Angola 2. Teil

30.01. - 22.02.2020

Ausreiseort: Santa Clara
Währung: 1€ = 640,- Kwanza
Dieselpreis: 1l = 135,- KW

Der Weg wird immer schmäler und wir fahren mit einer Wagenseite schon im hohen Gras, wir zirkeln über einen kleinen Staudamm darüber, fast haben wir es übersehen. Als wir eine matschige Wasserpfütze queren und sich noch ein Ast in die Sonnenblende verfängt, fragen wir uns: Was machen wir hier überhaupt? In welchem Zustand ist die Piste den Berg hoch? Wie ausgespült oder gar weggespült ist sie? Ist diese Kaffeeplantage, die sie alle von der anderen Seite her anfahren, wirklich so einzigartig? Es ist nicht die erste und wahrscheinlich auch nicht die letzte Kaffeeplantage, die wir sehen werden. Da wir keine Lust haben die etwa 5km lange Strecke vorab abzumarschieren, wenden wir bei der nächsten Möglichkeit und fahren den gleichen Weg wieder retour. Ob wir Calulo von der anderen Seite her anfahren, wissen wir noch nicht.
Bei Cambambe wird der Cuanza River zum 2. Mal aufgestaut. Als wir ins Dorf einfahren, steht uns ein Schranken im Weg. Die Polizei darf hier niemanden reinlassen, denn das sei der offizielle Weg zum Staudamm. "Aber nein, da wollen wir doch eh nicht hin, wir wollen zum Fort, welches die Portugiesen Anfang 17. Jhd. gebaut haben, das wäre für uns interessant". Der Beamte ist flexibel, wir sollen unseren Amigo am Straßenrand parken und er begleitet uns zum Fort, welches ca. 1km Fussmarsch entfernt ist. Es geht durch das Wohnquartier der Angestellten vom Kraftwerk, vorbei an mehr als 10 rostigen Panzern und dann stehen wir vor dem 1925 renovierten Fort. Hier wurden die Gefangenen oder gekauften Sklaven bis zu ihrem Abtransport nach Übersee festgehalten.

Den Abend genießen wir mit einigen Angolanern am Stausee und bewundern den schönen Sonnenuntergang. Maurizio ist mit seiner 10köpfigen Familie im Toyota Bus angereist. Er verbringt jeden Samstagabend mit ihnen und der Kofferraum ist gut gefüllt mit Cuca Bier und Snacks. Jemand hat sein Autoradio etwas lauter aufgedreht - Saturday night fever! Maurizio erzählt uns, dass die Leute gerne feiern. Sie freuen sich über den Frieden, dass sie genug Essen haben oder einfach, dass sie am Leben sind. Jeder hat Familienmitglieder in diesem langen Bürgerkrieg verloren. "Die Menschen sind mit dem wenigen was sie haben zufrieden. Geld ist nicht so wichtig - noch nicht", meint er. Maurizio hat am ganzen Oberkörper schwere Brandnarben, er war mit dem Panzer in Feuerbeschuss gekommen und hat nur knapp überlebt.
Wir fühlen uns inmitten der Menschen pudelwohl, um 21 Uhr sind wir schließlich allein am netten Uferplatz.


Wir wünschen den Angolanern so sehr, dass sich die Wirtschaft in ihrem Land erholt und es weiter aufwärts geht. Jeder sollte Zugang zu sauberem Wasser haben und einen Stromanschluss bekommen, denn dadurch würde sich ihr Leben einfacher gestalten. Auch für eine anständige Schulbildung sollte gesorgt und genügend Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Infrastruktur wurde schon in Angriff genommen und hat sich in den letzten Jahren sehr gebessert. Die Hauptrouten sind fast alle durchgehend asphaltiert, die Chinesen sind fleißig am Ausführen der Bauarbeiten. Doch es fehlt noch an Investoren, dabei hätte Angola solch ein großes Potenzial. Nicht nur Erdöl, Bodenschätze, fruchtbare Erde, es wäre durchaus auch für den Tourismus geeignet, wenn man die dafür benötigten Rahmenbedingungen schaffen würde. Überall im Land können wir problemlos herumfahren, auch das Parken und Nächtigen im Amigo ist nie ein Problem. Der allgegenwärtige "Daumenhoch" von Jung und Alt zaubert uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Kurzum, wir fühlen uns sehr willkommen im Land.

