Mongolei vom 29.05. - 27.06.2016

 

 

Der Boden rund um den Khuvsgul See ist zu weich. Wir wollen uns nicht irgendwo an der Westküste eingraben und dann festsitzen, also fahren wir zurück nach Murun. In der Stadt haben wir wieder Internetempfang und erhalten prompt eine Mail von unseren spanischen Freunden Ana & Evaristo, sie sind auf dem Weg hierher. Also parken wir uns am Stadtrand an den Fluß und erwarten die beiden mit Freude. Den letzten gemeinsamen Abend verbringen wir kochend und plaudernd bis spät in die Nacht. Die beiden wollen auch an den See fahren und versuchen, nach Tsagaanuur zu kommen oder über die Westseite des Sees in den Norden nach Rußland auszureisen. Wir haben schon gehört, dass man von Russland eine Genehmigung braucht, um den Grenzübergang und das Grenzgebiet bereisen zu dürfen. Mal sehen was sie bei ihren Nachforschungen erreichen werden. Vormittags verabschieden wir uns von Ana & Evaristo und freuen uns schon auf ein Wiedersehen irgendwann, irgendwo auf dieser schönen Erde!!
Wochen später erfahren wir, dass der Schnee ziemlich weg war, als sie den Khuvsgul Nuur erreichten. Aber eine Einreise nach Russland über die Westseite des Sees blieb ihnen ebenso verwehrt, wie die Fahrt nach Tsagaannuur zu den Tsataan. Eine spezielle Genzerlaubnis und ein Guide wären erforderlich gewesen und das wollten sie sich nicht mehr antun.

Der mongolische Winter ist vorbei und für die Nomaden wird es Zeit in höhere Lagen zu ziehen, denn dort ist mittlerweile der Schnee weg, das Gras und die Kräuter sprießen bereits. Hier unten haben die vielen Schafe und Ziegen sämtliches Grün niedergefressen, die Erholung für die eh schon dünne Grasnabe wird dringend benötigt.
Wurde früher die Ger noch auf Pferden und Kamelen gepackt und abtransportiert, übernimmt das in der heutigen Zeit nun das Auto. Meist lenkt der Vater einen Lieferwagen auf deren Ladefläche die ganze Jurte samt Einrichtung Platz findet. Die Ziegen, Schafe und Kühe werden in der Zwischenzeit von der Jugend auf ihren Pferden in langen Tagesmärschen zum Sommerlager getrieben.

Wir wollen nach Uliastay und dazu müssen wir über mehrere Pässe fahren. Dort wo der Bergkamm am leichtesten zu befahren ist, geht die Piste hoch bis zum Pass. Meist sind es zig verschiedene Spuren, woraus man sich die eine, für sich am besten geeignetste Spur, raussucht. Ob man die richtige Spur erwischt hat wird man selten erfahren :-) Hat man den einen Pass überquert, kommt man ins nächste Tal und weiter geht es zum nächsten Hügel hoch.
Die Mongolei ist zum Teil sehr gebirgig. Die Hügel erscheinen alle so klein und sanft, weil sie von einem grünen Flaum überzogen sind, doch sind sie in Wirklichkeit über 2.000m hoch und ziemlich steinig. Es täuscht die Höhe etwas, da man ja schon auf 1.000m und mehr unterwegs ist. Auf den Pässen stehen Ovos. Das sind Steintürmchen von Menschenhand geschaffen. Es sollte Gück bringen, wenn man diese 3x im Uhrzeigersinn umrundet und dann einen weiteren Stein dazulegt. So werden die Türme immer höher.
Der Wind begleitet uns nun schon den ganzen Aufenthalt in der Mongolei. Wir erinnern uns noch gut, als uns die freundliche Dame auf der mongolischen Botschaft in Bangkok vor dem Wind gewarnt hat. "In May is always strong wind." Ja, sie hat recht, der Wind wird nun richtig lästig. Fast den ganzen Tag bläst er um unsere Ohren und nachts werden wir fast seekrank, weil es den Amigo so schüttelt. Sogar die Bäume, wenn man welche sieht, wachsen schief.

Kaum parken wir uns irgendwo ein, kommt auch schon ein Hirte auf seinem Pferd angeritten. Wenn man glaubt man ist irgendwo im Nirgendwo und sieht auch wirklich keinen einzigen Menschen, doch irgendjemand sieht UNS immer. Hinter einem der zig Hügel in der Umgebung gibt es immer einen Nachbarn. "Sein Beino" (Guten Tag) und wir sind aus "Avstr" so wird Österreich in der Mongolei genannt, dann noch ein wenig gefachsimpelt über die "Maschin Ger" so haben wir Wohnmobil auf mongolisch benannt und der Kollege auf dem Pferd zieht weiter, unter anderem auch weil wir zu Mittag nur Zuckerln und keinen Vodka rausrücken ;-) Aber kein Wunder, dass sich die Hirten nach Abwechslung sehnen. Es muss schon ein ziemlich eintöniges Leben hier auf dem Lande sein und wir sind da natürlich eine willkommene Gelegenheit. Mit dabei haben sie immer ein "einaugiges Fernglas", das liebevoll zum Schutz vor Staub in ein Stofftuch gewickelt ist. Mit dem Fernglas behält der Hirte seine Ziegen- und Schafherde immer wieder im Auge und natürlich auch die Nachbarn.

