Namibia 4. Teil

10.06. - 30.06.2020

Währung: 1€ = 19,-N$
Dieselpreis:1l = 11,72,-N$

 

Wir sitzen beim Frühstück und beobachten aus dem Esszimmerfenster die Giraffen vorbeimarschieren. Heute verlassen wir das Huanib Flusstal in den Norden nach Purros. Sobald wir das Trockenflusstal verlassen, ist es vorbei mit Bäumen, Sträuchern und grünes Gebüsch. Auf Sand zwischen Hügelketten geht es prima voran. Leider wechselt es um auf Wellblech, die uns ganz schön durchbeutelt.
Die ersten Oryxe und Strauße vor uns. Das filigrane Gras leuchtet silbrig. Ein gutes Zeichen für Zebras, denn die lieben dieses Gras, das es immer nur kurz nach der Regenzeit gibt. Eine weite Ebene macht sich vor uns auf und hunderte von Zebras grasen darauf. Die scheuen Tiere laufen sofort davon, bleiben aber kurz darauf stehen, drehen sich neugierig um, laufen ein Stück weiter und stoppen wieder. Hunderte von Zebraaugen sind auf uns gerichtet - wir fühlen uns beobachtet:-)

Schließlich gelangen wir zum Hoarusib Flusstal. Wau, der führt noch teilweise Wasser, also hier ist kein Durchkommen, denn eine lehmige Abfahrt führt dirket in ein Gatschloch und weiter zur Wasserstelle. Nein, wir drehen um, fahren ein paar Kilometer retour und nehmen die Piste außen rum nach Purros.

Der Sand wird immer mehr, der Wind treibt die Körner an den Rand der Hügelketten, wo er dann liegen bleibt und zu Dünen heranwächst. Einfache Behausungen weit verstreut in der großen Ebene direkt am Hoarusib - wir haben Purros erreicht. Im kleinen Laden nutzt Wolfi die Chance, um ein paar Flaschen Bier zu kaufen. Die alltäglichen Lebensmittel, wie Reis, Nudeln und Zucker und natürlich Alkohol werden hier angeboten.

Wir beschließen die Nacht etwas ausserhalb des weitläufigen Dorfes am Rande des Flußtales zu nächtigen. Ein paar Meter vor uns zieht ein Elefant vorbei. Ob es ein Wüstenelefant ist, können wir nicht sagen, denn er ist fast ein bißchen zu groß. Auch die Giraffe lässt sich auf ihren abendlichen Spaziergang durch die Akazienbäume nicht störren. Es ist megacool hier!

Ursprünglich wollten wir den Hoarusib weiter nördlich entlang fahren, doch das viele Wasser hält uns davon ab. Obwohl die Piste meistens neben dem Ufer entlang geht, müssten wir ihn dennoch 8x queren - nein das ist uns zu riskant. Wir nehmen die Geröllpiste Richtung Orupembe.
Die Landschaft ist etwas eintönig. Doch ein heimischer Künstler sorgt für Abwechslung und hat auf verschiedenen Felsen seine Spuren hinterlassen. Er baut Steinmännchen aus Eisengitter und Steinen - genial gemacht. So sind wir nun angestrengt am Schauen, um ja keinen von ihnen zu übersehen.

Kurz vor dem Dorf Orupembe biegen wir links ab. Silbriges Gras weht im Wind. Die Sicht ist etwas betrübt, denn Sand ist aufgewirbelt und hängt in der Luft. Wir befinden uns im Kaokoveld, die abgelegenste Region Namibias. Hier sind die Ovahimbas, unter den Namen Himbas bekannt, zu Hause. Es ist ein 50.000 km² großes trockenes Gebiet mit felsigen Gebirgen, Sanddünen und dürrer Vegetation.
Viele kleine Riviere sind zu queren, es wird etwas steiniger. Statt Verkehrszeichen gibt es an den wichtigen Kreuzungen angemalte Öltonnen zur Orientierung. Bei der blauen, wo ein Scherzkeks ein altes Tastentelefon montiert hat, halten wir uns rechts. Ein demolierter Brunnen, leere Wassertanks, viele vertrocknete Rinderleichen - was ist da passiert?
Bei der roten Tonne biegen wir links in das Marienflusstal ab. Wir erblicken die ersten Himbahütten, doch sie scheinen verlassen zu sein.

