Österreich 3
20.07. - 26.09.2025

Das Wetter ist bescheiden, kalt und regnerisch. Dennoch spazieren wir der Salzach entlang, die das deutsche Laufen von der österreichischen Ortschaft Oberndorf trennt. DAS Weihnachtslied schlechthin wurde hier komponiert und zum ersten Mal uraufgeführt. Viele Leute hatten bei der Premiere nicht Platz, denn die Kirche ist sehr klein.
Die kurzen Regenpausen nutzen wir, um den Mond- und Attersee zu erkunden.
Am Abend haben wir eine Verabredung mit einem alten Reisefreund, Wolfgang
haben wir vor vielen Jahren mit Fragen über unseren heutigen Lifestyle
gelöchert, denn er führte ihn dazumal schon so. Danke für deine
Gastfreundschaft und dem tollen Essen.
Am Traunsee besuchen wir Hubert & Renate, die wir das letzte Mal in Südafrika
getroffen haben.
Noch einen kurzen Abstecher zum Campingladen in Linz und dann sind wir schon
bei Verenas Schwester in Oberösterreich. Unsere 10jährige Nichte
Pia zeigt uns die Innenstadt von Linz, es gibt viel zu Quatschen und wir genießen
die gemeinsame Zeit.

Auf dem Weg nach Kärnten kommen wir in ein Hagelunwetter. Die mittelgroßen Eisbällchen legen den kompletten Verkehr lahm. Die Autofahrer suchen Schutz unter den Bäumen, der Amica macht das nichts, denn sie ist schon Hagelerprobt vom letzten Jahr, einige Dellen zieren ihre Motorhaube...
Wolfi ist "voll motiviert" und freut sich auf die anstehenden Arbeiten an der Amica. Wir wollen wissen, ob es sich überhaupt lohnt weitere Arbeit und Geld in das Fahrzeug zu investieren, denn eigentlich hat sie untendrunter gar nicht so schlecht ausgesehen. Der Unterboden wird in Angriff genommen und die Schandtaten früherer "Restaurationen" kommen schnell zutage. Für uns etwas schwer zu verstehen, dass man soviel Aufwand in einen optisch schönen Unterboden steckt, um die Roststellen mit Glasfasermatten zu kaschieren. Bei dem Arbeitsaufwand wäre es unwesentlich teurer geworden, wenn der Fachmann es gleich anständig gemacht hätte. Alles rostige Zeug raus flexen, neue Bleche kanten, einschweißen und lackieren. Irgendwie kommt uns die Arbeit sehr bekannt vor, denn letztes Jahr haben wir das schon an der Amica 1.0 gemacht ;-)