Kurz nach Uliastay fahren wir in ein wunderschönes Seitental. Ein Fluß mäandert entlang und wir stehen auf einem schönen grünen Platz. Hier bleiben wir erstmal einige Tage, denn das Fahren in der Mongolei ist doch etwas anstrengend. Eine Gruppe neugieriger Jugendlicher, die gerade taleinwärts unterwegs sind, machen einen Stop bei uns. Alle sind sie gleich alt, aber nur 2 sprechen etwas Englisch. Mit den paar Brocken führen wir trotzdem eine nette Unterhaltung und haben alle Spaß. Die Jause wird ausgepackt und sie lassen uns von den hausgemachten Buuz (Teigtaschen mit Fleischfüllung) und dem kalten Schaffleisch mit Nudeln kosten. Wir verteilen Zuckerln und verarzten noch ein Mädl, das mit dem Fahrrad gestürtzt ist.


Verena hat Geburtstag und Wolfi richtet das Frühstück wie jeden Tag, doch heute gibt es etwas Besonderes. Es wird auch die Vodkaflasche auf den Tisch gestellt, warum? Neben selbstgebackenen Brot und Eierspeis gibt es Kaviar und der russischen Tradtion verpflichtend, gehört da Vodka dazu. Also trinken wir neben Kaffee auch noch Vodka um 9.00 Uhr morgens, 50 Gramm sollen es schon sein. Der Tag verspricht lustig zu werden.
Wir haben eine Fahrradtour geplant. Weiter in das Tal hinein sollte der heilige Berg Otgon Tenger Uul liegen. Mit dem Fahrrad offroad zu fahren, ist gar nicht so einfach. Der Hintern schmerzt und der Rücken ist schon steif. Verena gibt nach 20km auf und legt sich in die Sonne, so schön kann der Berg doch gar nicht sein. Die Ziegen lassen sich von ihr nicht stören und weiden mit einer Seelenruhe rundherum das karge Gras ab. Die Rückfahrt wird angenehmer, geht es doch leicht bergab durchs Tal hinaus zum Amigo.

Von einem Tag auf den anderen kehrt auf einmal der Sommer ein. Wir können kurzärmlig gehen und genießen die Sonnenstrahlen. Die Tage sind sehr lang. Um 20.00 Uhr hat die Sonne noch immer so viel Kraft, wie am Nachmittag. Erst um 23.00 Uhr geht sie unter und bis es dann ganz finster ist, vergeht nochmals eine Stunde und mehr. Schaffen wir es heute mal den Sternenhimmel zu betrachten? So sehr hat sich Wolfi auf diese Abende gefreut, irgendwo in der Mongolei im Nix zu sitzen und die Sterne zu betrachten. Aber auch diesmal schaffen wir es nicht, so lange aufzubleiben.

Die Stadt ist, so wie alle Städte in der Mongolei, nicht schön und lädt nicht zum länger Verweilen ein. Sie werden für uns nur zum Vorräte aufstocken und Wassertanken angefahren. Meist gibt es eine Art Markplatz, wo viele Hütten, Verschläge und Container nebeneinander stehen in denen die Händler ihre Waren anbieten. Auch ausgediente Eisenbahnwaggons und alte Kofferaufbauten von der Armee sind gern genutzte Objekte, die zu Immobilien verwandelt werden. Hin und wieder kann man an der Reklametafel erkennen, was darin verkauft wird. Sind es nur Schriftzeichen, können wir nur raten, die kyrillische Schrift können wir nicht lesen, obwohl Wolfi große Fortschritte macht beim Lernen der Buchstaben. Aber meist müssen wir die Türe öffnen oder den Vorhang zur Seite schieben, um zu erkennen, welche Produkte hier angeboten werden.

Der Khar Nuur (Schwarze See) sollte noch ein richtiger Geheimtipp und nur etwa 100km von Uliastay entfernt sein. Wir machen uns auf den Weg. Bis zum ca. 20km entfernten kleinen Flughafen der Stadt Uliastay führt eine Asphaltstraße. Dann endet sie abrupt und es geht querfeldein weiter. Über mehrere kleine Hügeln geht es bergauf, bergab. Hinter jedem Hügel sieht es ziemlich ähnlich aus wie zuvor. Auch nach dem 20sten Hügel ändert sich nichts und dann plötzlich kommt ein Fluss von rechts und fließt mitten durch ein etwas breiteres Tal links weiter. Über, bzw. durch diesen Fluss müssen wir durch. Zum Glück ist die Ufergegend schottrig und der Fluss nicht allzu tief. Danach treffen wir auf eine Nomadenfamilie, die wir nach dem Weg fragen. "Gleich nach der Ger sollen wir rechts abbiegen, nach ein paar Kilometern würden wir eine Piste erkennen, der wir dann bis zum Pass folgen sollen und danach links ins Tal hinein und dieses entlang, dann wären wir am See, " so ihre Wegbeschreibung. Gesagt, getan. Wir finden die Piste und fahren auf einem etwas rustikalen Wanderweg über den 2.600m hohen Pass, hier sehen wir dann auch wirklich die Spuren links ins Tal. Ein kleinerer Fluss wird noch gequert und zickzack geht es durch ein Feuchtgebiet bergab. Viele Fahrzeuge sehen wir hier nicht, um genau zu sein, sind wir alleine hier. Nach insgesamt 2 Tagen gemütlicher Fahrt erreichen wir den See.
Er liegt wunderschön inmitten von 3 Bergkämmen und Sanddünen. Durch "Windgassen" werden die Sandmassen aus dem Süden von der Gobi hierher geweht und zu Dünen aufgetürmt.