Die steinigen Passagen sind vorbei, wir befinden uns auf sandigem Wellblech. Ein weites Tal führt uns weiter in den Norden. Der Sand leuchtet in den verschiedensten Farben, die Gebirgsketten sehen wie Schichtkuchen aus. Wir durchfahren Mopanewälder, aus deren biegsamen Ästen werden die Wände und das Dach der Himbahütten gemacht. Mit Kuhdung und Wasser verputzt. Manchesmal ist auch der Boden mit Kuhdung ausgelegt, vielleicht eine wärmende Maßnahme, denn die Winternächte können 9°C oder noch weniger erreichen. Meist sind 3 oder 4 Hütten in einem Kreis angeordnet. Für jede Frau ihr eigenes Gemach. In der Mitte ist der Viehkraal, in denen die Rinder nachts zusammengepfercht werden. Die Vorratskammer ist auf Stelzen gebaut, damit die wenigen Köstlichkeiten sicher vor Tieren sind. Seit Hunderten von Jahren leben sie so.


Wir fahren an vielen verlassen Himbagehöften vorbei. Warum wohnt hier keiner mehr? Ja, es ist sehr trocken, weit und breit kein Wasser in Sicht. Später erfahren wir, dass es bereits seit 3 Jahren nicht mehr geregnet hat. Es wächst kein Gras mehr, damit sie ihren ganzen Stolz - die Rinder und Ziegen - ernähren können. Das Nomadenvolk musste abwandern, diese Gegend ist derzeit nicht zum Beweiden geeignet.
Noch dazu hat eine Hilfsorganisation in die Mutter Natur eingegriffen und hat vor mehreren Jahren diese mittlerweile vewaisten Brunnen und Wassertanks gebaut, in der Meinung für die Wildtiere eine Erleichterung zu schaffen. Jedoch ist das gewaltig in die Hosen gegangen, denn die Verwandten der Himbas, die Hereros, sind mit Lkws vollbeladen mit Rindern gekommen, denn neben reichlich Gras gab es nun auch noch Wasser - das Paradies für Rinder. Neben der jahrelangen Trockenheit kommt nun auch noch die Überweidung hinzu. Es wird lange dauern, bis sich die Natur davon erholt hat und vielleicht wieder einmal Himbas in das Marienflusstal siedeln können.

 


Die Termiten sind fleißig am Arbeiten. Ihre Bauten müssen unterirdisch sein, denn an der Oberfläche sehen wir keine Termitenhügel, nur ihre Straßen sind erkennbar. Das sehr harte Holz vom Mopane Baum bietet Widerstand und so können die Termiten nur die Rinde und die etwas weicheren Teile außen verarbeiten, der restliche Stamm steht für viele Jahre und ist der Verwitterung preisgegeben.

Wenn man ganz genau in die Landschaft schaut, kann man die berühmten Feenkreise erkennen. Das sind kreisrunde, unbewachsene Flecken mit mehreren Metern Durchmesser, die von Termiten geschaffen werden. Diese Termitenart lebt in Nestern 7,5m tief unter dem Boden und "ernten" das Gras. Früher sind die Feenkreise ganz leicht zu erkennen gewesen, weil das Gras rundum dicht und hoch gewachsen war. Jedoch nun, wo kein Gras wächst, ist es ein Trauerspiel.

Am Ende des sandigen Tals erwartet uns der Kunene, der Grenzfluss zu Angola. Der Kunene führt das ganze Jahr über Wasser. Beim Camp Syncro direkt am Ufer des Flusses parken wir uns ein. Wir sind die einzigen Gäste, wen wundert`s? Tagsüber ist es heiß, ein Bad im kühlen Fluss wäre da super, jedoch ist Schwimmen nicht angeraten, Krokodile leben darin.


Am Abend wird der Donkey mit Holz angeheizt, das ist der Warmwasserboiler für die Dusche. Ja, er ist heiß - so genehmigen wir uns eine warme Dusche. Die Nächte sind zauberhaft, voll mit Sternen - kein störendes Umgebungslicht.