 

Wir sind unterwegs in die Bergwelt. Die ersten Faciendas tauchen auf, das sind große Farmen, auf denen Land- oder Viehwirtschaft betrieben wird. Die Felder werden nicht mehr mit der Hand, sondern mit Traktoren bestellt. Nicht weit enfernt von einer nigelnagelneuen Weinkellerei schlagen wir unser Nachtlager auf.
Am nächsten Tag machen wir uns auf die Suche nach den Felsmalereien auf einen der großen Granitblöcken. Aber welchen den? Der da hinten vor dem Berg oder den halbrunden zwischen den Feldern? Wir peilen den Monolithen zwischen den Feldern an, beim Dorf helfen uns die Einheimischen weiter und zeigen uns den schmalen Fußweg zwischen den Gärten durch, über kleine Flüsse und matschigen Gatsch.
Manche sind mit der Avocadoernte, andere mit der Tomatenernte beschäftigt, die wohlschmeckenden Avocados haben Hochsaison!

Auf einer großen Felsplatte sind die Frauen mit der Verarbeitung der Maniokwurzeln und der Maiskörner beschäftigt. Während die einen die Wurzel zerbröseln und in der Sonne trocknen lassen, sind andere mit den bereits getrockneten Maniokstücken beschäftigt. Mit einer Holzkeule wird so lange darauf gehauen, bis sie fein wie Mehl sind. Auch die Maiskörner werden so zerkleinert, dann mit dem Maniok vermischt und fertig ist das tägliche Grundnahrungsmittel, genannt Fubu.

Endlich finden wir den richtigen Monolithen! Die Felsmalereien sind ganz schön versteckt und wir brauchen 3 Anläufe, bis wir sie schließlich doch noch finden, denn sie sind unter einem Felsüberhang versteckt. Von wem sie stammen und wie alt sie sind, wissen wir nicht, den Tipp haben wir von unserem Landsmann Karl in Luanda bekommen. Hoch oben vom Felsen hat es einen wunderschönen Ausblick auf die grandiose Landschaft rundum, die immer wieder von großen und noch größeren Monolithen unterbrochen ist. Auf einigen anderen großen Felsen in der Umgebung sind jahrhundertealte Gräber angelegt, aus tausenden von Steinen zusammengetragen.

Die Landschaft ist wunderschön, kurios geformte Granitblöcke liegen wie zusammengewürfelt in der Landschaft und erinnern uns ans indische Hampi, dazwischen haben die Menschen ihre Felder angelegt und es gibt jede Menge Mango und Avocadobäume. Die Feldernte wird am Kopf nach Hause getragen.
Sobald wir aus dem Fenster winken, werden die Hände in die Höhe gerissen und mit einem Lächeln zurückgewunken. Man hat das Gefühl sie warten nur drauf, dass wir grüßen, um sich dann beim Winken förmlich zu überschlagen.