Der Boden ist butterweich und steht zum Teil unter Wasser, sodass wir nicht bis zum Ufer fahren können. Macht nichts, laufen wir halt zu Fuß.
Die Entfernungen täuschen ganz schön. Wir hätten den See näher geschätzt, laufen wir doch fast 2 km bis zu seinem Ufer.
Wir wundern uns, wieso der See schwarzer See genannt wird. Wohin muss man denn hier gehen, um den richtigen Blickwinkel zu erreichen, damit aus dem Blau ein Schwarz wird. Er schimmert keineswegs schwarz oder wenigstens dunkeldunkelblau, sondern in den verschiedensten Blau- und Türkistönen. Wir marschieren eine große Runde entlang vom See auf die Halbinsel und erklimmen zum Schluß noch die Sanddünen und genießen eine wunderschöne Gegend.

Es ist 22.00 Uhr: Wir liegen schon im Bett und schauen gerade einen Film, als es an der Tür klopft. Es sind 2 Jungs, die Hilfe bei ihrem Auto benötigen. Zuerst denken wir, dass sie feststecken würden. Kein Problem!! Man hilft sich einfach untereinander. Könnten vielleicht wir es sein, die morgen schon Hilfe benötigen. Wir packen alles zusammen und fahren die wenigen Kilometer bis zu ihrem Auto. Sie haben einen platten Reifen und das Reserverad braucht Luft, ein Klassiker!! Also pumpen wir ihnen die Reifen auf. Währenddessen bekommen wir Zuschauer. Nomaden, die ihre Pferde nach Hause treiben, legen sich vor uns ins Gras und schauen dem Treiben interessiert zu. Ihre Pferde brauchen sowas nicht, die holen sich ihre Luft selber durch die Nüstern und Hufschmied braucht es hier auch keinen, keines der Tiere ist beschlagen. Back to basic!! Leichter gesagt als getan, denn wenn es regnet, macht der Fahrer seine Seitenscheiben hoch, der Reiter....

 

Nicht im Traum hätten wir daran gedacht, dass wir unseren Gedanken schon am nächsten Tag in die Tat umsetzen. Wolfi wählt die falsche Spur über die nasse Wiese. Trotz Sperren bleiben wir nach ca. 10m stehen. Wir stecken fest. Na super!!! Wir sind auf 2.300m, umgeben von Bergen. Schon beim Herfahren sind wir keinem Auto begegnet und nun beim Rausfahren wird es wahrscheinlich nicht viel anders sein. Ein Mopedfahrer, ja sogar ein Autofahrer kommt vorbei - aber wie sollen die uns helfen? Ein anderer Lkw wird hier nicht so schnell auftauchen. Also bleibt uns auch nichts anderes übrig, als unsere Schaufel auszupacken und zu schaufeln beginnen.
Das Erdreich ist fest wie Kleister, der zähe Gatsch macht das Schaufeln etwas mühsam. Alles ist unter Wasser und sobald eine kleine Grube vor oder hinter dem Reifen ausgehoben ist, füllt sie sich mit Wasser. Eine Drainage zu graben geben wir bald auf, dazu bräuchten wir einen Krampen - und sowas haben wir nicht. Zum Glück liegen überall Steine herum und diese schleppen wir heran, um sie in die Löcher hinter dem Reifen zu füllen. Wolfi startet den Motor und probiert rauszukommen. Die Reifen drehen sich durch sie kommen nicht auf die Steine sondern nur noch tiefer. So schaffen wir das nicht.
Was nun? Unsere Sandbleche kommen zum ersten Mal in Einsatz. Der einzige Autofahrer bleibt stehen und schaut sich die Unfallstelle an. Zuerst sieht er uns nur zu, doch dann bekommt er wahrscheinlich etwas Mitleid mit uns, denn er hilft uns beim Schaufeln und Steine schleppen. Wolfi liegt mittlerweile hinter der Hinterachse und versucht mit einem Klappspaten den Matsch etwas zur Seite zu schaufeln und ein Luftkissen darunterzubringen, um den Amigo etwas höher zu bekommen, aber das Luftkissen drückt es samt Unterlage in den Boden wie nix. Ein Unterfangen, als ob man gegen Windmühlen kämpfen würde. Nach 3 Stunden Schaufeln sind wir beide doch etwas erschöpft. Die Idee mit dem Luftkissen ist gescheitert.