Am nächsten Nachmittag, Verena ist gerade am Lesen und Wolfi beschäftigt sich mit der Kamera, als wir Lkw Motorengeräusche wahrnehmen und da kommt auch schon ein Unimog um die Kurve. Das gibt es ja nicht, am "Ende der Welt" trifft man andere Reisende und dann steigen noch dazu Österreicher aus dem Wagen. Christa & Martin leben schon seit 35 Jahren in Namibia, sie sind damals auf einer Afrikareise "hängengeblieben". Wir verbringen einen netten Abend miteinander. Bekommen viele wertvolle Infos und Tipps über schöne Strecken und tolle Plätze.

Ein paar wenige Himbas leben in der Nähe des Campingplatzes, sie haben sich auf Touristen spezialisiert und breiten ihren mobilen Verkaufsladen mit selbstgebastelten Schmuck vor uns am Boden aus.

Bevor wir wieder das Tal retour fahren, wollen wir noch bis zu den Stromschnellen des Kunenes. 6km sind es bis dorthin. Italiener haben hier eine Luxus-Logde gebaut, sie fügt sich sehr gut in die Landschaft ein. Die Touristen, die hier nächtigen, müssen schon einige hundert € pro Nacht berappen. Es gibt einen eigenen Airstrip, auf dem die Propellermaschinen mit den Gästen landen. Die Managerin plaudert über ihre Sorgen und Zukunftsängste mit uns. Wenn bis zum nächsten Jahr keine Touristen ins Land kommen dürfen, ist sie arbeitslos. Sie ist ohnehin die einzige der Angestellten, die hier in der Abgeschiedenheit die Stellung hält.
Heute hat sie Besuch vom Dorflehrer. Er hat 16 Schüler in der Klasse, ab morgen geht der Unterricht nach der Coronapause wieder los. Kennedy, so sein Name, erzählt uns voller Stolz, dass er vor ein paar Jahren in Österreich war. In Niederösterreich hat er 2018 an der Eisstock WM teilgenommen. Trainieren tun sie in Windhoek im Parkhaus auf dem Asphalt, abends wenn alles geschlossen hat. "Aber wir sind schon ein paar Tage vorher angereist, damit wir noch einige Male auf Eis trainieren konnten, bevor es mit dem Wettbewerb losging", erzählt er uns. Wir müssen bei der Vorstellung etwas Schmunzeln. Eisstockschießen ist nun wirklich kein typisch afrikanischer Sport!

Sollen wir nun ins Hartmannvalley fahren? Das wäre das nächste Tal. Wir fahren erstmal bis zur blauen Tonne retour. Springböcke, Giraffen und Strauße laufen vor uns weg. "Aber ja, probieren wir es mal!" Bei der orangen Tonne biegen wir ins Harmann Tal ab. Eine steinige Wellblechpiste vom Feinsten erwartet uns. Beim langsamen Fahren, fallen uns die Schrauben raus, so wie in den Tagen zuvor schon. Das "Päppeln" ist recht nervig. Zu schnell fahren, ist auch keine gute Idee, denn plötzlich taucht dann wieder ein Rivier auf, wo es runter und dann wieder rauf geht. Der Fahrer muss hochkonzentriert sein und hat nicht allzuviele Blicke für die Landschaft übrig. Doch die ist nicht unbedingt überwältigend. Geröllwüstenlandschaft zwischen zwei Gebirgszügen. Und was erwartet uns am Ende des Tals? Eine große Düne soll dann den Weg zum Kunene versperren. So zumindest haben wir es von anderen Reisenden gehört. Wir drehen um, keine Lust auf diese Holperei, denn das haben wir noch die ganze Strecke bis Orupembe zur Genüge.

Diese Nacht verbringen wir im Chumib Flusstal. Gegenüber auf der Weide sind hunderte von Zebras. Natürlich haben sie uns bemerkt, aber wir sind weit genug entfernt, so dass sie sich beim "Grasen" nicht stören lassen. Wolfi sammelt Holz für das Lagerfeuer, Verena inspiziert ein Giraffenskelett. Ob es von einem Löwen gerissen worden ist, wie lange liegt es schon, warum haben sie nicht das ganze Fleisch gefressen? Fragen über Fragen, aber keine Antworten.

