MAROKKO

Jänner 2019

Die Einreise nach Marokko ist unproblematisch und geht relativ zügig voran, nur für das Zolldukument unseres Amigos müssen wir ein Weilchen warten, er bekommt eine 6monatige Aufenthaltsgenehmigung, während wir nur 3 Monate bleiben dürfen. Es ist schon spät und so verbringen wir die erste Nacht vor dem Hafengelände von Tanger Med. Frühmorgens werden wir von ungewohnten Lauten geweckt, der Muezzin ruft zum Gebet - ja wir sind in Marokko, auf dem afrikanischen Kontinent - Yiiippihhjea, nun kann das Abenteuer beginnen.
Aber vorerst geht alles sehr gesittet ab, wir fahren eine schöne 2spurige, von Palmen gesäumte Straße am Meer entlang in den Süden. In einer kleinen Ortschaft halten wir an - wir wollen eine Sim Karte kaufen, einen Bankomaten suchen und einige Lebensmittel einkaufen, bevor wir nach Chefchaouen fahren. Es ist der 31. Dezember - Silvester - und den wollen wir am Campingplatz oberhalb der Stadt verbringen.
Nach dem Essen sind wir sehr schnell müde, es war auch ein langer Tag. Wir beobachten die Zahlen auf der digitalen Uhr, die nach unserem Gefühl stehengeblieben zu sein scheint. Hier in Marokko haben wir 1 h weniger. Um 23.00 Uhr reicht es uns, wir nehmen nun einfach die mitteleuropäische Zeit, legen den Donauwalzer auf und tanzen in das neue Jahr. Prosit 2019!! Um Mitternacht, als ein paar einzelne Feuerwerkskörper gen Himmel geschossen werden, sind wir schon längst im Land der Träume.

Chefchaouen - warum sind wir eigentlich hier, wo Verena doch ihren Chef jeden Tag ansehen darf ;-)


Die Stadt wird auch blaue Stadt genannt, weil die Häuserfasaden blau-weiß gekalkt sind. Früher sollte es den bösen Blick abwenden, heutzutage wohl eher Touristen anziehen. Das funktioniert und sie kommen in Scharen, neuerdings vor allem chinesische. Es macht Spaß durch die engen Gassen zu schlendern, hinter jeder Ecke findet sich ein neues Fotomotiv. Nur etwas Geduld muss man haben, denn die chinesischen Frauen werfen sich in Pose und blockieren somit den kompletten Fotospot. Kein Foto ohne ihnen mit drauf, mal mit Jacke, mal ohne, dann sitzend oder stehend, alleine oder mit mehreren. Aber wir haben zum Glück Zeit genug und schauen uns die Fotosessions lächelnd an.
Am Hauptplatz trinken wir Tee mit frischer Minze, hören den Trommlern beim Musizieren zu, werden von sämtlichen Lokalbesitzern in die richtige Richtung, nämlich in die ihres Restaurants gewiesen, kaufen Fladenbrot, erfreuen uns an den netten Mäntelchen (Djellaba) der Männer und entdecken immer wieder eine neue Gasse in dieser sehr symphatischen Stadt.

Nach ein paar Tagen geht es weiter. Die Straße schlängelt sich durch das Rifgebirge. Die Olivenernte ist voll im Gange. Dafür wird eine große Kunststoffplane unter dem Baum gelegt, der stärkste Mann rüttelt und schüttelt und schlägt den Baum. Andere Helfer schlagen mit Stöcken auf die Zweige ein, damit die wertvollen Oliven auf den Boden fallen, wo sich nun die restliche Familie ans Einsammeln macht. Große Säcke voll mit Oliven stehen entlang der Straße und warten bis sie abgeholt werden. Manche schnüren die Säcke auf ihren Muli und trotten damit bis zur nächsten Ölmühle. Der Boden in diesen kleinen Mühlen ist schwarzlila gefärbt, am besten man betritt das Areal nur mit Gummistiefeln. Auch der Fluss, der darunter vorbeirinnt, ist dunkelviolett gefärbt. Nur noch selten sehen wir private Ölmühlen mit Mühlsteinen, die mit einem Esel betrieben werden, der ständig im Kreis laufen muss, um das Öl aus der Frucht zu quetschen.