Und dann kommen wir doch noch zu unserer Kaffeefarm. Durch ein weißes Tor führt die Straße durch eine Allee hoch zum Herrenhaus. Entlang der Einfahrt sind unzählige Kaffeesträucher. Wir fragen, ob wir denn heute Nacht hier schlafen könnten. "Non problemo!" meint Samuel, der nette Plantagenbesitzer. Er hat in Italien studiert und erzählt uns, dass Angola vor dem Krieg 140.000 Tonnen Kaffee geerntet hat, heute sind es nur noch 5.000 Tonnen. Diese Region war einst das Kaffeeparadies Afrikas und Angola der zweitgrößte Exporteur der begehrten Bohnen.
Rund um Gabela haben fast alle in der Kaffeebranche gearbeitet. Sogar Gleise wurden von der Küste hierher verlegt, damit der Kaffee schneller in die ganze Welt exportiert werden konnte. Doch zu Kriegsbeginn sind viele Portugiesen aus dem Land geflohen und die Kaffeeplantagen sind verfallen. Nur wenige haben sich die Mühe gemacht und nach 27 Jahren wieder von vorne begonnen.


Gabela war einst die Hauptstadt des Kaffees, eine blühende Handelsstadt mit Kino, einem großen Marktplatz und vielen Geschäften. Wir sind neugierig auf diese Stadt und
müssen ohnehin durch. Im Eingangsbereich des ehemaligen Bahnhofsgebäudes ist nun ein Schuhverkäufer neben einem Shop mit Handyhüllen. Entlang vom Bahnhofsgelände kann man die Lagerhallen noch gut erkennnen, heute ist hier der chaotische Markt untergebracht. Viele der Gebäude und Hotels stehen leer, beginnen zu verfallen. Der Putz bröckelt ab, das Dach ist eingebrochen, Bäume und Sträucher wachsen aus der ehemaligen Küche. Die Glanzzeit lässt sich noch erahnen, doch davon ist man derzeit meilenweit entfernt.
Wir wundern uns über die Kurzsichtigkeit der Politiker oder tonangebenden Verantwortlichen dieser Stadt. Sie leben in einem Freilichtmuseum inmitten außerordentlich schöner Landschaft - und sehen es nicht. Hier bekommt das Wort "Sesselkleber" eine ganz andere Bedeutung. Bis Freitag sitzen, um dann fürs Wochenende fit zu sein...

Eine schöne Straße schlengelt sich durch die grüne Bergwelt, derzeit allerdings recht schmal, denn das Gras links und rechts davon wuchert. Die Dorfbewohner leben vom Ackerbau. Mais, Tomaten, Avocados, Mangos, Passionsfrüchte und vieles mehr. Auf der fruchtbaren Erde wächst das Obst und Gemüse sehr gut und am Straßenrand wird der Überschuss verkauft. In unserer Mittagspause bekommen wir Besuch. Wir parken direkt am Fussweg zum Dorf, welches uneinsehbar hinter dem Hügel liegt. Ein Bauer kommt mit einem Sack voll Avocados und versteckt ihn mit Bananenblättern. Eine junge Mutter mit ihrem Baby am Rücken bringt Maniokblätter, die sie in ein großes Tuch gewickelt hat, auch sie legt die Blätter ins Gebüsch. Es folgt ein weiterer Bauer mit einem Sack und eingebundener Hand. Der Verband ist mit Blut getränkt, denn er hat sich mit der Machete in die Hand gehackt. Auch er lässt seinen Sack unter dem Buschwerk verschwinden. Was passiert hier?? Des Rätsels Lösung: Am Spätnachmittag kommt ein Kleinlaster, welcher das Gemüse einsammelt und es zum Markt in die nächste größere Stadt bringt.