Es bleibt aber auch noch genug Zeit, um der Hirse entlang des schönen Spazierweges zum St. Andräer See beim Wachsen zuzuschauen. Hirse wird heuer von der EU wahrscheinlich besonders gefördert, deshalb die vielen Felder in ganz Österreich. Der Mais braucht auch nicht mehr lange. Heute sind wir auf der Suche nach Eierschwammerl, doch es ist viel zu trocken im Wald, anstatt Schwammerlgulasch gibt es Käsespätzle am Abend.
Die Grube beim Nachbarn ist wieder frei. Wolfi sieht aus wie ein illegaler Sprayer....nein Graffiti wird es keines, der Unterboden ist nun nach einer Woche soweit fertig, um konserviert zu werden. Nun ist Amica quasi rostfrei und soll uns, gut geschützt durch Fluid Film, die nächsten Jahre begleiten und beherbergen. Das wird mit Bier und Wein bei unseren Nachbarn gefeiert.
Die Windschutzscheibe ist undicht und wird neu eingedichtet, die Türen
werden mit neuem Alubutyl versehen und gut isoliert, ein großer Wechselrichter
wird eingebaut, dazu braucht es dicke Kabel. Die Elektrik des Womos ist veraltert,
12A Ladestrom von der Lichtmaschine? Vielleicht vor 30 Jahren, heute hüpft
man damit nicht weit. Das halbe Armaturenbrett wird demontiert, denn ein neues
Trennrelais wird verbaut. Schon wieder fette Kabel und plötzlich kommen
55A in die Lithium-Bordbatterie. Von nun an gibt es herrlichen Cappuccino
aus der Espressomaschine.
Die tropfende alte Küchenarmatur wird getauscht. und nebenbei schaut
Wolfi nach neuen Gimmicks für die Amica.
Unser bisschen Hab und Gut, was wir noch besitzen, ist in einem Container untergebracht. Seit 15 Jahren steht er nun im Freien, Sommer wie Winter dem Wetter ausgesetzt. Der Inhalt ist noch immer tip-top. Verena sortiert das Innenleben, bringt etwas Ordnung in das Chaos und streicht das Dach neu, so kann er auch die nächsten 15 Jahre gut durchhalten...
Wir besuchen das Hendl-Fest "Gackern" auf der Lorettowiese, welches jährlich 10 Tage lang im August, bei herrlichsten Sommerwetter, über die Bühne geht. Bei Wein, köstlichen Hendlgerichten und guter Musik treffen wir auf einige alte und junggebliebene Bekannte. Eine herrliche Abwechslung.
Neben der Arbeit an der Amica hilft Wolfi
dem Herbert bei Montagearbeiten und dem neuen Nachbarn namens Peter, der sich
in die Nebengarage eingemietet hat, bei der Wasser- und Heizungsinstallation.
Der Steyr 12M18 ist nun bald fertig zum Typisieren und kann dann als Fernreisefahrzeug
die große weite Welt befahren.
Wolfis Schwester Marianne verwöhnt uns mit vielen köstlichen Gemüse
aus ihrem Garten. Abends besuchen uns die Neffen Max & Benjamin und Wolfi
genießt die Rennradausfahrten mit seinem Schwager Jochi. 70km sorgen
für genügend Hunger bei der Grillerei.
Am Wochenende wollen wir auf die Saualm.....lange ist es her, dass wir unseren
ehemaligen Hausberg besucht haben. Die Preiselbeeren und Schwarzbeeren sind
reif. Dunkelrote Flecken in der Hügellandschaft, herrlich... so schön
haben wir den Berg gar nicht mehr in Erinnerung ;-) Vom Ladinger Spitz aus
sieht man das gesamte südliche Lavanttal, das Jauntal und hat auch Einblicke
ins das Görschitztal auf die andere Seite.
Der Herbst zieht langsam ein... und für uns sind es nur noch wenige Wochen,
bis wir wieder Pfiat Di sagen. Preiselbeermarmelade (Kärntner Ketchup)
wird eingekocht, ein klein wenig heimatlicher Geschmack in der weiten Ferne...
Familytime in der Steiermark, man trifft
sich um gemeinsame Zeit zu verbringen, Tratschen und natürlich Essen.
Während Pia und Verena die Familie mit selbstgemachter Pizza verwöhnen,
müssen Verenas Zwillingsschwestern Kathi und Manu, Schwager Bobo, sowie
Wolfi und seine Schwiegermutter gar nicht lange auf den Gaumenschmaus warten,
denn das Backrohr von der Gitti ist wie ein Turbo im Vergleich zu unserem
Gasbackofen im Amigo!
Mit Pia spielen wir anschließend Waldarchitekten und das erbaute Häuschen
steht sogar 3 Wochen später noch.