Das Landschaftsbild ändert sich und neben uns befinden sich große Weizenfelder, am Straßenrand tauchen immer mehr Verkaufsbuden auf. Es werden extrem süße Mandarinen für ca. 0,20€ und wohlschmeckende Orangen für 0,40€/kg verkauft.

Die erste Nacht, in der wir frei stehen, bekommen wir am Abend Besuch von der Polizei: "for your security you should follow us to the police station for overnight." Wir denken nur, das fängt ja schon gut an. Sehr spät im Dunkeln fahren wir zurück zum Dorf, um dort auf dem Parkplatz neben der Polizeistation zu übernachten. Die Polizisten verschwinden hinter den dicken Mauern und legen sich vermutlich schlafen. Hier sind wir nun sicher?

 

Den Campingplatz in Meknes gibt es nicht mehr, also parken wir gleich neben dem Bab el Mansour Tor auf dem großen, vermüllten öffentlichen Parkplatz für 50,- Dirham die Nacht. Gleich am Nachmittag sind wir unterwegs in die Medina (Altstadt), um im engen Gassengewirr auf Erkundungstour zu gehen. Kaum betritt man das Eingangstor, glaubt man sich in einer anderen Epoche. Fliegende Händler bieten ihre Waren an, die Handwerker arbeiten noch immer wie es ihre Vorfahren ihnen gezeigt haben. Die einzelnen Viertel der Medina sind nach Berufsgruppen eingeteilt. Nur leider ist der allmähliche Verfall weit fortgeschritten, es bröckelt an allen Ecken und Enden. Eingestürzte Hauswände und zusammengebrochene Dächer sehen wir viele.


In der Markthalle türmen sich die, zu Kunstwerken aufgebauten Gewürztürme und Olivenberge, an denen man sich durchprobieren kann und viele leckere Süßigkeiten, die nur darauf warten, verzehrt zu werden.

Meknes ist eine der vier Königsstädte von Marokko. Im 17./18. Jhd. unter dem Alawidenherrscher Moulay Ismail erlebte die Stadt ihre Blütezeit. Der prunksüchtige Herrscher ließ mit Hilfe von Tausenden von Sklaven Gärten, Stadtmauern, Paläste, Getreidespeicher und Stallungen in gewaltigen Ausmaßen errichten. Heute verbergen sich hinter der mächtigen Stadtmauer, wo einst der Palast gestanden hat, Häuser und Wohnungen und zwar recht verwinkelt. Die Gasse führt links ums Eck, dann durch eine Wohnungsunterführung, es wird noch enger und dunkler, Sonnenlicht kommt kaum mehr rein, rechts führt die Gasse weiter - wir wissen schon lange nicht mehr, wo wir sind und plötzlich stehen wir vor einer Haustür in einer - Sackgasse. Also wieder retour und anstatt rechts, links in eine neue Gasse einbiegen. Wir brauchen eine geraume Zeit, bis wir wieder aus diesem Labyrinth rausfinden. Lustig war`s, den Postler haben wir drei oder viermal getroffen und beim letzten Mal hat er schon von weitem gegrüßt und gewunken, als ob wir hier wohnen würden.

Am Abend erwacht der Platz el Hedim so richtig zum Leben. Musikanten, Verkäufer, Gaukler und Fotografen, bei denen sich man mit ihren Affen, Straußen oder Schlangen ablichten kann, ziehen viele Menschen an, Touristen wie auch Einheimische. Das haben sich die Betreiber wahrscheinlich vom bekanntesten Markt Marokkos abgeschaut, dem Djamaa el Fna Platz in Marrakesch. Wir kaufen uns eine Tajine und ein Couscous und beobachten das bunte Treiben.

Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir einen Supermarkt am Stadtrand und machen uns danach auf die Suche nach einer Werkstatt. Wolfi hat beim Fahrerhauskippen entdeckt, dass der Halter einer Einspritzdüse locker ist. Um diesen festzuziehen, braucht es einen speziellen Schlüssel und den haben wir nicht. Eine vertrauenserweckende Werkstatt ist bald gefunden, der Schlüssel jedoch nicht. Schwupps - sitzen der Mechaniker und Wolfi schon im Auto des Garagisten und los geht´s durch die Stadt zu einigen anderen Werkstätten, die eventuell diesen Schlüssel haben könnten. So erfährt Wolfi nun, dass man in Marokko auch ohne Probleme den Kreisverkehr andersrum anfahren kann und nebenbei noch die Entgegenkommenden schimpfen darf... Mit dem Schlüssel und neuer Dichtung kommen die beiden zurück und das muntere Schrauben kann beginnen. Weil es gerade so gut läuft und der Mechaniker sehr sympathisch ist, soll er auch noch beide Vorderräder demontieren und die Bremsbeläge kontrollieren. Beim Bremsen ruckelt es. Die Beläge sind verglast und nun werden sie mit einem Schleifpapier angeschliffen und sauber gemacht. 2 Stunden später sind wir wieder unterwegs und die Bremsen ruckeln nicht mehr.

In den Bergen bei Azrou befindet sich der Zedernwald mit den Berberaffen. Wir stellen den Amigo beim Parkplatz ab und wandern durch den schönen Wald. Zuerst wähnen wir uns ganz alleine zu sein, später erst sehen wir die kleinen Äffchen mucksmäuschenstill auf den Ästen sitzen und uns beobachten. Als wir dann das alte Brot aus dem Rucksack holen, verlieren sie alle Scheu, kommen schnell näher und reißen uns die Brotreste förmlich aus der Hand. Die jungen Affen beobachten das alles nur, denn die Rangordnung wird vom Obermakker recht pfauchend verteidigt.
Berberaffen sind die einzigen Makaken, die nicht in Asien leben und sind vom Aussterben bedroht. Rund 10.000 soll es in dem Zedernwald noch geben. Als wir dann die Runde durch den Wald weiterwandern, kommen wir zur größten Zeder Marokkos, inzwischen ist sie tot aber immer noch sehr mächtig. Hier herrscht Jahrmarktsstimmung mit Souvenierständen und Restaurants. Für die Berberaffen sind wir guter Hoffnung, sie werden alle gefüttert und werden so schnell nicht aussterben.

Sobald die Sonne untergeht wird es anständig kalt, die Heizung läuft noch vor dem Schlafengehen und hat dann Pause bis zum nächsten Morgen. Minusgrade vor der Haustür, aber die Sonnenstrahlen locken uns aus den Federn. Heute wollen wir über mehrere Pässe fahren, die alle auf ca. 2.000m liegen. Die Landschaft wird karger, vereinzelt sieht man Ziegenherden und kleine Steinhäuser. In der Ferne erkennt man den hohen Atlas, der knapp schneebedeckt ist. Alle Schneesperren sind offen, weit und breit kein Schnee in Sicht. Wir haben einen Fahrtag vor uns, wir wollen in wärmere Gefilde.