 

Wolfi hat das Feuer angezündet, die Sonne geht über dem Gebirgskamm unter, ein Glas Rotwein in der Hand - da marschieren vor uns die Giraffen vorbei, keine 50m entfernt. Immer wieder bleiben sie stehen und schauen uns neugierig mit ihren großen Augen an. Das ist ja richtig kitschig! Später dann, als es dunkel ist, hören wir die Zebras. Sie müssen nicht weit hinter dem Amigo sein. Als wir vom Sessel aufstehen und um die Kurve lugen, hören wir nur das Hufgetrampel, das sich schnell von uns entfernt.

Ca. 150km sind es noch bis Opuwo, die Provinzhauptstadt des Kaokoveldes. Dort gibt es wieder Supermärkte, denn langsam nach 5 Wochen werden die Lebensmittel bedenklich knapp. Wolfi bekommt es schon mit der Angst zu tun ;-)
Mehrere kleine Pässe sind zu Überwinden, in einigen Rivieren muss das Wasser ganz schön gewütet haben, denn große Baumstämme und Felsbrocken sind mitgeschwemmt worden. Aber da hier Platz genug ist, wird einfach eine neue Piste durch das Rivier geschoben, wenn die alte nicht mehr befahrbar ist.
Sind das die Giraffen von gestern, nein kann nicht sein, soweit wandern die bestimmt nicht oder doch? Genüsslich nehmen sie am Akazienbaum ihr Frühstück ein. Die Springböcke laufen gar nicht davon, sie beäugen uns jedoch etwas misstrauisch. Mit den Straußen liefern wir uns ein Wettrennen. 60km schnell sollen sie laufen können. Doch warum rennen sie nicht rechts oder links von der Piste weg? Nein direkt vor uns auf dem Weg bleiben sie...

Vor Opuwo links auf dem Hügel sehen wir die ersten ärmlichen Himbasiedlungen. Was machen Nomaden in einer Stadt? Sie gehören definitiv nicht hierher. Doch in der ganzen Stadt tummeln sich die Himbas. Die Männer haben sich mit der Moderne arrangiert, statt Lendenschurz tragen sie Hosen und T-Shirts. Ganz beliebt sind Arbeitsbekleidung, wie wir sie kennen vom Straßenbau mit reflektierenden Streifen, bevorzugt in der Farbe blau/grün. Die Frauen sind in ihrer traditionellen Bekleidung und Schmuck unterwegs. Nur im Supermarkt bedecken sie ihre Brüste und die viele nackte Haut mit einem Tuch. Viele wollen Geld gegen Fotos! So sieht die Idylle aus den Dokumentationen im TV im wirklichen Leben manchmal dann etwas anders aus...

Wir kaufen beim Spar ein, tanken den Amigo mit Diesel voll und füllen unseren Wassertank. Am Nachmittag sind wir schon wieder unterwegs in den Norden. Wir fahren nochmals an den Kunene, diesmal zu den Epupa Wasserfällen.
Die Piste ist eine Berg- und Talfahrt, wir queren viele Riviere, einige davon sind betonierte Furten. Der Baumbestand nimmt zu. Einige Himbas kommen uns mit ihren Ziegenherden entgegen. Wir sehen die ersten Baobabs seit langer Zeit. Um diese Jahreszeit sind sie hier nackt, ohne Blätter.
Zwei Wohnmobiltrucks kommen uns entgegen. Namibische Nummerntafeln. "Wohin auf Pad?" ruft uns jemand auf Deutsch aus der heruntergekurbelten Seitenscheibe entgegen. Pad sind hier die Pisten. Wir sind in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Es sind Deutsch/Namibianer aus Windhoek auf ihrem Weg in den Süden.
Noch eine Kurve, recht steil geht´s runter, dann stehen wir wieder vor dem Kunene. Wie eine langgestreckte Oase zieht er sich mitten durch die trockene Gebirgswelt Richtung Küste.
Am Community Camp direkt an den Wasserfällen und unter Palmen stehen wir sehr gut. Der Fluss ist Lebensader für Mensch und Tier. Am Nachmittag kommen die Ziegen zum Saufen, danach trudeln die Menschen ein, die einen nehmen ein Bad im kühlen Nass, die anderen waschen ihre Wäsche.
Gibt es hier wirklich noch Krokodile? Wir haben bis jetzt keines gesehen. Böse Zungen behaupten, dass die Himbas vergiftete Köder in den Fluss werfen, damit ihre wertvollen Ziegen nicht mehr gefressen werden.