Diese Nacht verbringen wir bei einer heißen Quelle, sozusagen an einem "Gichtwandll". Da die Menschen in den Dörfern kein fließendes Warmwasser haben, nutzen sie natürlich den Luxus einer heißen Quelle, um sich damit zu Waschen. 40°C heiß kommt es aus den Felsen und rinnt durch ein Rohr in einen gemauerten Pool. Bei kühlen 22°C Lufttemperatur abends, wenn die Sonne untergeht, ist das Baden ein tolles Vergnügen für die Dorfjugend. Nicht aber für uns - irgendwie erscheint es uns nicht sonderlich sauber. Unterhalb des Pools rinnt der Überlauf in ein Bächlein und hier waschen die Frauen bereits um 6.00 Uhr morgens an eigens errichteten Waschplätzen ihre Wäsche.
Auch der Autowaschsalon ist pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen eröffnet. Der Lärmpegel ist nicht gerade leise. "Guten Morgen Wolfi, hast du gut geschlafen?" So früh sind wir ja sonst nicht munter, doch die gute Avocadocreme auf dem frisch aufgebackenen Brot sorgt wieder für ein Lächeln. Emsig laufen die beiden Jungs mit ihren Kübeln vom kleinen Rinnsal zum Auto, das singend in 2 Stunden blank geschrubbt ist. Faszinierend beobachten wir, wie sie mit den Reifen beginnen und sich dann über den dreckverkrusteten Radlauf zum Dach des Fahrzeuges hocharbeiten. Glänzen tut das Auto nur noch, wenn es nass ist....;-)

Hin und wieder sieht man noch Überreste vom Krieg. Vorbei an verrostenden Panzern und zerbombten Brücken erreichen wir bei Sumbe wieder die Küste.


Recht einladend ist der Strand hier nicht und so fahren wir weiter in den Süden. Hoch oben am Plateau haben wir eine herrliche Aussicht auf das Meer. Einige Boote kommen zurück - ob sich der Fang wohl ausgezahlt hat? Wir werden es nicht erfahren, denn der Weg hinunter ins Dorf ist steil und wir können uns auch gar nicht vom Ausblick aufs Meer losreißen. Neben uns steht eine einfache Baracke, der Hausherr lehnt fast den ganzen Tag an der Türangel, bis er sich abends dann einen kleinen Kochtopf auf die Feuerstelle stellt, um seinen Hunger zu stillen.

Als wir den Stadtstrand Lobitos erreichen, wird es unangenehm. Zuerst durchfahren wir die Müllhalde der Stadt, der Wind verweht den leichteren Abfall über die Straße in die ganze Umgebung. Auf hunderten kleinen, kargen Hügeln sind Häuschen gebaut, dazwischen Müll, Müll und nochmals Müll. So dreckig haben wir Angola bis jetzt nicht erlebt. Und je näher wir dem Stadtzentrum kommen, desto schlimmer wird es. Vor dem Markt befindet sich eine große, stinkende, grüne Brühe, in der Abfall schwimmt - das ist die Straße. Sie ist derzeit dauerüberflutet mit ausgetretener Brühe vom Kanal. Das ganze Leid sehen wir kaum, denn davor ist noch der Abfallberg vom Markt, der so still und leise vor sich hinkokelt und uns die Tränen in die Augen treibt. Nur wenige Meter entfernt, wird das Gemüse, Obst, Brot und Fleisch auf Plastikplanen am Boden angeboten.
Haben wir schon geschrieben, dass Afrika ein "Plastikproblem" hat? Wir werden immer leicht schräg angeschaut, wenn wir die Plastiktüten beim Einkauf ablehnen und unsere Stoffsackerl befüllen.


Kaum haben wir die Brücke überquert, vorbei am Tiefseehafen, befinden wir uns auf der Restinga, eine etwa 6km lange Halbinsel und in einer anderen Welt. Auf einem breiten Boulevard, gesäumt von schönen Gebäuden gelangen wir bis ans Ende, wo genug Parkplatz für den Amigo direkt im Sand am Meer ist. Dahinter sind nette Restaurants und Clubs, neben uns am Strand wohnt eine Familie in einem Verschlag, die direkt daneben ihr Geschäft betreibt. Bikinis und dazupassende Tücher für die Dame und Badehosen mit passenden Oberteil für den modischen Mann.
Die Halbinsel ist genau der richtige Ort für uns, um mal wieder etwas Sport zu betreiben. Die Fahrräder werden gereinigt und zum Laufen gebracht. Es dauert ein wenig, bis sich alle Gänge schalten lassen, doch schließlich ist es soweit und wir erkunden mehrere Tage die Restinga und den angrenzenden Teil von Lobito mit unseren Drahteseln.