Nach der Atlasüberquerung landen wir in der Wüste. Wenn man in Europa Wüste hört, denkt man automatisch an eine Sandwüste. Jedoch nur wenige Prozente der gesamten Wüsten unserer Erde sind wirklich Sandwüsten, meistens sind es Stein- und Geröllwüsten. Und in so einer befinden wir uns nun. Alles ist braun, staubig und voller Steine, nur rund um den Flußlauf, wo permanent oder auch nur zeitweise Wasser rinnt, ist es grün. Wasser macht Leben erst möglich. Die Menschen können die Felder bebauen, die sie vom Wüstenboden abringen, um sich von den Ernten ernähren zu können. Die ertragreichen Dattelpalmen spenden den benötigten Schatten für die diversen Feldfrüchte.
Wir parken am netten, kleinen Camping in Meski an der blauen Quelle. Eine überaus redefreudige deutsche Wohnmobilistin spricht Verena jedes Mal an, wenn sie zum Wasch- und Toilettenbereich möchte. Heute erzählt sie ihr, dass ihr kleines, über alles geliebtes Hündchen schon sehr alt ist und sie deswegen eine Tiefkühltruhe für das Wohnmobil gekauft hat. Denn falls den Hund das Zeitliche segnet, kann er tiefgefroren mit nach Hause genommen werden, um im eigenen Garten ein entsprechendes Grab zu bekommen...... Verena fehlen die Worte!
Gegenüber vom Camping liegt ein verfallenes Ksar, das wir uns genauer anschauen wollen. Zwischen dem verfallenen Mauerwerk streifen wir umher und stellen uns das Leben vor, welches hier früher herrschte. Zurück marschieren wir durch den Palmenwald und sehen den Menschen beim Bebauen der Äcker zu. Das ausgeklügelte Bewässerungssystem hat sich jahrhundertelang bewährt und wird von Menschenhand in die Richtung dirigiert, wo es gerade gebraucht wird. Die Frauen sind gerade am Weg von ihren Feldern zurück in die Häuser. Wir haben Mitleid mit den Eseln, die ohnehin schon eine schwere Last tragen müssen und dann obendrein die Frauen noch dazu.

In Erfoud kaufen wir am Markt Gemüse, Obst, Fladenbrot, Joghurt und Eier. Wir brauchen Internet, so besuchen wir eines von den vielen Cafes. Es scheint, dass der Wirt nicht so oft Besuch von Ausländern bekommt, denn nach mehrmaligen Nachfragen wie wir unseren Kaffee haben wollen, zittern seine Hände beim Servieren sehr und er verschüttet schon gut ein Drittel. Macht nichts, ist noch genug drinnen im Häferl. Dann verschwindet er für eine geraume Zeit auf der Toilette. Als Wolfi diesen einen Besuch abstattet, findet er den Kaffeehausbetreiber beim Klo putzen und gerade seinen Bodenfetzen auswringend. Dunkelschwarz rinnt das Wasser aus dem Waschbecken durch ein Rohr in den Toiletteraum und auf dessen Boden entlang ins Klo. Bei so hohen Besuch ist Kloputzen wieder mal drinnen - denken wir uns halt und schmunzeln. Der Kaffee war vorzüglich!!
Zum Schlafen fahren wir dann den Hausberg hoch. Auf halber Strecke finden wir ein nettes Platzerl mit schöner Aussicht auf das Tafilalet, welches früher wichtiges Karawanen- und Handelszentrum war. Das Tafilalet ist das größte zusammenhängende Oasengebiet Marokkos. Oben am Berg ist das Militär untergebracht, sie stören uns nicht und wir anscheinend sie nicht. Heute Nacht teilen wir uns die schöne Aussicht, besonders bei Sonnenuntergang.

Auf dem Weg zum Erg Chebbi biegen wir links ab und besuchen einen von den vielen Fossilienverkäufern. Vor Millionen von Jahren war ganz Nordafrika von einem Meer bedeckt und dessen Bewohner versanken nach dem Ableben im Schlamm. Die hiesigen Steinmetze legen nun die versteinerten Urkrebse, Skorpione, Kopffüssler und Nautilusse frei und bieten sie zum Verkauf an. Ob echt oder eine Fälschung können wir nicht beurteilen, wir beschränken uns aufs Schauen.

Bei den Sanddünen des Erg Chebbi finden wir ein nettes Platzerl zum Parken. Wir machen es uns auf unserer sandigen Terrasse mit Kaffee gemütlich, als wir Besuch von Fränzi & Tobi mit ihren Toyota Land Cruiser aus der Schweiz bekommen. Wir ratschen eine Zeitlang, dann machen sie sich auf zu ihrer Verabredung mit einem Kamel, respektive dessen Treiber. Sie haben eine Wüstentour auf dem Rücken der Kamele mit Übernächtigung in der Wüste gebucht.