Seit Jahren reden wir schon davon, dass
wir die steirische Toskana besuchen wollen. Nun ist es endlich soweit. Auf
dem Weg dorthin besuchen wir Reisefreunde. Im Netz hatten wir ja schon öfters
Kontakt, persönlich treffen wir uns nun zum 1. Mal. Bei sehr guter, selbstgemachter
steirischer Jause wird bis tief in die Nacht aufgequatscht.
Verenas Vater und seine Frau Ingrid haben ein Ferienhäuschen am See,
dort können wir parken und machen Tagesausflüge in die herrliche
Umgebung. Wandern in den Weinhügeln. Die Weintrauben sind reif und die
verschiedenen Sorten werden von uns verkostet. Der erste Sturm ist auch schon
fertig und der Kastanienröster gibt sich redlich Mühe. Die heimischen
Maroni werden erst in ein paar Wochen reif sein, diese Kastanien jetzt kommen
aus Chile. Die ersten Trauben werden gelesen und zu Traubensaft verarbeitet,
die Trauben für den Wein haben nocht etwas Zeit zum Sonnen.
Auch die Ölkürbisse sind erntereif. Die schmackhaften Kerne werden
ausgelöst und zum grünen Gold, wie das Kürbiskernöl hier
heißt, verarbeitet.
Zur Hochzeit bekommt man öfters das südsteirische Wahrzeichen, einen
Klapotetz, geschenkt. Eine hölzerne Vogelscheuche, die Lärm erzeugt,
wenn der Wind weht und die Vögel vom Fressen der Weintrauben abhalten
soll. Immer wieder herrliche Aussichten über die vielen Weinberge hinweg
ins Land hinein.
Mit dem Fahrrad geht es nach Marburg in Slowenien. Die Promenade ist neu und
auch der Stadtkern ist nett. Viele einladende Cafehäuser. Zuerst der
Drau entlang geht es dann durch ein nettes Tal wieder hoch nach Österreich.
Kurz vor der Grenze kehren wir auf ein hervorragendes Eis ein. Verena erfreut
sich an der Sachertorteneiskugel und Wolfi hat Amarenakirsche gewählt.
Ein Ausflug nach Leibnitz und noch einer nach Bad Radkersburg, immer dem Murradweg
entlang und auf der slowenischen Seite retour. Am Abend gibt es eine schmackhafte
Jause beim Buschenschank. Die Auswahl der Jausenstationen ist enorm.
Eine letzte Wanderung im Grenzgebiet und noch ein toller Übernachtungsplatz
inmitten der Weinberge bei einem Buschenschank. Gegen Konsumation gibt es
freies Parken. Einen Sonnenuntergang mit traumhafter Aussicht und guter Jause
- Herz, was willst du mehr? Die Woche war einfach nur schön und wir kommen
sicherlich wieder!

Über Graz und mit einem weiteren
Besuch bei einem befreundeten Reisepärchen. Jakob hat uns das erste Reisemobil
verkauft und ist sozusagen Mitschuld an unserer Reiseleidenschaft, er und
seine Frau Katrin arbeiten auch an einem oder besser gesagt an mehreren Reisemobilen.
Von hier geht es am nächsten Tag zu Verenas Schulfreundin zum Brunch
und anschließend wieder zurück nach Kärnten.
Abschiedsfeier in Kärten. Wir laden zum Grillen ein. Jedes Mal, wenn wir in Österreich sind, werden wir herzlichst von Claudia & Herbert sowie Traudi & Hansi aufgenommen. Ein Platz zum Parken, eine Grube zum Arbeiten und vieles mehr noch.. Vielen, vielen Dank ihr Lieben! Leider regnet es, doch das trübt die Stimmung keineswegs.
Toffee, die junge, freche Katze will bei uns einziehen. Sobald die Türe offen ist, hüpft sie rein und schläft prompt am Fahrersitz. Sie kommt zur undenkbar schlechtesten Zeit, oder auch zur besten? Denn an ihr hätten wir unser Herz verlieren können...

Das Pritz Globetrotter-Treffen in der
Nähe von München steht vor der Türe. Da von der Fluggesellschaft
unser Rückflug teilstorniert wurde, haben wir einen neuen Rückflug
gebucht. Denn der ursprüngliche wäre schon vor ein paar Tagen gegangen,
wir fliegen 10 Tage später, weil wir das Treffen noch mitmachen wollen.
Donnerstag treffen wir noch ganz liebe Reisefreunde, die wir vor 2 Jahren
das letzte Mal in Namibia getroffen haben. In der Zwischenzeit sind sie in
Amerika rumgereist und ihr Lkw ist nun auf dem Schiff unterwegs nach Europa.
Der Abend mit Karin & Manfred vergeht viel zu schnell.

