: Semmeln und Salzstangerl werden gebacken, Aufstriche vorbereitet und
das Hauswürstl aus Österreich aufgeschnitten. Mit Weihnachtsmusik,
Weihrauchduft und Rotwein bringen wir uns in Weihnachtsstimmung. Auch die Weihnachtstage
verwöhnen wir uns mit kulinarischen Köstlichkeiten. Rogan Josh, ein
indisches Lammgericht und ganz dekadent wird ein Rinderfilet als Suppenfleisch
gekocht und mit Kernöl sauer gemacht, dazu frisch gebackenes Sauerteigbrot.
Der Pastor vom Dorf lädt uns zur Weihnachtsmesse ein. 11 Erwachsene inklusive Verena und doppelt so viele Kinder finden sich im Rohbau ein. Plastiksessel werden aufgestellt, auf der Leinwand steht in großer Schrift "Merry Christmas 2025" von Tiktok und die Lesung kommt von der digitalen Bibel vom Handy. Anstatt Weihnachtskugeln ist die Halle mit Luftballons dekoriert, die nacheinander mit lautem Knall platzen. Aus den Lautsprechern klingen Weihnachtslieder, dazu wird gesungen und getanzt. Der Pastor der Dreifaltigkeitskirche ist eher Showman, mit Hüftschwung und Drehungen singt er wie beim Karaoke mit dem Mikro zum Weihnachtslied. Die Stimme aus dem Lautsprecher ist weiblich, das stört aber niemanden.
Eigentlich wollten wir noch
über den Jahreswechsel in the Haven bleiben, jedoch haben wir einen Tipp
bekommen, eine Vanille Farm sollte in der Umgebung sein und so machen wir uns
auf die Suche nach ihr.
Actionmodus an: "Werden wir sie finden?" Actionmodus aus.
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Definitv empfehlenswert, dieser Reisführer für Uganda!