Während sie durchgeschüttelt werden, erklimmen wir die Dünen in der Umgebung. 2 Schritte vor, ein halber zurück, es ist ganz schön anstrengend. Wolfi hat sein neu erstandenes Sandboard vulgo Serviertablett unter den Arm geklemmt. Mit dem wird er nun ganz elegant die Dünen heruntergleiten.....so zumindest der Plan ;-) Es kommt dann aber ganz anders, wir haben auf das waxeln vergessen. Ob auf dem Bauch, am Rücken oder stehend, das Board will sich einfach nicht schnell genug die Düne runterwärts bewegen.... Der ik.a verkauft aber auch nur Schrott, zumindest haben wir jetzt ein Serviertablett auf dem Wolfi seiner Verena nun das Frühstück ans Bett bringen kann.
Die Sonne verschwindet hinter der großen Düne und der Sand ist binnen Minuten so kalt, dass Verena förmlich die Dünen runterfliegt, ohne Board, aber auch ohne Schuhe.

 

Der Zeitsee in der Nähe von Merzouga hat gerade Wasser und Besuch von Flamingos. Diese wissen genau, dass die Touristen sie bewundern wollen, haben aber anscheinend keinen Bock darauf und verziehen sich auf die gegenüberliegende Uferseite des Sees und bleiben auch dort.

Tagsdrauf fahren auf die andere Seite des Ergs und staunen nicht schlecht, ein Wüstencamp reiht sich an das andere. Mindestens 10 solche Camps machen wir aus. Von dem kleinen Ort Merzouga aus, wo die Kamele mit den Touristen starten, queren sie den ganzen Erg und meinen sich mitten in der Wüste zu befinden, der Weg war schließlich weit. Das rund um den Erg eine Piste rein führt, werden sie wahrscheinlich nicht wissen. Die Versorgung mit Vorräten für die Camps muss ja schließlich gesichert sein. Ist aber auch egal, denn der schöne Sonnenuntergang und der gewaltige Sternenhimmel, welcher hier jede Nacht seine Vorstellung gibt, ist es allemal wert.

Wir haben eine Verabredung mit Fränzi & Tobi, gemeinsam wollen wir die südliche Piste nach Zagora fahren. Am Anfang der Piste kommen uns noch ein paar schwer beladene Lkws mit Steinen entgegen, hier wir Baryt abgebaut. Dann sind wir fast alleine, nur ganz wenige andere Offroader sind unterwegs. Wellblech wechselt sich mit steinigen und sandigen Passagen ab. Vorbei an trockenen Brunnen, an Kamelen die sich gerade an den Akazien erfreuen, in der Ferne Sanddünen und Berge. Straßenschilder zeigen uns den Weg zur nächsten Auberge. Große, wunderschön gebaute Hotels zum Übernachten, mitten im NIX. Danke, brauchen wir nicht, wir haben unser eigenes Haus mit. Und wir bevorzugen Plätze, wo wir alleine sind. Aber für die vielen Touristen, die hier in den Geländewägen durchgekarrt werden, muss ab und zu eine Teepause drinnen sein und schlafen will man schließlich auch irgendwo.

"Dort oben da leuchten die Sterne, hier unten da leuchtet - unser Feuer." Sobald die Sonne untergeht ist es kalt und bis zum Morgen haben wir wieder Minusgrade. Nachmittags können wir dann in T-Shirts rumlaufen. Abends wärmt das Lagerfeuer uns vorne und hinten die Schaffelle.

Am dritten Tag erreichen wir die Checkposts der marokkanischen Armee, denn die algerische Grenze ist nur 10km entfernt. Die Piste führt über 2 holprige Bergkämme und bald haben wir die Asphaltstraße nach Zagora erreicht.
Kurz davor neben einer kleinen Ortschaft pumpen wir wieder Luft in die Reifen. Schon von weiten werden wir von den Kindern gesehen. Und sie beginnen sofort zu Laufen, um uns ja rechtzeitig zu erreichen. Wir könnten doch einen Kugelschreiber, Bonbons oder gar Geld für sie haben. Leider wird in ganz Marokko sehr viel gebettelt. Nicht nur von Kindern, auch die Erwachsenen probieren ihr Glück bei den Touristen.