Gleich nach dem Aufwachen fahren wir zum 10km entfernten Ramerberg, wo das Treffen auf einem Reiterhof stattfindet. Markus wartet schon und wir schlemmen ein gemeinsames Frühstück. Das Wetter passt, 30°C Ende September, was will man mehr? Gespannt schlendern wir über die Wiese entlang der vielen Reisemobile. Ob wir noch jemanden kennen? Lange ist es her, als wir das letzt Mal hier gewesen sind. Tatsächlich sind noch viele bekannte Gesichter zu erkennen, liebe Menschen, mit denen wir Weihnachten in Indien verbracht haben und Bekannschaften, die wir in Namibia getroffen haben, sowie viele der "üblichen Verdächtigen" Allrad-Lkw Fahrer und Innen. Schön ist es, wir genießen die Tage, lauschen interessanten Vorträgen, sitzen am Lagerfeuer und tauschen Geschichten aus. Irene & Kurt versorgen uns mit neuer Reiselektüre :-) Unser Verkaufsstand ist der volle Erfolg, alle Seepferdchen "Made in South Africa" werden verkauft.

Sonntag ist Abreisetag, als wir am Handy ein Foto von dem Pritz Treffen geschickt
bekommen und zwar vom Peter, dem Radfahrer, den wir vor vielen Jahren im nördlichen
Indien getroffen haben. Was Peter ist hier? Wir schicken ihm ein Foto von
der Amica mit dem Hinweis, dass wir auf der Wiese Nr. 2 stehen. 10min später
braust er auf der Vespa daher. Nein, er war nicht am Treffen, hat nur ein
Foto von einem Freund weitergeleitet, mit der Nachricht, dass in seiner Umgebung
auch mal was los ist. Er wohnt keine 10km von hier entfernt. Als er unsere
Nachricht bekommen hat, hat er sich sofort auf sein Moped geschwungen und
ist gekommen. Was für ein Zufall! Ein kurzer Kaffee und ein kleiner "Schwatz"..
es war voll nett, dich wieder zu sehen.
Vorbei am Chiemsee, wo die Hölle
los ist, der letzte Sommertag und der wird genutzt fürs letzte Bad.
In Österreich besuchen wir Manuela. Wir bleiben über Nacht und verbringen
einen sehr netten, lauen Abend bei Kerzenschein auf ihrer Terrasse.

Wir genießen die Zeit mit den vielen wundervollen Menschen, da wir in
Afrika viele Abende alleine sind. Wir treffen nicht so viele Reisende und
die Abendgestaltung ist oft etwas eintönig.
Nur noch wenige Tage bei Verenas Familie
in der Steiermark. Mittlerweile sprießen die Pilze aus dem Boden und
das wollen wir uns nicht entgehen lassen. In panierter Form schmecken sie
einfach köstlich. Wir knacken Haselnüsse und verabschieden uns von
den lieben Familienmitgliedern.
Amica wird eingewintert, Verenas Vater hat einen tollen Platz in der Scheune
für sie. Tschüss liebgewonnenes Ferienhaus auf Räder!
Die Koffer werden gepackt, all die vielen
Köstlichkeiten und Ersatzteile müssen Platz finden. Das ist diesmal
nicht so schwierig, denn es sind 2x23kg pro Person erlaubt. Da es sich um
gerettete Koffer vom Sperrmüll handelt, folieren wir sie ein. Platz im
Amigo haben wir keinen und so schenken wir die Koffer jedesmal her, sie finden
regen Anklang bei der Bevölkerung.
Am 26.09. um 07.38 Uhr fährt der Zug in Kindberg los. Das Wetter passt
zur Stimmung, es regnet. Ein letzter Drücker, ein letztes Winken durch
die Zugscheibe... ob wir nächstes Jahr wieder kommen?

In Mürzzuschlag wechseln wir auf den Railjet, der uns direkt zum Flughafen bringt. Mit etwas Verspätung hebt die KLM Maschine nach Amsterdam ab. Der Anschlussflug nach Nairobi ist leicht zu erwischen. Bald werden wir "back in Africa" sein.
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