Doch mit Vor- und Zurückfahren und immer wieder Steine in die Löcher zu füllen, sowie der Hilfe von Gansarick (so heißt der mongolische Helfer) bekommen wir ein Sandblech ein Stückchen unter einen Reifen. Nun noch beim 2. Reifen, dann könnten wir vielleicht einen weiteren Versuch wagen. Mittlerweile schaufeln wir schon zum Teil mit den bloßen Händen. Das ist unsere einzige Chance, alles sollte gut vorbereitet sein, für diesen Versuch. Aber das zweite Sandblech erweist sich als etwas wiederspenstig. Noch tiefer schaufeln, doch der Schaufelstiel ist glitschig vom schmierigen Erdreich und wir rutschen immer wieder ab. Völlig erschöpft schaffen es die beiden Männer dann doch, das Sandblech etwas tiefer unter den Hinterreifen zu bekommen. Nur noch etwas Schotter, damit die Reifen gleich den nötigen Grip auf den Sandblechen bekommen, dann wagen wir den Versuch. Die Reifen drehen durch und wir schaffen es ein paar Zentimeter vor und hinter, aber nicht raus. Eines der beiden Sandbleche hat sich ins Erdreich gedrückt.
Mittlerweile ziehen dunkle Wolken auf, das gibt uns Ansporn weiter zu schaufeln, denn Regen ist nun wohl das letzte was wir hier brauchen können. Eine kurze Verschnaufpause, ein paar Kekse und Bier wirken Wunder - weiter geht`s. Mit vereinten Kräften schaffen wir es, das Blech gut unter dem Reifen zu positionieren. Zum Glück sind wir mittlerweile auf dem Permafrostboden angelangt und der Amigo sinkt wenigstens nicht mehr tiefer, aber der Perma ist glatt und sieht aus wie Lehm. Starten, den Rückwärtsgang rein, los geht`s!! Ja endlich, es bewegt sich was, auch der zweite Reifen bekommt Halt am Sandblech und Amigo quält sich aus dem Schlamm. Mit großer Erleichterung bricht Verena in Jubelrufe aus, Wolfi hat ein breites Grinsen im Gesicht, als er aussteigt und auch unser Helfer ist erleichtert.
In 5 Sekunden haben wir den Amigo versenkt und mehr als 5 Stunden haben wir gebraucht, um ihn wieder frei zu befreien. Ohne Gansarick hätten wir sicherlich noch ein paar Stunden mehr gebraucht, denn die Felsen die wir zu zweit geschleppt haben, um die Löcher zu füllen, wären alleine doch etwas unhandlich gewesen. Wie üblich in der Mongolei, wird anständig mit Vodka auf den Erfolg angestossen. Das Glas geht rundum und bald ist die Flasche leer.


Gansarick fährt in die gleiche Richtung wie wir und er kennt eine Abkürzung über einen Berg, wir haben die Strecke beim hierher Fahren schon gesehen, also folgen wir ihm. Entlang eines Hanges, der zum Glück schon trocken ist, geht es bergauf und prompt gibt es oben dann eine feuchte Senke, durch die wir durch müssen. Es sind einige Spuren ersichtlich, also sind wir nicht die ersten, die hier fahren. Wo er mit seinem 4x4 Kia Lieferwagen durchkommt, schaffen wir das doch allemal! Nur der Lieferwagen hat 1.000kg und wir 11.000kg. Wir schauen uns recht verwundert an, ob wir vielleicht nicht doch zu naiv gewesen sind, um ihm einfach blindlings zu folgen. Doch alles geht gut, die matschige Stelle ist locker machbar. Der Amigo fliegt regelrecht drüber hinweg :-)
Eine Stunde später erreichen wir sein Winterlager. Eine Ger steht noch, die andere hat er heute schon zum Khar Nuur gebracht. Morgen wird diese noch abgebaut und zum See gebracht, während sein Sohn und sein Neffe die Tiere über eine weitere Abkürzung, die aber mit Fahrzeugen nicht machbar ist, zur neuen Weide treiben.
Vor der Ger sind 2 Pferde festgemacht, ein kleines Mäderl steckt neugierig ihren Kopf aus der Türe. Rein ins Warme und keine zwei Minuten später sitzen wir auf einem dicken Teppich am Boden. Sein 12jähriger Sohn lümmelt mit seinem Cousin auf dem einzigen Bett. Er kann ein paar Brocken Englisch. Die 8jährige Tochter bringt einen Topf mit frittiertem Hefegebäck, während seine Ehefrau die jüngste Tochter anzieht. Es gibt warme Milch und Fleischnudeln. Huch, ein Glückstag für uns, denn normalerweise wird gesalzener Michtee serviert. Die Jurte ist nur noch halb eingerichtet, der restliche Haushalt ist schon am See.

Seine Frau wartet schon hart auf ihn, denn sie müssen nochmals in die nächste "Stadt" fahren, um einige Vorräte aufzustocken. Wir nutzen die Gelegenheit für eine weitere Abkürzung und fahren hinter ihnen über einige weitere Hügel querfeldein zur Hauptpiste, wo wir unser Lager für die heutige Nacht aufschlagen. Komplett erschöpft, um nicht zu sagen "fix und fertig" fallen wir ins Bett und schauen uns den Film fertig an, den wir am Khar Nuur unterbrochen haben, auf Grund der Reifenfüll-Aktion.

In der Mitte zwischen der Nordroute und der Südroute geht es durch wüstenähnliche Landschaft weiter in den Westen, über Urgamal soll uns die Piste zur Nordroute führen.