In Zagora gibt es gleich 6 Campingplätze und jeder macht sein Geschäft. Marokko ist ja unter den Wohnmobilisten als Winterquartier sehr bekannt geworden und es sind wirklich sehr viele hier. Das deutsch/französische Pärchen, das wir unterwegs auf der Piste angetroffen haben, findet sich auch am Camping ein, so dass es wirklich eine sehr gemütliche Runde ist und wir hier fast eine Woche hängen bleiben.


Mittwochs und Sonntags ist Berbermarkt. Es ist die Gelegenheit, frisches Gemüse und Obst einzukaufen, Waschmittel, vielleicht einen neuen Druckkochtopf oder eine neue Matratze? "Wolfi was sagst du zu den Eselpacktaschen, diese könnte ich doch auf mein Fahrrad schnallen und meine Einkäufe darin verstauen oder mit der Wäsche zur Wäscherei fahren?" "Sicherlich, bloß kauf dir nur keinen Esel mit dazu!" Lebendvieh brauchen wir auch nicht, aber beim Dattelmarkt außerhalb des Geländes schlagen wir zu. Die Dattel - das Brot des Mannes der Wüste, kalorienreich, gesund und köstlich.

Für den Sonnenuntergang wandern wir die Serpentinen hoch zum Djabal Zagora.

52 Tage haben die Karawanen früher von Zagora bis nach Timbouktou in Mali gebraucht. Sklaven und Gold wurde aus Schwarzafrika nach Europa transportiert. Von einer Oase ging es zur anderen, damit Mensch und Tier immer genügend Wasser zum Trinken bekam. Heutzutage braucht man mit dem Auto nur noch wenige Tage, wenn man sich nicht einsandet. Mit dem Rad würden wir wahrscheinlich auch noch die 52 Tage brauchen, oder vielleicht sogar noch länger!

Heute sind wir mit dem Fahrrad in den Oasengärten unterwegs. Nur noch wenige Kilometer bis zum Campingplatz, als ein Feuerwehrauto mit Sirene und Blaulicht an uns vorbeirast. Keine schlechten Gedanken. Stattdessen fahren wir in die Stadt zur Markthalle und noch zur Pattisserie um Kuchen für uns und unsere Nachbarn zu kaufen. Als wir dann endlich am Platz eintreffen, kommen wir fast nicht hinein. Mitten in der Einfahrt steht das Feuerwehrauto, den dicken Wasserschlauch über den Boden ausgelegt zur Gasse hinter der Parzelle vom Campingplatz. Alle Autos am Camping, die nahe an der Umfriedung standen, haben sich in Sicherheit gebracht, außer unser Amigo und dahinter noch der schweizer Toyota, die stehen noch so wie vorher. Der Brand ist inzwischen gelöscht, wir sehen nur noch die 6 verkohlten Palmen am Nachbargrund. Ca. 10m entfernt, 2 Lehmmauern dazwischen hat das Feuer gewütet, von einer Palme zur anderen. Wahrscheinlich hat der Nachbar seinen Müll angezündet und das Feuer dürfte dabei außer Kontrolle geraten sein, hier ist alles staubtrocken. Zum Glück ist nichts passiert!!!!!!!!