Zwischen den Kasuarien bauen die Bierverkäufer jeden Tag ihre Stände auf und die Mädels grillen Krebse, Langusten und anderes Meeresgetier am kleinen tragbaren Grill.
Moderne Wohnhäuser und Appartementanlagen, dazwischen ein neu renoviertes altes Kolonialgebäude. Alle hinter einem hohen Zaun mit Wachmann davor. So haben die Leute wenigstens Arbeit.
Je weiter wir Richtung Zentrum fahren, desto desolater werden die Gebäude. Betonbunker aus den 70er Jahren, in denen kinderreiche Familien wohnen. Aber auch davor wird am Strand getrunken, gesungen, getanzt und gelacht.


Hoch die Hände - Wochenende!! Es ist einiges los und überall versprühen die Badegäste Lebensfreude pur. Entlang der Restinga fließt das Bier in Strömen und kaum einer, der nicht mit seinen Hüften zur lateinafrikanischen Musik schwingt.
Auf dem Rückweg zum Amigo macht es Peng und eine Speiche an Wolfis Hinterrad bricht. Es sind die Nachwirkungen vom Taxifahrer in der Elfenbeinküste, der Wolfis Rad touchierte. Ricardo, ein ganz netter Angolaner, der perfekt englisch spricht, kommt an unserem Stellplatz vorbei und schwärmt uns von Braia Azul, einem Badeort südlich von Benguela, vor. Er ist auch gerne mit seinem Mountainbike unterwegs und kennt jemanden nicht weit entfernt, der die gebrochene Speiche tauschen kann. Das trifft sich gut, denn morgen wollen wir weiter in den Süden fahren.

 

Lobito und Benguela sind fast zusammengewachsen. Neben der guten Autostraße führt eine neue Bahntrasse, erbaut von den Chinesen. Die Bahnhofsgebäude sind nigelnagelneu und könnten auch irgendwo in Europa stehen. Doch niemand braucht diese Gebäude, sie sind verschlossen, denn das Ticket gibt es nur im Zug.
Viele Gebäude sind halb oder fast fertiggestellt, aber nicht geöffnet. Riesige moderne Hotels mit vielen Parkplätzen davor - geschlossen - wer soll denn bitte hier übernächtigen? Soviel Geld aus dem Fenster zu werfen, das könnte man auch anderweitig für die normale Bevölkerung viel besser einsetzen. Oder ist das wirklich schon alles für den Aufschwung in der Zukunft gedacht, so wie Wolfi meint? In jeder größeren Stadt springen uns schon von Weitem die rosaroten und gelben Hotelkomplexe entgegen. Immer gleich gebaut, immer die gleiche Farbe, immer gut eingezäunt, jedoch auch immer geschlossen. Später erfahren wir, dass diese Hotels einem Privatmann gehören und sich die anhaltende Wirtschaftskrise gehörig auf sein Geschäft auswirkt.

Benguela durchfahren wir, wir machen nur einen Halt beim großen Supermarkt. Leider, wie überall bei den Malls, eine Höhenbeschränkung auf 2.40m, ok dann parken wir eben nebenan bei der Tankstelle. Als wir mit dem Einkaufswagen das Supermarktareal verlassen, fuchtelt der Securty ganz wild mit seinen Händen und schreit "nau, nau!" (was so viel wie nein heißt) "Ja, wenn du uns die Einkäufe rüberträgst, dann lassen wir den Wagen hier stehen" - das will er dann doch nicht. Das Tankstellenpersonal bricht in großes Gelächter aus, als sie uns heranrollen sehen. Natürlich bringen wir anschließend den Einkaufswagen wieder zurück.
Neben dem Supermarkt im überfüllten Müllcontainer suchen ein paar junge Frauen mit ihren Babys am Rücken, nach brauchbaren Sachen im Müll. Die Hauptstraße durch das Zentrum ist breit und mit Königspalmen bepflanzt. Biegt man rechts ab, stehen die braunen Wohnbaracken der armen Bevölkerung. Der Asphalt ist verschwunden, tiefe mit Wasser gefüllte Löcher - der Kontrast könnte größer nicht sein. Das begleitet uns nun schon durch das ganze Land.