Am Abend bleiben wir vor einer "suspekten" Holzbrücke stehen. Verena weigert sich darüber zu fahren. Das Schild weist 7t aus, also 5t zu wenig für uns. Eine Furt durch den Fluß gibt es nicht. Das Wasser ist zwar nicht hoch, doch die Uferböschung sieht sehr weich aus und der Grund des Flusses ist feinsandig. Stecken geblieben sind wir doch erst vor ein paar Tagen ;-)
"Heute Nacht bleiben wir hier und schauen, ob vielleicht andere schwere Fahrzeuge die Brücke überqueren", so Verena. Passt, denn gleich neben der Straße ist eine schöne flache Wiese. Wir sind nicht lange alleine, da kommen 2 russische Geländewagen angebraust. Junge Burschen, die gemeinsam die Mongolei "erforschen" oder eher unsicher machen. Sie haben eine Reiseagentur welche "Normalos" und Offroader mit Hilfe von Geländewägen und Zelten auf einer Abenteuerreise, die Mongolei näherbringen.
Wolfi gibt ihnen ein Interview über unsere Reise, während die anderen Jungs ganz interessiert um unser Fahrzeug laufen.
Sie wollen in den Süden zum großen Khar Nuur und weiter nach Khovd. Der Boss der Truppe meint, es wäre auch für uns ohne weiteres möglich
und er hätte eine digitale Route davon. Bedenken wegen 2 Flussquerungen mitten im Nix zerstreut er, denn dort wurden 2 große Betonbrücken gebaut. Er lädt den Track für uns auf einen USB-Stick, danke. Für Verena ist die Entscheidung schnell getroffen, denn für diese Strecke müssen wir nur umdrehen, ein paar Meter retour fahren und rechts weg, also nicht über diese suspekte Holzbrücke.

Kaum sind die russischen Jungs um die Kurve verschwunden, hält ein mongolisches Auto neben uns. Zivile Polizisten, die mit den Ausländern hier Vodka trinken wollen. Es kommt auch noch ein weiteres Fahrzeug angerollt. Wir machen es uns in der Wiese gemütlich und die Vodkasession kann beginnen. Ganz wichtig: Sobald die Flasche geöffnet ist, darf sie nicht mehr auf den Boden gestellt werden. Ein einziges Glas, eher ein Teeglas mit Henkel, das immer wieder aufgefüllt wird bevor es zur nächsten Person weitergereicht wird, macht die Runde. Bevor man trinkt, taucht man Daumen und Ringfinger in das Glas und spritzt somit ein paar Tropfen in die Luft. Das ist eine Huldigung an Mutter Erde, die ihnen heilig ist, bzw. war. Ist die Flasche leer, darf der Flaschenboden noch immer nicht den Boden berühren, sondern man legt die Flasche seitlich hin. Warum? Ja keine Ahnung warum, wir haben es nicht ausfindig machen können.


Das erklärt nun, wieso überall im Land Millionen von leeren Vodkaflaschen liegen. Der Vodkakonsum ist leider sehr hoch. Es gibt am Land grad mal 4 verschiedene Gemüsesorten zu kaufen, dafür hat aber jeder Krämerladen mindestens 20 verschiedene Wodkasorten im Sortiment. In Kleinstädten sehen wir öfters Alkoholleichen rumliegen, keiner schert sich um sie. Trinken sie um der Eintönigkeit des Lebens zu entfliehen oder der Langeweile zu entkommen? Wir wissen es nicht. Die erste Frage die wir gestellt bekommen, wenn wir auf Hirten treffen ist fast immer "Vodka?"

 

Wir parken am großen Khar Nuur (gleicher Name, anderer See) und auch diesmal ist das Wasser nicht schwarz :-) Seit Tagen haben wir keine Menschenseele mehr gesehen. Kamele, Pferde, Enten, Reiher, verschiedene Wildvögel und wir. In der Ferne sehen wir bereits das Altaigebirge mit den schneebedeckten Bergen.

Insgesamt gibt es hier 4 Seen nebeneinander die durch Wasserläufe miteinander verbunden sind. Die Piste führt uns am Fluß entlang, es wirkt wie eine Oase inmitten der staubtrockenen Gegend. Denn nur links und rechts vom Ufer wächst Gras. Anscheinend reicht das etwas karge Grün, damit wir wieder einige Gers sehen. Für ihre Tiere brauchen sie Weidefläche. Die Ställe sind aus Steinen oder Schilf, je nachdem was die Umgebung gerade hergibt.
Die Tiere verlieren gerade ihr Winterfell. Dicke Fetzen hängen an den Kamelen und in den Dornenbüschen, an denen sie streifen. Herrlich ruhige Tage verbringen wir am Westufer des Khar Nuur, bis uns wieder der Wind und anschließend der Sturm einholt. Die ganze Nacht über heult er um den Amigo und schüttelt diesen durch und durch.

Entlang des Nordufers geht es durch eine öde Wüstenstadt weiter zum Dalay Nuur und Khar Us Nuur. Es gibt kaum Möglichkeiten an das Ufer zu gelangen, zu nass und weich ist es. Schon fast haben wir die Hoffnung aufgegeben, denn der See endet bald und bis jetzt haben wir keinen geeigneten Nächtigungsplatz gefunden, als ein großer Felsrücken vor uns auftaucht und einen schönen Ausblick auf den See verspricht. Wenn wir schon keinen direkten Strandplatz haben, dann eben wenigstens einen Felsen, auf den wir klettern können, um die gute Aussicht zu genießen.