Ein Trampelpfad führt am steilen Ufer entlang zu wunderschönen Sandbuchten. Wir können die Himbas auf der anderen Uferseite in Angola beobachten. Sie leben das gleiche harte Leben, haben die gleichen Traditionen, sind die gleichen Menschen - leben aber in zwei verschiedenen Ländern. Ursprünglich sind die Himbas im 16. Jhd. aus Angola eingewandert.
Zum Sonnenuntergang steigen wir zum Aussichtspunkt hoch. Ein wunderschönes Panorama eröffnet sich. Die Wasserfälle sind nicht so hoch, wie manch andere, aber es sind viele verschiedene Fälle. In kleinen und größeren Seitenarmen ziehen sie alle zur Felswand, wo das Wasser dann runterrauscht und sich wieder zu einem Fluß vereint. Viele Inselchen mit Baobabs und Palmen verschönern das breite Flußtal. Ein kaltes Bier zum Sundowner mit Blick auf diese herrliche Landschaft - was will man mehr?! Gin Tonic vielleicht?

Nach 2 Tagen verlassen wir Epupa, bleiben jedoch dem Kunene treu und folgen seinem Lauf in entgegengesetzter Richtung. Viele Himbas leben entlang des Ufers. Man muss schon ganz genau hinschauen, um ihre Behausungen auszumachen, so gut getarnt sind sie.
Diesmal haben wir nicht so genau geschaut, denn der sandige Platz unter den Palmen lacht uns an. Stellplatz für diese Nacht! Kaum sind wir ausgestiegen, kommen einige junge Männer herbei, sie sind neugierig, was sich hier tut. Jedoch ist die Konversation etwas schwierig, wir sprechen kein Himba und sie kein Englisch. Ein älterer Dorfbewohner kommt vorbei und meint, ein paar Meter weiter nach links wäre ja viel mehr Schatten, gerne könnte wir auch dorthin parken.
Die Kinder tollen im Sand herum. Wir bestaunen ihre aufwendige Haarpracht. Mädchen haben 2 Zöpfe nach vorne, Jungs einen nach hinten. Bei den Frisuren geht es nicht nur um Schönheit, sondern auch um Tradition und sozialen Status. Auch der üppige Körperschmuck aus Leder, Holz und Muscheln hat symbolische Bedeutung. Weißes Halsband bedeutet noch keine Kinder, braunes - die Frau ist bereits Mutter. Eine große weiße Muschel um ihren Hals wird von der Mutter weitervererbt und ist so oft Generationen alt.
Wir verbringen einen wunderschönen Nachmittag inmitten der lieben Menschen. Die Kinder freuen sich über die Äpfel, die wir austeilen. Während die Jungs den Apfel gierig verspeisen, traut sich das junge Mädchen nicht abbeißen. Da kommt bei Verena der Gedanke auf, ob sie denn vielleicht keine unteren Schneidezähne und somit Schwierigkeiten mit dem Apfelessen hat. Als Schönheitssymbol unter den Himbas ist das Raußhauen mit einem Holzstab der unteren 4 Schneidezähne hoch angesehen. Leider wird das Mädchen ihren Mund nicht mehr öffnen und so wissen wir nicht, ob das der Grund dafür ist.

Wunderschön sind die Himbafrauen, was so viel heißt wie "rote Menschen". Mit einer ockerfarbenen Paste reiben sie ihren Körper und auch die Haare ein. So wird die Haut vor Sonne und lästigen Fliegen geschützt. Wenn sie zur Frau werden, dürfen sie auf ihrem Kopf dieses Lederstück tragen, dass die Hörner der Rinder symbolisieren sollte.

Da wir ja leider keinen Fotodrucker haben und auch die Farbpatrone im Drucker kaputt ist, drucken wir die Fotos schwarz/weiß auf einem Papier aus und schenken diese am nächsten Morgen den Beteiligten. Die Freude ist deswegen nicht weniger groß. Viele werden sich wahrscheinlich noch nie selber betrachtet haben, Spiegel gibt es ja keinen.
In der Nacht hat es 10°C gehabt, nun stehen die Kinder in ihre Bettdecken eingewickelt vor uns. Ob sie einen Art Lattenrost aus Ästen haben und unterm Dach schlafen oder ob sie am Boden schlafen müssen? Und wie haben die großen Familien in so einer winzigen Hütte Platz? Unsere Fragen bleiben leider unbeantwortet.