Praia Azul ist der Strand für die Reichen und Schönen. Kollossiale Gebäude, moderne Villen, Holzhäuser á la Tirol - alle mit einer fetten Mauer umgeben und Wachmann davor. Hier verbringt die High Society der Stadt ihr Wochenende, man bleibt gerne unter sich. Irgendwie sehr skurril.
Als wir am nächsten Tag einen Spaziergang den Strand entlang unternehmen, entdecken wir vereinzelt ein paar Plastikverschläge und schiefe Blechhütten zwischen den prächtigen Ferienhäusern, da wohnt die nicht so gut situierte Bevölkerung.
Im Nachbardorf leben die Menschen vom Fischfang. Einige Fischkutter liegen am eingezäunten Steg, über ein Rohr wird der Fang in die kleine Fabrik gesaugt. Wahrscheinlich befüllen sie hier Fischkonserven?


Wir landen in einer netten kleinen Bucht, die Häuser alle aus dem 70er Jahren. Ein paar Felsbrocken am Strand mit herrlicher Sicht auf das dunkelblaue Meer. Jedoch seit einiger Zeit ist die Sicht etwas eingeschränkt. Ein Schiff ist gekentert und hier an den Strand gespült worden. Leider sieht man von den Terrassen aus nur noch das rostige Rumpf. Blöd gelaufen!
Die Sonne knallt bei knapp unter 40°C vom Himmel runter, wir haben Durst. Wegen dem enormen Feuchtigkeitsverlust müssen wir unbedingt ein paar Cuca trinken.

Es geht stetig bergauf auf dem weiteren Weg in den Süden. Die Ferien sind vorbei und endlich sehen wir Kinder morgens auf dem Weg zur Schule, wir haben uns schon gewundert. Viele tragen einen Schemel oder einen Plastikstuhl am Kopf, es wird wohl zuwenig Schulbänke geben. Die Jugendlichen, die in eine höhere Schule gehen, sind alle mit einem weißen Kittel bekleidet. Wir grübeln, ob denn das alles angehende Ärzte sind, von denen das Land ja sicherlich viele gebrauchen könnte, doch dann merken wir recht schnell, dass dieses ungewöhnliche Bekleidungsstück die Schuluniform für die höhere Schule ist.

Lubango liegt auf 1.600m, in der Stadt wird an der Straße und am Gehweg gearbeitet. Schöne Pflastersteine werden verlegt - das sehen wir hier zum ersten Mal. Seit 2 Jahren gibt es einen neuen Gouverneur und dieser setzt sich für die Stadt ein, erzählen uns deren Bewohner. Wir fahren weiter in ein Seitental. Nette Bauernhöfe, umgeben von Obstgärten mit Äpfel- und Birnenbäumen. Mittendrin ein Schweizer, welcher verschiedene Käsesorten, Joghurt und Butter herstellt und verkauft, sowie ein kleines Restaurant betreibt. Bepackt mit Raclett-, Schaf- und Ziegenkäse fahren wir weiter ins Tal hinein.