Wir stehen am Khovd Fluß, nicht weit außerhalb der Stadt Khovd. Reges Treiben um uns herum. Auf der anderen Uferseite wird gerade ein Ger-Camp errichtet. Mehrere Leute haben in weniger als 2 Stunden eine Ger aufgebaut. Zuerst wird das Scherengitter auseinandergefalten, aneinandergereiht und damit ein Kreis geformt. Dann kommt das runde Fenster vom Dachstuhl, welches aussieht wie ein Wagenrad, in dem 108 Sprossen (Dachlatten, eigentlich Sparren) eingesteckt und mit dem anderen Ende an der kreisförmigen Scherengitterwand befestigt werden. Um die Gitterwand und auf den Dachstuhl werden mehrere Lagen Filz übereinandergelegt und am Boden kommt noch ein 50cm hohes Moskitogitter rundum, bevor die Außenhaut darüber gestreift und festgebunden wird. Nachdem der Holzfußboden ausgelegt wird, sind die Frauen schon mit der Inneneinrichtung beschäftigt. Teppiche, Kästen und Bettgestelle werden reingetragen. Nun kann die Sommersaison beginnen.
Auf der Straße werden die Schaf- und Ziegenherden vorbeigetrieben. Neben uns schwimmt eine Pferdeherde durch den Fluß.

In die Stadt gehen wir nur, um Lebensmittel zu kaufen. Deutschland treibt regen Handel mit der Mongolei, denn in den Supermarktregalen können wir vieles lesen. Essiggurken, Apfelmus, Schokolade, Marmelade und vieles, vieles mehr von "Gut und günstig". Eigentlich sind wir auf der Suche nach Gemüse und Obst. Das ist im Supermarkt nicht zu finden, also gehen wir auf den Schwarzmarkt. Auch dort durchsuchen wir sämtliche Gassen, so vieles wird angeboten, nur kein Gemüse. Ist doch eigenartig, denn hier in Khovd wird sogar etwas Gemüse gepflanzt, Kartoffel, Karotten und Tomaten. Doch der Sommer hat erst begonnen. Nur 3 Monate kann hier etwas wachsen, dann kehrt wieder Väterchen Frost ins Land zurück. Letztendlich werden wir doch fündig, ein einziger Gemüsestand. Wir decken uns mit Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten ein.
Die Mongolen sind Fleischesser, sie lieben ihr Ziegen- und Schaffleisch und hier im Westen des Landes, wo es auch schon Kasachen gibt, wird auch das Pferd als Nahrungsmittel hoch geschätzt. Nichts wird vom Tier weggeschmissen, alles wird verkocht. Je fetter, desto besser, besonders im Winter, wo sie viel Energie brauchen. Wir müssen immer lachen, wenn die Schafe vor unserem Amigo davonlaufen und ihr Fettschwanz dabei rauf- und runterpappelt. Dieser Fettschwanz wird in dünne Scheiben geschnitten und kommt dann unter anderem in den Milchtee. Den kleinen Babys geben sie diese Teile zum Nuckeln, wahrscheinlich anstatt eines Schnullers.

Die Sonne scheint, wir wollen einen Spaziergang machen, als Wolfi plötzlich fragt: "Verena, hast du die Fahrräder runtergenommen?" Fragezeichen in Verenas Augen. Haben uns doch dreiste Diebe unsere Fahrräder gestohlen. Der Spanngurt, der die Plane der Reserveräder zusammenhält, hängt durchgeschnitten runter, die Schlösser aufgebrochen. Gestern Abend, als wir zu Bett gingen, waren sie noch da. Also muss es in der Nacht passiert sein, als wir schliefen. Wir haben nichts mitbekommen.
Es ist nicht der Wert der Räder der schmerzt, sondern vielmehr die Tatsache, dass wir nun in den Städten nicht mehr mobil und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Gerne haben wir mit den Rädern unsere Runden gedreht und die Städte erkundet. Wir schauen uns fragend an. Was tun? Der Polizei im Ort statten wir einen Besuch ab und melden auf jeden Fall, dass uns jemand bestohlen hat. Die Verständigung mit den Beamten ist recht schwierig, doch mit Hilfe der Translator-App und einigen Fotos wird schließlich eine Anzeige geschrieben. Wir drucken Fotos von unseren Fahrrädern aus, damit sie wissen, nach was sie suchen müssen. Dann bringen sie uns zurück zum Amigo. Ein smarter Polizist meint, dass wir am besten für einige Tage die Stadt verlassen sollten, denn wenn der Dieb die Fahrräder zu Geld machen will, wird er das erst tun, wenn wir verschwunden sind. OK, so machen wir das.
Wir sind gerade am Zusammenpacken, als ein Auto neben uns hält. Tilek, ein kasachischer Mongole leiht sich von uns einen Schraubenschlüssel, um eine Schraube festzuziehen. Er spricht perfektes Englisch. Als wir auf Österreich zu sprechen kommen, meint er, dass er vor ca. 15 Jahren im Sachers (in Ulan Bator) gearbeitet hat. Der beste Kaffee und erst der Apfelstrudel schwärmt er.....
Er lädt uns zu sich in sein Dorf ein, dort können wir bei ihm am Grundstück parken. Wir wissen ohnehin nicht wohin, sein Dorf ist ca. 30km entfernt und so kommen wir mit ihm. Bald stehen wir in seinem Garten und werden von seiner Familie sehr freundlich aufgenommen. Yesengel, seine Frau und 3 nette Söhne im Alter von 15, 11 und 6 Jahren leben in einem verputzten Holzhaus. Aber sie werden demnächst in die Jurte ziehen, die auch am Grundstück Platz findet, denn in der Jurte ist es im Sommer kühler, meint der Hausherr.
Im Westen der Mongolei leben hauptsächlich Kasachen, die aber schon seit mehreren Generationen in der Mongolei leben. Dieses Dorf namens Khovd Sum ist ausschließlich kasachisch. Es gibt keine Wasseranschlüsse in den Häusern, sondern die Dorfbewohner müssen mit ihren Kübeln, Eimern und Tonnen zum Wasserhaus gehen, das am Tag 2 Stunden geöffnet hat. Eine Stunde morgens und eine Stunde abends. Das ganze Dorf trifft sich dort. Manche kommen mit Ziehwagen angefahren, andere schleppen die Kübeln nach Hause. Auch wir müssen den Wassertank vom Amigo wieder befüllen und warten brav in der Reihe, um wieder einen Eimer zu füllen. So dauert das Wassertanken etwas länger, doch Zeit haben wir ja genug.
Stromanschluß gibt es im Dorf, allerdings nicht vom Wasserkraftwerk, welches wir gesehen haben. Denn dieses liefert viel zu wenig Strom für Khovd und die Umgebung. Dieser Strom hier wird aus Rußland eingespeist.
Fast alle im Dorf sind Bauern. Neben dem Wohnhaus gibt es gemauerte Ställe. Doch im Sommer dürfen die Tiere nicht im Dorf sein, sie würden zu viele Fliegen und Moskitos anlocken, so meint es jedefalls Tilek. Bei den mongolischen Kasachen heißt die Ger nun Jurte und der Eingang ist nicht mehr nach dem Süden ausgerichtet, sondern nach Osten.