Beim Spazierengehen entlang vom Fluss treffen wir auf Corni, er ist gerade mit seinem Jeep auf Krokodilsafari. Ca. 2km in die andere Richtung haben sie heute eines gesichtet. Wie groß fragen wir gespannt. "6m oder länger", ist die Antwort. Waaas? So groß sind die? Augenblicklich drehen wir um und suchen die Stelle, wo das Auto vom Pad abgefahren ist. Ja, hier müssen wir richtig sein, Autospuren im Sand, wir folgen ihnen und schauen nicht blöd, als wir bei einem "border control post" landen. Der Polizist erzählt uns, hier seien keine Krokodile, er habe noch nie welche gesehen. Seit dem Beginn vom Corona ist er hier im Dienst und er wird noch einige Monate im Lager verbringen müssen. Der Schmuggel von billigen Treibstoff und Drogen aus Angola, sowie die illegalen Grenzübertritte sollten unterbunden werden. Leider haben sie kein Auto und so ist das Patroillieren entlang des Ufers etwas mühselig. Gestern haben sie einen Tipp von einem Einheimischen bekommen, der meint einen Schmuggler ertrinken gesehen zu haben. Eh schon das 2x innerhalb kurzer Zeit, denn Schwimmen kann von ihnen keiner. Sie gehen nun morgen dem Hinweis nach. Wir wünschen ihm noch einen schönen Abend und machen uns auf den Heimweg zum Amigo.

Es herrscht große Betriebsamkeit auf unserem Platz. Eifrig klettern die Jungs die tote Palme hoch. Im Stamm stecken kleine Hölzer, auf denen sie hochsteigen. Kaum ist der erste oben, beugt er sich über die abgeschnittene Palmkrone, so dass man nur noch seinen Hintern sieht. Er füllt einen Becher voll und reicht ihm seinen Kumpanen. Eine sogenannte Buschbar mit Palmweinausschank. Schade nur, dass sie dafür die Bäume töten. Mehr dazu erfahren wir morgen bei Corni.

Wir parken in Cornis Camp, direkt am Ufer gelegen. Corni hat sich mit der Ausstattung wirklich Mühe gegeben. Jeder Platz hat ein eigenes Dusch- und Toilettenzelt mit speziellem Charme. Da er das Grundstück nur gepachtet hat, hat er Zelte aufgebaut, sogar er wohnt mit seiner Frau in einem großem, robusten Zelt.
Feuerstelle und Holz ist im Übernachtungspreis inkludiert. Wir sind gar nicht einmal ganz alleine am Platz. Leandro, ein Südafrikaner, hängt auch schon seit Monaten in Namibia fest. Er will nach Europa hoch, genau die umgekehrte Richtung wie wir runtergefahren sind. Hier im Camp gibt es auch seit Tagen wieder einmal Internet und das nutzt Wolfi aus, hat er nicht ein tolles Büro? Am Abend grillen wir Hühnchen für Verena und Teile vom Lamm für Wolfi.


Die Umweltbehörde kommt angefahren. Sie sind auf der Suche nach den Übeltätern, die die Palmen köpfen. 60l Palmwein bekommen sie aus der Palme raus. Aber man braucht ihnen doch nur zu erklären, dass es doch gar nicht notwendig ist, die Palme zu köpfen, sondern einfach ein Gefäß unter die abgeschnittenen Fruchtstände zu hängen. So haben wir es in vielen anderen Länder in Afrika gesehen. Doch unsere naive Art vergißt natürlich, dass der afrikanische Mensch nur an Heute denkt. Heute bekommt er auf einmal viel mehr Palmwein raus und morgen auch noch, doch nächstes Jahr ist die Palme tot.