Noch einige Kurven weiter hoch und wir gelangen zur Hochebene. Skurille Felsblöcke zieren den Weg, ein großer Parkplatz. Der Wind pfeift, Kühe rund um uns, eine Jacke wäre angenehm - wir sind auf 2.200m. Tundavala heißt der Aussichtspunkt. Von hier geht die Steilwand angeblich 1000m senkrecht runter. Ein traumhafter Ausblick erwartet uns - auf ein Wolkenmeer. Kein Zentimeter vom Boden tief unten ist zu sehen, es schaut aber dennoch gewaltig aus, doch leider ziehen immer mehr Wolken heran und drücken über die Felskante nach oben, über uns hinweg.
Neben unserem Amigo werden frische Äpfel und Birnen verkauft. Da kommt uns natürlich sofort eine Idee: Anstatt die Heizung einzuschalten, denn es ist hier heroben empfindlich kalt, backen wir einen Apfelstrudel. Der Backofen wärmt und dazu ein Stück heimische Köstlichkeit - hatten wir schon lange nicht mehr!
Wir schlafen am Parkplatz und erleben ein kurzes, aber heftiges Gewitter. Danach ist es wunderbar ruhig und wir haben am nächsten Morgen Glück, denn es gibt freie Sicht auf die 1.000 Meter tiefer gelegene Ebene.

Zurück auf der Hauptstraße in Lubango, fahren wir den Leba Pass mit seinen vielen Serpentinen hinunter. Die Landschaft Richtung Küste ist momentan sehr grün, es blühen viele gelbe Blumen und die Menschen verkaufen Pilze am Straßenrand, die nur in regenreichen Zeiten wachsen. Sie ähneln unseren Parasol und schmecken kurzgebraten sehr köstlich.


Hier lebt die Volksgruppe der Mumuhilas. Sie verkaufen Holzkohle, in große Säcken verpackt. In den Oasen wird Gemüse angebaut. Jene die Rinder haben, verkaufen die frische Milch in Plastikflaschen entlang der Straße.

Die Wüstenstadt Namibe wirkt irgendwie vergessen. Heruntergekommene Häuser inmitten großer Müllberge. Es ist Sonntag und viele Menschen sind am Strand. Auch an der kleinen Stadtpromenade bröckelt der Putz von den Gebäuden. Die wenigen, die sich ein Auto leisten können, sind stolz auf ihr Stereoanlage im Kofferraum. Das Bier fließt in Strömen und die laute Musik vermischt sich mit dem Glächter der Menschen. Einige wenige Kolonialbauten an der Hauptstraße sind frisch renoviert, wahrscheinlich jene, wo heute der Bürgermeister und die Stadtverwaltung residieren.
Wir parken neben der Independencia am Strand. 2009 ist sie auf Grund gelaufen und nun rostet sie still und leise vor sich hin. Wahrscheinlich kennt hier niemand den Eisenpreis für Schrott...

Weiter im Süden in der Namib Wüste besuchen wir den Lake Arco. Durch einen schmalen Canyon führt eine Piste hindurch zu einem eingezäunten Areal, hier parken wir. Sofort sind wir von neugierigen Kindern umringt. Sie zeigen uns den Weg zum ehemaligen See. Seit 2014 gibt es hier kein Wasser mehr. Allerdings muss es doch noch etwas vom kostbaren Nass geben, denn die Fläche ist leicht grün und auch die Dattelpalmen gedeihen. Das spärliche grüne Gras und die Akazienbäume reichen gerade so für ihre Ziegen, Esel und Schweine. Alles läuft frei rum, am Abend kehren die Tiere wieder brav alleine nach Hause zurück, wahrscheinlich plagt ihnen der Durst.
Die Kinder zeigen uns ganz stolz ihre selbstgebastelten Autos aus Draht, einer leeren Plastikflasche und die Räder sind aus alten Flipflops geschnitten. Leider wird eines beim Wettrennen kaputt. Der Draht, der schon 100x herumgewickelt wurde, will nicht mehr halten. Wolfi schenkt den beiden etwas Draht und nun wird gewickelt, geknotet und gedreht - Lego Technic auf afrikanisch! Nun kann das Wettrennen weiter gehen.