Einige Tage später machen wir einen letzten Anruf auf der Polizeistation, doch leider fällt die Antwort negativ aus. Yesengel ist hobbymäßig Wahrsagerin und auch ihr Ergebnis lautet "Nein, wir werden die Fahrräder nicht mehr finden." Also wir es für uns Zeit, uns von der Familie zu verabschieden.
Weiter geht es Richtung Ölgii. Kurze Zeit später treffen wir auf die südliche Hauptroute. Hier sind sie fleißig am Straßenbauen und Asphaltieren, die Brücke ist schon fertg. In einigen Jahren, vielleicht schon nächstes Jahr, ist die Strecke zwischen Khovd und Ölgii bereits asphaltiert. Doch noch sind wir auf Pisten unterwegs.
Die Berge werden höher, manche sind schneebedeckt und bei einigen sieht man die Gletscher in den Berghängen. Bayan Ölgii ist die nächste und letzte Provinz der Mongolei, die wir bereisen und hier leben ca. 95% kasachische Mongolen. Sie bevorzugen es schon in gemauerten Häusern zu wohnen, die sich in der kargen Landschaft fast nicht von der Umgebung abheben. Meist an einen Bergkamm gebaut, muss man schon 2x hinschauen, um sie auszumachen.

In Ölgii suchen wir uns einen Stellplatz am Khovd Fluß an dessen Ufern die Stadt erbaut wurde. Ein reißender Fluß, der momentan sehr viel Wasser führt, die Schneeschmelze und der alltägliche Regenschauer am Nachmittag sind der Grund dafür. Die Einheimischen leben momentan in Sorge, dass der Damm brechen könnte, weil er schon aufgeweicht ist. Ölgii ist ein Windloch, jeden Tag um die Mittagszeit zieht der Wind auf, heult um den Amigo und bringt dann dunkle Wolken und den Regen. Tag für Tag.
Wir werden einige Tage hier verbringen, denn das russische Visa läuft erst ab dem 27. Juni und das Datum muss exakt eingehalten werden. Es sind nur noch ca. 100km weites NIX bis zur Grenze, also sitzen wir die Zeit hier am Stadtrand von Ölgii ab. 2 Monate Mongolei sind uns fast etwas zu lange. Zuerst hat uns die Visaverlängerung (innerhalb von 5 Tagen nach Ankunft in der Mongolei muss man seinen Antrag zur Verängerung des Visums machen) nach Ulan Bator getrieben, dann das schlechte Wetter weiter in den Süden und schließlich sind wir viel zu schnell im Westen vom Land.