Seit die Offroad Piste entlang des Ufers zu einer Straße ausgebaut wurde, siedlen sich viele Himbas an. Vorbeifahrende Touristen anzubetteln, Fotos gegen Geld und die Beschaffung vom Maisbrei, dass das vorbeifahrende Minitaxi bringt, macht das Leben ja viel einfacher, so erzählt uns Corni. Als Anreiz der Regierung, damit die Himbas nicht aussterben, denn sie zieren viele touristische Prospekte, zahlt man pro Kind 250,-N$ monatlich bis zum Erwachsenenalter aus. Das ist eine Menge Geld, so wird der Anreiz einer Arbeit nachzugehen oder ihre Ziegen zu hüten und später am Markt zu verkaufen, genommen.
Ein Leben als Halbnomade in der modernen Welt scheint für uns ein riesiger Spagat zu sein. Die Himbas außerhalb von Opuwo leben ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne Handy. Auf uns haben machen sie keinen unglücklichen Eindruck. Viele bewirtschaften am Flussufer ihre kleinen Maisacker und aus den getrockneten Körnern stampfen sie Milipap - den Maisbrei, den sie täglich essen. Ob sie ihre Ziegen auch selber essen oder nur verkaufen, wissen wir nicht. Corni erzählt uns, dass sie sich von ihrem ganzen Stolz - ihre Tiere - nur sehr schwer trennen, denn umso größer die Herde, desto höher das Ansehen. Aber von irgendetwas müssen sie sich doch auch ernähren. In der Tat, ihre Ziegen sehen prächtig genährt aus und selten wo, haben wir so saubere und gepflegte Tiere gesehen.


Wir sind gerade am Verabschieden, als die Polizei auf das Gelände fährt. "Ein paar Kilometer weiter flussaufwärts soll es stinken." Wahrscheinlich wurde der Schmuggler ans Ufer geschwemmt, die Sonne und die Fliegen tun nun ihr Werk.

Wir hören und riechen nichts, als wir an besagter Stelle vorbeifahren und parken uns einige Kilometer weiter wieder am Ufer des Kunene ein. Ein schmaler Pfad führt zum Wasser. Auf der anderen Seite marschieren mehrere Gruppen von Menschen. Jeder hat Kanister und Pakete in der Hand. Die Schmuggelroute! Haben sie aus dem tragischen Unglück nichts gelernt - Geld muss wohl doch wichtiger sein, als ein Menschenleben!
Am Abend am Lagerfeuer gibt es gegrilltes Fladenbrot und Hummus. Köstlich!

Unser allmorgendlicher Spaziergang führt uns dem Pad entlang. Irgendwie ist es wie im Freihlichtmuseum. Die Familien sitzen mit ihren Decken im Kreis beieinander in der Sonne und warten bis sie die Strahlen erwärmt. "Good Morning", rufen wir hinauf und sie winken zurück. Die Hunde melden uns lautstark, schließlich muss die Ziegenherde vor Fremden beschützt werden. Auf der anderen Seite hinter dem Zaun das gleiche. Die Kinder eingehüllt in übergroßen Jacken, die bis zum Boden reichen, barfuß. Die Mutter hockt mit dem Neugeborenen, das an der Brust nuckelt, am sandigen Boden, vor ihr ein kleines Feuerchen, wo sie den Maisbrei für die Familie kocht.

 

Verena wirft einen Blick aus die Haustüre zum Fluß und glaubt es kaum. "Wolfi, da schwimmt ein Kroko im Wasser." Schnell mit Fernglas und Kamera bewaffnet gehen wir auf unseren sicheren Beobachtungsposten. Durch das Fernglas können wir das bestimmt 6m lange Krokodil bestaunen. Die Hoffnung, dass es sich auf die Sandbank am anderen Ufer legt, geht nicht in Erfüllung. Es schwimmt weiter, bis es um die nächste Flussbiegung verschwindet. Am nächsten und übernächsten Tag legen wir uns wieder zur gleichen Zeit auf die Lauer, doch es lässt sich nicht mehr blicken.

Am Abend bekommen wir Besuch von Dik-diks und ein paar kleinen Affen, die sich ihren Durst im Fluß stillen wollen. Wir beobachten einen schwarz/weißen Kingfisher, der auf einem Ast sitzend lauert, dann mit Sturzflug ins Wasser stürzt (es hört sich an, als sei ein dicker Stein ins Wasser gefallen) und kurz darauf mit einem kleinen Fisch wieder auftaucht.

Es geht dem Lauf des Flusses entlang weiter bis die Abzweigung nach Otjivise kommt, wo wir dann auf der Hauptpad nach Opuwo gelangen. Dort wollen wir wieder unsere Vorräte auffüllen, bevor es dann in den Etosha Nationalpark, einem der großen Highlights von Namibia, weitergeht. Wir gehen endlich auf Safari - juchuu!!

 

REISEN

 

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