Wir müssen wieder zurück nach Lubango. Diesmal nehmen wir eine andere Straße, die über Bibala zu einer weiteren schönen Passstraße führt. Herrliche Landschaft mit vielen Felsbrocken und Baobabs. Links und rechts rücken die Berge näher und es geht immer den Bahngleisen entlang. Auch hier fallen uns die neu errichteten Bahnhofsgebäude auf, welche alle leer stehen. Im ganzen Land wurden die alten Eisenbahntrassen erneuert und im Zuge dessen auch die Bahnhöfe neu gebaut und zwar alle gleich.
In Bibala stehen wir direkt vor der mächtigen Felswand, der Tundavala. Hier 1.000 Meter höher ist der Aussichtspunkt, an dem wir vor einigen Tagen übernachtet haben. Dunkle Wolken verhüllen die Wand und kurz darauf fängt es zu Regnen an. Als wir die vielen Serpentinen auf bestem Asphalt hochfahren, kann man schon nicht mehr viel erkennen.
Kurz vor Lubango parken wir für die Nacht in einen alten Steinbruch und entdecken Tags darauf beim Wegfahren, dass in der Nacht doch jemand versucht hat, unsere Fahrräder zu klauen. Die Kunststoffschnallen am ersten Fahrrad sind durchgeschnitten, doch das Fahrradschloss hat einen zu dicken Draht und so wurde der Versuch abgebrochen. Wir haben gut geschlafen und nichts mitbekommen.
In Österreich haben uns Freunde davor gewarnt, dass in Afrika so viel gestohlen wird. Des öfteren haben wir uns schon gewundert, dass wir die Fahrräder noch besitzen. Immer wieder versammeln sich Trauben von Kindern hinter dem Lkw und "himmeln" unsere verstaubten und mittlerweile sehr rostigen Bikes an, die in Europa kaum jemand mehr fahren würde. Doch uns sind sie in jeder größeren Stadt von Nutzen und wir erfreuen uns immer wieder daran. Bis jetzt sind wir in Afrika noch nie bestohlen worden!! Hoffentlich hält diese Glückssträhne noch weiter an, herbeigeredet ist es ja schneller, als man glaubt.

Unser Aufenthalt in Angola neigt sich dem Ende zu. Nun geht es nur noch südwärts nach Namibia. Doch zuerst wollen wir unsere Gastankflasche füllen lassen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Überall sehen wir Menschen mit ihren leeren Gasflaschen, entweder in einer Schubkarre fahrend oder am Kopf tragend. Das Gasflaschenlager ist leicht zu finden, dort geben die Angolaner ihre leere Flasche ab und nehmen eine volle mit. "Füllen können wir diese Gasflasche hier nicht, schon gar nicht diese europäische Flasche mit dem komischen Anschluss", so der Mitarbeiter. Jedoch sind sie sehr hilfsbereit und erklären uns den Weg zur Füllstation.
Dort nehmen sich Chelson und Paolo unseres Problemes an. Mit einem speziellen Adapter, den sie uns anschließend auch noch verkaufen, ist nach nur 30 min unsere Flasche voll.

Auch der sonst trockene Süden Angolas präsentiert sich in grünem Gewand. Große Flächen sind überschwemmt, es gibt viele kleine Seen, in denen nun die Seerosen blühen. Die Kinder haben ihre Freude am seltenen Nass und plantschen herum. Es werden Saltos ins Wasser gemacht und sich gegenseitig nassgespritzt. Die Erwachsenen stehen mit ihren Netzen im knietiefen Wasser und hoffen auf kleine Fische, um ihren kargen Speiseplan etwas zu erweitern.

Der Fluß Kunene ist schon 2km vorher übers Ufer getreten und hat alles überflutet. Der Kunene bildet die Grenze zu Namibia.
In der Ferne sehen wir das Tor und die Abfertigungsgebäude. Goodbye schönes ANGOLA!

 

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