Die ganze Sache mit dem Warten hat auch etwas Gutes. Eigentlich hatten wir unsere Fahrräder schon abgeschrieben, als Wolfi meint: "Ich rufe jetzt nochmals bei der Polizei in Khovd an!" Mehr als eine Woche ist nun vergangen und wir glauben kaum unsere Ohren zu trauen, als der Beamte meint: "We found your bikes, please come and pick it up." Ist das nun ein Witz??????? Nein, tatsächlich wurden sie gefunden. Angeblich haben Schulbuben den Rädern nicht widerstehen können und sie geklaut. Die Polizei hat sie dann anhand der Fotos identifizieren können, als sie nun nach einer Woche ihre erste Ausfahrt damit machten. Von einer Anzeige sehen wir ab, wir sind einfach nur froh, dass unsere Räder wieder aufgetaucht sind. Ein Lob an die Ehrlichkeit der mongolischen Polizei!! Denn sie hätten sie uns ja auch vorenthalten können, bis wir außer Landes sind.
Wir rufen Tilek an und nehmen sein freundliches Angebot, nach Khovd zu fahren, um unsere Fahrräder abzuholen, gerne an. Er wird die Räder in eines der Sammeltaxi stecken, die täglich zwischen Khovd und Ölgii verkehren, so brauchen wir die 220km nicht mehr retour fahren.
Also machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir wollen Tilek Geld überweisen, damit er eine Belohnung für die Polizei verteilen kann, der Transport der Fahrräder bezahlt ist und natürlich etwas für seine Bemühungen. Euros wechseln sie in der Bank nicht, also machen wir uns auf die Suche nach Bankomaten. Doch keiner der ATMs, die wir finden, spuckt Geld für uns aus. Also fragen wir nochmals bei der Bank nach. Ja, Dollar würden sie wechseln, also gehen wir retour zum Amigo, um Dollarscheine zu holen. Die Frau am Schalter nimmt den Pass, macht eine Kopie davon und gibt uns den Pass samt der 100,-USD wieder retour. Kurz darauf kommt sie mit dem Restgeld an Tugriks, der einheimischen Währung, an. Wir schauen uns fragend an und überlegen ganz kurz, ob wir sollen oder nicht. Denn offensichtlich hat sie vergessen, den Dollarschein einzubehalten. Wolfi reicht ihr den Schein dann doch rüber, wir wollen ja nicht, dass sie den Differenzbetrag erstatten muss, was hier ziemlich viel Geld ist. Die Beamtin schaut ihn ganz verdutzt an und fragt, ob wir denn nochmals 100,-USD wechseln wollen??? Wolfi klärt sie auf und sie ringt sich ein "Thank you" ab.
In der Bank ist die Hölle los, der ganze Wartesaal ist voll mit Menschen. Was machen die alle hier? Ist heute Zahltag? Später erfahren wir, dass die Regierung eine AUSZAHLUNG macht. Es gibt sehr viele Bodenschätze hier in der Mongolei und an einer Kohlenmine sind die 3 Millionen Mongolen mit Aktien beteiligt. Nun haben die Parteien, gerade noch rechzeitig zu den Wahlen, sich darauf geeeinigt Geld auszuschütten. Aber nicht etwa Dividende, Nein Nein!! Für 300.000,- Tugrik (ca. € 140,-) werden den Bürgern einige ihrer Anteile zurückgekauft und die mongolische Bevölkerung nimmt das Angebot wahr. Seit einer Woche sehen wir nun jeden Tag in Khovd und Ölgii Menschenschlangen vor den Banken auf ihre Auszahlung warten. Ein Schelm der da böses denkt und sich vielleicht fragt: "Wer wird nun wohl die Aktien aufkaufen, die die weniger bemittelten Mongolen verkaufen, damit sie wenigstens zu etwas Geld kommen?"

 

Ja am 29. Juni sind Wahlen in der Mongolei. Der Unterschied zu Wahlen in Österreich ist der, dass sie erst ca. 2 Wochen vorher mit der Wahlwerbung die Bevölkerung belästigen. Vorher haben wir nicht ein einziges Plakat gesehen, aber nun schießen sie wie Pilze aus dem Boden. Riesige Reklametafeln werden an den Stadteinfahrten aufgestellt und feiste Personen schauen auf die Bevölkerung herab. Zig Autos kurven wie die Wilden den ganzen Tag lang mit den Fahnen der Parteien und den Porträts der Politiker auf den Seitenscheiben durch die Stadt und über die Pisten auf`s Land. Fast in jeder Straße ist ein Haus geöffnet, vor dem Lautsprecher aufgebaut sind und mit Musik die Bevölkerung in Wahllaune gebracht wird, zumindest um Interesse für das jeweilige Wahlprogramm zu wecken. Ja es kommt noch wilder. Die Wellblech Pisten von Khovd raus werden mit einem Kreder glatt gemacht!! Laut einiger Mongolen kommt das aber nur kurz vor den Wahlen vor. Den Vogel schießen sie aber in Ölgii ab. Hier fegen doch tatsächlich 2 Männer den Dreck vom Straßenrand!!

5-6 Stunden soll der Minibus von Khovd unterwegs sein, also müsste er noch vor Mitternacht eintreffen. Tilek hat uns die Telefonnummer des Busfahrers gegeben, doch es meldet sich niemand, als wir den anrufen. Erst am nächsten Tag steht der Fahrer vor unserer Haustüre. Tatsächlich erhalten wir unsere bereits abgeschriebenen Fahrräder zurück. Nur leider sind sie ziemlich ramponiert, denn der Fahrer hat sie auf den Boden gelegt und sämtliches Gepäck darauf transportiert und was weiß sonst noch. So ist Wolfi den ganzen Nachmittag damit beschäftigt um den 8er aus den Reifen zu bringen, die Bremsen sowie die verbogenen Ketten zu reparieren. Auch den abgerissenen Gepäcksträger wieder zu befestigen, denn diesen dürften die Jungs als uncool betrachtet haben. Alles halb so schlimm, wir freuen uns, unsere Fahrräder wieder zu haben. Das Geschehen bleibt nicht unbeobachtet und so kommen bald auch schon die Nachbarjungs mit ihren Rädern herbei, um den Fahrradmonteur nicht arbeitslos zu machen ;-)


Heute ist es soweit, wir brechen auf zur Grenze. Russland wartet!!

 

Russland, Kasachstan

 

REISEN

 Besucherzaehler