Die Zeit zum Abschied ist gekommen. Die Schweizer wollen noch weiter in den Süden, wir wollen vorerst wieder in den Norden, durch das Draa Tal nach Ouarzazate. Wir fahren an vielen verfallenen Ksour und wiederaufgebauten Kasbahs vorbei. In Tamnougalte sollte die älteste Kasbah in einem Ksar stehen. Ein Ksar ist ein wehrhaft bewohntes Dorf, das aus mehreren, teilweise ineinander verschachtelten Wohnburgen oder Kasbahs bestehen kann. Mit dem Guide, der den Schlüssel für das Wohnhaus in seiner Tasche hat und einer Taschenlampe ausgestattet, streifen wir durch die dunklen Gänge. Die Kasbash ist mehrstöckig, der Innenhof in der Mitte offen. Von den Veranden gehen die Zimmer weg, wo geschlafen, gekocht und gelebt wurde. Über eine enge Stufe gelangt man auf die Terrasse, von wo man einen herrlichen Blick über die Palmengärten hat. Teilweise werden die Kasbash wieder renoviert, die Decken aus Palmen- und Tamariskenholz, manchesmal reich verziert.
Heute lebt keiner mehr in diesem Ksar. Die Menschen haben daneben ein neues, modernes Dorf gebaut aus Beton und Ziegel. Weit weniger Arbeit, denn der Lehmverputz musste nach jedem großen Regen ausgebessert werden. So schön diese Dörfer aussehen, so viel Arbeit machen sie auch.

Durch bizarr geformte Felsformationen in grün, rot, violett und braun fahren wir zur Cascade Tizgui. Nur Felsen und Stein, Geröll und Schotter - wo sollte da Wasser sein? Vom Parkplatz aus geht es einige Stufen runter und tatsächlich, man meint im Paradies zu sein. Hier wird einem bewusst, wie wichtig das Wasser zum Leben ist. In dieser Felsspalte sprudelt ein kleiner Wasserfall in ein Bassin. Dort wo das Wasser rinnt, ist Leben. Neben der Palme sind Oleanderbüsche und andere Vegetation möglich, sogar der Felsen ist mit moosigen Bezug überzogen. Omar, der selbsternannte Hüter des Wasserfalls, ist dem schon sehr ähnlich, denn die Worte sprudeln nur so aus ihm raus, ohne Punkt und Komma. Das Verena nicht mal die Hälfte versteht, ist ihm völlig wurscht. Er serviert uns Tee und Fleischspießerl mit Brot und wir lauschen seiner Familiengeschichte, die er zum Besten gibt oder ist es nur ein Auszug aus 1001er Nacht?

Ouarzazate - das Mollywood Marokkos. Hier befinden sich die Atlas Filmstudios, viele sehr bekannte Filme wurden hier gedreht. Wir sind nicht so sehr an den Studios interessiert, als an der Stadt. Auf dem Weg dorthin, gehen wir an vielen bunt gekleideten Frauen vorbei, große Trommeln stehen beim Eingang, da warten wir mal ein bißchen, was sich da tut. Im Innenhof der Kasbah fangen die Männer mit Schlauchstücken auf ihren großen Trommeln an zu schlagen, außen herum stehen die glitzernden Frauen und singen - es klingt schon sehr afrikanisch.


Wir wollen zur palmengesäumten Fußgängerzone, die sich dann aber eher als Enttäuschung rausstellt. Noch dazu ist heute Markttag, neue und gebrauchte Klamotten werden von fliegenden Händlern angeboten und viele Einheimische wühlen an den Klamottenhaufen. Wir sehen uns lieber die Babuschen (typische Lederschuhe) und ihr Tajineformen an. Tajine ist so wie bei uns das Wiener Schnitzel, typisch marrokanisch. Meist besteht es aus Fleisch und Gemüse, Oliven und Datteln, das gemeinsam geschmort wird.

Ait Benhaddou ist wohl das bekanntest aus Stampflehm errichtete Ksar. Nicht nur weil es mit Hilfe des UNESCO Weltkulturerbe-Fonds wieder teilweise aufgebaut und restauriert wird, sondern weil hier auch große Kinofilme, wie unter anderem "Gladiator", "Prince of Persia" oder "Königreich der Himmel" gedreht worden sind. Von ganz oben hat man einen herrlichen Blick auf das Flusstal.

Morgen fahren wir im Antiatlas weiter nach Westen in die außergewöhnliche Landschaft von Tafraoute, mehr dazu beim nächsten Mal.

 

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